1988 | Porsche 944 Turbo S
- Status:
- Vorschau
- Schätzwert:
- 37.000 € - 42.000 €
- Endet um:
- 01.11.2026, 17:45:00 MEZ
Es gab in den Achtzigerjahren Porsche-Fahrer, für die ein echter Porsche zwingend einen luftgekühlten Motor hinter der Hinterachse haben musste.
Und dann gab es die Ingenieure in Weissach.
Die setzten einen großen Vierzylinder vorne hinein, das Getriebe nach hinten, einen Turbolader dazwischen und bauten daraus mit dem 944 Turbo S eines der faszinierendsten Fahrerautos seiner Zeit.
Dieses Exemplar stammt aus 1988, leistet 250 PS und hat inzwischen 157.500 Kilometer zurückgelegt. Besonders reizvoll ist dabei sein Erhaltungszustand: Nach Angaben des Verkäufers trägt die silberne Karosserie noch immer ihren ersten Lack.
Und ja, dieser Lack hat ein paar Spuren.
Gut so.
Der 944 entstand in einer Phase, in der Porsche bewies, dass die eigene Zukunft nicht zwangsläufig ausschließlich hinter der Hinterachse stattfinden musste.
Das technische Rezept war grundlegend anders als beim 911: Motor vorne, Getriebe hinten. Dazwischen eine Transaxle-Welle.
Das Ergebnis war eine für einen Frontmotor-Sportwagen ausgesprochen ausgewogene Gewichtsverteilung – und ein Porsche, der sich völlig anders fuhr als sein berühmter Bruder.
Beim 944 Turbo S wurde dieses Konzept 1988 auf die Spitze getrieben.
Der aufgeladene 2,5-Liter-Vierzylinder leistete 250 PS. Heute mag das in Zeiten elektrischer Familienautos mit absurden Leistungswerten beinahe gewöhnlich erscheinen.
1988 war es das nicht.
250 PS in einem vergleichsweise kompakten Sportwagen waren ernsthafte Leistung. Und Porsche kombinierte sie mit einem Fahrwerk und einer Balance, die dafür sorgten, dass der 944 nicht nur auf einer Autobahngeraden beeindruckte.
Unter der langen Motorhaube arbeitet ein 2.449 cm³ großer Vierzylinder-Turbomotor mit 250 PS. Geschaltet wird über ein manuelles Fünfganggetriebe.
Das Besondere sitzt allerdings nicht nur unter der Haube.
Das Getriebe befindet sich an der Hinterachse. Genau dieses Transaxle-Prinzip gibt dem 944 seinen Charakter.
Während ein klassischer 911 einem stets vermittelt, dass dort hinten eine beträchtliche Menge Mechanik sitzt, fühlt sich ein guter 944 wunderbar ausbalanciert an. Er wirkt nicht wie ein Auto, das seinen Fahrer ständig daran erinnern möchte, wie clever er konstruiert wurde.
Er funktioniert einfach.
Und dann kommt der Turbo.
250 PS, fünf Gänge und Hinterradantrieb. Keine zehn Fahrprogramme, keine künstlich erzeugten Fehlzündungen und kein Touchscreen, auf dem man zunächst den Sportmodus suchen muss.
Man drückt das rechte Pedal.
Das reicht.
Dieser Turbo S präsentiert sich in Silber. Nach Angaben des Verkäufers ist die Karosserie unfallfrei und trägt weiterhin ihren ersten Originallack.
Und dieser Lack erzählt inzwischen seine eigene Geschichte.
Im Frontbereich gibt es kleinere Kratzer und Steinschlagspuren nahe den Blinkern. An einem Außenspiegel sowie im unteren Bereich der Front werden leichte Ablösungen des Klarlacks beschrieben.
Man könnte das natürlich alles beseitigen.
Abschleifen. Lackieren. Polieren. Und anschließend würde das Auto aussehen, als wäre seit 1988 überhaupt nichts passiert.
Aber warum sollte man?
Ein fast vier Jahrzehnte alter Porsche darf zeigen, dass er auf Straßen gefahren wurde. Ein Steinschlag im alten Lack erzählt manchmal mehr als eine perfekte neue Lackierung.
Die montierten 16-Zoll-Leichtmetallräder werden als gut erhalten beschrieben, die Reifen sind jüngeren Herstellungsdatums.
Innen wird es wunderbar achtziger Jahre.
Der Innenraum ist blau und mit Stoff ausgestattet.
Heute würde irgendeine Marketingabteilung dafür vermutlich einen Namen wie „Midnight Ocean Heritage Interior“ erfinden und mehrere Tausend Euro Aufpreis verlangen. 1988 bestellte man einfach einen blauen Innenraum.
Und er passt hervorragend.
Der Verkäufer beschreibt das Interieur als ausgesprochen gut erhalten und mit lediglich geringen Gebrauchsspuren. Zur Ausstattung gehören elektrisch verstellbare Sitze sowie das öffnungs- beziehungsweise herausnehmbare Dachelement.
Sogar das originale zeitgenössische Radio ist noch vorhanden. Es funktioniert gelegentlich nicht ganz so zuverlässig, wie man es sich wünschen würde.
Was möglicherweise das authentischste Detail des gesamten Innenraums ist.
Der Kilometerzähler zeigt 157.500 Kilometer.
Und auch diese Zahl gefällt mir bei diesem Auto.
Denn hier steht kein Turbo S, der sein Leben damit verbracht hat, von einer Sammlung zur nächsten transportiert zu werden.
157.500 Kilometer bedeuten, dass dieser Porsche benutzt wurde. Autobahnen, Landstraßen, Tankstellen, Urlaubsfahrten, kalte Morgen und vermutlich der eine oder andere Moment, in dem der Turbolader deutlich wichtiger war als das Radio.
Gleichzeitig wurde die Technik weiter betreut. Zu den jüngeren Arbeiten gehören erneuerte Motorlager. Zuvor wurden Komponenten der Bremsanlage ersetzt. Wesentliche Wartungsarbeiten sollen nach Angaben des Verkäufers bei einem Porsche-Zentrum durchgeführt worden sein.
Der Wagen wird als technisch gut und unmittelbar fahrbereit beschrieben.
Heute befindet sich der Turbo S in Genua und verfügt laut Inseratsangaben über eine ASI-Zertifizierung und -Eintragung des Automotoclub Storico Italiano.
Das ist eigentlich eine schöne Wendung in seiner Geschichte.
Ein deutscher Sportwagen aus den Achtzigern, heute als historisches Fahrzeug in Italien anerkannt – und immer noch mit 250 Turbo-PS bereit für die nächste Straße.
Was mir an diesem 944 besonders gefällt, ist nicht allein seine Leistung.
Es ist die Tatsache, dass offenbar niemand versucht hat, seine vergangenen Jahrzehnte vollständig auszulöschen.
Der Erstlack hat Steinschläge. An einigen Stellen zeigt der Klarlack sein Alter. Der Kilometerstand ist sechsstellig.
Und genau deshalb wirkt dieses Auto glaubwürdig.
Restaurieren kann man vieles. Einen original erhaltenen Zustand kann man nur bewahren.
Bei einem 944 Turbo S, der inzwischen fast vier Jahrzehnte hinter sich hat, kann ein kleiner Steinschlag deshalb durchaus interessanter sein als eine makellose Lackschicht.
Der Porsche 944 Turbo S war 1988 der Beweis, dass Porsche keinen Heckmotor brauchte, um einen außergewöhnlichen Sportwagen zu bauen.
250 PS. Handschaltung. Hinterradantrieb. Transaxle. Und eine Gewichtsverteilung, die zeigte, dass Ingenieure manchmal interessantere Ideen haben als Marketingabteilungen.
Dieses Exemplar fügt noch etwas hinzu: Erhaltung.
Silberner Erstlack mit ehrlichen Gebrauchsspuren, ein bemerkenswert erhaltenes blaues Interieur, 157.500 Kilometer und eine Technik, die weiterhin genutzt und gewartet wurde.
Er versucht nicht, wieder 1988 zu sein.
Er hat 1988 einfach überlebt.
Und falls jemand immer noch behauptet, ein richtiger Porsche müsse den Motor hinter der Hinterachse haben, gibt es dafür eine ausgesprochen einfache Lösung:
Man gibt ihm die Schlüssel zu diesem Turbo S und zeigt ihm eine kurvige Straße.

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