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Piaggio Motorroller kaufen

Seit 1884 baut Piaggio Fahrzeuge – doch erst 1946 erfand Ingenieur Corradino d'Ascanio die Vespa und schrieb Geschichte. Heute vereint der Konzern sieben Marken und prägt als europäischer Marktführer die Rollerwelt.

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Suchergebnisse

Auktion7 Tage, 12:59:57
Bild 1/13 von Piaggio Vespa 125 (1954)
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1954 | Piaggio Vespa 125

Faro Basso - zeitloses Designhighlight und Meilenstein der Rollergeschichte

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Bild 1/14 von Piaggio Vespa 125 (1961)
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1961 | Piaggio Vespa 125

Zeittypisches Modell der italienischen Rollerära

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Bild 1/10 von Piaggio Vespa PX 200 E (1978)
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1978 | Piaggio Vespa PX 200 E

Leistungsstarkes Spitzenmodell der klassischen PX-Baureihe

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Bild 1/11 von Piaggio Vespa 150 GS (1961)
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1961 | Piaggio Vespa 150 GS

Sportlicher Vespa-Klassiker der frühen 60er-Jahre

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Bild 1/11 von Piaggio Vespa 50 N Special (1981)
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1981 | Piaggio Vespa 50 N Special

Klassischer 50-ccm-Roller der späten Vespa-Generation

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Bild 1/17 von Piaggio Bravo (1981)
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1981 | Piaggio Bravo

Klassisches Mofa der frühen 80er-Jahre

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Bild 1/11 von Piaggio Vespa Cosa 125 (1989)
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1989 | Piaggio Vespa Cosa 125

Modernes Vespa-Modell mit eigenständigem Design

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Bild 1/4 von Piaggio Ciao (1990)
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1990 | Piaggio Ciao

Completamente originale

2.250 €
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LAMBRETTA 150
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Bild 1/9 von Piaggio Vespa APE 600 MP (1976)
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Bild 1/50 von Piaggio Vespa 125 Primavera ET3 (1978)
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1978 | Piaggio Vespa 125 Primavera ET3

Piaggio VESPA 125 ET3 PRIMAVERA

10.500 €
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Bild 1/27 von Piaggio Vespa 90 SS (1965)
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1965 | Piaggio Vespa 90 SS

Piaggio VESPA 90 SS

22.000 €
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Bild 1/15 von Piaggio Vespa 200 Rally (1973)
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1973 | Piaggio Vespa 200 Rally

Vespa Rally 200 1973 original China Blue factory paint.

9.222 €
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Bild 1/15 von Piaggio Vespa 150 GL (1963)
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1963 | Piaggio Vespa 150 GL

Vespa Gran Lusso 1963

5.185 €
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Bild 1/50 von Piaggio Vespa 150 Sprint (1967)
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1967 | Piaggio Vespa 150 Sprint

Piaggio VESPA 150 SPRINT

7.200 €
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Die selbsttragende Blechkarosserie der Vespa zählt zu den prägendsten Designikonen der Mobilitätsgeschichte. Seit über 75 Jahren verlassen Roller das Werk in Pontedera – manche als praktische Stadtflitzer, andere als Sammlerstücke mit fünfstelligen Auktionserlösen. Piaggio vereint heute sieben Motorradmarken unter einem Dach, darunter Aprilia, Moto Guzzi und Derbi. Doch der Kern des Imperiums bleibt der Motorroller, der 1946 aus Kriegsruinen entstand und Italien wieder in Bewegung brachte.

Geschichte & Erbe

Rinaldo Piaggio gründete 1884 in Sestri Ponente bei Genua ein Unternehmen für Schiffsausstattung. Binnen weniger Jahre verlagerte sich der Schwerpunkt auf Eisenbahnwaggons, später auf Luftfahrt. Im Ersten Weltkrieg bauten die Werke Wasserflugzeuge, im Zweiten Panzer und Bomber. 1943 zerstörten alliierte Angriffe die Produktionsstätten in Pontedera und Biella. Rinaldos Sohn Enrico Piaggio stand vor Trümmern – und vor der Frage, wie man ein Luftfahrtunternehmen ohne Flugzeugindustrie neu erfindet.

Die Antwort kam 1945 mit dem MP5 "Paperino" (Entchen), einem wackeligen Motorrad-Prototyp mit Zentralrohrrahmen. Enrico Piaggio war unzufrieden und beauftragte Corradino d'Ascanio, der Motorräder hasste – schmutzige Ketten, unbequeme Sitzpositionen, schwere Radwechsel. D'Ascanio entwarf das Gegenteil: selbsttragende Monocoque-Karosserie aus Blech (Flugzeugbauweise), Radnabenlenkung vorn (kein Telegabel-Schmutz), Motor am Hinterrad montiert (schneller Radwechsel), Durchstieg für bequemes Aufsteigen, Seitenhaube für Werkzeugzugriff. Als Piaggio 1946 den Prototyp MP6 sah, rief er: „Sembra una vespa!" (Sieht aus wie eine Wespe). Der Name blieb.

Die Vespa 98 startete im April 1946 mit 3,2 PS aus 98 cm³, erreichbare 60 km/h, Dreiganggetriebe und charakteristischem Zweitaktklang. In Italien, dessen Straßen kriegszerstört waren, bot sie günstige Mobilität für den Wiederaufbau. Binnen zwei Jahren verkaufte Piaggio 19.822 Exemplare. 1948 folgte die Vespa 125, 1950 die erste Exportproduktion in Deutschland bei Hoffmann-Werke (Lintorf), 1951 die lizenzierte Produktion bei ACMA in Frankreich und bei Moto Vespa in Spanien. Hollywood half: In „Roman Holiday" (1953) fuhren Audrey Hepburn und Gregory Peck auf einer Vespa 125 durch Rom – eine Werbung, die Piaggio nie bezahlen musste.

In den 1960ern erweiterte Piaggio das Sortiment: Die Vespa 150 GS (1955–1961) mit 8 PS und 145 km/h Spitze galt als sportlicher Meilenstein. Die Vespa 50 (ab 1963) eroberte den Führerscheinfreien Markt. Parallel entstanden Dreirad-Transporter (Ape, seit 1948), die bis heute in Asien produziert werden, und das Mofa Ciao (1967–2006), mit über 3,5 Millionen Exemplaren eines der erfolgreichsten Mofas Europas. Die Vespa Rally 200 (1972–1979) war die erste 200-cm³-Vespa und kombinierte Reisekomfort mit Alltagstauglichkeit.

Die 1980er und 1990er brachten Kunststoffroller außerhalb der Vespa-Linie: Sfera, Skipper, Zip, Hexagon. 1996 stellte Piaggio mit der Vespa ET2 den ersten Viertakt-Roller vor – ein Bruch mit der Zweitakt-Tradition, aber notwendig wegen verschärfter Abgasnormen. Ab 2000 expandierte Piaggio durch Übernahmen: Derbi (2001), Aprilia, Moto Guzzi und Laverda (2004), Puch-Lizenzrechte (1987). Heute ist Piaggio börsennotiert, beschäftigt über 6.700 Mitarbeiter und führt den europäischen Rollermarkt mit rund 30 % Marktanteil an.

Highlights & Features

Piaggios Stärke liegt in der Vielfalt der Rollerbauweisen. Die Vespa-Linie (Primavera, Sprint, GTS) setzt auf die klassische selbsttragende Stahlblechkarosserie mit charakteristischem „Ping"-Klang beim Anklopfen. Die Piaggio-Linie (Zip, Liberty, Beverly) nutzt Stahlrohrrahmen mit Kunststoffverkleidung – leichter, günstiger in der Produktion, aber ohne die ikonische Haptik. Die Gilera-Marke kombiniert Rollerelemente mit Motorradsportlichkeit, während Derbi sich auf 50-cm³-Sportroller spezialisiert.

Die Vespa 150 GS (Gran Sport) gilt als begehrteste Nachkriegs-Vespa. Gebaut von 1955 bis 1961, leistete der Einzylinder-Zweitakter 8 PS bei 7.500 U/min und erreichte dank niedriger Übersetzung echte 145 km/h. Die Vorderradaufhängung mit beidseitigen Federbeinen (statt einseitig wie bei späteren Modellen) und die markante „Beinschild"-Formgebung machen sie optisch unverwechselbar. Restaurierte GS-Modelle erzielen heute 15.000–25.000 €, original lackierte Exemplare mit Erstanstrich bis zu 40.000 €.

Die Vespa 200 Rally (1972–1979) war die erste großvolumige Vespa und richtete sich an Langstreckenfahrer. Der 198-cm³-Motor leistete 12,5 PS, das Vierganggetriebe mit Drehgriffschaltung ermöglichte entspannte Autobahnfahrten. Die Rally wurde in über 40 Länder exportiert und ist heute wegen ihrer Robustheit und Ersatzteilverfügbarkeit als Einsteiger-Oldtimer beliebt. Preise beginnen bei 3.500 € für fahrfähige, unrestaurierte Exemplare, top-restaurierte Modelle kosten 8.000–12.000 €.

Das Piaggio Ciao (1967–2006) war kein Roller, sondern ein Mofa mit Variomatik-Automatik. Mit 1 PS aus 49 cm³ und 30 km/h Höchstgeschwindigkeit war es führerscheinfrei fahrbar und wurde zum Kult-Gefährt für Jugendliche in Italien, Frankreich und Deutschland. Produktionszahlen überstiegen 3,5 Millionen Einheiten. Heute sind gut erhaltene Ciaos ab 800 € zu haben, modifizierte Tuning-Varianten mit 70-cm³-Zylindern und Sportauspuff erreichen 2.000–3.000 €.

Die modernen GTS-Modelle (seit 2005) mit 300-cm³-Einspritz-Viertaktern und 24 PS sind die Flaggschiffe der Vespa-Flotte. Sie kombinieren klassisches Design mit ABS, LED-Beleuchtung und Smartphone-Konnektivität. Die limitierte Vespa 946 (ab 2013) mit handpolierter Aluminiumkarosserie und 12.000 € Neupreis richtet sich an Sammler und Design-Enthusiasten.

Technische Daten

Antriebskonzept: Alle klassischen Vespas nutzen Einzylinder-Zweitakter mit Gebläsekühlung. Der Motor sitzt direkt am Hinterrad, Kraftübertragung erfolgt über ein in die Motoreinheit integriertes Schaltgetriebe. Moderne Modelle (seit 1996) verwenden wassergekühlte Viertakt-Einzylinder mit Einspritzung. Die Piaggio-Marke (Zip, Liberty) setzt traditionell auf CVT-Automatik mit Keilriemen.

Marktübersicht und Kauftipps

Der Piaggio-Markt ist zweigeteilt: Vespa-Klassiker (vor 1990) und moderne Roller (nach 2000). Zwischenjahrgänge (1990–2000) mit Kunststoffkarosserie und Katalysator gelten als „Übergangsmodelle" und erzielen niedrigere Preise.

Vespa 150 GS (1955–1961): Die begehrteste Nachkriegs-Vespa. Restaurierte Exemplare kosten 15.000–25.000 €, unrestaurierte, aber komplette Fahrzeuge ab 8.000 €. Achten Sie auf Originalität: Lackierung, Sitzbank, Scheinwerferring und Tachoeinheit sollten zur Baujahr-Spezifikation passen. Die GS wurde oft „getuned" – nachträgliche 177-cm³-Zylinder oder PX-Bremsen mindern den Sammlerwert. Die beidseitige Vorderradaufhängung (nur bei GS) ist ein Erkennungsmerkmal. Rost tritt an den Trittbrettkanten, unter dem Reserverad und am Lenkkopf auf. Motor-Ersatzteile (Kolben, Zylinder, Kurbelwelle) sind bei Spezialisten verfügbar, aber teuer (Polini-Kurbelwelle: 400–600 €).

Vespa 200 Rally (1972–1979): Robuster Einsteiger-Oldtimer. Fahrfähige, unrestaurierte Exemplare ab 3.500 €, restauriert 8.000–12.000 €. Die Rally wurde in hohen Stückzahlen gebaut, entsprechend gut ist die Ersatzteilverfügung. Schwachstellen: Lenkkopflager (Spiel prüfen durch Vorderrad-Ruckeln), Bremszüge (oft korrodiert), Vergaserkopfdichtung (Undichtigkeiten führen zu Leistungsverlust). Der 200-cm³-Motor ist robust, aber auf Kompression achten (sollte über 8 bar liegen). Gebrauchtmarkt bietet viele halbfertige „Projekt"-Roller unter 2.000 € – Restaurierungskosten werden oft unterschätzt (Komplettlackierung: 2.500–4.000 €, Motorrevisionen: 800–1.500 €).

Piaggio Ciao (1967–2006): Einsteigerfreundlich und günstig. Gut erhaltene Exemplare ab 800 €, restauriert bis 2.500 €. Das Ciao wurde in verschiedenen Versionen gebaut: Ciao P (Grundmodell mit Pedalen), Ciao PX (stärkere Variante mit 2 PS), Ciao Bravo (ohne Pedale, stärkerer Motor). Die Variomatik ist wartungsarm, aber anfällig für Verschleiß – neue Keilriemen kosten 20 €, Variorollen 30 €. Häufiger Fehler: verstopfte Vergaser durch alte Benzinreste (Ultraschallreinigung notwendig). Viele Ciaos wurden für Moped-Rennen getunt – 70-cm³-Zylinder, Sportauspuff, Rennvergaser. Solche Umbauten erhöhen Geschwindigkeit auf 60–70 km/h, mindern aber Zuverlässigkeit. Originalität ist bei Sammlern gefragt, Tuning-Varianten richten sich an Fahrer-Community.

Vespa PX (1977–2017): Die meistgebaute Vespa mit über 3 Millionen Exemplaren in 40 Jahren. Modelle bis 1990 gelten als Oldtimer, spätere als Gebrauchte. Preise ab 1.800 € für fahrfähige 1980er-PX, ab 3.000 € für gut erhaltene 1990er-Modelle. Die PX ist ideal für Alltagsfahrer – Ersatzteile überall verfügbar, große Community, einfache Reparaturen. Achten Sie auf Motornummer (Rahmen- und Motornummer sollten übereinstimmen, sonst Eigentumsprobleme), Ölpumpe (Ausfall führt zu Motorschaden), Trittbrett-Durchrostung (häufig an der Schweißnaht). Viele PX wurden „customized" – Sonderfarben, breitere Reifen, Sportauspuff. Das mindert Originalität, ist aber in der PX-Szene akzeptiert.

Moderne Vespas (GTS 300, Primavera, Sprint): Gebrauchte GTS ab 3.500 € (Baujahr 2010), aktuelle Modelle ab 6.500 €. Wartung ähnelt modernen Motorrädern – Ventilspiel prüfen alle 10.000 km, Zahnriemenwechsel alle 20.000 km oder 4 Jahre (400–600 € Werkstattkosten). Die Viertakt-Motoren sind zuverlässig, aber Elektronik (ABS, Steuergerät) kann ausfallen – Werkstattdiagnose ist Pflicht. Gebrauchtkauf: auf Sturz-Spuren achten (Lenkerenden, Blinker, Spiegel), Bremsscheiben prüfen (Verschleißgrenze 4 mm), Batterie testen (oft nach zwei Jahren schwach).

Ersatzteilverfügbarkeit: Klassische Vespas (1946–1990) werden von SIP Scooter, Scooter Center, Casa Lambretta und italienischen Spezialisten vollständig mit Neuteilen versorgt. Selbst seltene GS-Teile sind reproduziert erhältlich. Piaggio-Mofas (Ciao, Bravo, Si) haben kleinere, aber aktive Communities – Teile über Treatland (USA), Mopedjunkyard (Niederlande). Moderne Roller (ab 2000) über Piaggio-Vertragshändler, Aftermarket-Hersteller wie Malossi und Polini bieten Performance-Teile.

Kaufempfehlung: Einsteiger sollten zur Vespa Rally 200 oder PX 200 greifen – robust, erschwingbar, gut dokumentiert. Sammler mit Budget setzen auf Vespa 150 GS oder frühe Vespa 125 (1948–1955). Alltagsfahrer wählen moderne GTS 300 (Viertakter, wartungsarm, ABS). Nostalgiker ohne Führerschein starten mit Piaggio Ciao.

Fahrverhalten

Eine klassische Vespa fährt sich nicht wie ein modernes Motorrad – sie fühlt sich an wie ein fliegendes Blechschiff. Die Radnabenlenkung sorgt für direktes, fast nervöses Einlenkverhalten bei niedrigen Geschwindigkeiten, stabilisiert sich aber ab 50 km/h. Das niedrige Gewicht (70–100 kg) macht Kurven spielerisch, erfordert aber Aufmerksamkeit bei Seitenwind. Der Schwerpunkt liegt weit unten – die Vespa lässt sich mit Körpergewicht in Schräglage drücken, kippt aber nicht abrupt um.

Die Vespa 150 GS mit 145 km/h ist kein Autobahn-Cruiser, sondern ein Adrenalin-Gerät. Bei Höchstgeschwindigkeit vibriert das Blech, der Zweitakt schreit bei 7.500 U/min, Windschutz gibt es keinen. Längere Fahrten über 100 km/h sind anstrengend. Die Rally 200 bietet mit 105 km/h entspanntere Reisegeschwindigkeiten, das lange Fahrwerk schluckt Bodenwellen souverän. Die PX 200 liegt zwischen beiden – 100 km/h Dauergeschwindigkeit, aber für Langstrecken zu laut und vibrationsintensiv.

Das Piaggio Ciao mit 30 km/h ist kein Verkehrsmittel, sondern ein Erlebnis. Der Einzylinder-Zweitakter summt wie eine Nähmaschine, die Variomatik arbeitet stufenlos, aber träge. Bergauf sinkt die Geschwindigkeit auf 20 km/h, Gegenwind bremst spürbar. Die Sitzposition ist aufrecht, die Federung hart (Teleskopgabel vorn, Schwingarme hinten). Das Ciao fühlt sich bei 25 km/h am wohlsten – gemütliches Dahingleiten durch Nebenstraßen.

Moderne GTS 300-Modelle fahren sich wie japanische Maxi-Scooter: satter Durchzug aus dem Viertakter, CVT-Automatik ohne Schaltruckeln, ABS verhindert blockierte Räder. Die 158 kg Gewicht geben Stabilität, mindern aber Agilität. Die GTS eignet sich für tägliche Pendelstrecken, Autobahn-Etappen bis 120 km/h sind möglich. Der Windschutz (optional mit hoher Scheibe) ist ausreichend, der Sitzkomfort auch für zweistündige Fahrten akzeptabel.

Bremsen: Klassische Vespas nutzen Trommelbremsen vorn und hinten – bei trockener Fahrbahn ausreichend, bei Nässe schwammig. Die Vespa 150 GS hat kleine 8-Zoll-Bremstrommeln, die bei 100 km/h an ihre Grenzen kommen. Spätere Modelle (PX, Rally) bieten größere Trommeln. Moderne Vespas (GTS) haben Scheibenbremsen mit ABS.

Design & Zubehör

Corradino d'Ascanio entwarf die Vespa nicht als Motorrad, sondern als Flugzeug für die Straße. Die selbsttragende Monocoque-Karosserie eliminierte den Rahmen – jedes Blechteil trägt Lasten. Die Seitenhauben öffnen wie Flugzeugtüren, der Durchstieg ermöglicht elegantes Aufsteigen ohne Beinschwung. Die „Wespentaille" – die schmale Mittelpartie zwischen Trittbrett und Heck – entstand aus aeronautischer Gewichtsreduktion, wurde aber zum ikonischen Merkmal.

Die Farbpalette der Vespa reflektiert Zeitgeist: 1950er in Pastelltönen (Menta, Azzurro), 1960er in knalligen Tönen (Rosso Corallo, Verde Bosco), 1970er in Metallic-Lacken. Die limitierte Vespa 946 (2013) nutzt handpoliertes Aluminium ohne Lack – eine Rückkehr zu d'Ascanios Flugzeugbau-Wurzeln.

Zubehör: Die Vespa-Szene lebt von Individualisierung. Klassiker werden mit Rückenpolstern, Windschutzscheiben, Koffersätzen (Koffer hinten, Satteltaschen seitlich) und Chromzierleisten veredelt. Die Mod-Kultur der 1960er brachte Dutzende Spiegel, Frontgepäckträger und Scheinwerferrahmen hervor – heute als „Mod-Vespa" gehandelt. Moderne Tuner verbauen LED-Scheinwerfer, Breitreifen-Umbauten (10-Zoll-Felgen statt 8 Zoll) und Sportauspuffanlagen (Akrapovič, Leo Vince).

Piaggio selbst bietet für GTS-Modelle Top-Cases mit 32–47 Liter Volumen, Sitzheizungen, Smartphone-Halterungen und Farbkonfiguratoren an. Die Vespa Elettrica (seit 2018) mit Elektromotor und 100 km Reichweite zielt auf urbane Umweltzonen.

Sonstiges

Die Vespa-Kultur ist mehr als ein Fahrzeug – sie ist Lebensstil. In Italien steht die Vespa für „la dolce vita", in Großbritannien für die Mod-Bewegung der 1960er (Quadrophenia-Film), in Deutschland für Wirtschaftswunder-Nostalgie. Jährliche Vespa-Treffen wie Vespa World Days (8.000–15.000 Teilnehmer) oder regionale Scooter-Runs bringen Enthusiasten zusammen.

Die Ape (italienisch: Biene), Piaggios Dreirad-Transporter, wurde 1948 als motorisierter Lastenträger eingeführt. Mit Vespa-Motor und offener Ladefläche eroberte sie italienische Märkte, indische Städte (Bajaj-Lizenz) und Foodtruck-Szenen weltweit. Oldtimer-Apes (vor 1980) kosten 4.000–8.000 €, restaurierte Exemplare mit Bar-Umbau bis 15.000 €.

Das Museo Piaggio in Pontedera zeigt auf 5.000 m² über 250 Fahrzeuge, darunter Prototypen, Rennmaschinen und den ersten Vespa-98-Produktionsroller. Der Eintritt ist frei – ein Muss für jeden Piaggio-Enthusiasten.

Vespa im Rennsport: Obwohl als Stadtroller konzipiert, wurde die Vespa zum Renn-Objekt. Die Vespa 150 TAP (1956) war eine militärische Version mit montiertem 75-mm-Rückstoßfreien Geschütz für französische Fallschirmjäger – zwei Vespas pro Geschütz (eine trug die Waffe, eine die Munition). Im Scooter-Racing treten getunete Vespas mit 200+ cm³ und 30+ PS an – weit entfernt von d'Ascanios Originalvision.

Fazit

Piaggio ist nicht nur ein Hersteller – es ist das Synonym für Motorroller. Die Vespa schrieb Designgeschichte, prägte Generationen und bleibt auch 80 Jahre nach ihrer Erfindung ein begehrtes Sammlerobjekt. Die Vespa 150 GS gilt als Krone der Nachkriegsmodelle, die Rally 200 als robuster Einsteiger, das Ciao als Kult-Mofa. Moderne GTS-Modelle verbinden Tradition mit zeitgemäßer Technik.

Wer eine klassische Vespa kauft, erwirbt kein Fahrzeug, sondern ein Stück italienischer Kultur. Die selbsttragende Blechkarosserie, das charakteristische Zweitakt-Knattern und die zeitlose Formgebung machen jede Fahrt zum Event. Die Community ist weltweit aktiv, Ersatzteile sind verfügbar, Werkstätten spezialisiert. Piaggio hat bewiesen, dass ein Roller aus Kriegsruinen zur globalen Ikone werden kann – und das über acht Jahrzehnte hinweg relevant bleibt.

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