Auto-Import aus den USA: Schnäppchen oder Kostenfalle?

Auto-Import aus den USA Ford Mustang (8)

Fahrzeuge aus Übersee locken mit günstigeren Preisen. Aber welche Kosten und Hindernisse kommen auf die Käufer beim Auto-Import aus den USA zu? Classic Trader bringt Licht ins Dunkel.

Das Gute liegt oft so fern. Ein Fahrzeug im Europäischen Ausland kaufen ist dank offener Grenzen und Märkte reichlich unkompliziert geworden. Einfach den Transport organisieren und mit den richtigen Dokumenten das Fahrzeug daheim anmelden. Was ist aber, wenn das Fahrzeug in Übersee steht? Oft sind die Angebote verlockend, in den USA erstzugelassene
Autos kosten einen nicht unerheblichen Anteil weniger; und US-Muscle Cars und Straßenkreuzer sind auf dem riesigen amerikanischen Markt ohnehin häufiger und in größerer Vielfalt verfügbar.

Aber was bringen ein paar hundert Euro Ersparnis, wenn am Ende ein bürokratischer und finanzieller Rattenschwanz drohen? Daher gibt es einige Punkte, die vor einem Kauf in Betracht gezogen werden müssten.

Auto-Import aus den USA: Technischer Zustand

Egal, ob es sich um ein europäisches oder amerikanisches Produkt handelt, achten Sie penibel auf den technischen Zustand. In einigen Staaten ist das System der technischen
Überwachung nicht etabliert. Da wird schon mal notdürftig geflickt, wo sich hiesige Prüforganisationen wie GTÜ, Dekra und TÜV die Zulassungspapiere in der Luft zerreißen würden.

Da man zumeist nicht kurz für eine Probefahrt anreisen kann, empfiehlt es sich, das Fahrzeug genau zu prüfen, gerne unter Zuhilfenahme eines Gutachters. Auch hiesige Händler unterstützen durchaus beim Kauf, wenn das Fahrzeug nicht im eigenen Showroom
steht, sondern noch in Übersee. Das bestätigt auch Michael Nebert von Californiaimport, der neben dem gängigen Verkauf von Bestandsfahrzeugen mit seinem Team auch Suchen und
Besichtigungen vor Ort in den Staaten anbietet.

Nachdem man das Fahrzeug erstanden hat, stellen sich die Fragen, wie man das Fahrzeug in die eigene Garage bekommt und was die Zöllner in Bremerhaven oder anderswo für die Einfuhr verlangen.

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Auto-Import aus den USA: Transport & Einfuhrzölle

Die Frage nach den Zöllen ist gesetzlich klar geregelt. In Deutschland gelten für Oldtimer klar definierten Voraussetzungen, sie können mit einer Einfuhrumsatzsteuer von 7 % einführt werden, Zoll ist keiner fällig. Für „normale“ Fahrzeuge, die unter 30 Jahre alt sind oder nicht den Voraussetzungen entsprechen wie beispielsweise stark modifizierte Fahrzeuge werden 10% Zoll und 19% EUSt erhoben.

Bei Einfuhr in die Schweiz sind es die Automobilsteuer in Höhe von 4% des Kaufpreises, die Schweizer Umsatzsteuer (7,7 %) sowie eine Gewichtsabgabe in Höhe von 12.- bis 15.- Franken je 100 kg brutto (abhängig vom Hubraum und Gewicht des fahrbereiten Autos). Fahrzeuge mit Ursprung in Staaten, mit denen ein Freihandelsabkommen besteht, oder aus Entwicklungsländern, können meist zollfrei eingeführt werden. Ob diese Zollpräferenz greift, sollte man prüfen lassen. Österreich unterscheidet beim Import zwischen „normalen Kraftfahrzeugen“ und Oldtimern. Letztere werden vom Zoll und der Normverbrauchsanzeige befreit und werden nur mit der Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 13 Prozent belegt.

Die Einstufung als Oldtimer unterliegt aber strengen Regeln, wie dass es sich um ein schützenswertes Fahrzeug im Originalzustand handelt. Auch bei der Zulassung muss man sich verpflichten, maximal 120 Tage im Jahr mit dem Auto zu fahren und ein Fahrtenbuch darüber zu führen, damit es als historisches Fahrzeug typisiert wird. Der Nachweis über die Entrichtung des Einfuhrzolls, gleich in welches Land, ist aber zwingend notwendig.

Die Zollvorschriften und -kosten waren in den Ländern des EU-Raum lange unterschiedlich, daher gab es beispielsweise die Möglichkeit, das Fahrzeug über Länder mit geringem Einfuhrzoll in die EU einzuführen, wie beispielsweise über die Niederlande. Seit 1.1.2019 wurde der Einfuhrzoll allerdings von 6 % auf 9 % Prozent erhöht. Für einen weiteren Transport in ein anderes EU-Land waren keine weiteren Zollabgaben nötig, daher konnte man auf diesem Weg ein paar Euro sparen.

Wem schon bei den Zoll- und Steuerbegrifflichkeiten der Kopf raucht, sollte mit dem Importeur seines Vertrauens vereinbaren, dass Zollmodalitäten auch übernommen werden. Die meisten Importfirmen bieten diesen zusätzlichen Service an. Im Umkehrschluss nutzen auch die meisten Käufer den Komplettservice und der Prozentsatz steigt stetig, wie Marcel Passarge vom Hanseatischen Logistik Kontor bestätigt. Es ist zugegeben auch gut investiertes Geld, man spart sich lästige Behördenkommunikation und die Fachleute, die tagtäglich mit dem Import zu tun haben, können zumeist auch die beste Lösung schnellstmöglich finden. In die gleiche Kerbe schlägt auch Tanja Garcia von Transglobal Logistics: „Gerade wegen der großen Entfernung und der Sprachbarriere legen viele Kunden Wert darauf, von einem hiesigen Transportunternehmen fachkundig und vertrauensvoll unterstützt zu werden.“

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Auto-Import aus den USA: Dokumente

Sowohl für die Einfuhr als auch später für die Zulassung sind die Fahrzeug-Dokumente zwingend nötig. Für Autos aus dem USA sind das der formal korrekte Kaufvertrag sowie der „Title“, der dem deutschen Fahrzeugbrief entspricht. Er dient als Bestätigung des Jahres der Erstzulassung und weist die Marke und die Fahrgestellnummer aus. Bis in die 1980er–Jahre war es in den USA nicht zwingend üblich, die Nummer im Motorraum einzuschlagen, oft war sie nur auf einem Fabrikschild im Motorraum, hinter der Windschutzscheibe, an der A-Säule oder der Fahrertür angebracht. Sollte dieses Schild nicht mehr vorhanden sein, muss – ab Erstzulassung 1.10.1969 – die Fahrgestellnummer nachträglich vorne rechts im Motorraum eingeschlagen werden.

Auto-Import aus den USA: Umrüstung

Generell müssen importiere Fahrzeuge einigen Standards deutscher, österreichischer oder Schweizer Zulassungsbehörden genügen, was je nach Baujahr und Modell mehr oder weniger großen Aufwand bedeutet. So müssen amerikanische Scheinwerfer, die sogenannten „Sealed Beans“, durch europäische Scheinwerfer ausgetauscht werden oder ihre gleiche Wirkung nachweisen. Auch müssen eine Warnblinkanlage und eine Wegfahrsperre vorhanden sein und seit 1970 dürfen Fahrzeuge in Deutschland hinten nicht mehr rot blinken. Das muss teilweise nachgerüstet oder angepasst werden. Für viele Aspekte kann man beim Straßenverkehrsamt eine Ausnahmeregelung beantragen, aber auch hier gilt, dass man Kosten, Aufwand und Nutzen in einen sinnvollen Zusammenklang bringen muss. Unter Umständen sind für Gutachten sowie für Umbaumaßnahmen nicht unerhebliche Kosten verbunden, die man schon vor dem Kauf überschlagen sollte.

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Auto-Import aus den USA: Zulassung

Nachdem das Auto nun gekauft, transportiert, verzollt und soweit für die hiesige Straßenverkehrsordnung auf Vordermann gebracht wurde, steht nur die letzte und entscheidende Etappe an: die Zulassung. Importfahrzeuge aus den USA benötigen gemäß Paragraph 21 StVZO eine Vollabnahme, weil sie in der Regel keine Allgemeine Betriebserlaubnis besitzen, auch wenn beispielsweise das gleiche Modell in der deutschen Auslieferung bereits hier genehmigt wurde. Für die Schweiz und Österreich gelten ähnliche Regeln, was die Anforderungen für eine Zulassung betrifft.

Die Vollabnahme beinhaltet ein umfangreiches Gutachten, was im Gegensatz zum „Title“ die technischen Daten des Fahrzeugs umfassend beschreibt und die Angaben über die Verkehrssicherheit bestätigt. Dieses Gutachten wird bei der Zulassung als Grundlage zur Erteilung einer Einzelbetriebserlaubnis für das jeweilige Fahrzeug herangezogen.

Auto-Import aus den USA: Fazit

Der Kauf eines Oldtimers ist und bleibt eine emotionale Angelegenheit. Zumal wenn es sich um einen raum- und spritbedürftiges US-Car handelt. Aber gerade, wenn man über den Import eines Fahrzeuges aus Übersee nachdenkt, sollte man sich umso mehr Zeit für eine kühle Berechnung nehmen und dabei die fachkundige Hilfe von Fachleuten auf diesem Gebiet zu Rate ziehen.

Die Ersparnis von einigen hundert oder tausend Euro klingen auf den ersten Blick verlockend. Aber wenn man die Kosten für einen Gutachter, für Transport und Einfuhrzölle, nötige Umbaumaßnahmen und Zulassung in Europa dazuzählt, wird aus dem vermeintlichen Schnäppchen schnell eine Kostenfalle. Wenn man aber wohlkalkuliert ein Auto aus einem sonnigen US-Staat importiert, kann man durchaus mit einer gewissen Ersparnis ein gut erhaltenes Auto erwerben.

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Fotos bremenports GmbH & Co. KG, Daimler AG, Ford Motor Company, General Motors

Autor: Paolo Ollig

Paolo Ollig schreibt als Chefredakteur regelmäßig über alle Raritäten und Meilensteine der Automobil- und Motorrad-Geschichte. Traum-Klassiker: Lamborghini Countach und Mercedes-Benz 300 SL Roadster. Eigener Klassiker: Mercedes-Benz 230 CE (W123) von 1981.

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