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Aermacchi Harley-Davidson Motorrad kaufen
Vom Flugzeugbauer zum Rennsieger: Aermacchi Harley-Davidson vereinte italienische Einzylinder-Technik mit amerikanischem Vertriebsnetz. Vier Weltmeistertitel, ein Geschwindigkeitsrekord und eine Handvoll Modelle, die heute als unterschätzte Sammlerstücke gehandelt werden.
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1963 | Aermacchi Harley-Davidson Ala d'oro 250
Aermacchi - Harley Davidson 250 S Ala D'Oro
"Aermacchi Harley-Davidson" Inserats-Referenzen von Classic Trader
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1969 | Aermacchi Harley-Davidson Ala d'oro 350
Aermacchi - Harley Davidson 350 Ala d'oro
1971 | Aermacchi Harley-Davidson 350 GT Sprint
2025-05-13 14:42:20 | Aermacchi - Harley Davidson 350 SPRINT
1973 | Aermacchi Harley-Davidson 350 GT Sprint
Harley-Davidson Aermacchi 350 SS NE
1965 | Aermacchi Harley-Davidson Ala d'oro 250
c.1963 Aermacchi Harley-Davidson Ala D'oro 250cc
1962 | Aermacchi Harley-Davidson Ala d'oro 250
1962 Aermacchi Harley-Davidson Ala d'Oro 248cc
1971 | Aermacchi Harley-Davidson 350 GT Sprint
Aermacchi 350GTS
1965 | Aermacchi Harley-Davidson Ala d'oro 250
AERMACCHI Aermacchi-Harley-Davidson-ANNO-1965-5-MARCE
1974 | Aermacchi Harley-Davidson De Luxe 125
AERMACCHI -HARLEY DAVIDSON 125 DE LUXE
1974 | Aermacchi Harley-Davidson De Luxe 125
AERMACCHI -HARLEY DAVIDSON 125 DE LUXE
1968 | Aermacchi Harley-Davidson Ala d'oro 250
1968 Harley-Davidson Aermacchi Sprint ERS 350cc
1972 | Aermacchi Harley-Davidson 350 GT Sprint
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Geschichte & Erbe
Die Geschichte von Aermacchi Harley-Davidson beginnt nicht in Milwaukee, sondern am Ufer des Lago di Varese. Giulio Macchi gründete 1912 die Aeronautica Macchi als Flugzeughersteller. Über drei Jahrzehnte baute das Unternehmen Militär- und Zivilflugzeuge – darunter die legendäre MC.72, die 1934 mit 709 km/h einen Geschwindigkeitsrekord für Kolbenmotor-Wasserflugzeuge aufstellte, der bis heute Bestand hat.
Nach dem Zweiten Weltkrieg untersagten die Friedensverträge Italien die Flugzeugproduktion. Wie Piaggio (Vespa) und Innocenti (Lambretta) musste auch Aermacchi neue Geschäftsfelder erschließen. Ab 1948 entstanden zunächst dreirädrige Lieferfahrzeuge, 1951 dann die ersten Motorräder: der Zweitakter Cigno (Schwan) und der Monsone (Monsun) mit 125 ccm.
Der entscheidende Wendepunkt kam 1956 mit der Chimera 175. Konstrukteur Alfredo Bianchi entwarf ein radikal anderes Motorrad: Ein horizontal liegender OHV-Einzylinder unter einer futuristischen Vollverkleidung. Diese liegende Zylinderanordnung – abgeleitet aus dem Flugzeugbau – wurde zum technischen Markenzeichen aller folgenden Aermacchi-Viertakter: tiefer Schwerpunkt, hervorragende Kühlung, kompakte Silhouette.
1960 kaufte die Harley-Davidson Motor Company 50 % der Aermacchi-Motorradsparte. Der Grund: Milwaukee hatte dem Ansturm japanischer Leichtmotorräder von Honda und Yamaha nichts entgegenzusetzen. Aermacchis kleine, wendige Maschinen sollten junge Käufer in die Harley-Showrooms locken. Das erste gemeinsame Modell war der Sprint C 250 – im Kern ein umgelabeltes Aermacchi-Motorrad mit Harley-Davidson-Schriftzug am Tank. In den USA liefen die Maschinen als „Harley-Davidson", in Europa als „Aermacchi Harley-Davidson".
Die 1960er und frühen 1970er Jahre waren die goldene Ära. Die Ala Verde 250 (Grüner Flügel) wurde mit über 20.000 produzierten Einheiten zum Bestseller. Die Rennversion Ala d'Oro 250 (Goldener Flügel) dominierte Clubrennen in ganz Europa. Gleichzeitig erschloss Harley-Davidson den US-Markt mit den Sprint-Varianten in 250 und 350 ccm, dem kleinen Rapido 125, dem Offroader Baja 100 und dem Einstiegsmodell M-65.
Ein Meilenstein fiel 1965: George Roeder stellte auf den Bonneville Salt Flats mit einem stromlinienverkleideten Sprint-250-Motor einen Geschwindigkeitsrekord von 177,225 mph (285 km/h) in der Klasse A und C auf – ein Triumph für den kleinen Einzylinder.
1974 übernahm AMF Harley-Davidson die restlichen 50 % der Aermacchi-Anteile. Doch die Partnerschaft war zum Scheitern verurteilt: Die japanische Konkurrenz war technisch überlegen, Harley-Davidsons Interesse an Kleinmotorrädern schwand. 1978 verkaufte AMF Harley-Davidson das Werk in Varese an die Brüder Claudio und Gianfranco Castiglioni, die daraus Cagiva formten – und später Ducati und MV Agusta revitalisierten.
Highlights & Besonderheiten
Was Aermacchi Harley-Davidson von allen Zeitgenossen unterscheidet, ist die konsequente Anwendung von Luftfahrt-Ingenieurswissen auf den Motorradbau. Jede Komponente war auf Gewichtsreduktion und strukturelle Integrität ausgelegt.
Das Herzstück ist der horizontal liegende OHV-Einzylinder. Während andere Hersteller auf stehende oder geneigte Zylinder setzten, bot Aermacchis Bauweise entscheidende Vorteile: Der schwere Motorblock lag tief im Rahmen und senkte den Schwerpunkt erheblich. Der Zylinderkopf ragte direkt in den Fahrtwind und kühlte gleichmäßig selbst unter Rennbedingungen. Die flache Bauweise ermöglichte eine schmale Frontfläche – ein direktes Erbe der Windkanal-Erfahrung aus Varese.
Die Ala Verde 250 (1959–1972) ist der Inbegriff des sportlichen Einzylinder-Straßenmotorrads. Mit 17 bis 25 PS bei nur 115 kg Trockengewicht bot sie ein Leistungsgewicht, das viele größere Maschinen in den Schatten stellte. Das Fünfganggetriebe (ab Mitte der 1960er) ermöglichte gleichmäßige Leistungsentfaltung, und auf Bergpässen und Landstraßen war die Ala Verde dank ihres tiefen Schwerpunkts kaum zu schlagen.
Die Ala d'Oro 250 war die werksseitige Rennversion: enger gestufte Getriebegänge, höhere Verdichtung, spezielle Dell'Orto-Vergaser und ein Leichtbau-Aluminiumtank trieben die Leistung auf 28 PS bei einer Höchstgeschwindigkeit von 165 km/h. Die Ala d'Oro wurde sowohl als Werksrennmaschine als auch als „Over-the-Counter"-Rennmotorrad verkauft – ein Konzept, das Privatfahrern den direkten Zugang zum Rennsport ermöglichte.
Der Sprint 350 SS (1968–1974) war die stärkste Straßenversion: 25–30 PS aus 344 ccm, Höchstgeschwindigkeit 140 km/h. In den USA trug er Harley-Davidsons berühmten „Peanut"-Tank und Sportster-Styling – amerikanische Optik, italienisches Herz.
Die Chimera 175 (1956–1962) bleibt ein Designikone: Ihre vollverkleidete Karosserie war ihrer Zeit Jahre voraus. Mit nur etwa 2.000 gebauten Exemplaren gehört sie heute zu den begehrtesten italienischen Sammlerfahrzeugen überhaupt.
Daneben entstanden in der Zusammenarbeit zahlreiche Kleinmotorräder für den US-Markt: Der Rapido 125 (ab 1968) mit Zweitaktmotor für Einsteiger, der Offroad-taugliche Baja 100, die Enduro-Modelle SX 175 und SX 250, sowie die späten Zweitakter SST 250/350 und SXT 125 der letzten Produktionsjahre.
Technische Daten
Gemeinsame technische Merkmale (Viertakt-Straßenmodelle):
- Motor: Luftgekühlter, horizontal liegender Einzylinder-Viertakter, OHV-Ventilsteuerung über Stoßstangen
- Vergaser: Dell'Orto (meist VHB 26-30 mm, Rennmodelle bis 34 mm)
- Kupplung: Mehrscheiben-Ölbadkupplung
- Getriebe: 4-Gang (frühe Modelle) oder 5-Gang (ab Mitte 1960er)
- Antrieb: Kette
- Bremsen: Trommelbremsen vorn und hinten (ab SST 350: Scheibenbremse vorn)
- Elektrik: 6 Volt (frühe Modelle), später 12 Volt; Magneti-Marelli-Komponenten
- Rahmen: Stahlrohr-Doppelschleifen (Chimera: Zentralrohr-Rahmen)
- Federung: Teleskopgabel vorn (meist Ceriani), Schwinge mit Doppeldämpfern hinten
Marktübersicht und Kauftipps
Aermacchi Harley-Davidson-Motorräder besetzen eine Nische zwischen den etablierten italienischen Klassikern (Ducati, Moto Guzzi) und den großen Harley-Davidson-Sammlern. Die Preise liegen deutlich unter vergleichbaren italienischen Einzylindern – ein Vorteil für Käufer, die ein charaktervolles Sammlerstück mit Wertsteigerungspotenzial suchen.
Ala Verde 250 (1959–1972)
Das häufigste Sammlermodell. Gut erhaltene, fahrbare Exemplare bewegen sich zwischen 5.000–10.000 €, vollrestaurierte Maschinen erreichen 12.000–15.000 €. Bei Bonhams wurde 2024 eine Ala Verde 250 von 1963 für £ 5.750 (ca. 6.700 €) zugeschlagen. Entscheidend: Originalzustand (viele wurden auf Ala-d'Oro-Spezifikation umgebaut), Fünfgang-Getriebe (höherer Wert als Viergänger), Zustand von Tank und Auspuff (Chrom und Lack).
Ala d'Oro 250 (1961–1970)
Die werksseitige Rennversion ist das begehrteste Modell. Echte Ala d'Oro erreichen 15.000–30.000 €, seltene frühe Exemplare auch darüber. Ruote da Sogno in Reggio Emilia bietet restaurierte Ala d'Oro 250 S ab 29.000 € an. Achtung: Viele „Ala d'Oro" sind auf Ala-Verde- oder Sprint-Basis nachgebaute Repliken. Echte Rennmaschinen tragen Rahmennummern mit dem Kürzel „AERDAO" und besitzen leichtere Aluminiumkomponenten.
Sprint 250/350 (1961–1974)
In Europa seltener als in den USA, aber regelmäßig auf dem Markt. Sprint-250-Modelle beginnen bei 3.000–5.000 € für Projekte, fahrbare Exemplare bei 6.000–10.000 €. Die stärkeren Sprint 350 SS sind begehrter: 7.000–15.000 € je nach Zustand. In den USA erzielen gut restaurierte Sprint 350 bis zu $12.000–15.000.
Rapido, SX, SST, SXT (Zweitakt-Modelle)
Die späteren Zweitakter sind die günstigsten Einstiegsmodelle: 2.000–5.000 € für fahrbare Exemplare. Die SX-250-Enduro und SST-350-Modelle sind bei Offroad-Enthusiasten beliebt. Ersatzteile für die Zweitakter sind schwieriger zu beschaffen als für die Viertakter.
Chimera 175 (1956–1962)
Extrem selten – nur ca. 2.000 Exemplare gebaut. Preise beginnen bei 8.000 € für Projekte, restaurierte Exemplare erreichen 15.000–20.000 €. Die aufwendige Vollverkleidung ist der kostspieligste Restaurierungsposten.
Worauf beim Kauf achten
Motorgesundheit: Der horizontale Zylinder neigt zu Ölleckagen an Fußdichtung und Ventildeckeln. Nach einer Probefahrt auf „Schwitzen" am Zylinderblock prüfen. Klappern im Ventiltrieb deutet auf verschlissene Kipphebel oder Stoßstangen hin – die Einstellung erfordert Sorgfalt, ist aber unkompliziert.
Getriebe & Kupplung: Die frühen Vierganggetriebe sind robust, aber hakig. Unter Last darf kein Gang herausspringen. Kupplungsscheiben verkleben bei langer Standzeit – Probefahrt zwingend erforderlich.
Rahmenintegrität: Schweißnähte an den Motorhalterungen und dem Schwingenlager auf Risse und Rost prüfen. Der exponierte Ölsumpf am Unterboden ist anfällig für Beschädigungen durch Bordsteinkanten.
Elektrik: Die meisten Modelle arbeiten mit 6-Volt-System und Magneti-Marelli-Komponenten – chronisch schwach. Viele Besitzer haben auf 12 Volt mit elektronischer Zündung umgerüstet. Das verbessert die Zuverlässigkeit erheblich, mindert aber die Originalität.
Ersatzteilverfügbarkeit: Besser als erwartet. Spezialisten wie Moto Italia (USA), Moro Motoricambi (Italien) und das Aermacchi Spirit Forum liefern Verschleißteile, NOS-Komponenten und Reproduktionen. Dell'Orto-Vergaser, Kolbenringe und Dichtungssätze sind gut erhältlich. Karosserieteile und spezifische Gussteile bleiben schwierig.
US- vs. Europa-Spezifikation: US-Modelle tragen Harley-Davidson-Logos, oft Peanut-Tank und andere Lenker. Europäische Modelle haben Aermacchi-Branding und teilweise abweichende Vergaser-Abstimmung. Beide Varianten sind sammelwürdig – die Wahl ist Geschmackssache.
Fahrverhalten & Performance
Aermacchi Harley-Davidson zu fahren bedeutet direkte, mechanische Rückmeldung ohne elektronische Filter. Diese Motorräder kommunizieren jede Zündung, jeden Straßenbelag und jede Kurvenneigung unmittelbar an den Fahrer.
Das Startritual beginnt beim Kickstarter. Die meisten Modelle besitzen keinen elektrischen Anlasser. Man sucht den Kompressionstakt, hebt den Kolben über den oberen Totpunkt und gibt einen entschlossenen Tritt. Wenn der liegende Einzylinder anspringt, setzt ein rhythmisches, tiefes Pochen ein – tiefer und resonanter als bei stehenden Einzylindern. Mit steigender Drehzahl verwandelt sich der Klang in ein metallisch-scharfes Bellen, das Markenzeichen des OHV-Ventiltriebs.
Die Ala Verde 250 fühlt sich auf der Straße bemerkenswert leicht an. Mit 115 kg Trockengewicht kippt sie ohne Anstrengung in Kurven. Der tiefe Schwerpunkt verleiht eine Stabilität, die selbst auf unebenen Straßen Vertrauen schafft. Die Leistungsentfaltung ist linear – kein plötzlicher Leistungseinbruch, kein Turboloch, nur ein gleichmäßiges Anschwellen, das sanfte Gashand belohnt. Auf Bergpässen und Landstraßen entfaltet die Ala Verde ihre wahre Stärke: Sie trägt hohe Kurvengeschwindigkeiten und lässt sich mit chirurgischer Präzision durch enge Kehren dirigieren.
Der Sprint 350 SS bietet eine muskulösere Erfahrung. Das zusätzliche Drehmoment ermöglicht entspanntes Überholen und Steigungsfahrten. 140 km/h Spitze bedeuten Autobahntauglichkeit – wenn auch mit Windgeräuschen. Die Trommelbremsen erfordern Vorausschau und Zwei-Finger-Technik, verzögern aber adäquat für das geringe Gewicht.
Für Rennfahrer ist die Ala d'Oro eine Offenbarung. Die Sitzposition ist aggressiv – geduckt hinter dem kleinen Windschild, Kinn am Tank. Die Rückmeldung über die Stummellenker ist telepathisch. Auf technischen Rennstrecken kompensiert die Kurvenstabilität der Aermacchi fehlende Pferdestärken – Gleichgewicht schlägt Motorleistung.
Eine Besonderheit bei vielen Modellen: Der Schalthebel sitzt rechts (ein Gang hoch, drei oder vier runter). Das erfordert mentale Umstellung für Fahrer, die moderne Linksschaltung gewöhnt sind. Einmal beherrscht, belohnt der mechanische Klick eines gut eingestellten Aermacchi-Getriebes mit unvergleichlicher Befriedigung.
Die späten Zweitakter (SX 250, SST 350) fahren sich anders: charakteristisch heulende Zweitakt-Melodie, kräftiger Leistungseinsatz im mittleren Drehzahlbereich, Enduro-Tauglichkeit bei den SX-Modellen. Sie sind unkomplizierte Alltagsmotorräder ohne den Charme der Viertakt-Einzylinder, aber solide Gebrauchsklassiker.
Design & Ästhetik
Aermacchi Harley-Davidsons Designphilosophie lässt sich als „Aeronautischer Funktionalismus" beschreiben. Die Ingenieure in Varese kamen aus einer Welt, in der jedes Gramm Gewicht und jeder Millimeter Luftwiderstand zählte – und sie übertrugen dieses Denken auf den Motorradbau.
Die Chimera 175 ist das kühnste Beispiel: Ihre vollverkleidete Karosserie war kein Designspiel, sondern der Versuch, Aerodynamik und Bauteilschutz zu optimieren. Die fließenden Linien und die integrierte Scheinwerfereinheit verliehen ihr ein „Space Age"-Aussehen, das seiner Zeit weit voraus war. Kommerziell scheiterte die Chimera, aber als Designobjekt wird sie heute in einem Atemzug mit Corradino D'Ascanios Vespa genannt.
Mit der Ala Verde wechselte das Design zu einem konventionelleren, „nackten" Stil – doch die Eleganz blieb. Die tropfenförmige Tankform, der schlanke Sattel und die Art, wie der horizontale Zylinder nach vorn ragt, erzeugen selbst im Stand ein Gefühl von Bewegung. Hochwertige Gussteile und polierte Aluminium-Seitendeckel verliehen den Maschinen eine Premiumanmutung.
Die Harley-Davidson-Ära brachte einen faszinierenden Kulturclash. Die amerikanischen Designer wollten „kleine Harleys" – was zur Übernahme des Peanut-Tanks, verchromter Schutzbleche und Hochlenker bei einigen Modellen führte. In den USA war diese „Amerikanisierung" ein Erfolg, in Europa betrachteten Puristen sie mit Skepsis. Der Sprint 350 SS vereint beide Welten am eindrucksvollsten: Sportster-Silhouette über einem reinrassig italienischen Antrieb.
Typische Designdetails, die Kenner schätzen: Das Flügel-Logo als Reminiszenz an die Fliegerei. Die tiefen, scharfkantigen Kühlrippen am Zylinder und Kopf, ausgelegt für maximale Wärmeabfuhr. Der „Aschenbecher"-Ventildeckel – ein schlicht-schönes Gussteil, das zum Symbol der frühen, unabhängigen Aermacchi-Ära geworden ist.
Die späten Zweitaktmodelle (SXT, SST, SX) folgten dem Zeitgeist der 1970er: eckige Formen, Kunststoff-Seitendeckel, Enduro-Ästhetik. Sie besaßen nicht die zeitlose Eleganz der Viertakter, erfüllten aber ihren Zweck als funktionale Alltagsmotorräder.
Rennsport & Wettbewerb
Der Rennsport ist das Kapitel, das Aermacchi Harley-Davidson endgültig vom Alltagshersteller zur Legende erhebt. Die Erfolge auf Grand-Prix-Strecken sind bemerkenswert für ein Unternehmen, dessen Rennbudget einen Bruchteil der japanischen Konkurrenz betrug.
In den 1960er Jahren war Renzo Pasolini das Gesicht der Marke. „Paso", geboren in Rimini, fuhr ab 1964 mit dem werksseitigen Aermacchi-Team und etablierte sich als einer der mutigsten Piloten seiner Generation. Zwischen 1965 und 1971 lieferte er sich epische Duelle mit Mike Hailwood und Giacomo Agostini – oft auf Maschinen mit deutlich weniger Leistung. 1972 gewann Pasolini drei Grand Prix und verlor die 250-ccm-Weltmeisterschaft um einen einzigen Punkt. Am 20. Mai 1973 kam er beim tragischen Unfall in Monza ums Leben, gemeinsam mit Jarno Saarinen – ein dunkler Tag für den gesamten Motorradsport.
Ebenfalls bedeutend: Kel Carruthers, der Australier, der 1968 und 1969 mit der Aermacchi auf dem Podium der 350-ccm-WM stand und beim Isle of Man TT für Furore sorgte. Die Aermacchi-Viertakter beeindruckten durch Handlichkeit und Zuverlässigkeit – Eigenschaften, die auf technischen Strecken die fehlende Spitzenleistung kompensierten.
Ab 1971 entwickelte das Werk einen Zweitakt-Zweizylinder-Rennmotor – die RR 250 und RR 350. Diese wassergekühlten Maschinen leisteten bis zu 54 PS bei 11.000 U/min und wogen nur 105 kg. Walter Villa, der ruhige Mechaniker aus Castelnuovo Rangone bei Modena, wurde zum Champion. Seine Bilanz: Vier Weltmeistertitel – 250 ccm 1974, 1975 und 1976 sowie 350 ccm 1976. Dazu 24 Grand-Prix-Siege, 36 Podestplätze und 20 schnellste Rennrunden. Villa ist der erfolgreichste Rennfahrer, der je für Harley-Davidson antrat – und die RR-Maschinen bleiben die einzigen Grand-Prix-Sieger in der Geschichte der amerikanischen Marke.
Abseits der Grand-Prix-Bühne dominierten Aermacchi-Maschinen den nationalen Clubrennsport. In Großbritannien waren sie die bevorzugte Waffe der „Privatiers" – wartungsfreundlich, zuverlässig und in der Lage, teurere Mehrzylindermaschinen zu besiegen. In den USA brillierten Aermacchi-Harleys im Flat-Track-Racing und in der Offroad-Szene.
Im historischen Rennsport sind Aermacchi-Maschinen bis heute aktiv. Spezialisten extrahieren über 35 PS aus den 350-ccm-Einzylindern und machen sie zu ernsthaften Konkurrenten in Period-3- und Period-4-Klassen auf Rennstrecken weltweit.
Fazit
Aermacchi Harley-Davidson steht für eine der faszinierendsten Verbindungen der Motorradgeschichte: italienische Ingenieurskunst trifft amerikanischen Vertrieb, Flugzeugbau-Erfahrung trifft Zweirad-Leidenschaft. Die Marke hinterließ eine Handvoll Modelle, die zu den charaktervollsten Einzylindern der Nachkriegszeit gehören.
Für Sammler bieten sich klare Einstiegspunkte: Die Ala Verde 250 als eleganter, bezahlbarer Klassiker mit steigendem Wert. Die Ala d'Oro 250 als seltene Rennmaschine für den ernsten Sammler. Der Sprint 350 SS als Brücke zwischen Italien und Amerika – ein Motorrad mit doppelter Identität. Und die Chimera 175 als Designobjekt für Kenner mit Geduld und Budget.
Die Preise liegen noch unter dem Niveau vergleichbarer Ducati- oder Moto-Guzzi-Einzylinder – eine Gelegenheit, die Kenner des italienischen Motorradmarkts längst erkannt haben. Die Ersatzteilversorgung ist dank spezialisierter Händler und einer aktiven internationalen Community besser als ihr Ruf. Und das Fahrerlebnis – der tiefe Klang des liegenden Einzylinders, die messersoharfe Handlichkeit, das ehrliche mechanische Feedback – ist unnachahmlich.
Wer eine Aermacchi Harley-Davidson fährt, bewegt ein Stück Luftfahrtgeschichte auf zwei Rädern – mit dem Segen aus Milwaukee und dem Herzen aus Varese.
