Ist der Mercedes-Benz SLK R 170 schon ein Youngtimer?

Mercedes Benz SLK R 170 Variodach

Um es kurz zu machen: Es spielt keine Rolle, ob der zeitlose Mercedes-Benz SLK R 170 ein junger Klassiker, ein Youngtimer oder ein Gebrauchtwagen ist – von bösen Zungen sogar als Putzfrauen-SL bezeichnet wird – er macht einfach einen Riesen-Spaß und ist dazu noch bezahlbar.

Eine bezahlbare Alternative zum noblen SL sollte der Mercedes-Benz SLK R 170 bereits bei seiner Markteinführung 1996 auch schon sein. Allerdings mussten die ersten Kunden neben dem Kaufpreis noch etwas mitbringen, nämlich Geduld! Nachdem bereits 1994 auf den Automobil Salons in Turin und Paris die Studien SLK l und SLK ll präsentiert wurden und langsam durchsickerte, dass es zu einer Serienproduktion dieses kleinen Roadsters mit neuartigem Vario-Dach kommen würde, gab es kein Halten mehr: Die Kunden bombardierten die Mercedes-Händler und Niederlassungen mit Fahrzeugbestellungen.

Mercedes Benz SLK R 170 Titel

Eine neue Zeitrechnung beim Mercedes-Benz SLK R 170

Dieser Mercedes war ganz anders als alles, was man bisher mit der Stuttgarter Marke in Verbindung brachte: Er war klein, sportlich, bezahlbar und für die damalige Zeit irgendwie auch extrem stylisch. Alles andere war allerdings Mercedes-typisch: Das Auto war solide gebaut, verfügte über ein wegweisendes Sicherheitskonzept und wurde von Ingenieuren und nicht vom Marketing entwickelt.

BMW hatte dies einige Jahre zuvor bereits mit dem Z1 versucht, der allerdings nicht annähernd die SLK Stückzahlen erreichte und auch nicht voll durchentwickelt war. Er blieb zeitlebens ein – wenn auch inzwischen gesuchter und teurer – Revell-Bausatz, der regelmäßig im BMW Service auftauchte, wo man die sich im Sommer ständig verbiegenden Plastik-Schwellerverkleidungen unter Wärme verformen musste, damit die versenkbaren Türen nicht daran schliffen.

Zurück ins gelobte Ländle: Das eigentlich als Nischenprodukt geplante SLK-Konzept schlug wie eingangs erwähnt derart heftig im Markt ein, dass die Kunden, die nicht unmittelbar ab Verkaufsfreigabe vor der Tür ihres freundlichen Mercedes-Benz Händlers im Schlafsack übernachteten mit monatelangen Wartezeiten von bis zu über einem Jahr zu rechnen hatten. Das hatte es seit dem SL der Baureihe R 129 nicht mehr gegeben und erinnerte an die gute alte Zeit, als man Autos noch eher verteilte als vermarktete.

Mercedes-Benz SLK R 170 gelb

Mercedes-Benz SLK R 170 – Die Modelle

In der gesamten Bauzeit von 1996 bis 2004 liefen über 300.000 Einheiten vom Bremer Band, wobei der Mercedes-Benz SLK R 170 im Jahr 2000 modellgepflegt wurde und sich neue Varianten hinzugesellten. Bei Markteinführung konnte man den SLK als 200 und 230 Kompressor bestellen. Letzterer machte auch den Löwenanteil der Produktion aus. Den 200 Kompressor hatte man ohnehin schon von Anfang an für den italienischen Markt entwickelt, und da der 200er Saugmotor mit seinen 136 PS eher „gemütlich“ zu Sache ging, flog er kurzerhand aus dem Programm und wurde ab MoPf durch sein aufgeladenes Pendent ersetzt.

Damit dieser nicht zu sehr im Revier seines größeren Bruders wilderte, wurde seine Leistung kurzerhand bis auf 163 PS kastriert. Der Italien-200 K hatte nämlich exakt 1 PS weniger, als der „Rest-der-Welt-außer-Italien “ 230 Kompressor mit 193 PS (196 PS nach MoPf). Neu waren im Modelljahr 2000 der SLK 320, der endlich über einen V6 Motor verfügte und der ebenfalls sechszylindrige, allerdings Kompressor-aufgeladene SLK 32 AMG.

Dieses kleine und leichte Auto kam dem Ritt auf einem elektrischen Bullen ziemlich nah, bollerte er doch mit 354 PS nach vorne, als wolle er seinen Fahrer abwerfen! Auf einen V8 warteten die Kunden allerdings vergeblich, da sich nach ausgiebigen Testfahrten durch Stuttgarter Ingenieure herausgestellt hatte, dass der Vorderwagen dem Gewicht eines V8 und der drehmomentbedingten Torsion nicht gewachsen war. Gut so – denn anders als bei Colin Chapmans Kreationen galt – und gilt bis heute – in der Untertürkheimer Entwicklungsabteilung immer noch „Safety First“.

Mercedes-Benz SLK R 170 – Ein vollwertiges Familienmitglied

Dass der Mercedes-Benz SLK R 170 bereits jetzt schon seinen Platz in den Herzen der Mercedes-Enthusiasten gefunden hat zeigt sich zum einen daran, dass es einen offiziellen SLK-Club mit Segen der Daimler AG gibt; zum anderen aber daran, dass die Preise seit geraumer Zeit nicht mehr sinken, sondern eher leicht ansteigen.
Wie für eigentlich alle jüngeren Klassiker mit Stern gilt auch hier, eher das gepflegtere, besser ausgestatte, unfallfreie deutsche oder Schweizer Fahrzeug mit nachvollziehbarer Historie, fünfstelliger Laufleistung und wenigen Vorbesitzern zu kaufen.

Technisch gibt es annähernd keine bösen Überraschungen; basiert der Mercedes-Benz SLK R 170 doch auf der C-Klasse aus den 90er Jahren (Baureihe W202). Ersatzteilengpässe bei sicherheitsrelevanten oder der Fahrtauglichkeit dienenden Teilen können daher fast zu einhundert Prozent ausgeschlossen werden.

Dass insbesondere bei Fahrzeugen mit rotem oder blauem Interieur die Farbe an der Mittelkonsole und am Armaturenbrett abblättert ist übrigens kein Indiz für übermäßige Benutzung und einen vielleicht zurückgedrehten Tacho. Es handelt sich vielmehr um einen Produktionsfehler. Die Teile sind nicht wie sonst üblich durchgefärbt, sondern in der Ausstattungsfarbe lackiert. Wie man das repariert, weiß der Club, oder der freundliche …na, Sie wissen schon!

Mercedes-Benz SLK R 170 silber


Fotos Daimler AG

Autor: Christian Nikolai

Christian ist bei den Fahrzeug-Werken LUEG in Essen verantwortlich für den Handel mit klassischen Mercedes-Benz. Von Stuttgart über Dortmund und Hamm hat er in 2016 den Weg in seine Heimatstadt zurückgefunden; blieb dabei aber beruflich der Marke mit dem Stern immer treu. Traumklassiker: 280 SE 3.5 Coupé. Aktueller Klassiker: Vespa PX 125; Bj. 1981

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