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Rickman Motorrad kaufen
Rickman steht für eine britische Idee, die bis heute elektrisiert: ein überragender Rahmen, dazu der Motor, der gerade am besten passte. Wer eine klassische Rickman kauft, sucht kein Serienmotorrad, sondern ein Stück Renn- und Schrauberkultur mit echtem Sammlerprofil.
Suchergebnisse

1977 | Rickman Honda CR
Deutsche Straßenzulassung - Lieferung weltweit

1973 | Rickman Honda CB 750 Four
*** SEHR SELTEN *** Komplett Restauration über Fr. 25'000.- *** Perfekter Zustand *** Eintausch & Finanzierung möglich ***
"Rickman" Inserats-Referenzen von Classic Trader
Im Folgenden finden Sie Inserate zu Ihrer Suche, die nicht mehr auf Classic Trader verfügbar sind. Für eine bessere Kaufentscheidung können Sie sich mit Hilfe dieser Informationen ein besseres Bild über Verfügbarkeit, Wertentwicklung und aktuellen Preis eines "Rickman" machen.

1985 | Rickman Metisse Mk III
1985 Rickman Metisse MRD. Two owners from new, first owner Doug Desborough

1975 | Rickman Honda CR 750 Four

1973 | Rickman Metisse Mk III

1971 | Rickman G 50 Metisse

1980 | Rickman Kawasaki CR 1000

1977 | Rickman Honda CR
CR 750 - JAPAUTO 1000 VX

1967 | Rickman Metisse 250
c1967 Rickman Metisse "Petite" Starmaker 250cc

1979 | Rickman Kawasaki CR
Z1 Z900

1966 | Rickman G 50 Metisse

1974 | Rickman Honda CB 750 Four
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Geschichte & Erbe
Die Geschichte von Rickman beginnt nicht im Vorstandsbüro eines großen Herstellers, sondern im Schlamm der britischen Scrambles-Szene. Derek und Don Rickman, beide erfolgreiche Motocross-Fahrer der 1950er-Jahre, waren unzufrieden mit dem Material, das ihnen Triumph, BSA, Matchless oder Royal Enfield anboten. Die Serienmotorräder waren robust, aber oft schwer, weich und fahrdynamisch hinter ihren Ansprüchen zurück. Also taten die Brüder das, was später zum Kern ihrer Marke wurde: Sie kombinierten das Beste, was verfügbar war, und bauten den Rest selbst.
1959 entstand die erste Metisse. Der Name – die französische Bezeichnung für einen Mischling – war kein Witz, sondern Programm. Anfangs kombinierten die Rickmans noch vorhandene Teile britischer Motorräder, doch schon sehr früh wurde klar, dass der entscheidende Unterschied im Rahmenbau lag. 1962 erschien die Metisse Mk III, das Modell, mit dem Rickman weltweit bekannt wurde. Der bronzegelötete Rahmen aus Reynolds-531-Rohr, vernickelt und mit Ölführung im Rahmen, war leicht, steif und elegant. Zeitgenössische Berichte sprechen von rund 22,5 Pfund Chassisgewicht und etwa 3,25 Quart Ölvolumen im Rahmen. Genau diese Mischung aus Funktion und Präzision machte Rickman zur Referenz im Offroad-Sport.
In den 1960er-Jahren entstanden laut zeitgenössischen und späteren Quellen rund 2.000 Metisse-Rahmen, die weltweit Rennen gewannen. Die heutige Metisse-Heritage-Seite verweist zudem auf mehr als 16.000 produzierte Rickman-/Metisse-Motorräder insgesamt, davon über 2.000 CR-Modelle. Solche Zahlen erklären, warum Rickman heute zwar bekannt, aber nie massenhaft verfügbar ist. Es war immer eine Marke für Könner, ambitionierte Privatfahrer und Enthusiasten mit technischem Verständnis.
Mitte der 1960er-Jahre weitete Rickman sein Konzept auf die Straße und die Rundstrecke aus. 1966 erschien die erste Straßen- und Straßenrenn-Metisse, unter anderem mit Matchless-G50-Motoren und damals hochmodernen Lockheed-Scheibenbremsen. Fahrer wie Bill Ivy, Alan Barnett und Kel Carruthers bewegten Rickman-Rahmen im Rennbetrieb. Parallel dazu etablierte sich die Street Metisse mit Triumph-Twin als eine der begehrtesten britischen Café-Racer-Offerten ihrer Zeit.
In den 1970er-Jahren reagierten die Rickmans auf die japanische Übermacht nicht mit Rückzug, sondern mit Anpassung. Statt nur Triumph-, BSA- oder Matchless-Triebwerke aufzunehmen, entwickelten sie Fahrwerke für den Honda CB750 Four und die Kawasaki Z1. Daraus entstanden die berühmten CR750- und CR900/CR-Z1-Modelle: Motorräder, die die Kraft und Zuverlässigkeit japanischer Vierzylinder mit der Leichtfüßigkeit, dem Finish und der Rennoptik britischer Spezialrahmen verbanden.
Gerade in den USA bekam Rickman dadurch zusätzlichen Rückenwind. Die Marke profitierte von ihrer Präsenz im Desert Racing, von der Nähe zu Bud Ekins und vom Enthusiasmus von Steve McQueen, der die Metisse öffentlich lobte. In Großbritannien wurde Rickman 1974 mit dem Queen’s Award to Industry für den Exporterfolg geehrt. Das zeigt: Rickman war nie nur ein Nischen-Schrauberbetrieb, sondern ein ernstzunehmender Kleinserienhersteller mit internationalem Ruf.
Nach dem Ende der eigentlichen Rickman-Produktion blieb die Substanz erhalten. Werkzeuge, Formen und Know-how wanderten zu Spezialisten wie Pat French und später weiteren Rickman- bzw. Metisse-Verwaltern. Für heutige Käufer ist das wichtig: Rickman ist keine tote Marke. Es gibt Register, Spezialisten, nachgefertigte Teile und eine gewachsene Szene – aber eben keine unbegrenzte Teilewand wie bei Honda CB750 oder Triumph Bonneville. Genau daraus speist sich der Sammlerreiz.
Highlights & Besonderheiten
Was macht ein Rickman-Motorrad so besonders? Zuerst der Rahmen. Kaum eine klassische Marke ist so sehr über ihr Fahrwerk definiert. Ein echter Rickman fällt durch seine vernickelte Oberfläche, die sauberen Lötstellen, die klare Linienführung und die funktionale Kompaktheit auf. Die Motorräder wirken niemals zufällig. Selbst dann, wenn der Motor von einem Fremdhersteller stammt, bleibt die Handschrift eindeutig britisch.
Besonders wichtig für Sammler sind fünf Modellfamilien:
Rickman Metisse Mk III/Mk IV: Das Herzstück der Marke. Offroad-orientierte Chassis für Triumph-, BSA-, AJS-/Matchless- oder Weslake-Motoren. Diese Motorräder begründeten den Ruf der Rickman-Brüder. Im Markt zählen hier Originalität der Rahmennummer, periodisch korrekte Anbauteile und sauber dokumentierte Motorwahl.
Street Metisse mit Triumph-Twin: Die Straße-Version machte aus der Metisse keinen reinen Racer, sondern einen sehr exklusiven Café Racer. Laut zeitgenössischem Cycle-World-Test lag das Gewicht rund 30 Pfund unter einer Triumph Bonneville, der Tank fasste 4,2 Gallonen, und die Kombination aus Triumph-650-Twin und Rickman-Fahrwerk galt als ausgesprochen präzise. Für viele Käufer ist die Street Metisse die ästhetisch reinste Rickman überhaupt.
Matchless G50 Metisse: Hier verdichtet sich der Rennmythos. Die Matchless G50 war schon ohne Rickman-Rahmen eine ernstzunehmende 500er-Rennmaschine. Im Rickman-Chassis wurde sie noch reizvoller. Zeitgenössische und spätere Quellen nennen etwa 175 bis 180 gebaute G50-Motorrenner insgesamt; echte Rickman-G50 sind deshalb extrem rar. Wer so etwas sucht, bewegt sich weniger im normalen Oldtimer-Markt als im Bereich historischer Rennmotorräder mit Provenienzanspruch.
Rickman Honda CR750: Vielleicht der berühmteste japanisch-britische Rickman-Mix. Rickman brachte 1974 ein Chassis für den Honda-CB750-Motor, um Gewicht, Bremsen und Handling gegenüber der schweren Serien-Honda zu verbessern. Ein aktuelles Bring-a-Trailer-Angebot von 2025 nennt den typischen Aufbau klar: 736 cm³ SOHC-Vierzylinder, Reynolds-531-Rahmen, Avon-Fiberglas-Verkleidung, Borrani-18-Zoll-Räder, AP-Lockheed-Scheibenbremsen und Koni-Federbeine.
Rickman Kawasaki CR900 / CR-Z1: Die schärfste Ausprägung des Konzepts. Der Kawasaki-Z1-Motor brachte rohen Schub, Rickman lieferte die passende Bühne. Ein Bring-a-Trailer-Verkauf von 2025 beschreibt einen typischen 903-cm³-DOHC-Vierzylinder mit Werksangabe von 81 PS und 54 lb-ft, verpackt in einen vernickelten Doppelschleifenrahmen mit Rennverkleidung. Für Sammler, die britisches Spezialistentum mit japanischer Vierzylinder-Performance suchen, ist das ein Schlüsselmotorrad.
Über alle Modelle hinweg wiederholen sich die Markenzeichen: Reynolds-531-Rohr, vernickelte Chassis, Öl-im-Rahmen-Prinzip bei vielen frühen Metisse, Fiberglas-Komponenten von Avon, hochwertige Zulieferteile wie Borrani, Lockheed, Ceriani, Betor, Koni oder Girling. Genau diese Teilekombination entscheidet heute oft über den Marktwert.
Technische Daten
Die Marke Rickman ist kein homogener Serienhersteller. Trotzdem lassen sich die wichtigsten Sammlermodelle technisch sauber gegenüberstellen:
Wichtig: Bei Rickman zählen nicht nur nackte Zahlen, sondern die Konfiguration im Detail. Schon periodisch verbaute Vergaser, Gabeln, Räder oder Bremszangen können den Charakter eines Motorrads deutlich verändern. Ein sauber dokumentierter, periodisch korrekt aufgebauter CR750 ist für Sammler meist interessanter als ein technischer Mischbau mit guten Komponenten, aber schwacher Historie.
Marktübersicht und Kauftipps
Der Rickman-Markt ist klein, international und stark von Provenienz, Originalität und Baustufe abhängig. Auf Classic Trader finden Sie aktuell 1 Angebot: eine Rickman Honda CB 750 Four in der Schweiz, angeboten für CHF 37.500, mit dokumentierter Restauration von über CHF 25.000. Dieses Inserat ist kein Durchschnittswert, aber ein guter Beleg dafür, wo ein aufwendig aufgebautes, optisch starkes und straßenzugelassenes Exemplar im heutigen Handel angesetzt werden kann.
Deutlich breiter ist das Bild bei öffentlichen Auktionen 2024–2025:
- Rickman Metisse Projekt, 1969, H&H, Oktober 2024: £3.450
- Rickman Matchless Metisse 500, 1964, Spicers, Oktober 2024: £4.900
- Rickman Metisse 500 mit Triumph-Motor, 1964, Anglia Car Auctions, Januar 2024: £7.452
- Norton Rickman Metisse Racing, 1973, H&H, März 2024: £9.775
- Triumph Rickman Metisse, 1973, Dore & Rees, Februar 2025: £7.826 Hammerpreis
- Rickman Metisse Mk III mit Matchless G80CS, 1964, Iconic Motorbike Auctions, Oktober 2025: $9.500
- Rickman Honda CR750, Bring a Trailer, Juli 2025: $11.100
- Rickman Kawasaki CR900, Bring a Trailer, Mai 2025: $8.500
- Rickman CR Kawasaki 900, Mecum/Hagerty, Januar 2025: $18.700
Aus diesen Zahlen lässt sich ein belastbares Raster ableiten:
Typische Preiszonen 2024–2025
Projekte und unvollständige Offroad-Metisse starten realistisch bei £3.000 bis £5.000. Hier ist der Reiz hoch, das Risiko aber ebenfalls. Fehlende Engine Plates, falsche Gabeln, beschädigte Fiberglas-Teile oder nicht authentische Rahmennummern verschlingen Budget.
Fahrbereite britisch motorisierte Metisse bewegen sich meist im Bereich von £7.000 bis £10.000, wenn sie stimmig aufgebaut, aber nicht außergewöhnlich dokumentiert sind. Das gilt für gute Triumph-, Norton- oder Matchless-basierte Motorräder ohne prominente Rennhistorie.
Japanisch motorisierte CR-Modelle liegen stärker auseinander. Ein ordentliches, aber nicht überrestauriertes US-Auktionsmotorrad kann bei $8.500 bis $11.100 liegen; ein besonders gutes, knappes oder stark präsentierbares Kawasaki-Exemplar kann wie die Mecum-Transaktion 2025 bis knapp $18.700 steigen. Europäische Händlerpreise und zugelassene Fahrzeuge liegen oft höher als US-Auktionswerte.
Spitzenstücke – besonders echte Rickman-G50, Motorräder mit dokumentierter Werks- oder Rennhistorie, frühe und sehr originale Metisse oder exzellent restaurierte Street Metisse – entziehen sich einfachen Durchschnittswerten. Hier ist der Markt so dünn, dass ein einziges authentisches Motorrad den Preisrahmen verschiebt. Für solche Fahrzeuge gilt: Ohne Registerauskunft und belastbare Historie sollten Sie nicht kaufen.
Was beim Kauf zu prüfen ist
1. Rahmennummer und Identität
Das ist der wichtigste Punkt. Rickman war Kit-Anbieter, Kleinserienhersteller und Spezialist zugleich. Prüfen Sie die Rahmennummer, gleichen Sie sie nach Möglichkeit mit dem Rickman Metisse Historic Register oder anerkannten Spezialisten ab und lassen Sie sich erklären, für welchen Motor das Chassis ursprünglich ausgeliefert wurde. Gerade umgebaute Mk-IV-Rahmen oder später angepasste CR-Chassis sehen überzeugend aus, sind aber nicht automatisch korrekt.
2. Lötstellen, Steuerkopf, Schwingenlagerung
Mehrere Quellen und Restaurierungsberichte nennen Risse an den oberen Rahmenzügen bzw. im Bereich des Lenkkopfs als typischen Schwachpunkt – vor allem bei hart eingesetzten Offroad-Maschinen. Achten Sie auf nachträgliche Reparaturen, unruhige Schleifspuren unter dem Nickel und unsaubere Nachlötungen.
3. Öl-im-Rahmen und Innenkorrosion
Frühe Metisse-Rahmen nutzten den Rahmen als Ölspeicher oder Ölkanal. Wenn ein Motorrad jahrzehntelang trocken stand, kann sich innen Korrosion bilden. Ein Bericht zur Street Metisse nennt genau das als Grund, bei einem Neuaufbau auf einen separaten Öltank umzurüsten. Fragen Sie deshalb immer: Läuft das Motorrad noch mit Originalsystem? Wurde gespült? Gibt es Fotos vom Inneren oder Belege der Revision?
4. Nickeloberfläche und Rahmenfinish
Das glänzende Nickel ist bei Rickman kein bloßer Schmuck, sondern Identitätsmerkmal. Blasenbildung, Mattstellen, Unterrostung oder unpassend „zu perfektes" Refinish können Warnsignale sein. Eine neu vernickelte Restaurierung kann hervorragend sein – wenn sie fachgerecht ausgeführt und dokumentiert wurde.
5. Fiberglas-Teile von Avon
Rickman-Bodywork sieht großartig aus, ist aber nicht unproblematisch. Restaurierungsberichte und zeitgenössische Kommentare weisen auf sprödes, rissanfälliges oder schlecht gealtertes Fiberglas hin, besonders bei 1970er-CR-Modellen. Kontrollieren Sie Befestigungspunkte, Unterseiten von Tank und Sitzbank sowie nachträgliche Laminatarbeiten.
6. Donormotoren
Bei jeder Rickman entscheidet der Zustand des Motors über einen großen Teil der Gesamtkosten.
- Triumph/BSA/Matchless/AJS: Ölundichtigkeiten, Magnetzündung, Primärtrieb, Verschleiß der Ventiltriebe und Teileversorgung klären.
- Honda CB750: Nockenketten-Geräusche, Ladeanlage, Vergaserabstimmung, Ölverlust, Dokumentation eines Motorumbaus.
- Kawasaki Z1/CR900: Steuerkette, Vergaser, Getriebe, Heißlauf, korrekte Mikuni-Bestückung und saubere Befestigung im Rickman-Rahmen prüfen.
7. Bremsen und Federelemente
AP-Lockheed-Sättel, Betor- oder Ceriani-Gabeln, Koni- oder Girling-Federbeine gehören zum Charakter – können aber nach langer Standzeit teuer werden. Festgegammelte Sättel, pockige Standrohre und verschlissene Borrani-Felgen sind klassische Zusatzkosten.
Ersatzteile und Käuferprofil
Die Ersatzteillage ist besser, als viele Neueinsteiger vermuten. Es gibt weiterhin Spezialisten für Rahmenteile, Fiberglas-Komponenten, Decals, Engine Plates und Registerauskünfte. Trotzdem ist Rickman kein Plug-and-play-Klassiker. Manche Teile sind nachfertigbar, manche nur gebraucht zu finden, und periodisch korrekte Komponenten kosten deutlich mehr als funktionale Repro-Teile.
Rickman spricht heute vor allem drei Käufertypen an:
- Sammler britischer Specials, die die Geschichte des Rahmenbaus lieben.
- Fahrer, die eine deutlich individuellere Alternative zu Norton Commando, Triumph Bonneville oder Honda CB750 suchen.
- Kenner historischer Renntechnik, die in G50-, CR750- oder CR900-Rickmans die eigentliche Essenz der Marke sehen.
Fahrverhalten
Wer nur auf Leistungsdaten schaut, versteht Rickman nicht. Der Reiz liegt im Gefühl. Eine gute Rickman fährt sich selten wie ein zufällig zusammengesetzter Special-Bau. Sie wirkt kompakt, straff und erstaunlich klar in ihren Rückmeldungen. Gerade im Vergleich zu vielen zeitgenössischen Serienmotorrädern entsteht der Eindruck, dass hier weniger Masse und weniger Unschärfe zwischen Fahrer und Fahrbahn liegen.
Die frühen Metisse mit britischem Single oder Twin vermitteln das unmittelbarste Erlebnis. Das Motorrad ist schmal, mechanisch präsent und lebendig unter dem Fahrer. Im Gelände oder auf kleinen, winkligen Straßen fühlt sich eine gute Metisse beinahe drahtig an. Die Lenkung reagiert präzise, das Fahrwerk gibt ehrliche Rückmeldung, und selbst bei moderaten Geschwindigkeiten spürt man die Absicht der Konstrukteure: maximale Kontrolle statt bloßer Höchstgeschwindigkeit.
Eine Street Metisse mit Triumph-650-Twin verlagert dieses Gefühl auf die Straße. Die Sitzposition ist typisch Café Racer – lang über dem Tank, Gewicht auf den Handgelenken, Füße weiter hinten –, aber nicht bloß Show. Sobald der Twin sauber hochdreht, ergibt sich diese sehr britische Mischung aus Vibration, mechanischem Takt und erstaunlicher Fahrpräzision. Zeitgenössische Tester lobten nicht ohne Grund den deutlichen Handling-Vorteil gegenüber der Serien-Bonneville.
Die G50-Maschinen sind nochmals schärfer. Hier herrscht Rennlogik. Ein großer Einzylinder, ein steifes Chassis, wenig Komfort, viel Konzentration. Auf einer historischen Rennstrecke macht genau das den Reiz aus: jede Kurve, jede Bremsphase und jede Lastwechselreaktion sind unmittelbar spürbar.
Die CR750- und CR900-Modelle wirken anders, aber nicht weniger reizvoll. Die japanischen Vierzylinder bringen Laufruhe, Drehzahl und Kraftreserven. Der Rickman-Rahmen nimmt ihnen die Schwerfälligkeit, die viele Fahrer den Spenderbikes zuschreiben. Ein guter CR750 fühlt sich weniger wie ein Umbau und mehr wie ein alternativer Entwurf an: Honda-Power, aber mit britischer Schärfe im Fahrwerk. Beim Kawasaki-CR ist das Erlebnis noch wuchtiger. Mehr Schub, mehr Ernst, mehr physische Präsenz – aber immer mit der typischen Rickman-Klarheit im Chassis.
Design & Philosophie
Rickman hat nie nach dem Muster großer Serienhersteller gestaltet. Trotzdem besitzen die Motorräder eine sehr klare Formensprache. Das wichtigste Gestaltungselement ist der vernickelte Rahmen selbst. Er ist Struktur, Schmuck und Markensymbol zugleich. Wo andere Marken mit Tankformen oder Logos arbeiten, identifiziert man Rickman oft schon auf zehn Meter Entfernung über das Chassis.
Dazu kommen die Avon-Fiberglas-Teile: Tanks, Sitzbänke, Seitendeckel, Halbschalenverkleidungen. Besonders bei Street Metisse, CR750 und CR900 entsteht daraus eine Silhouette, die näher an der Rennstrecke als am Boulevard ist. Lange, flache Linien; schmale Front; kompakter Heckabschluss; keine überflüssigen Volumina. Ein Rickman will nicht geschniegelt wirken, sondern fokussiert.
Diese Philosophie erklärt auch, warum die Marke heute so stark mit der Kultur der britischen Specials verbunden wird. Rickman stand nie für Werksdogma, sondern für die Idee, dass ein engagierter Konstrukteur ein besseres Motorrad bauen kann, wenn er sich frei aus vorhandenen Bauteilen bedient. Genau deshalb gehören Rickman, Triton, Norvin oder Tribsa in denselben geistigen Raum – mit dem Unterschied, dass Rickman die professionellste und formal geschlossenste Antwort darauf war.
Besonders reizvoll ist die Designentwicklung der Marke. Die frühen Offroad-Metisse wirken funktional, hochbeinig und sachlich. Die Street Metisse übersetzt dieselbe Logik in die Sprache der Café Racer. Die CR-Modelle der 1970er-Jahre greifen schließlich die Ästhetik der Langstrecken- und Production-Racer auf: Halbschalenverkleidung, flache Sitzbank, 18-Zoll-Räder, tiefe Linien. Wer Rickman sammelt, sammelt damit auch eine kleine Geschichte britischer Motorsportgestaltung.
Rennsport, Export & Popkultur
Rickman ist ohne Rennsport nicht denkbar. Die Marke wurde aus dem Wettbewerb geboren und blieb ihm immer verpflichtet. Schon die frühen Metisse-Motorräder sammelten Erfolge im Motocross und bei nationalen Veranstaltungen. Die Heritage-Chronik von Metisse betont Siege in Moto Cross des Nations, 250er- und 500er-Klassen sowie zahlreiche nationale Erfolge.
Mit dem Wechsel auf die Straße und auf Rundstrecken kam neue Sichtbarkeit. Die Rickman-Brüder arbeiteten mit Tom Kirby, setzten früh auf Lockheed-Scheibenbremsen und bewiesen, dass ein kleiner britischer Spezialist keine Angst vor technischer Innovation hatte. Gerade in den 1960er-Jahren war das ein starkes Signal.
Noch wichtiger für den Mythos war der Export in die USA. Dort passte Rickman perfekt in eine Szene, die britische Offroad-Specials, Desert Racing und Individualismus schätzte. Namen wie Bud Ekins und Steve McQueen gaben der Marke zusätzliche Strahlkraft. McQueen war kein Werbegesicht im üblichen Sinn; seine Nähe zu Metisse und Rickman wirkte gerade deshalb glaubwürdig, weil sie aus echter Fahrpraxis kam.
In Großbritannien verankerte sich Rickman außerdem in der Café-Racer-Kultur der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre. Zwar stand der Name nicht so massenhaft auf der Straße wie Triumph oder Norton, doch gerade für ambitionierte Fahrer war eine Street Metisse oder ein Rickman-Rahmen das Statement, dass man mehr wollte als Serienware. Nicht nur schneller, sondern besser sortiert. Dieser Geist passt bis heute zur Marke.
Fazit
Ein Rickman ist kein Motorrad für Käufer, die nur Datenblätter vergleichen oder ein leicht handelbares Mainstream-Sammlerstück suchen. Rickman ist für Menschen, die verstehen, warum ein Rahmen Geschichte schreiben kann. Von der Metisse Mk III über die Street Metisse bis zu CR750 und CR900 zieht sich ein roter Faden durch die Marke: bessere Fahrwerke, präzisere Ausführung, kompromisslosere Haltung.
Die Marktpreise 2024–2025 zeigen klar: Rickman ist noch nicht in allen Bereichen ausgereizt, aber auch längst kein Geheimtipp mehr. Projekte beginnen bei rund £3.450, gute britisch motorisierte Motorräder bewegen sich grob zwischen £7.000 und £10.000, japanisch motorisierte CR-Modelle reichen von $8.500 bis knapp $18.700, und hervorragend restaurierte Händlerfahrzeuge können wie das aktuelle Schweizer Angebot bei CHF 37.500 liegen.
Entscheidend ist nicht nur, welches Rickman Sie kaufen, sondern wie richtig es ist: Rahmennummer, Motor, Finish, Teilemix, Dokumentation und Szene-Nachweis zählen hier stärker als bei vielen Großserienklassikern. Wer das beachtet, findet in Rickman eines der eigenständigsten und fahraktivsten Kapitel der britischen Motorradgeschichte.
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