Isle of Man Classic TT 2018 – Das große Abenteuer

Isle of Man Classic TT 2018 Gus Kuhn BMW

Jeder hartgesottene Motorradfahrer möchte einmal bei den Rennen auf der Isle of Man dabei sein. Classic Trader war aber nicht nur dabei, sondern mittendrin und begleitete den ersten Start von PREMIUMMOTORRAD bei der Isle of Man Classic TT 2018 auf der sagenumwobenen Insel.

Um es vorweg zu nehmen: Es ist noch verrückter, als es in den zahlreichen Youtube-Filmen vermittelt wird, aber auch ganz anders. In jedem Fall aber ist die Isle of Man eine Reise wert, welche aber durch die limitierten Fährverbindungen rechtzeitig geplant werden muss, genaugenommen möglichst gleich, um seine Wunschzeiten für 2019 noch zu bekommen.

PREMIUMMOTORRAD wurde erst im März dieses Jahres eingeladen, sich für die Teilnahme an der Classic TT Lap of Honour bewerben zu dürfen. Schon diese Aufforderung vom TT Development Office, Department for Enterprise ist eine Auszeichnung und machte sofort neugierig. Dann ging alles Schlag auf Schlag: Zwei langjährige Motorrad-Freunde wollten auch teilnehmen und hatten bereits im Vorjahr die Fähren vorsorglich gebucht und erklärten sich bereit, unser Motorrad mitzunehmen; die aufwendige Online-Nennung musste bis zum 9. April 2018 erfolgt sein – und schließlich wählte bis Anfang Juni ein Komitee die zugelassenen Fahrer-Fahrzeug-Paarungen aus.
Die seltene Gus-Kuhn BMW aus dem Fundus von PREMIUMMOTORRAD wurde für die Isle of Man Classic TT 2018 nominiert. Der Charme, dass ein deutsches Team mit einem deutschen Motorrad, welches in England als Rennmaschine aufgebaut wurde, hatte überzeugt.

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Die Maschine bei der Isle of Man Classic TT 2018

Die erste Testfahrt mit dem 1973 in der Schmiede des damaligen BMW-Händlers und Motorsport-Spezialisten Gus Kuhn in London gebauten Boxers erfolgte dann gleich im Rahmen des Classic Racer Festivals im Autodrome de Linas-Montlhéry am 23. Juni 2018. Erhebliche Kupplungsprobleme stoppten die Gus Kuhn bereits in der ersten Runde. BMW-Spezialist Anton Ücker in Bad Hindelang schaffte Abhilfe und optimierte auch gleich noch die Bremsanlage englischer Herkunft. Alle anderen Arbeiten erfolgten in der Motorworld Region Stuttgart. Die finalen Testfahrten auf dem Hockenheimring Ende Juli verliefen letztendlich problemlos.

Vorbereitung ist alles bei der Isle of Man Classic TT 2018

Die mentalen Vorbereitungen waren auch nicht zu unterschätzen. Die Meldungen über die beiden tödlichen Unfälle des Holländers Dan Kneen und des Schotten Adam Lyon bei der aktuellen TT im Juni 2018 stellten die Sinnhaftigkeit des Projektes nochmals auf den Prüfstand. Mit Hans-Joachim Deiss war aber einen erfahrenen Fahrer im Boot, der sich unter anderem im Boxer-Cup seine Sporen verdient hatte. Das Abenteuer konnte beginnen.

Die technische Abnahme am 24. August 2018 setzte ebenfalls Maßstäbe: Die Kommissare beschäftigten sich fast eine halbe Stunde mit jedem Motorrad und aber auch mit dem Renn-Equipment. Selbst die Handschuhe wurden gecheckt. Alles musste passen. Und auch bei der Fahrerbesprechung wurde schnell deutlich: Hier steht die theoretische Sicherheit im Vordergrund. Die rund 61 Kilometer pro Runde auf der Stecke bergen genug Gefahren in sich, auch bei der Lap of Honour, welche als Museumslauf gedacht war.

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Als diese Regularien erfüllt waren, kam die Enttäuschung: Alle Teilnehmerfahrzeuge wurden wieder verladen. Es gab keine Präsentationsmöglichkeit, kein gemeinsames Zelt oder Areal als Treffpunkt von Gleichgesinnten und zum Austausch von Erfahrungen. Es gab in den beiden Folgetagen zwar ausreichend andere Programmpunkte, aber das eigene Motorrad spielte erst wieder am Montag, den 27. August 2018 eine Rolle, kurz vor dem Start.

Den Samstag verbrachte das PREMIUMMOTORRAD-Team auf der Strecke, um den souveränen Sieg von Altmeister John McGuiness (23 TT-Siege) bei der Senior Classic TT auf der 500er Paton zu erleben. Gleich im Anschluss daran schwang sich der 23-Fache TT-Sieger auf die originale Ducati 900, mit der Mike Hailwood vor 40 Jahren die TT gewann und drehte noch eine Demonstrationsrunde über die 37,73 Meilen, mit einer Leichtigkeit, wie wenn andere täglich zur Arbeit fahren.

Spannend waren natürlich auch die Trainingsläufe der RST Superbike Classic TT Race, bei der es den Jungstar Dean Harisson sowie Horst Saiger und Conor Cummins zu erleben gab. Cummins brach übrigens gleich nach seinem dritten Platz im Rennen am Montag nach Stuttgart auf, um am Caféracer Festival „Glemseck 101“ teilzunehmen.

Isle of Man Classic TT 2018 – Dem Wetter ausgeliefert

Am Sonntag war das Wetter schließlich so schlecht, dass der geplante „Mad Sunday“ im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fiel. Das wäre auch der gefährlichste Tag auf dem Mountain Course geworden. Es werden dazu nämlich weite Streckenabschnitte zur Einbahn-Straße erklärt und bleiben trotzdem für den öffentlichen Straßenverkehr geöffnet. Ist das eine Lizenz zum Rasen?

Das Team besuchte an diesem Sonntag das Motorrad-Festival auf dem Fluggelände von Jerby, wo auch ein relativ schneller Rundkurs abgesteckt war. Das Treiben der Enthusiasten im Fahrerlager zu beobachten, war wieder einmal eine wahre Freude und war zugegebenermaßen deutlich spannender als im TT-Fahrerlager. Und wem es im Laufe der Zeit zu nass wurde, konnte im angrenzenden Isle of Man Motor Museum verweilen und sich von Larren, dem Sohn des Besitzers, die besonderen Exponate erklären lassen. Dort dürfte beispielsweise wohl die größte Sammlung an amerikanischen „Flower Cars“ stehen. Ansonsten bot sich der verregnete Sonntag an, um ein paar Sehenswürdigkeiten aufzusuchen oder einfach nur die vielen Motorräder entlang der Strecke zu genießen. Wo sonst sieht man Vincent und Velocette im normalen Straßenverkehr, bei Regen wohlgemerkt?

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Überhaupt dominiert das Wetter dominiert die ganze Isle of Man Classic TT 2018. Bei Nässe wird die Strecke nicht geöffnet, was zu erheblichen Verzögerungen im Zeitplan führen kann. Besonders kritisch ist die Bergpassage in Richtung Snaefell. Dort ist der Nebel oftmals so dicht, wie wenn jemand eine Käseglocke übergestülpt hätte. Dann kann auch kein Rettungshubschrauber fliegen. In diesem Fall bleibt die Strecke ebenfalls geschlossen.
Diese Situation führt an Montag, als unter anderem die Lap of Honour geplant war, zu großer Anspannung. Um 9.30 Uhr sollte die Strecke gesperrt werden, aber es regnete noch. Wir waren um 16.10 eingeplant und wurden immer weiter nach hinten verschoben. Zuletzt gab es einen Zeitplan, auf dem wir um 19.45 Uhr standen. Dann munkelte man, dass der Sonderlauf auf den Folgetag verschoben wird, was aufgrund der längst gebuchten Flüge fatal gewesen wäre. Und plötzlich sickerte durch: Die Strecke wird um 14.30 Uhr geschlossen und um 15.00 Uhr startete die Lap of Honour. Hektik machte sich breit und wir machten die Gus Kuhn in wenigen Minuten startklar.

Auch er Start war chaotisch. Die Reihenfolge der Startnummern wurden nicht eingehalten. Unser Fahrer Hajo blieb ruhig und preschte los, im Gefälle die lange Gerade hinunter Richtung Crosby, wo die 90 Grad Rechtskurve wartete. Ewig hallte der Boxer-Sound nach. Nun konnten nur noch die Daumen gedrückt werden – mit Erfolg. Hajo kam mit einem breiten Grinsen zurück und erläuterte glücklich: „Es ist alles noch viel unglaublicher, als gedacht. Die holprigen Straßen, die vielen Gefahren am Straßenrand, Dohlen auf der Ideallinie und sogar starke Windböen bei der Passüberquerung. Alles, was ich bisher auf Rennstrecken absolviert habe, war ein Kindergeburtstag dagegen.“

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Text Tobias Aichele Fotos Solitude GmbH

Autor: Classic Trader

Die Classic Trader Redaktion besteht aus Oldtimer-Enthusiasten, die Euch mit spannenden Geschichten versorgen. Kaufberatungen, unsere Traum Klassiker, Händlerportraits und Erfahrungsberichte von Messen, Rallyes und Events. #drivenbydesire

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