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Benelli Motorrad kaufen

Seit 1911 baut die Familie Benelli in Pesaro Motorräder – und stellte 1974 der Welt das erste Sechszylinder-Serienmotorrad vor. Wer ein Benelli kauft, erwirbt ein Stück Motorsportgeschichte aus einer der traditionsreichsten Manufakturen Italiens.

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Suchergebnisse

Bild 1/46 von Benelli Pepe 50 (1999)
1 / 46

1999 | Benelli Pepe 50

Benelli PEPE 50

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Bild 1/50 von Benelli 125 Sport Special (1974)
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Bild 1/33 von Benelli Letizia 98 (1960)
1 / 33

1960 | Benelli Letizia 98

Benelli LETIZIA 98

12.000 €
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Bild 1/17 von Benelli Leoncino Bassotto (1954)
1 / 17

1954 | Benelli Leoncino Bassotto

Benelli Leoncino Bassotto

14.500 €
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"Benelli" Inserats-Referenzen von Classic Trader

Im Folgenden finden Sie Inserate zu Ihrer Suche, die nicht mehr auf Classic Trader verfügbar sind. Für eine bessere Kaufentscheidung können Sie sich mit Hilfe dieser Informationen ein besseres Bild über Verfügbarkeit, Wertentwicklung und aktuellen Preis eines "Benelli" machen.

Abgelaufenes Inserat
Bild 1/26 von Benelli 125 Sport Special (1971)

1971 | Benelli 125 Sport Special

Benelli 125 2C

5.500 €vor 3 Monaten
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Bild 1/4 von Benelli Leoncino 2T (1955)

1955 | Benelli Leoncino 2T

1955 Benelli Leoncino da restaurare

500 €vor 4 Monaten
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Bild 1/9 von Benelli Magnum 5V (1978)

1978 | Benelli Magnum 5V

Gebaut für Drehzahl, Dynamik und sportlichen Anspruch

Auktionvor 4 Monaten
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Bild 1/50 von Benelli 125 Sport Special (1976)

1976 | Benelli 125 Sport Special

Benelli 125 SPORT SPECIAL

3.200 €vor 5 Monaten
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Bild 1/12 von Benelli 354 Sport II (1984)

1984 | Benelli 354 Sport II

Benelli I 354 S

4.200 €vor 11 Monaten
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Bild 1/28 von Benelli 50 Trial (1978)

1978 | Benelli 50 Trial

-

2.500 €vor 12 Monaten
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Bild 1/10 von Benelli Leoncino 4T (1962)

1962 | Benelli Leoncino 4T

BENELLI Leoncino ANNO 1962

2.300 €letztes Jahr
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Geschichte & Erbe

Die Geschichte von Benelli beginnt mit einer alleinerziehenden Mutter und sechs Söhnen. Teresa Benelli gründete 1911 in Pesaro, an der Adriaküste der Emilia-Romagna, eine Motorrad-Reparaturwerkstatt. Aus dieser bescheidenen Garage sollte eine der langlebigsten Motorradfabriken der Welt entstehen. Zehn Jahre nach der Gründung begann die Serienproduktion eigener Fahrzeuge, zunächst kleine Einzylinder für den Alltagsgebrauch.

Doch Benelli beschränkte sich nie auf das Naheliegende. Bereits in den 1930er Jahren bauten die Brüder konkurrenzfähige Rennmaschinen, die auf europäischen Rundkursen für Aufsehen sorgten. 1950 errang Dario Ambrosini auf einer Benelli 250cc mit Doppelnockenwelle die Motorrad-Weltmeisterschaft in der 250-cm³-Klasse – der erste WM-Titel für Pesaro. Ambrosini gewann das TT auf der Isle of Man mit einem Vorsprung von nur 0,2 Sekunden, eine der engsten Entscheidungen in der Geschichte des Klassiker-Rennens.

Nach einer langen Durststrecke folgte 1969 der zweite WM-Triumph: Der Australier Kel Carruthers gewann den 250cc-Weltmeistertitel auf einer Benelli Vierzylinder mit Doppelnockenwelle – und das, nachdem er die ersten drei Saisonläufe verpasst hatte. Mit sieben Podiumsplätzen und drei Siegen holte er den Titel mit fünf Punkten Vorsprung. Dieser Triumph blieb Benellis größter Rennsporterfolg der modernen Ära.

Zu dieser Zeit arbeitete auch der Rennfahrer und Schauspieler Steve McQueen als inoffizieller Markenbotschafter für Benelli auf dem US-Markt. Er schlug sogar Verbesserungen für das Fahrwerkskonzept des späteren 650 Tornado vor – ein Detailreichtum, der die Ernsthaftigkeit des Unternehmens im Exportmarkt zeigt.

1971 übernahm der argentinische Industrielle Alejandro de Tomaso – auch Eigentümer von Moto Guzzi – Benelli. Unter seiner Regie wurde die Marke neu ausgerichtet: Man wollte den Japanern die Stirn bieten, nicht durch Imitation, sondern durch Überbietung. Das Ergebnis war eine Reihe von Mehrzylinder-Modellen, die die Branche aufhorchen ließen. 1972 präsentierte Benelli den 750 Sei der Weltpresse – das erste Sechszylinder-Serienmotorrad der Geschichte.

Die 1980er Jahre wurden schwierig. Sinkende Verkaufszahlen, mangelnde Investitionen und der Druck der japanischen Konkurrenz führten zur schrittweisen Einstellung der Produktion. 1988/89 verließ der letzte 900 Sei das Werk. Nach einer langen Pause erwarb Andrea Merloni 1992 die Marke und begann mit Motorrollern, bevor er in den 2000er Jahren wieder Motorräder unter dem Namen Benelli auf den Markt brachte.

Für Oldtimer-Sammler relevante Modelle stammen fast ausschließlich aus der De-Tomaso-Ära: der 650 Tornado (1970–1976), der 500 Quattro (1974–1975), der 750 Sei (1974–1978) und der 900 Sei (1978–1989).

Highlights & Besonderheiten

Benelli ist in erster Linie bekannt für eine technische Pionierleistung: die Benelli 750 Sei, das weltweit erste Serienmotorrad mit Sechszylindermotor. Präsentiert 1972, ab 1974 in Produktion, war dieses Motorrad ein Schock für die Branche. Honda, Kawasaki und Suzuki bauten damals Vierzylinder; Benelli fügte einfach zwei weitere Töpfe hinzu.

Das Styling des 750 Sei stammte von Carrozzeria Ghia – dem Design-Studio, das auch für Ferrari, Volkswagen und De Tomaso tätig war. Die charakteristischen, eckig abgefeilten Kühlrippen des Motors, die markante Instrumentenkonsole mit Warnleuchten-Panel und vor allem das 6-in-6-Auspuffanlage – sechs individuelle Krümmer führten zu sechs separaten Schalldämpfern – machten das Motorrad zu einem visuellen und akustischen Erlebnis ohne Gleichen.

Für Kenner ist der Klang des 750 Sei bis heute ein unvergessliches Erlebnis. Das gleichmäßige, seidig-satte Brummen eines laufwarmen Sechszylinders, multipliziert durch sechs einzelne Auspuffrohre, ist charakteristisch für keine andere Maschine.

Der 500 Quattro ist das weniger bekannte, aber technisch bemerkenswerte Geschwistermodell. Ebenfalls 1974 eingeführt, besaß er Brembo-Bremsscheiben, Marzocchi-Federbeine und Borrani-Aluminiumfelgen – eine Fahrwerksausstattung auf europäischem Niveau, die japanischen Mitbewerbern damals überlegen war. Enthusiasten beschreiben den 500 Quattro als das fahrdynamisch bessere Benelli-Modell seiner Zeit.

Der 650 Tornado wiederum ist die Rarität unter den Raritäten. Als OHV-Parallel-Twin mit 643cc war er für den US-Markt konzipiert und direkt gegen britische Twins aus Triumph und BSA positioniert. Steve McQueen unterstützte Benelli als Markenbotschafter, und der 650 Tornado gewann tatsächlich Stammkunden durch seine überraschende Langlebigkeit und das charakteristische Klangbild seines überdrehzahlfreudigen Twins. Nur rund 3.000 Stück wurden gebaut.

Der 900 Sei schließlich ist die weniger geschätzte, aber interessante Weiterentwicklung des 750. Mit 906cc, einem 6-in-2-Abgassystem der Marke Silentium und – je nach Serienstand – einer Bikini-Verkleidung vom Moto-Guzzi-Le-Mans-Regal war er stärker, aber optisch polarisierender als sein Vorgänger.

Technische Daten

Benelli 750 Sei – Details:

  • Motor: 747,7 cc SOHC Reihensechszylinder, Bohrung × Hub 56 × 50,6 mm
  • Vergaser: 3 × Dell'Orto VHB 24 mm
  • Getriebe: 5-Gang
  • Antrieb: Kette
  • Rahmen: Doppelrohrwiege, Stahlrohr
  • Vorderbremse: Zwei Scheibenbremsen (Brembo), Serie 2 mit Moto-Guzzi-Telegabel
  • Hinterrad: Trommelbremse (750), Scheibenbremse (900)
  • Radstand: 1.400 mm
  • Tankinhalt: ca. 24 Liter
  • Produktionszahlen: ca. 3.200 Einheiten (750), ca. 1.878 Einheiten (900)

Produktionsstaffeln 750 Sei:

  • Serie 1: 1974–1976 (Rahmennr. #5001–#6773), 1.772 Einheiten
  • Serie 2: 1976–1978 (ab #6774), 1.428 Einheiten – verstärkte Getriebeteile, neue Teleskopgabel

Marktübersicht und Kauftipps

Der Sammlermarkt für Benelli-Oldtimer ist überschaubar, aber stabil. Die Benelli 750 Sei ist das begehrteste Modell und erzielt auf Auktionen zuverlässig fünfstellige Preise.

Aktuelle Preisspannen (2024–2025):

  • Benelli 750 Sei, gepflegter Originalzustand: 15.000–22.500 € (Bonhams Stafford April 2024: £22.425 für einen 1978er; Car & Classic Niederlande: 27.500 € für restaurierten 1978er)
  • Benelli 750 Sei, fahrbereiter Gebrauchtzustand: 8.000–15.000 € (Privatmarkt Deutschland/Österreich)
  • Benelli 750 Sei, Projektmotorrad: 4.300–8.000 € (Privatmarkt Spanien/Italien)
  • Benelli 900 Sei: 8.000–16.000 € je nach Zustand und Serie
  • Benelli 500 Quattro: 4.500–12.000 €, Trommelbremsmodelle (Serie 1) seltener und höher bewertet
  • Benelli 650 Tornado: 3.500–9.000 €, gut restaurierte Stücke selten im Angebot

Ein Bonhams-Ergebnis vom Dezember 2024 brachte einen 1974er 750 Sei für $11.813 (ca. 10.800 €). Im April 2025 erzielte ein weiterer 1974er Sei bei Bonhams Stafford den Schätzwert von £12.000–14.000. Bei Gooding & Christie's London 2024 wurde ein 1976er 750 Sei mit nur 900 Meilen für £9.000 zugeschlagen – deutlich unter der Schätzung von £12.000–18.000, was die Preisempfindlichkeit bei nicht komplett dokumentierten Exemplaren zeigt.

Was den Preis treibt:

  • Vollständige Originalität (vor allem die 6-in-6-Auspuffanlage des 750 Sei – Neuanfertigungen aus Turin möglich, aber teuer)
  • Dokumentierte Fahrzeuggeschichte mit italienischem Originalpapier oder deutschem Brief
  • Serie-2-Fahrzeuge des 750 Sei (ab 1976) sind werksmäßig zuverlässiger und daher vorzuziehen

Schwachstellen und Kaufinspektions-Checkliste:

Benelli 750 Sei:

  • Getriebe (Serie 1, vor Rahmennr. ~5294): Frühe Exemplare hatten Probleme mit zu engen Fertigungstoleranzen im Getriebe und an der Kurbelwelle. Bei Serie-1-Bikes: Getriebe auf Hakeln und Schaltprobleme testen, besonders unter Last.
  • Ölverlust: Typisches Problem aller Sechszylinder – Dichtungen an der Zylinderkopfgasket und den Tappet-Deckeln altern. Motorunterseite vor dem Kauf genau prüfen.
  • Zündung: Originale Unterbrecher-Zündung ist wartungsintensiv. Empfehlenswert: Elektronik-Umbau (gilt als Werterhalt-neutrale Maßnahme in der Sammlergemeinschaft).
  • Vergaser: Drei Dell'Orto-Vergaser müssen synchronisiert sein. Fehlsynchronisation äußert sich in unrundem Leerlauf und Gasstößen bei Teillast.
  • Nockenwellenkette: Regelmäßige Nachspannung nötig. Klapperndes Geräusch beim Kaltstart → Kettenverschleiß prüfen.
  • Auspuffanlage: Das 6-in-6-System ist das teuerste Ersatzteil. Verrostete oder nicht-originale Auspuffsysteme stark wertmindernd. Komplett neue Anlagen aus Turin verfügbar, aber kostenintensiv.
  • Elektrik: Connector-Blöcke und Schalter korrodieren. Grundfunktionen prüfen. Lichtmaschine und Spulen sind robust.
  • Tachoantrieb und Kilometerzähler: Tachometer- und Drehzahlmesserkabel reißen regelmäßig. Originalinstrumente intakt?

Benelli 900 Sei:

  • Ölverbrauch und -leckage: Ausgeprägter als beim 750, vor allem an Simmerringen und Ventilschaftdichtungen.
  • Kupplung: Die trockene Mehrscheibenkupplung des 900 ist für das höhere Drehmoment ausgelegt, aber anfällig wenn vernachlässigt. Auf Schlupf testen.
  • Kolben: Dies ist das kritischste Bauteil – Übermaßkolben für den 900 Sei sind kaum verfügbar. Kawasaki-GPZ305-Kolben passen mit Bearbeitung, sind aber ebenfalls selten. Vor jedem Kauf nach dem Motorinnenstand fragen; ein Motorschaden kann wirtschaftlicher Totalschaden sein.
  • Anlasser: Verschleiß am Anlassermotor ist dokumentiert.
  • Ventilspiel: Häufigere Kontrolle notwendig als bei japanischen Zeitgenossen.

Ersatzteile:

  • Firma Benelli-Bauer in Deutschland gilt als zentrale Anlaufstelle für Ersatzteile in Europa.
  • Der Benelli Club GB (benelliclubgb.net) ist eine wichtige Wissensquelle.
  • Teile, die mit Moto Guzzi geteilt werden (Bremsen, Instrumente, Federbeine), sind leichter verfügbar.
  • Auspuffanlagen für den 750 Sei werden noch in Turin gefertigt.
  • Spezifische Motorteile des 900 Sei (Übermaßkolben) sind das Nadelöhr bei der Restaurierung.

Käuferprofil: Die Benelli 750 Sei richtet sich an Sammler mit Erfahrung im Umgang mit italienischen Motorrädern der 1970er Jahre. Sie ist kein Einsteigermotorrad. Wer einen gut gepflegten 750 Sei kauft, erwirbt einen zuverlässigen, alltagstauglichen Klassiker – mehrere Besitzer berichten von Laufleistungen über 60.000 km ohne größere Motorarbeiten. Der 900 Sei ist für Schrauber mit Leidenschaft; sein Kolbenproblem macht ihn für Sammler ohne Werkstattkenntnisse risikobehaftet.

Fahrverhalten

Wer zum ersten Mal auf einem Benelli 750 Sei sitzt, ist von der Masse des Sechs-Topf-Triebwerks eingeschüchtert. Doch sobald der Motor warm läuft und die ersten Meter vergehen, wird klar: Diese Maschine ist für lange Strecken gemacht.

Der Sechszylinder dreht seidig-gleichmäßig. Wo japanische Vierzylinder der gleichen Ära mit Drehmomentspitzen und Vibrationsplateaus kämpfen, liefert der Benelli ein nahezu pulsationsfreies Drehmomentband. Bei etwa 4.000–5.000 U/min setzt eine sanfte Kraftwelle ein, die bis über 8.000 U/min anhält. Kein ruckartiges Hochdrehen, keine Schaltstoßempfindlichkeit wie beim Honda CB750 – stattdessen ein Dahinfließen, das einem Grand-Touring-Motorrad entspricht.

Der Klang ist – es gibt kein anderes Wort – einzigartig. Sechs einzelne Auspuffrohre produzieren ein Sechsklang-Crescendo, das bei niedrigen Drehzahlen säuselt und bei Vollgas zu einem sonoren, durchdringenden Brummen anschwillt. Kenner beschreiben ihn als "einen der schönsten Klänge, die je ein Motorrad produziert hat."

In Kurven zeigt der 750 Sei seine europäische Herkunft: Der Stahlrohrrahmen bietet solide Steifigkeit, die Marzocchi-Federbeine (Serie 1) respektive die Moto-Guzzi-abgeleitete Gabel (Serie 2) arbeiten präzise. Der Schwerpunkt liegt durch das breite Triebwerk höher als bei einem zeitgenössischen britischen Twin, was das Einlenken etwas mehr Entschlossenheit erfordert. Einmal in der Kurve liegt das Motorrad stabil – solange man nicht an die bescheidene Bodenfreiheit stößt.

Die Bremsen sind für heutige Verhältnisse mittelmäßig. Der 750 Sei besitzt zwar zwei vordere Brembo-Scheiben, doch die Verzögerungswerte entsprechen dem Stand der frühen 1970er Jahre. Vorausschauendes Fahren ist Pflicht.

Der 900 Sei wirkt im Vergleich schwerfälliger. Das um 50 mm breitere Triebwerk (bedingt durch die seitliche Verlagerung der Lichtmaschine) erhöht den Geradeauslauf, mindert aber die Agilität. Zeitgenössische Testberichte maßen eine Höchstgeschwindigkeit von nur 180 km/h – weniger als beim 750 – und kritisierten die kleine Verkleidung als windschattenarm.

Design & Zubehör

Das Design des Benelli 750 Sei ist das Werk von Paolo Martin von Carrozzeria Ghia – einem Mann, der zuvor Karosserien für Ferrari, Pininfarina und Bertone entworfen hatte. De Tomaso beauftragte Ghia bewusst, um Benelli ein Erscheinungsbild zu geben, das aus der Masse des Motorradsektors herausstach.

Das Ergebnis war konsequent modern für 1974: eckige, kastig geformte Tankformen, quadratisch abgefeilte Zylinderkopfkühlrippen (die technisch funktionslos waren, aber optisch das Honda-Erbe des Motors kaschieren sollten), eine klare Instrumentenkonsole mit vollständiger Warnanzeigen-Bestückung (damals eine Rarität im Motorradmarkt) und Farbgebungen in Rot, Silber und Grün.

Die Karosserieteile lagen auf einem qualitativ höheren Niveau als viele italienische Motorräder der Zeit – Chromteile blätterten nicht, Blinker funktionierten. De Tomaso hatte ausdrücklich die Mängel seiner Vorgänger im Auge und strebte nach japanischer Verarbeitungsqualität, erreichte sie aber nicht vollständig.

Serie-1-Fahrzeuge (1974–1976) wirken roh und ursprünglich, die Instrumente sind relativ schlicht. Serie-2-Maschinen (1976–1978) erhielten eine überarbeitete Gabelgeometrie und feinere Oberflächen. Für Sammler gilt die Elettronica-Version – einer der letzten gebauten 750 Sei – als besonders gesuchtes Exemplar.

Der 900 Sei der späteren Baujahre (MK IV) zeigt den Gestaltungstrend der frühen 1980er: Slash-Farbgebung in Weiß-Rot oder Weiß-Schwarz, schwarzmattierte Motorgehäuse, schwarzverchromtes Abgassystem und ein ovales Instrumentencluster. Diese Ästhetik ist weniger zeitlos als die des 750, aber für Kenner der Ära wiedererkennbar.

Zubehör und Umbaumöglichkeiten:

  • Elektronik-Zündung (Pflichtumrüstung für Alltagsbetrieb)
  • Ölkühler (empfohlen für häufigen Einsatz, besonders beim 900)
  • Tachometer-/Drehzahlmesserkabel: Ersatz stets vorhalten
  • Ventilschaftdichtungen: bei Warmstart-Rauchen ersetzen
  • Lackierungen: Originalfarben Rot, Silber, Grün dokumentieren höchste Restwerte

Rennsporterbe

Benelli ist eine der wenigen Motorradmarken, die auf zwei WM-Titel im Grand-Prix-Motorsport verweisen kann – beide in der 250cc-Klasse, beide auf technisch eigenwilligen Maschinen.

1950: Dario Ambrosini gewann den Weltmeistertitel auf einer Benelli 250cc Doppelnockenwelle. Sein Sieg bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man – mit nur 0,2 Sekunden Vorsprung – gilt als einer der dramatischsten Rennsiege in der Geschichte des Leichtgewichts-Motorsports.

1969: Kel Carruthers wiederholte den Kunstsieg auf einer Benelli 250cc Vierzylinder. Carruthers war ursprünglich Werksfahrer für Aermacchi, durfte aber mit ausdrücklicher Genehmigung seines Arbeitgebers die gesamte zweite Saisonhälfte auf der Benelli fahren. Er gewann das Rennen in Irland und Jugoslawien und sicherte den Titel durch Konstanz – sieben Podiumsplätze in einer halben Saison.

Das Rennprogramm prägte auch die Straßenmotorräder: Die Vierzylindermaschinen der 250-ccm-Rennabteilung waren die technische Vorlage für den späteren 500 Quattro. Die Namen Renzo Pasolini und Tarquinio Provini – beide Benelli-Werkspiloten der 1960er Jahre – sind feste Größen in der Geschichte des Gran-Prix-Motorsports.

Fazit

Benelli ist die kleinste der großen italienischen Motorradmarken – und genau das macht sie so besonders. Mit nur drei relevanten Sammlungsmodellen aus der klassischen Ära ist die Auswahl übersichtlich, aber qualitativ hochwertig.

Wer ein Benelli 750 Sei kauft, erwirbt das erste Sechszylinder-Serienmotorrad der Welt – ein Fahrzeug, das 1974 der Motorradbranche demonstrierte, wohin die Reise geht. Mit rund 3.200 gebauten Einheiten ist es selten genug, um auf jeder Ausfahrt Aufmerksamkeit zu erregen, aber häufig genug, um Ersatzteile noch zu finden. Der Markt ist stabil: Vollständige, originale Exemplare der Serie 2 erzielen in Deutschland und Österreich regelmäßig 15.000 bis 22.000 €.

Der 900 Sei ist für Enthusiasten mit Schrauberpassion eine reizvolle Alternative, erfordert aber Sorgfalt bei der Vorauswahl – vor allem wegen der schwer zu beschaffenden Übermaßkolben.

Der 650 Tornado und der 500 Quattro sind Raritäten für Kenner, die den Reiz einer kleinen Stückzahl und einer großen Geschichte schätzen.

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