1973 | Steyr-Puch Pinzgauer 710 K
- Status:
- Vorschau
- Schätzwert:
- 55.000 € - 65.000 €
- Endet um:
- 25.10.2026, 19:45:00 MEZ
Dieser Steyr-Puch Pinzgauer 710 K von 1973 verbindet militärische Provenienz mit fast zwei Jahrzehnten dokumentierter Reisegeschichte. Der ehemalige Funkwagen der Schweizer Armee kam 2007 mit 34.127 Kilometern zurück nach Österreich und befindet sich seither beim heutigen Besitzer; aktuell sind 64.786 Kilometer dokumentiert. In dieser Zeit führte ihn sein zweites Leben als Camping- und Expeditionsfahrzeug unter anderem nach Island, Spanien, Korsika, Sardinien und Schottland sowie 2024 zu den Veranstaltungen anlässlich des 80. Jahrestags der D-Day-Landung in der Normandie. Umfangreiche historische Dokumente einschließlich des originalen militärischen Fahrtenbuchs begleiten das Fahrzeug.
Der Pinzgauer entstand als österreichisches Geländefahrzeug für anspruchsvolle militärische und zivile Aufgaben. Die Entwicklung begann in den 1960er-Jahren; als Chefkonstrukteur nennt die vorliegende Dokumentation DI Erich Ledwinka. Am 17. Mai 1971 wurde der erste Pinzgauer nach fast sechsjähriger Entwicklung und 18 Vorserienfahrzeugen öffentlich vorgestellt.
Seine Konstruktion war konsequent auf Geländegängigkeit und unterschiedliche Einsatzprofile ausgelegt. Der Zentralrohrrahmen ermöglichte verschiedene Aufbauten, die von Kommunikations- und Logistikfahrzeugen bis zu Kranken- und Einsatzwagen reichten. Der 710 K verbindet dieses Konzept mit einem geschlossenen Kastenaufbau. Angetrieben wird das angebotene Exemplar von einem luftgekühlten 2.499-cm³-Reihenvierzylinder-Benzinmotor und einem manuellen Fünfganggetriebe mit Allradantrieb.
Der kantige Kastenaufbau präsentiert sich heute in mattem Olivgrün. Die Fotografien zeigen die unverwechselbar funktionale Gestaltung des Pinzgauer mit kurzen Überhängen und einer Karosserie, bei der Zweckmäßigkeit eindeutig Vorrang vor Dekoration hat. Zusätzliche Reiseausrüstung wie die WARN-Seilwinde an der Front, außen angebrachte Reservekanister und der abnehmbare Fahrradträger unterstreichen die heutige Nutzung.
Im Winter 2019/2020 wurde die Karosserie innen und außen vollständig entrostet und neu lackiert. Der frühere Militärlack wurde dabei durch einen regulären matten Lack in Olivgrün ersetzt. Der heutige Lackzustand ist damit ausdrücklich nicht als ursprüngliche Militärlackierung zu verstehen.
Seine ursprüngliche Aufgabe als Funkwagen hat der Pinzgauer längst gegen ein zweites Leben als Reisefahrzeug eingetauscht. Der Innenraum wurde bereits beim ersten Schweizer Privatbesitzer zum Campingfahrzeug umgebaut und 2019/2020 nochmals modernisiert. Die ursprünglichen Komponenten der Funkwagenkonfiguration sind nach den geprüften Angaben weiterhin vorhanden und werden mit dem Fahrzeug übergeben.
Der heutige Ausbau umfasst zwei Ledersitze im Cockpit sowie eine gedämmte Vollholzverkleidung, Stauraum und einen Schlafplatz für zwei Personen. Hinzu kommen ein 70-Liter-Wassertank mit elektrischer Pumpe sowie ein Küchenblock mit ORIGO-3000-Spirituskocher, Spüle, Wasserhahn und elektrischem Dunstabzug. Die Bordversorgung kombiniert 24- und 12-Volt-Systeme mit Stromwandler, 230-Volt-Steckdosen und LED-Beleuchtung. Eine Außendusche ist ebenfalls vorhanden.
Der Pinzgauer besitzt einen 2.499 cm³ großen Vierzylinder-Benzinmotor, Allradantrieb und ein manuelles Fünfganggetriebe. Bei der Leistung besteht innerhalb der Fahrzeugdaten eine Abweichung: Die historische Fahrzeugbeschreibung nennt 84 PS, während der strukturierte Datensatz 90 PS beziehungsweise 66 kW ausweist. Da beide Werte in den vorliegenden Daten erscheinen, wird die Abweichung hier ausdrücklich benannt, statt einen davon als zweifelsfrei richtig auszugeben.
Motor und Getriebe funktionieren laut dokumentierter Zustandsbeschreibung regulär; das Fahrzeug ist zugelassen und fahrbereit. 2022 wurden Generator und Ladeanlage überprüft, der Generatorregler erneuert sowie verschiedene Kabel und Kleinteile ersetzt. Bei längerer Standzeit können laut Besitzer mehrere Startversuche erforderlich sein; hierfür wird der Choke verwendet.
Die vorhandene Standheizung besitzt eine Zweifach-Verrohrung für Cockpit und hinteren Innenraum, ist wegen derzeit fehlender Ersatzteile allerdings nicht vollständig funktionsfähig. Dieser bekannte technische Punkt wird ausdrücklich ausgewiesen.
Die Geschichte von Fahrgestellnummer 5751815 beginnt im militärischen Umfeld. Nach den geprüften Unterlagen wurde der Pinzgauer vom österreichischen Bundesheer an die Schweizer Armee übergeben und dort als Funkwagen eingesetzt. Das originale militärische Fahrtenbuch aus den 1970er-Jahren einschließlich des Kontrollschilds M+24739 ist erhalten.
Anfang der 2000er-Jahre gelangte der 710 K in Schweizer Privatbesitz und wurde erstmals zum multifunktionalen Campingfahrzeug umgebaut. 2007 kehrte er nach Österreich zurück und wurde vom heutigen Eigentümer übernommen. Bei der Überstellungsfahrt waren 34.127 Kilometer dokumentiert.
Was danach folgte, ist weniger Sammlung als bestimmungsgemäßer Gebrauch: 2007 ging es nach Island, 2009 nach Spanien, 2015 nach Korsika, 2017 nach Sardinien, 2022 nach Schottland und 2024 nach Frankreich. Weitere Reisen führten unter anderem auf die Färöer, nach Norwegen, Dänemark, Deutschland und Italien. Im Jahr 2024 nahm der Pinzgauer zudem an Veranstaltungen zum 80. Jubiläum der alliierten D-Day-Landung in der Normandie teil. Heute stehen dokumentierte 64.786 Kilometer auf dem Zähler.
Die Dokumentation ist ungewöhnlich umfangreich. Vorhanden und geprüft sind der Einzelgenehmigungsbescheid vom 30. April 2007, Prüfgutachten, der originale Schweizer Fahrzeugausweis und der Verzollungsbeleg sowie das historische militärische Fahrtenbuch. Hinzu kommen originale Betriebsanleitung, Booklet zur Funk-Fahrzeugausrüstung, Schmierplan und Schaltschema.
Seit der Übernahme 2007 wurden laut Dokumentation im Zweijahresrhythmus Prüfgutachten erstellt und im Zuge der regulären Überprüfungen Servicearbeiten vorgenommen. Das letzte Service erfolgte im Februar 2025; das aktuelle „Pickerl“ wird als bis Oktober 2027 gültig angegeben. Ein separates Zustands- oder Wertgutachten liegt nicht vor.
Dieser Pinzgauer ist weder ein unverändert konserviertes Militärfahrzeug noch ein beliebig umgebauter Geländewagen. Seine ursprüngliche Identität als Funkwagen ist dokumentiert, wesentliche Originalteile sind erhalten, und zugleich wurde er über Jahrzehnte konsequent für ein ziviles zweites Leben weiterentwickelt. Gerade die nachvollziehbare Transformation vom Schweizer Militärfahrzeug zum weit gereisten Camping- und Expeditionsfahrzeug prägt seinen Charakter.
Für Sammler und Nutzer liegt der Reiz deshalb gleichermaßen in der Provenienz wie in der tatsächlichen Gebrauchsfähigkeit. Die dokumentierten 64.786 Kilometer, fast zwanzig Jahre beim heutigen Besitzer, zahlreiche Europareisen und umfangreiche Unterlagen ergeben eine ungewöhnlich geschlossene Biografie. Dass die Lackierung und der Innenausbau nicht mehr militärischem Originalzustand entsprechen, wird dabei ebenso transparent dokumentiert wie die derzeit eingeschränkt funktionierende Standheizung.
Manche Geländewagen sehen abenteuerlich aus. Dieser hier hat die Reisen tatsächlich gemacht. Island, Korsika, Sardinien, Schottland und schließlich die Normandie – der Pinzgauer trägt seine Geschichte nicht als Dekoration, sondern im Fahrtenbuch. Besonders sympathisch finde ich, dass niemand versucht, den Campingausbau als militärische Originalität zu verkaufen. Er war Funkwagen, wurde Reisemobil und blieb dabei ein Pinzgauer: kantig, kompromisslos und offenbar am glücklichsten dort, wo eine normale Straße langsam zur Empfehlung wird.

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