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Commer Oldtimer kaufen
Commer baute von 1905 bis 1979 über eine Million Nutzfahrzeuge in Luton, England – vom kompakten Cob bis zum schweren Superpoise. Heute sind die britischen Klassiker gesuchte Sammlerstücke mit wachsender Szene.
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1960 | Commer Cob
1960 Commer Cob Mark 2
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1960 | Commer TS3
Geschichte & Erbe
Die Geschichte von Commer beginnt 1905 in Lavender Hill, Süd-London, als die Commercial Cars Ltd. gegründet wurde. Schon 1907 verlagerte das Unternehmen die Produktion in ein neues Werk an der Biscot Road in Luton – ein Standort, der über sieben Jahrzehnte hinweg das Herz der britischen Nutzfahrzeugfertigung bleiben sollte. Das erste Serienmodell, der RC-Typ, war ein kettengetriebener Drei-Tonner mit einem 20-PS-Vierzylinder und wurde zum Verkaufsschlager: Allein während des Ersten Weltkriegs lieferte Commer über 3.000 Fahrzeuge an das britische Militär.
In den 1920er-Jahren geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten. 1926 übernahm Humber die Kontrolle und benannte die Firma in Commer Cars um. Nur zwei Jahre später, 1928, integrierte der aufstrebende Rootes-Konzern Commer in sein wachsendes Automobilimperium – zusammen mit Hillman, Humber, Singer, Talbot und Sunbeam. Unter Rootes wurde die Modellpalette rationalisiert und modernisiert; kleinere Modelle teilten sich Fahrgestell, Motoren und Komponenten mit den Rootes-Pkw. 1934 erwarb Rootes zusätzlich Karrier Motors aus Huddersfield und verlagerte die Produktion ebenfalls nach Luton. Fortan bediente die Marke Karrier die leichteren Nutzfahrzeuge, während Commer die schwereren Lkw trug.
Der Zweite Weltkrieg bedeutete einen massiven Produktionsaufschwung: Über 20.000 Fahrzeuge rollten für die Streitkräfte vom Band, darunter der 1939 eingeführte Superpoise (Q-Serie). Nach dem Krieg boomte das Exportgeschäft – Commer lieferte in über 50 Länder, darunter Kanada, Australien, Südafrika und Indien. Bis 1955 erreichte die Jahresproduktion 20.000 Einheiten.
Die 1950er- und 1960er-Jahre brachten die heute bekanntesten Modelle hervor: den Commer Cob (1956), den BF (1957), den FC (1960) und den Walk-Thru (1961). Gleichzeitig entwickelte Commer einen der ungewöhnlichsten Motoren der Automobilgeschichte: den Rootes TS3, einen Dreizylinder-Zweitakt-Gegenkolben-Diesel mit 3,25 Litern Hubraum, der wegen seines charakteristischen Klopfgeräuschs als „Commer Knocker" bekannt wurde.
1967 übernahm Chrysler die Kontrolle über die Rootes Group. Der Markenname Commer wurde schrittweise durch Dodge ersetzt. 1978 verkaufte Chrysler sein Europageschäft für symbolische einen Dollar an Peugeot-Citroën, die das Werk in Dunstable gemeinsam mit Renault Trucks weiterführten. 1979 verschwand der Name Commer endgültig, der letzte SpaceVan rollte 1983 vom Band. Das Erbe lebt heute unter dem Stellantis-Dach weiter – doch eine Wiederbelebung der Marke ist nicht in Sicht.
Highlights & Besonderheiten
Commer-Fahrzeuge stehen für eine einzigartige Nische in der Oldtimer-Welt: britische Nutzfahrzeuge mit Charakter, Geschichte und wachsendem Sammlerpotenzial. Fünf Modelle verdienen besondere Aufmerksamkeit:
Commer Cob (1956–1965): Der kompakte Lieferwagen basierte auf dem Hillman Husky und war mit 1.265 ccm (später 1.390 ccm) Vierzylindermotor ausgestattet. Mit nur 7 cwt (356 kg) Nutzlast war er der ideale Stadt-Lieferwagen. Heute sind Cobs die zugänglichsten Commer-Klassiker – besonders Exemplare mit Sonderaufbauten wie dem London Fire Brigade BACV (Breathing Apparatus Control Vehicle) erzielen Spitzenpreise.
Commer BF (1957–1966): Der BF mit seinem 2.267-ccm-Humber-Hawk-Motor ist untrennbar mit der britischen Eiswagen-Kultur verbunden. Mister Softee und Mister Whippy nutzten BF-Chassis mit Aufbauten von Smiths Mobile Shops. Ein restaurierter 1958er Commer Karrier BF mit Plaxton-Aufbau erzielte 2024 bei einer Auktion £23.000 – das Vierfache eines Standard-Cob.
Commer FC/PB/SpaceVan (1960–1983): Der Frontlenker-Transporter mit 210 cu.ft. Laderaum war der erste Van seiner Klasse mit werksseitiger Dieseloption (Perkins 4-99). Die Post Office Telecommunications war der größte Flottenkunde – gelbe Telecom-Vans prägten das britische Straßenbild der 1970er- und 80er-Jahre. Camper-Umbauten genießen heute Kultstatus als Alternative zum VW Bus.
Commer Superpoise (1939–1961): Die mittelschwere bis schwere Lkw-Baureihe mit dem patentierten Diaflex-System – einer elastischen Kabinenlagerung auf einem Hilfsrahmen – bot außergewöhnlichen Fahrkomfort. Über 20.000 Exemplare dienten im Zweiten Weltkrieg. Heute sind militärische Superpoise-Modelle wie der Q2 (nur 150 gebaut, 1951/52) unter Sammlern besonders gefragt.
Commer Walk-Thru (1961–1970er): Benannt nach den Schiebetüren, die dem Fahrer das Durchsteigen ermöglichten. Erhältlich als 1,5-, 2- und 3-Tonner mit Benzin- oder Dieselmotoren bis 3.330 ccm. Der Walk-Thru wurde auch in Spanien von Santana Motors in Lizenz gebaut.
Technische Daten
Besonderheit: Rootes TS3 „Commer Knocker" Der ab 1954 in schweren Commer-Modellen eingesetzte TS3 war ein Dreizylinder-Zweitakt-Gegenkolben-Diesel mit 3.250 ccm und rund 100–135 PS. Mit nur der Hälfte des Gewichts und Hubraums vergleichbarer Dieselmotoren konnte er unterflur eingebaut werden – ohne Motorhaube oder Motortunnel im Fahrerhaus. Entwickelt von einem vierköpfigen Team unter Eric Coy, galt er als revolutionär. Ein geplanter Vierzylinder-Nachfolger (TS4, 4 Liter) wurde nach der Chrysler-Übernahme aufgegeben.
Marktübersicht und Kauftipps
Der Markt für Commer-Oldtimer ist eine Nische mit wachsendem Interesse. Im Vergleich zu Pkw-Klassikern sind Nutzfahrzeuge oft günstiger im Einstieg, doch die Preise für gut erhaltene oder restaurierte Exemplare steigen stetig – besonders bei Modellen mit besonderer Historie oder seltenen Aufbauten.
Preisorientierung (Stand 2024–2025):
- Commer Cob: Restaurierungsobjekte ab ca. £1.000–2.000, fahrbereite Exemplare £4.000–7.000, Spitzenfahrzeuge mit dokumentierter Geschichte (z. B. Ex-London Fire Brigade) bis £10.000. Ein 1965er Cob mit Brabham-Umbau (1.725 ccm Sunbeam-Alpine-Motor, Overdrive-Getriebe) erzielte bei Bonhams £9.775.
- Commer FC/PB/SpaceVan: Projektzustand ab £1.700–3.200, Camper-Umbauten £5.000–7.500, restaurierte Panel-Vans £6.000–8.000. Ein 1972er PB Highwayman Camper erzielte 2024 bei Anglia Car Auctions £5.616.
- Commer BF: Der wertvollste Commer-Klassiker. Restaurierte Eiswagen mit originalen Aufbauten erreichen £12.000–23.000. Ein 1958er Karrier BF mit Plaxton-Aufbau wurde 2024 für £23.000 versteigert. Projektzustand: £1.000–2.000, doch die Karosserieteile sind extrem selten.
- Commer Superpoise: Militärfahrzeuge (z. B. Q2) £5.000–15.000 je nach Zustand und Originalität. Zivile Lkw sind seltener am Markt und stark vom Erhaltungszustand abhängig.
- Commer Walk-Thru: Fahrbereite Exemplare £7.600–8.100, Restaurierungsobjekte deutlich darunter.
Worauf Käufer achten sollten:
Karosserie & Rost: Wie bei allen britischen Nutzfahrzeugen dieser Ära ist Rost das Hauptproblem. Kritische Bereiche beim Cob und FC/PB: Frontbleche, A-Säulen, Schweller, Radkästen und der Übergang zwischen Kabine und Laderaum. Beim BF sind die Kotflügel (innen und außen), die Motorhaube und die Türschwellen besonders anfällig. Der Walk-Thru hat flache Stahlseitenwände, die mit Popnieten befestigt sind – hier auf Korrosion an den Nietverbindungen achten.
Mechanik: Die Rootes-Benzinmotoren (1.390 ccm bis 2.965 ccm) gelten als robust, aber nicht besonders kräftig. Ersatzteile für die Vierzylinder sind über die Rootes-Community noch gut verfügbar. Die Perkins-Dieselmotoren (4-99, 4-108, 4-203) sind langlebig, aber laut und langsam. Der TS3-Zweitakter erfordert Spezialwissen – nur wenige Werkstätten kennen sich mit diesem ungewöhnlichen Triebwerk aus.
Originalität: Bei Eiswagen (BF) ist der Original-Aufbau entscheidend für den Wert. Smiths-, Mister Softee- oder Mister-Whippy-Aufbauten in authentischer Lackierung und Beschriftung steigern den Wert erheblich. Bei Post-Office- oder British-Telecom-Vans (FC/PB/SpaceVan) ist die originale gelbe Farbgebung gefragt.
Dokumentation: V5C-Zulassungspapiere (UK), alte MOT-Zertifikate, Rechnungen und originale Betriebsanleitungen werten jeden Commer deutlich auf. Viele Fahrzeuge sind heute als Historic Vehicle steuer- und MOT-befreit (UK: Baujahr vor 1984).
Teileverfügbarkeit: Die Commer Van Fan Community (commervanfan.co.uk) ist die zentrale Anlaufstelle für FC/PB/SpaceVan-Ersatzteile und Wissen. Spezialisierte Betriebe wie Coventry Commer Panels reproduzieren Karosserieteile. Für Cob und BF ist die Teilelage schwieriger – hier hilft die breitere Rootes/Hillman-Community.
Fahrerlebnis
Ein Commer zu fahren bedeutet, in eine andere Epoche des Transportwesens einzutauchen. Der Cob fühlt sich an wie ein Hillman Minx mit Laderaum – die Lenkung ist leicht, das Vierganggetriebe schaltet sich mit der typischen Rootes-Präzision, und der kleine Vierzylinder sorgt für gemächliche, aber charmante Beschleunigung. Bei 80 km/h ist man komfortabel unterwegs, darüber wird es laut und aufregend.
Der FC/PB bietet ein völlig anderes Erlebnis: Die Frontlenker-Bauweise bedeutet, dass man praktisch über der Vorderachse sitzt. Die schmale Spurweite – ein Erbe der Humber-Pkw-Aufhängung – macht sich in engen Kurven bemerkbar, doch der 1.725-ccm-Motor (ab 1968) verleiht dem Van überraschende Agilität. Der Perkins-Diesel brummt mit unverkennbarem Sound, und die 210 Kubikfuß Laderaum schlucken mehr, als man von außen vermutet.
Der Walk-Thru beeindruckt durch seine Schiebetüren – perfekt für den Stadtverkehr, wo der Fahrer auf jeder Seite aussteigen kann. Der 2.267-ccm-Vierzylinder liefert 52,5 PS bei 3.400 U/min, was für einen 1,5-Tonner der damaligen Zeit durchaus respektabel war. Die Lenkung ist schwergängig, aber präzise, und die hydraulischen Trommelbremsen verzögern zuverlässig, wenn auch nicht sportlich.
Am eindrucksvollsten ist das Erlebnis in einem Superpoise: Der 4,1-Liter-Sechszylinder bollert mit tiefem Sound, die Diaflex-Kabinenlagerung schluckt Bodenwellen, und man spürt die Ingenieurskunst einer Epoche, in der Nutzfahrzeuge noch mit Sorgfalt und Stolz gebaut wurden.
Design & Karosseriebau
Das Design von Commer-Fahrzeugen folgte stets der Funktion – doch gerade diese pragmatische Ehrlichkeit macht heute den Reiz aus. Der Cob übernahm die gerundeten Linien des Hillman Husky und wirkt mit seiner kompakten, fast drolligen Silhouette wie ein britischer Mini-Transporter im besten Sinne.
Der BF ist ein Meisterwerk des Nutzfahrzeug-Designs der 1950er-Jahre: Die abgerundete Frontpartie, die weit nach vorn gezogene Kabine und die Schiebetüren verliehen ihm eine unverwechselbare Präsenz. Als Eiswagen mit den charakteristischen Eiswaffel-Aufsätzen über der Windschutzscheibe und den farbenfrohen Lackierungen von Mister Softee (blau-weiß) oder Mister Whippy (rosa-creme) wurde der BF zum kulturellen Symbol der britischen Nachkriegszeit.
Der FC/PB/SpaceVan zeigt das typische Frontlenker-Design der frühen 1960er mit seiner gerundeten Front und der schmalen Spur. Die Karosserie bestand aus einem unitären Stahlplattform-Rahmen, der steif genug war, um 16 verschiedene Aufbauvarianten ohne tragende Karosserieteile zu tragen – ein cleveres Konzept, das Sonderaufbauten vom Krankenwagen bis zum mobilen Laden ermöglichte.
Der Superpoise der Nachkriegszeit beeindruckt mit seiner stromlinienförmigen Kabine und dem patentierten Diaflex-Montagesystem, das Kabine, Kotflügel und Kühler auf einem Hilfsrahmen lagerte und so vor Verwindung schützte. Die „Full-View"-Kabine der 1955er T-Serie mit ihrer großen einteiligen Windschutzscheibe war für ihre Zeit außergewöhnlich modern.
Commer arbeitete mit verschiedenen Karosseriebauern zusammen: Smiths Delivery Vehicles (Gateshead) baute Eiswagen-Aufbauten, Plaxton fertigte Bus- und Sonderkarosserien, und Pressed Steel (Cowley) lieferte die Rohkarosserien für den FC/PB.
Popkultur & Sammlerszene
Commer-Fahrzeuge haben einen festen Platz in der britischen Popkultur. Der Mister-Whippy-Eiswagen auf BF-Basis ist eines der bekanntesten Symbole der britischen Kindheit – das Erkennungsmelodie-Spiel „Greensleeves" hallte durch unzählige Wohnviertel. Der FC/PB SpaceVan als gelber Post-Office-Telecom-Van war in den 1970er- und 80er-Jahren auf jeder britischen Straße präsent. Eine besonders kuriose Variante: Der TV Detector Van mit Borg-Warner-Automatikgetriebe, der angeblich zur Aufspürung nicht angemeldeter Fernseher diente.
In der Modellauto-Welt sind Commer-Fahrzeuge seit den 1960er-Jahren beliebt: Corgi, Matchbox (Lesney), Dinky Toys und Lion Car produzierten detailgetreue Miniaturen. Heute fertigen Spezialisten wie Promod, Bristol Model Trucks und British Transport Classics hochwertige Resin-Modelle im Maßstab 1:50.
Die aktive Commer Van Fan Community organisiert regelmäßige Treffen und ist die wichtigste Wissensquelle für Restaurierungen. Auf Veranstaltungen wie der Classic & Vintage Commercials Show in Gaydon sind Commer-Fahrzeuge regelmäßig vertreten – oft in aufwendig restaurierten Werkslackierungen oder als mobile Cafés und Eiswagen.
Fazit
Commer-Oldtimer sind mehr als nur alte Lieferwagen – sie sind rollende Zeitzeugen der britischen Industriegeschichte. Vom kompakten Cob über den kultigen BF-Eiswagen bis zum schweren Superpoise bietet die Marke eine Bandbreite, die in der Nutzfahrzeug-Oldtimerszene ihresgleichen sucht.
Die Einstiegshürde ist vergleichsweise niedrig: Cob-Projekte starten bei rund £1.000, fahrbereite Exemplare bei £4.000–5.000. Die wertvollsten Exemplare – restaurierte BF-Eiswagen mit Original-Aufbau – erreichen £20.000 und mehr. Die Teileversorgung ist über die engagierte Community und spezialisierte Betriebe gesichert, auch wenn manche Karosserieteile selten bleiben.
Wer einen Commer kaufen möchte, sollte auf Rostfreiheit an den kritischen Karosseriestellen, eine lückenlose Dokumentation und bei Sonderaufbauten auf Originalität achten. Ein gut erhaltener Commer ist nicht nur ein Sammlerfahrzeug, sondern ein Gesprächsstarter – kaum ein anderes klassisches Nutzfahrzeug weckt so viele Erinnerungen und Emotionen.
