Ausmotten – Saisonstart mit Sorgfalt & Sicherheit

Ausmotten (4)

Die Tage werden länger, die Niederschläge weniger, es wird langsam Zeit, die Tage wieder im Freien zu verbringen. Frühling bedeutet aber auch für viele das Ausmotten des Klassikers und den Start in eine neue Saison.

Damit das Jahr unkompliziert und pannenfrei beginnt, gilt es einige Dinge zu beachten. Reinsetzen, Schlüssel umdrehen und losfahren, das wäre wohl ein wünschenswerter Beginn ins neue Jahr. Die Realität ist aber eine andere.

Was für die Fahrerin oder den Fahrer gut und bequem ist, muss es aber nicht zwangsläufig für das Fahrzeug sein. Möglicherweise steht der geschätzte Klassiker schon seit mehreren Wintermonaten unbewegt auf zwei oder vier Rädern in der Garage, da sollte man dem betagten Blech schon etwas Zuwendung gönnen und ihm zugestehen, dass man das Auto oder Motorrad erst Ausmotten muss und es den Winterschlaf etwas aus den Kleidern schütteln muss.

Ausmotten – Augen auf vor dem Einsteigen

Zum Start erstmal eine ausgiebige Sichtprüfung am und um das Fahrzeug. Gibt es neue Flecken auf dem Boden, die auf Flüssigkeitsverlust hindeuten? Wie sehen die Reifen aus, gibt es Risse? Den Luftdruck kann man bei der Gelegenheit oder spätestens bei der nächsten Station an der Tankstelle gleich mit überprüfen.

Wenn Sie gerade ums Auto laufen und es nicht ohnehin nicht schon aus dem Stand wissen, schauen Sie doch mal rasch auf die Plakette auf dem Kennzeichen. Sind wieder Haupt- und Abgasuntersuchung fällig? Wenn es ansteht oder gar schon über den Winter abgelaufen ist, ab zu GTÜ, Dekra, TÜV oder der Prüfgesellschaft Ihrer Wahl.

Nun geht der Blick unter die Haube: Im Motorraum prüfen wir den Pegel von Kühl- und Bremsflüssigkeit, schauen nach dem Hydrauliköl für die Servolenkung, Wischwasser und natürlich dem Motoröl. Vor oder spätestens nach dem Winterschlaf empfiehlt sich ein Ölwechsel. Leitungen, Schläuche und Kabel untersuchen wir auf Dichtheit und Bissspuren, den Keilriemen auf festen Sitz.

Ausmotten Frostschutz (2)

Ausmotten – Gut investierte Zeit in der Garage

Nun kann man eigentlich die Batterie anschließen und bestenfalls nach wenigen Versuchen starten. Wer die nötige Zeit mitbringt und ohnehin seinem Auto etwas Gutes tun möchte, dem sei ans Herz gelegt, ruhig noch etwas mehr Zeit in der Garage zu verbringen.

Also zurück zum Motorraum. Zündkerzen, Sicherungen und Luftfilter vertragen auch einen prüfenden Blick. Sollte beim Herausschrauben der Zündkerzen Verrußungen zu sehen sein, diese bitte nur mit einer weichen Messingbürste entfernen. Brauner Belag ist unbedenklich.

Bei den Sicherungen genügt, die Unversehrtheit zu prüfen und gegebenenfalls deren Kontakte zu polieren. Beim Luftfilter sollte man nachsehen, ob er sauber ist und bei sämtlichen Kontakten, ob Feuchtigkeit eingedrungen ist.

Nachdem technisch soweit in Ordnung aussieht, können wir uns beim Ausmotten der Pflege der Karosserie und des Innenraums widmen. Gelenke, Scharniere und Wellen, aber auch die Antenne können etwas Fett oder Öl vertragen. Auch die Türdichtungen sollten Pflege erfahren.

Gönnen Sie dem Lack eine gründliche Wäsche. Im Laufe der Standzeit wird sich allerlei Staub und Schmutz auf das Kleid gelegt haben. Im Anschluss freut sich der Lack über einer Wachspolitur, was im Übrigen auch den strahlenden Auftritt bei der ersten Ausfahrt unterstützt.

Die Kunststoffe im Innenraum brauchen auch reichlich Pflege, gerade wenn sie direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Beim Cockpit also nicht mit Tiefenpfleger geizen. Sollten Sie Ledersitze haben und diese pflegen wollen, vergessen Sie bitte die Reinigung zuvor nicht.

Ausmotten Batterie (1)

Ausmotten – Der erste Startversuch

Nun kann es ans Starten gehen. Da das Motoröl über eine längere Standzeit in die Ölwanne abläuft, sollte man zunächst Öldruck aufbauen. Bei einem Dieselmotor sollte man direkt ohne Vorglühen starten. Durch das längere „Orgeln“ des Anlassers wird das Öl vor dem Start besser im Motorraum verteilt. Bei Benzinern kann man das Zündspulenkabel abziehen und den Anlasser orgeln lassen, bis die Ölkontrollleuchte erlischt. Viele vertrauen aber nicht ganz zu Unrecht darauf, dass der Wagen ohnehin nicht beim ersten Schlüsseldreh anspringt und der Druck einfach auf diesem Weg aufgebaut wird. Wenn man sich wohler fühlen möchte, kann man auch einen kleinen Schuss Öl auf die Nockenwelle geben.

Da nun alles grob gecheckt wurde, der Motor hoffentlich rund läuft und der Wagen rollt, kann einer Ausfahrt nichts im Wege stehen. Bitte beachten Sie, dass sich auf den Bremsscheiben oder in den Bremstrommeln Flugrost gebildet haben kann, der sich erstmal abschleifen muss. Daher kann der Anhalteweg bei der ersten Bremsung durchaus länger sein. Ansonsten mit Augenmaß den Motor warmfahren, bis Kühlwasser und Öl auf Temperatur sind sowie die Batterie wieder voll da ist. Dann kann man auch mal rechts ranfahren und den Reifendruck justieren, wenn es nicht schon vor dem Start geschehen ist. Wenn bei der Ausfahrt keine weiteren offensichtlichen Mängel zu Tage getreten sind, steht einem bewegten Frühling auf vier oder zwei Rädern eigentlich nichts mehr im Wege. Ansonsten empfiehlt sich der Besuch in der Fachwerkstatt Ihres Vertrauens, damit Ihr Klassiker dort den nötigen Schliff für eine erfüllte und störungsfreie Saison bekommt.

Ausmotten (6)

Ausmotten – Motorrad-Tipps

Diese Tipps rund um Batterie, Motor, Bremsen sind natürlich auch für Motorradfahrerinnen und -fahrer relevant. Ergänzend sollten Zweiradfreunde die Kette sorgfältig reinigen, fetten, unter die Lupe nehmen und justieren. Wenn sie sich bei der Begutachtung vom Kettenrad abheben lässt oder an Ritzel und Kettenrad sogenannte Haifischzähne zu sehen sind, ist ein Austausch der Kette zwingend geboten. Auch der Kettendurchhang muss kontrolliert werden, bestenfalls gleich mit dem Sozius. Einer sitzt im Sattel und federt beherzt das Fahrzeug ein. Das untere Kettentrum sollte noch genug Durchhang aufweisen und darf nicht spannen, sonst werden Ritzel und Getriebeausgangswelle belastet.

Was für Autofahrer vielleicht nur ein stilistisches Detail ist, kann für Motorradfahrer lebensrettend sein: Die Bekleidung. Also ruhig streng Lederkombi und Helm prüfen. Wenn irgendetwas nicht mehr korrekt passt oder schadhaft ist, sollte man sich der Sache annehmen. Die Lederkombi kann mal bei Figurschwankungen meist recht unkompliziert und kostengünstig in der Änderungsschneiderei anpassen lassen.

Bei Rissen in Handschuhen lohnt sich wiederum Ersatz. Sitz des Helms sowie Durchblick und Funktionalität des Visiers sollten auch tadellos sein. Ihr Hygienebedürfnis wird es Ihnen außerdem danken, wenn Sie das Futter reinigen.

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Fotos Classic Trader, GTÜ

Autor: Paolo Ollig

Paolo Ollig schreibt als Chefredakteur regelmäßig über alle Raritäten und Meilensteine der Automobil- und Motorrad-Geschichte. Traum-Klassiker: Lamborghini Countach und Mercedes-Benz 300 SL. Eigener Klassiker: Mercedes-Benz 230 CE (W123) von 1981.

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