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Čezeta Motorroller kaufen
Ein Torpedo auf zwei Rädern – 1957 in der Tschechoslowakei geboren, designt von Jaroslav František Koch. Über 115.000 Exemplare rollten bis 1964 aus dem Werk, doch im Westen blieb die Čezeta Geheimtipp.
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1962 | Čezeta 502
Jawa Tatran Roller Cezeta 501
"Čezeta" Inserats-Referenzen von Classic Trader
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1962 | Čezeta 502
Jawa Tatran Roller Cezeta 502
1962 | Čezeta 502
Jawa Tatran Roller Cezeta 502
1962 | Čezeta 502
Jawa Tatran Roller Cezeta 502
Geschichte & Erbe
Die Čezeta-Geschichte beginnt nicht bei Null. Česká Zbrojovka Strakonice (ČZ), 1919 als Waffenhersteller gegründet, schwenkte nach 1945 auf Zweiräder um. Ab 1935 produzierten sie Motorräder, doch 1957 sollte ein Roller das Portfolio erweitern. Designer Jaroslav František Koch – Rennfahrer, Ingenieur, Visionär – entwarf den Typ 501: 175 cm³ Zweitakt-Einzylinder, Monocoque-Stahlblechkonstruktion, 2 Meter Länge. Die Form? Ein Torpedo, inspiriert von Sputnik und der Space-Age-Euphorie der späten 1950er.
Der Typ 501 debütierte 1957 und war sofort polarisierend: zu lang, zu futuristisch, zu unpraktisch – hieß es. Doch die Tschechoslowakei brauchte erschwingliche Mobilität für die Massen. Die Čezeta kostete weniger als ein Motorrad, bot Wetterschutz durch das lange Trittbrett und Platz für zwei Personen. Der 175-cm³-Motor (später 502-Variante) lieferte bescheidene 7–8 PS, reichte aber für 85 km/h – genug für Stadt und Landstraße.
1963 löste der Typ 502 den 501 ab: überarbeitetes Getriebe (vier Gänge statt drei), verbesserte Elektrik, höhere Zuverlässigkeit. Die Konstruktion blieb: Monocoque-Karosserie, Kickstarter, Fußschaltung links, Ölbadkupplung, Kettenantrieb aufs Hinterrad. Der 12-Liter-Tank saß unter dem Trittbrett; darüber ein Gepäckträger für 15 kg Last. Unter der nach vorne klappenden Sitzbank: abschließbares Fach für Werkzeug und Batterie.
1964 endete die Produktion in der Tschechoslowakei nach etwa 115.000 Einheiten (501 und 502 zusammen). Die Werkzeuge gingen nach Neuseeland, wo die Čezeta als NZeta weiter gebaut wurde. Ein Dreirad-Pickup namens „Rickshaw" entstand für Transportzwecke – beliebt in Asien und Neuseeland.
2017 kehrte die Marke zurück: Der Typ 506 – ein Elektroroller mit Retro-Design. Die klassischen 501/502-Modelle blieben im Osten populär, im Westen jedoch selten. Wer heute eine Čezeta fährt, zieht Blicke – garantiert.
Highlights & Besonderheiten
Die Monocoque-Konstruktion unterscheidet die Čezeta von italienischen Rollern: Kein Rohrrahmen, sondern selbsttragende Stahlblechkarosserie. Das spart Gewicht (Typ 502: ~95 kg trocken), macht Reparaturen aber anspruchsvoll – Blechschäden erfordern Spezialwerkzeug.
Der 175-cm³-Zweitakt (Jikov-Vergaser, Bosch-Zündkerze) läuft luftgekühlt, braucht Öl-Benzin-Gemisch (1:25 bis 1:33, je nach Hersteller-Empfehlung). Leistung: 7–8 PS bei 5000 U/min. Klingt wenig, doch bei 95 kg Gewicht reicht es für 85 km/h. Der Motor verträgt Wartungsvernachlässigung schlecht – Kolbenringe verschleißen schnell, wenn falsche Ölmischung gefahren wird.
Das Vier-Gang-Getriebe (Typ 502) schaltet per Fußhebel links; Kupplung per Handhebel links. Gangwechsel ab zweitem Gang läuft automatisch (Fliehkraftkupplung unterstützt) – ungewöhnlich für 1960er-Roller. Das Getriebe läuft im Ölbad; Wartung alle 3000 km zwingend.
Die 2-Meter-Länge bot Komfort für zwei Personen: Lange Sitzbank, durchgehende Trittbretter, Platz für Gepäck vorne (bis 15 kg). Wetterschutz? Bedingt – die Beinschilde sind höher als bei Vespa, aber Spritzwasser kriecht bei Regen durch.
Filmauftritte: Čezeta-Roller erschienen in osteuropäischen Filmen der 1960er/70er – Symbole für Jugend und Freiheit im Ostblock. Im Westen blieb die Marke unsichtbar; Vespa und Lambretta dominierten. Das macht die Čezeta heute zur Rarität außerhalb Tschechiens, Polens und der Slowakei.
Technische Daten
Besonderheiten: Kickstarter rechts. Ölmischung 1:25 bis 1:33 (Benzin:Zweitaktöl), abhängig von Hersteller-Empfehlung. Getriebeölwechsel alle 3000 km. Schmiernippel an Schwinge, Lenkkopflager, Kette – regelmäßiges Abschmieren zwingend.
Marktübersicht und Kauftipps
Typ 502 dominiert den Sammlermarkt; Typ 501 ist seltener. Preise 2024/2025 in Westeuropa (Deutschland, UK, Frankreich):
- Projektbasis, nicht fahrbereit, Rostschäden, Motor überholt nötig: €800–€1.500
- Fahrbereit, optisch gealtert, Gebrauchsspuren, Motor läuft, TÜV/Anmeldung möglich: €2.000–€3.500
- Guter Zustand, restauriert, neuer Lack, Motor überholt, wenig Rost: €4.000–€6.500
- Concours-Zustand, Vollrestaurierung, Originalteile, dokumentierte Historie: €7.000–€9.000
Osteuropa (Tschechien, Polen, Slowakei): Preise liegen 30–40 % niedriger. Angebote ab €1.200 für fahrbare Maschinen häufig; Restaurierungen ab €3.000.
Neuseeland/Australien: NZeta-Modelle (in Neuseeland gebaute Čezeta) erzielen ähnliche Preise wie Typ 502. Transport nach Europa kostet €2.000–€3.000 – wirtschaftlich nur bei seltenen Farbvarianten.
USA: Selten; vereinzelte Importe aus Osteuropa. Preise ab $3.000 für fahrbare Exemplare.
Kaufberatung
Karosserie: Monocoque-Blech rostet an typischen Stellen: Bodenblech unter Trittbrett (Spritzwasser), Schwinge-Aufnahme hinten (Feuchtigkeit), Gepäckträger-Befestigung vorne (Lackabplatzer). Durchgerostete Stellen erfordern Neuanfertigung von Blechteilen – teuer und zeitaufwendig. Originale Bleche selten; Reproduktionen aus Tschechien verfügbar (ab €300 pro Blech). Lack: Originallack erhöht Wert; Neulackierungen erkennt man an Farbunterschieden an Schweißnähten. Typische Farben: Hellblau (Aqua), Rot, Creme, Grau.
Motor: Kickstarter-Mechanik verschleißt – prüfen, ob Kickstarter durchrutscht (Zahnkranz abgenutzt). Kolbenringe verschleißen bei falscher Ölmischung; Kompressionsprüfung zwingend (Sollwert: ~7–8 bar). Zündkerze (Bosch W240 oder ähnlich): Elektrode prüfen, Abstand 0,5–0,6 mm. Jikov-Vergaser verstopft nach Standzeiten – Reinigung nötig, Ersatzdüsen aus Tschechien (€20–€40).
Getriebe: Ölwechsel alle 3000 km – viele Besitzer vergessen das. Altes Öl führt zu Verschleiß an Zahnrädern. Prüfen: Schaltgeräusche (schleifend = Schäden), Leerlauf (kracht = Kupplung verschlissen). Getriebeöl: SAE 80 (mineralisch).
Elektrik: 6-Volt-System mit Magnetzündung (Bosch). Lichtmaschine sitzt im Motordeckel – Spulen können durchbrennen (Ersatz aus Tschechien, €80–€150). Kabel oft brüchig; kompletter Kabelbaum-Nachbau verfügbar (€150–€250).
Federung: Telegabel vorne – Simmerringe verschleißen, Öl leckt. Ersatz-Simmerringe Standard (z. B. SKF), Gabelrohre bei Korrosion schleifen lassen. Stoßdämpfer hinten: Oft durchgerostet oder undicht; Nachbauten aus Polen/Tschechien (€100–€200 pro Paar).
Teileversorgung: Tschechien ist Hauptquelle – Shops wie Čezeta Club (www.cezeta.cz) oder ČZ-Ersatzteilhändler liefern Reproduktionen: Blechteile, Kabelstränge, Dichtungssätze, Vergaserteile. Kosten: Dichtungssatz komplett €40–€60, Kolben mit Ringen €80–€120, Vergaser komplett €150–€250. Versand: 1–3 Wochen nach Westeuropa; Zollabwicklung nötig (Tschechien = EU, aber manche Shops verlangen Vorauskasse).
Restaurierungskosten: Motor-Vollüberholung €600–€1.200 (inkl. Kolben, Lager, Dichtungen), Neulackierung €800–€1.500, Fahrwerk-Rebuild €300–€600. Gesamtrestaurierung: €3.000–€5.000 – nur bei seltenen Farbvarianten oder dokumentierter Historie wirtschaftlich sinnvoll.
Zulassung in Deutschland/EU: Als Kleinkraftrad (bis 50 cm³) nicht möglich – 175 cm³ erfordern Leichtkraftrad-Zulassung (Klasse A1). TÜV prüft: Bremsen, Beleuchtung, Lenkungsspiel. Viele Čezetas haben keine EU-Papiere – Einzelabnahme nötig (Kosten: €300–€800).
Fahrverhalten & Erlebnis
Die Čezeta fährt sich wie kein anderer Roller. Die 2-Meter-Länge macht sie träge beim Wenden – Wendekreis größer als Vespa oder Lambretta. Auf gerader Strecke liegt die Maschine aber satt: Langer Radstand (1400 mm) sorgt für Spurstabilität bei 80 km/h. Seitenwind? Spürbar, aber nicht gefährlich – das niedrige Gewicht (95 kg) macht die Čezeta windanfällig.
Der 175-cm³-Zweitakt knattert charakteristisch – kein sanftes Summen wie Vespa-Viertakter, sondern raues Tackern. Beschleunigung: gemächlich. 0–50 km/h in ~10 Sekunden; 80 km/h erreicht die Maschine nach langer Geraden. Bergauf (10 % Steigung) fällt die Geschwindigkeit auf 60 km/h. Reichweite: ~250 km bei 4–5 Liter/100 km Verbrauch (12-Liter-Tank).
Sitzposition: aufrecht, entspannt. Die lange Sitzbank bietet Platz für zwei; Beifahrer sitzt bequem, wenn Fahrer nach vorne rückt. Trittbretter durchgehend – Beine können ausgestreckt werden, untypisch für Roller. Fußschaltung links gewöhnungsbedürftig (bei Vespa rechts); Kupplung links ebenfalls.
Bremsen: Trommelbremsen vorne/hinten – dosierbar, aber nicht kraftvoll. Bei Nässe verlängert sich Bremsweg deutlich. Moderne Sintermetall-Bremsbeläge verbessern Leistung (verfügbar bei tschechischen Händlern).
Alltagstauglichkeit: Für Kurzstrecken ideal; Pendeln (10–20 km) machbar. Langstrecken (100+ km) anstrengend – kein Windschutz, harte Federung, lauter Motor. Die Čezeta ist Sympathieträger, kein Reisemobil.
Design & Philosophie
Jaroslav František Koch entwarf die Čezeta im Geist der Atomzeitalter-Euphorie: Sputnik kreiste 1957 um die Erde, Gagarin folgte 1961. Der Roller sollte Fortschritt verkörpern – modern, futuristisch, schnell. Die Torpedoform war Programm: stromlinienförmig, keine Ecken, fließende Übergänge. Die Länge (2 Meter) unterstrich das raumschiffhafte Design.
Das Monocoque-Blech umschloss Motor und Technik vollständig – Schutz vor Schmutz, Wasser, Blicken. Wartungsklappen an den Seiten ermöglichten Zugang. Die Farbpalette? Pastellfarben – Hellblau (Aqua), Creme, Grau, Rot. Chrom an Scheinwerfer, Stoßstangen (vorne/hinten), Lenker.
Die Čezeta war Designikone der Ostblock-Moderne – sie symbolisierte Wohlstand im Kommunismus, Mobilität für die Massen, Teilhabe an der Space-Age-Zukunft. Im Westen blieben Vespa und Lambretta Mainstream; die Čezeta blieb fremd, exotisch.
Heute wirkt das Design zeitlos – retro-futuristisch, unverwechselbar. Keine andere Marke kopierte die Form; sie bleibt Čezeta-Alleinstellungsmerkmal.
Sonstiges
Die Čezeta wurde zum Kult in der ČSSR: Jugendinitiativen organisierten Roller-Rallyes, Clubs entstanden. Filme wie „Schwarzer Petr" (1964, Miloš Forman) zeigten Čezeta-Roller als Symbol jugendlicher Rebellion – bescheiden, aber selbstbestimmt.
Der Dreirad-Pickup „Rickshaw" entstand für Transportzwecke: Verlängerter Rahmen, Ladefläche hinten, 175-cm³-Motor. Produktion in Neuseeland (NZeta) und Export nach Asien. Heute Rarität; Sammlerpreise ab €5.000 für restaurierte Exemplare.
Export: Die ČSSR exportierte Čezeta nach Vietnam, Kuba, Mongolei – kommunistische Bruderstaaten. In Kuba fahren noch heute vereinzelte Exemplare. Westexport scheiterte an Qualitätsmängeln (Rost, Elektrik) und politischen Hürden (Kalter Krieg).
Clubszene: Čezeta Club International (www.cezeta.cz) organisiert Treffen in Tschechien; 200–300 Roller erscheinen jährlich. In Deutschland existiert keine dedizierte Čezeta-Szene – Besitzer sind Einzelgänger, oft in Ostblock-Zweirad-Clubs organisiert.
2017er-Revival: Der elektrische Typ 506 (11 kW, 60 km/h, 60 km Reichweite) knüpfte an 1950er-Design an. Limitierte Auflage (500 Stück), Preis ~€7.000. Produktion lief schleppend; Marke kämpfte mit Finanzierung. Klassische 501/502-Modelle bleiben die wahren Čezetas.
Fazit
Die Čezeta ist kein Roller für Pragmatiker. Wer Zuverlässigkeit und Ersatzteilversorgung wie bei Vespa sucht, greift woanders. Die Čezeta ist für Enthusiasten, die Außenseiter-Design und Ostblock-Historie schätzen. Preise sind moderat: €2.000–€6.500 für fahrbare bis restaurierte Exemplare. Teile kommen aus Tschechien; Wartezeiten einkalkulieren.
Das 2-Meter-Torpedo-Design zieht Blicke – garantiert. Fahrleistung? Bescheiden, aber ausreichend für Stadt und Landstraße. Der 175-cm³-Zweitakt knattert charmant, braucht aber Pflege (richtige Ölmischung, regelmäßige Wartung).
Wer eine Čezeta fährt, besitzt ein rollendes Zeitdokument: Symbol für Ostblock-Moderne, Space-Age-Optimismus, tschechoslowakische Ingenieurskunst. Im Westen selten, im Osten Kult – genau diese Spannung macht die Marke reizvoll.
