Wallner Classic im Classic Trader Händlerporträt

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In den Classic Trader Händlerportraits stellen wir Ihnen regelmäßig ausgewählte Oldtimer-Händler und -Spezialisten vor, die unser aus 10 Fragen bestehendes Interview beantworten.

10 Fragen an Rouven Genz von WALLNER Classic


Bitte stellen Sie sich und Ihr Unternehmen kurz vor. Was ist das Spezialgebiet Ihres Unternehmens?

Mein Name ist Rouven Genz. Ich bin Geschäftsführer und Inhaber der WALLNER Classic GmbH. Wir sind ein Familienbetrieb, der vor über 40 Jahren von meinem Schwiegervater Fritz Wallner gegründet wurde. Schon seit dieser langen Zeit haben wir uns auf Mercedes-Benz Klassiker spezialisiert und reparieren, restaurieren, pflegen und warten diese für unsere Kunden. Unser Spezialgebiet: Wir bauen für unseren Kunden 190SL oder Pagode nach Kundenwunsch auf mit vielen Sonderwünschen wie langer Hinterachse, Rennmotor und Scheibenbremsen. Den 190 SL bauen wir auch als Clubsport Variante bzw. Rennversion, möglichst originalgetreu mit Sporttüren, Makrolonscheiben und weiteren Details. Aber auch Kunden, die Ihre Mercedes-Benz Klassiker sukzessive verbessern möchten betreuen wir täglich, weshalb individuelle Lösungen für uns zum Tagesgeschäft gehören. Wir versuchen unseren Kunden ein Partner rund um das Thema Mercedes-Benz Oldtimer zu sein, von der Beratung zum Ankauf, über Ersatzteile, seltene Accessoires, Sonderanfertigungen, Verbesserungen, Events, Wartung & Service, bis hin zum Wiederverkauf.

Wann sind Sie dem „Virus“ klassischer Fahrzeuge verfallen? Gab es ein Schlüsselerlebnis in Ihrer Kindheit / Jugend, das Sie zum Oldtimer-Enthusiasten gemacht hat?

Autos waren schon immer das Thema Nr. 1 bei mir und es zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben und meinen Werdegang. Waren es zuerst Modelle in 1:18, wurde später am Fuhrpark der Eltern geschraubt, geputzt, getunt. Ab der Volljährigkeit und dem Führerschein waren es dann eigene Fahrzeuge, die gehegt und gepflegt oder auch umgebaut wurden. Durch mein Ingenieurstudium im Ländle kam ich dann zu den bekannten namhaften Automobilbauern und konnte einige Positionen in Weissach und Sindelfingen durchlaufen. Beruflich wie privat hatten und haben Autos immer einen hohen Stellenwert in meinem Leben und so besticht bei mir die Kontinuität.

Was mögen Sie an Ihrem Job am meisten – was am wenigsten?

Die Vielfalt der Fahrzeuge und unsere Kunden. Jeder Tag ist anders, jeder Kunde und auch jedes Fahrzeug einzigartig. Es sind immer wieder viele interessante Geschichten dabei. Was uns alle vereint ist die Leidenschaft und die Liebe zu diesen Fahrzeugen. Da geht man gern in die Arbeit. Leider muss man manchmal den Spagat schaffen zwischen Liebhaber und Unternehmer, hat man ja doch eine Firma zu führen und Verantwortung für seine Mitarbeiter.

Was war das außergewöhnlichste Fahrzeug, mit dem Sie es bisher zu tun hatten?

Durch unsere langjährige Tätigkeit haben wir interessante Fahrzeuge in der Wartung und auch in Restaurierung. Es ist heutzutage schon etwas besonderes, wenn ein 300SL seit seiner Auslieferung immer noch in Erstbesitz und weitestgehend original erhalten ist. Einen 190SL haben Kunden von uns bis vor wenigen Jahren als Alltagsauto und auch einziges Fahrzeug besessen. Sie sind damit seit dem Kauf 1962 genauso zum Einkaufen, wie auch zum Skifahren gefahren.

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Thema Wertsteigerung / -erhalt: Auf welches Pferd sollte man jetzt setzen? Wie glauben Sie wird es mit der Wertentwicklung in den nächsten Jahren weitergehen?

Die Automobilgeschichte durchfährt momentan ein Donnerschlag. Noch nie war es so spannend durch die Skandale, die Entwicklung von alternativen Antrieben und das Thema autonomes Fahren. Gerne hätte jeder von uns eine Glaskugel, in der die Zukunft abzulesen ist. Früher hat man sich ein Fahrzeug gekauft, weil es einem gefallen hat oder weil man sich das immer erträumt hatte. Heute kommen die Worte Werterhalt und Wertsteigerung oft in Gesprächen vor. Der Kauf von Klassikern sollte immer eine Herzensangelegenheit sein und bleiben, nur dann macht es auch wirklich Spaß.

Welches ist der aus Ihrer Sicht am meisten unterschätzte oder überschätze Klassiker und warum?

Ich möchte generell noch einmal etwas zur Sprache bringen, das oft unterschätzt wird. Fachgerechte Restaurierung der Technik und das Fahrverhalten und damit auch der Fahrspaß, der damit einhergeht. Sie könnten bei uns auf den Hof kommen und in unterschiedliche 190SL einsteigen. Von außen sehen diese Fahrzeuge alle mehr oder weniger gleich aus, im Fahrverhalten werden diese Fahrzeuge so extrem von einander abweichen, das man seinem Gefühl zuerst gar nicht glauben möchte. Ein Fahrzeug ist nur so gut oder angenehm im Fahrverhalten wie der Fachmann es einstellen, restaurieren oder überholen kann. Hier gibt es am Markt sehr große Unterschiede. Es zählen die inneren Werte und die kann man leider in keinem Showroom oder auf keiner Messe dieser Welt zeigen. Deswegen sollte man sich eine Werkstatt suchen, der man vertraut, die gute Arbeit leistet und die nicht nur Wert auf Optik sondern auch auf Technik legt. Dann hat man egal mit welchem Fahrzeug auch den nötigen Fahrspaß.

Sehen Sie einen personellen Generationswechsel im Markt für klassische Fahrzeuge? Wenn ja, wie stehen Sie dazu?

Natürlich werden wir alle älter und so werden auch die Fahrzeuge älter. Oldtimer sind aber ein historisches Kulturgut und man schätzt das Handwerk und die Individualität durch die Handarbeit. Ich gehe einen Schritt weiter – Automobile Klassiker werden in der Zukunft noch exklusiver, da es die Persönlichkeit und Individualität wiederspiegelt. Und was noch einen viel größeren Stellenwert bekommt: Erlebnisse. In den klassischen Fahrzeugen bekommt der Ausflug am Wochenende mit dem Partner oder Familie einen ganz anderen Stellenwert und wird zu einem Abenteuer im Vergleich zu einem modernen Wagen. Man steigt ein, riecht den Ledergeruch gemischt mit Benzin und Öl. Der Fahrtwind, das Fahrgefühl ist pur und ungefiltert, genauso wie der Sound. Der Mensch ist auf der Suche nach diesen Erlebnissen und nimmt damit seine Umgebung anders und neu war. Die Generation Schrauber wird zur Generation bewusster Genießer.

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Wie sehen Sie die Zukunft des Klassikerhandels und welche Herausforderungen gibt es?

Wir denken, dass für den heutigen aber auch für den zukünftigen Kunden Vertrauen wichtig ist. Oldtimer-Kauf wird immer mehr zu Vertrauenssache, da das Thema Oldtimer in den letzten Jahren eine gewisse Popularität erfahren hat und sich dementsprechend auch Fahrzeuge im Umlauf befinden, die von außen perfekt erscheinen, technisch gesehen aber davon weit entfernt sind. Auch wir als Familienbetrieb und Traditionsunternehmen machen uns Gedanken und möchten für unsere Kunden ganzheitlich ein Partner sein. Der Kunde kann gewerkeweise bestimmen welchen Service er bei uns nutzen möchte. Dies geht von der Einlagerung über den jährlichen Service, Pflege, Events, Ausfahrten, seltene Accessoires, bis hin zu Reparaturen oder Teil- oder Komplettrestaurierungen.

Was sind Ihrer Meinung nach die schönsten Strecken, die man mit einem Oldtimer „erfahren“ kann?

Unsere Veranstaltung „Glocknererwachen“ entführt unsere Kunden in einem kleinen Starterfeld auf die Hochalpenstraße des Großglockners. Da wir bereits im Mai dort sind, ist das immer ein sehr besonderer Moment. Die Natur erwacht, es ist wenig Tourismus und es sind nur die 25 Fahrzeuge auf der Straße. In den Bergen mit den Fahrzeugen unterwegs zu sein ist ein tolles Erlebnis.

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Was würden Sie einem „Oldtimer-Neuling“ am liebsten mit auf den Weg geben?

Der Chefredakteur der Motor Klassik, Hans-Jörg Götzl hat einmal im Vorwort geschrieben, dass die Leser sich eine Werkstatt in ihrer Nähe suchen sollen, die sich auf den Wagen spezialisiert hat, den sie kaufen wollen. Denn ohne Werkstatt hat man auf längere Sicht keine große Freude mit seinem Traumwagen. Dem kann ich nur zustimmen. Heutzutage gibt es für fast jedes Modell einen Club oder eine Interessengemeinschaft. Ein Austausch mit Menschen, die bereits erste Erfahrungen im Klassik-Bereich haben, bzw. schon lang in der Szene sind, kann nie schaden. Ein Interessent, der einen Mercedes-Benz Klassiker zum Kauf im Visier hat, kann jederzeit einen Termin bei uns ausmachen und wir schauen uns den Wagen an und geben ihm ganz unverbindlich unsere Einschätzung. Die Katze im Sack ist sonst schnell gekauft.

Wallner Classic Rouven GenzKONTAKT ZU WALLNER Classic

WALLNER Classic GmbH
Herr Rouven Genz
Kreillerstraße 129
81825 München

Tel.: +49 (0) 89 432833
[email protected]
www.wallnerclassic.de

 

 

 


Fotos Mehringer-Photography

Autor: Classic Trader

Die Classic Trader Redaktion besteht aus Oldtimer-Enthusiasten, die Euch mit spannenden Geschichten versorgen. Kaufberatungen, unsere Traum Klassiker, Händlerportraits und Erfahrungsberichte von Messen, Rallyes und Events. #drivenbydesire

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