Porsche 911 F-Modell: Der Beginn einer neuen Zeitrechnung

Porsche 911 F-Modell

911 – Drei Zahlen sorgen bei vielen Sportwagenfreunden seit 1964 für Schnappatmung. Aber auch losgelöst vom hohen emotionalen Faktor, den die Sportwagen aus Zuffenhausen auslösen, gelang der Marke mit dem Porsche 911 F-Modell ein großer Wurf, der bis heute Bestand hat.

Porsche 911 – Vom weißen Blatt Papier auf die IAA

In den 1960er Jahren wurden in Porsches wichtigem US-Absatzmarkt immer strengere Abgas- und Sicherheitsgesetzen eingeführt. Es war unklar, ob eine Cabriolet-Variante des 356-Nachfolgemodells 911 zulassungsfähig sein würde.

Ein neuer Wagen sollte her, innovativ, sportlich und charmant, aber ganz deutlich in Form und Habitus als Porsche erkennbar. Erwin Kommenda, Leiter der Karosseriekonstruktionsabteilung, und Ferdinand Alexander „Butzi“ Porsche wurden beauftragt, auf einem weißen Blatt Papier ein Auto für die kommenden Jahrzehnte zu schaffen.

Butzis Entwurf gewann das Rennen wegen des deutlich ausgeprägteren Wiedererkennungswertes als „echter“ Porsche und legitimer Nachfolger des 356.

1963 war es schließlich auf der IAA in Frankfurt am Main soweit, der neue Porsche wurde präsentiert. Wie geneigte Porsche-Aficionados wissen, damals unter der eigentlich angedachten Bezeichnung 901.

Allerdings hob Wettbewerber Peugeot ziemlich schnell die Hand und verwies auf ihren rechtlichen Schutz von PKW-Namen, die aus drei Zahlen mit einer mittigen 0 bestehen. Und so hieß der Wagen schon zum offiziellen Marktstart 911.

Die bis Herbst 1964 produzierten 82 Exemplare des 901 waren allerdings schon verkauft und sind heute umso mehr gesuchte und teure Sammlerstücke. Die Geschichte des Scheunenfunds aus dem Jahr 2014, der heute perfekt restauriert im Porsche Museum steht, machte große Schlagzeilen.

Der Tradition verpflichtet, der Zukunft zugewandt

In vielen Bereichen führte das Porsche 911 F-Modell Traditionen des 356 weiter, ging aber seine eigenen, neuen Wege. Die Karosserie wurde länger, aber schmaler. Die Fensterflächen sowie der Kofferraum wurden größer, was den Alltagswert steigerte.

Beim Antrieb setzte man auf die bewährte Anordnung des luftgekühlten Boxermotors im Heck. Der Vierzylinder war wirtschaftlich nicht mehr vertretbar weiterzuentwickeln und ohnehin hatte der Einsatz eines größeren Motors mit höherer Leistung und besserer Laufruhe fast nur Vorteile.

Die später Urmodell oder F-Modell genannte 911-Baureihe gab es zunächst nur als Coupé, dessen 1991 cm3 großer Sechszylinder 96 kW/130 PS erzeugte. In der Folge brachte Porsche in Abgrenzung nach oben die L- und S-Version mit mehr Leistung sowie die T-Version nach unten mit 81 kW/110 PS und Viergang-Schaltung anstelle der fünf Gänge wie in den anderen Modellen auf den Markt.

In zwei Modellpflegen 1970 sowie 1972 stieg der Hubraum auf 2,2 und 2,4 Liter an. Ein Sonderrolle nimmt der Carrera RS 2.7 ein, der 1973 zunächst zu Homologationszwecken für den Rennsport auf den Markt kam.

Die offene Targa Version des PORSCHE 911 f-modells ist bis heute beliebt

Ab 1967 bot Porsche auch eine offene Version des F-Modells an. Wegen Sicherheitsbestimmungen war eine reine Cabriolet-Version nicht umsetzbar, daher wurde das „Targa“ genannte Sicherheitscabriolet mit fest montiertem Überrollbügel und herausnehmbarem Faltdach gebaut.

Diese Variante findet sich bis heute im Porsche-Portfolio wieder, trotz des ab dem G-Modell auch erhältlichen Voll-Cabriolets.

Im Grunde ist sich Porsche stets treu geblieben. Vom 356 über das 911 F-Modell bis zu aktuellen Modellen erkennt man einen Porsche an Form, Klang und Stil recht leicht. Gerade weil die „Urform“ 1964 manifestiert wurde, üben die frühen Ur- oder F-Modelle einen besonderen Reiz auf eine potentielle Käuferschaft aus.

 

Tipps zum Kauf eines Porsche 911 F-Modells

So wie bei jedem anderen klassischen Fahrzeug gibt es zahlreiche Pluspunkte des Ur-Elfers, aber auch Dinge, die besonderer Beobachtung bedürfen. Oftmals hilft es, einen ausgewiesenen Fachmann zu Rate zu ziehen, um einen wahren Schatz von einem Blender unterscheiden zu können.

Für erste Ratschläge finden wir wertvolle Hinweise bei einem Porsche-Mann durch und durch. Seit mehr als 35 leitet Thomas Lundt sein Familienunternehmen in Berlin und hat sich dabei nicht nur lokal einen Namen gemacht.

Vor einigen Jahren machte beispielsweise seine zweijährige Restaurierung eines Carrera RS 2.7 aus dem Jahr 1973 weltweit Schlagzeilen. Aus einem der letzten produzierten RS, der in allen relevanten Teilen Nummerngleichheit auswies, stellte er ein Auto auf die Straße, das strenggenommen noch besser dastand, als er seinerzeit in Zuffenhausen vom Band rollte.

Wenn man solch einen ausgesprochenen Porsche-Experten fragt, worauf man den genauer achten sollte, nimmt er einem recht schnell die Hoffnung, dass man innerhalb weniger Zeilen eines Artikels oder ein paar Wochen Beschäftigung mit der Materie selbst die versteckten Tücken kennt.

„Mögliche Fallen stecken hinter der Fassade. So schön und harmonisch ein Porsche 911 F-Modell auch nach außen wirken kann, nur wenn man die Möglichkeit hat, auch tatsächlich und im übertragenen Sinne hinter die Fassade zu schauen, kann man den wahren Kern des Exemplars erkennen“, sagt Thomas Lundt.

Daher empfiehlt er, stets einen Experten zu Rate zu ziehen. Aber da macht er Hoffnung, es gäbe viele kompetente Leute, die sich seit vielen Jahren mit den Modellen aus Zuffenhausen beschäftigt haben und mögliche Mängel schnell aufdecken können. Ebenso sei als erster Schritt schon ratsam, den Anbieter in Augenschein zu nehmen.

„Es gibt etliche faire, kompetente und fachkundige Händler. Wenn sie einen vertrauenswürdigen Anbieter als Verkäufer vor sich haben, ist das schon die halbe Miete auch ein entsprechend vertrauenswürdiges Exemplar angeboten zu bekommen.“

Bei der Karosserie des Porsche 911 F-Modells lohnt sich ein genauer Blick

Auch wenn, wie Thomas Lundt betont, selbst eine noch so detaillierte Kaufberatung nicht in Gänze alles relevanten Punkte abdecken kann, so gibt Klassische Details beim F-Modell, von der Gurtschnalle bis zum Lüftungsgitter.

Was die Karosserie angeht, sollte man penibel auf Rost achten. Auch wenn die meisten F-Modelle auf dem Markt als Liebhaberfahrzeuge sicher über die Jahre gut gepflegt oder auch restauriert worden sind, bleiben sie Kinder der korrosionsschutzlosen Zeit.

So sollte man auch bei restaurierten Exemplaren genau schauen, wie sorgfältig die Arbeiten durchgeführt wurden. Vor allem der Bereich des Vorderwagens um die Kotflügel, Stehbleche und die Reserveradmulde kann betroffen sein. Aber auch die hinteren Radläufe und das Tragrohr, das die hinteren Achsaufhängungen aufnimmt, können ein Rostherd sein.

Was sich bei solch einem Sportwagen sicher auch empfiehlt, ist gewissenhaft nach möglichen Unfallspuren zu schauen. Stauchungen und Risse können später zu einem bösen Erwachen führen.

Die Technik ist eigentlich kein Hexenwerk“, sagt Thomas Lundt. „Aber sollte mal was instand zu setzen sein, wird das leider ziemlich teuer, gerade bei den frühen Porsche-Modellen.

Daher genau schauen, auf Experten vertrauen, keine waghalsigen Unternehmungen“, so sein Rat. Der Motor ist bei schonender Behandlung und guter Wartung sehr langlebig, auch wenn manchen die hohen Drehzahlen Sorgen bereiten. Der mit acht Gleitlagern ausgestattete Sechszylinder-Boxermotor hat sich also nicht nur kurzfristig als zuverlässiges Aggregat bewährt.

Als typische Schwachpunkte des Motors bei einem Porsche 911 F-Modell gelten gemeinhin verschlissene Steuerketten, defekte Kettenspanner und Stehbolzen, die in den Zylinderköpfen abbrechen oder festkorrodieren. Den Ölverbrauch sollte man auch stets im Auge behalten.

Für welchen Motor man sich entscheidet, ist für Thomas Lundt Geschmacksfrage. „Alle Aggregate sind ähnlich, was Aufbau und somit auch Zuverlässigkeit angeht. Für den Cruiser reicht der kleine Motor mit den 110 PS Leistung vollkommen aus.

Wer es sportlicher mag, der kann bis 190 PS hochgehen, so es der Geldbeutel zulässt. Je höher die Leistung, desto höher der Preis. Im Hinblick auf die Fahrfreude ist es einfach ein Porsche, da macht der Einstiegs-Elfer schon Laune“, lautet Lundts Einschätzung.

Die Ersatzteile-situation des porsche 911 F-Modell

Die Ersatzteillage für das Porsche 911 F-Modell ist so wie für die gesamte 911-Familie mehr als gut. Porsche wirbt selbst damit, dass man aus Ersatzteilen aus dem Porsche Classic-Katalog quasi ein gesamtes Porsche 911 F-Modell nachbauen kann.

Da ist etwas Wahres dran, denn von Blinklicht bis zum Reparaturblech ist alles mit Herstellerqualität verfügbar. Natürlich sollte man wissen, dass das auch teilweise nur zu gesalzenen Porsche-Preisen erhältlich ist, aber das sollte einem sein Elfer schon wert sein. Ansonsten gibt es auch genügend Zweitanbieter, die Ersatzteile im Lager haben.

Einen Porsche fahren war zugegeben noch nie billig, gleich ob es ein aktuelles Modell oder ein Klassiker ist. Im Moment bewegen sich die Preise zwischen 50.000 EUR in mäßigem und 180.000 EUR in gutem Zustand, Ausreißer nach oben sind immer möglich. Nach der Rekordjagd der letzten Jahre um die frühen F-Modelle schein sich der Markt etwas beruhigt zu haben.

Mancher mag sagen, die Preise seien realistischer geworden. In jedem Fall scheint sich zu manifestieren, dass für mäßig gute Fahrzeuge keine unangemessenen Preise mehr gezahlt werden. Daher wird ein gutes Exemplar immer noch einen guten Preis erzielen.

Was sich auch mit der Erfahrung von Thomas Lundt deckt. Er empfiehlt, lieber von einem vertrauenswürdigen, fachkundigen Anbieter ein Fahrzeug zu kaufen, selbst wenn es etwas teuer scheint. Mit vermeintlichen Schnäppchen mit unklarer Historie und Schwächen an der einen oder anderen Stelle haben sich schon so einige auf die Nase gelegt. „Da hat die Freude über den Porsche schon aufgehört, bevor sie sich richtig angefangen hat.

Und wenn man dann nach zwei, drei Jahren nachrechnet, wie viel Geld man schon in der Werkstatt gelassen hat, wie lange das Auto in Reparatur und nicht auf der Straße war, dann kommt man schnell zum Schluss, dass man für das vermeintliche Schnäppchen sehr viel mehr ausgegeben hat als für das gute Modell zu höheren Preis.“

Fotos Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, vehicle-experts.com

Autor: Paolo Ollig

Paolo Ollig schreibt als Chefredakteur regelmäßig über alle Raritäten und Meilensteine der Automobil- und Motorrad-Geschichte. Traum-Klassiker: Lamborghini Countach und Mercedes-Benz 300 SL. Eigener Klassiker: Mercedes-Benz 230 CE (W123) von 1981.

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