Ford Mustang – Der Urvater aller Pony-Cars

Ford Mustang (4)

Wenn nach einem Automodell eine ganze Fahrzeuggattung benannt wird, muss etwas bahnbrechendes auf die Straße gekommen sein oder ein Auto den Zeitgeist genau treffen. Beides gelang dem Ford Mustang, dessen erste Generation 1964 auf den Markt kam und der der zum namensgebenden Paten für die Gattung Pony Car wurde.

Ob vor 50 Jahren oder heute, der Mustang steht auf den Wunschzetteln von Automobilenthusiasten ganz weit vorne. Der Markt gibt aber aufgrund des langen Bauzeitraumes und der Vielfalt an Motorisierungen und Ausstattungsvarianten ein breites Spektrum an Alternativen her. Bei der Kaufentscheidung sollte man sich also gut überlegen, in welche Richtung das Wunschfahrzeug gehen soll und welche Stärken und Schwächen das Auto mit sich bringt.

Ford Mustang als einfaches Einstiegsauto

Im Jahr 1964 waren es gerade auch die einfachen Dinge, die den Ford Mustang so erfolgreich machten: Überschaubare, klare Proportionen und simple Technik in zahlreichen Varianten und Leistungsabstufungen machten den Mustang zu einem günstigen Einstieg in die Welt der Sportwagen, gerade für die jüngere Generation.

Technisch basierte der Mustang auf dem Ford Falcon, was die Entwicklungs- und Produktionskosten im Rahmen hielt. Jeder, der es sich leisten konnte, versuchte nicht gerade den Brot-und-Butter-Wagen mit dem knapp 100 PS starken Sechszylinder zu erwerben. Der Shelby-Mustang GT 500 KR mit seinen 400 PS blieb und bleibt für die meisten aber kaum erschwinglich. Dazwischen jedoch gab es vom Start weg eine weite Bandbreite an Optionen.

Ford Mustang Front (5)

Ford Mustang – Kaufberatung für die erste Generation

Bei einem Kauf der ersten Generation gibt es aber einige Dinge, die man besser vorher beachten sollte, um nicht auf irgendwelche Blender oder Bastelbuden hereinzufallen. Das Hauptproblem des Ford Mustang ist ohne Umschweife der Rost. Die heiklen Punkte verteilen sich nahezu über die gesamte Karosserie. Es fängt vorne bei den Scheinwerfertöpfen und der zerklüfteten Frontmaske an, die untersucht werden sollten. Ebenfalls ist der Windlauf an der Frontscheibe ein neuralgischer Punkt, weil sich dort im Laufe der Zeit oft schwer zu entfernendes Laub sammelt, was ein Nährboden für Durchrostung ist. Vom Fußraum aus kann man über eine Klappe diesen Bereich einsehen. Die Schweller sind eigentlich sehr solide konstruiert, wegen mangelnder Rostvorsorge aber durchaus anfällig. Sie sollte man im Auge behalten, ebenso wie die Türen und Bodenwannen. Im gesamten Heckbereich – Türen, Radlaufkanten und das Blech um den Kofferraum – sind die unteren 15-20 cm besonders gefährdet. Da empfiehlt sich eine strenge Sichtprüfung.

Bei den Motoren sind die Sechszylinder mit Anfangs 2,8 Litern Hubraum (102 PS) bis später 4,1 Litern (157 PS) wegen der mangelnden Spritzigkeit und dem geringeren Renommee in der Käufergunst gemeinhin hinter den V8-Modellen angesiedelt, aber sie gelten als sehr robust. Verhältnismäßig sparsam sind sie im Übrigen auch. Wobei die Standhaftigkeit auch bei den Achtzylindermotoren durchaus beachtlich ist. Sie sollten lediglich nicht ständig unter Vollast bewegt werden, da sie so leicht überhitzen können. Die geringe Ölmenge von nur 4,75 Litern sorgt für wenig Innenkühlung.

Ein Problemfeld sind unsachgemäß durchgeführte Umbauten und notdürftige Flickschustereien. Gerade dadurch, dass sich der Ford Mustang einer jungen Einsteigerklientel verschrieben hatten, wurde nicht selten gebastelt und improvisiert, was das Zeug hält. Daher sollte man genau darauf achten, wie gut die verbauten Bestandteile zusammenpassen. Bei amerikanischen Muscle Cars sollte man sich ohnehin nicht sklavisch nach „matching numbers“ sehnen, aber wenn sich im Lauf der Jahre wild im Zubehörregal bedient wurde, sollte man schon zusehen, dass die Leistungssteigerungen und ähnliche Optimierungen nicht auf Kosten anderer Bestandteile oder des allgemeinen Fahrzeugzustands gehen.

Gewiss sollte sich jeder Kaufinteressent darüber im Klaren sein, dass man im Hinblick auf Handling, Fahrverhalten und Verzögerung der Trommelbremsen mit einem amerikanischen Muscle Car keinen knackigen Sportwagen erwirbt. Aber wenn man die Schwachstellen genau unter die Lupe nimmt und bei den Motoren auf sachgemäße Wartung und guten Zustand achtet, kann man ab circa 30.000 EUR ein gutes Stück amerikanische Automobilhistorie erwerben. Und ganz nebenbei nachvollziehen, weshalb der Mustang als Ur-Pony einen Trend begründete.

Fotos Ford Motor Company, Classic Trader

Autor: Paolo Ollig

Paolo Ollig schreibt als Chefredakteur regelmäßig über alle Raritäten und Meilensteine der Automobil- und Motorrad-Geschichte. Traum-Klassiker: Lamborghini Countach und Mercedes-Benz 300 SL Roadster. Eigener Klassiker: Mercedes-Benz 230 CE (W123) von 1981.

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