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Windhoff Motorrad kaufen

Windhoff baute zwischen 1924 und 1933 in Berlin einige der technisch kühnsten Motorräder der Vorkriegszeit – gipfelnd im Windhoff Four, dem ersten deutschen Vierzylinder-Serienmotorrad. Wer heute ein Exemplar findet, hält eines der seltensten und faszinierendsten deutschen Sammlerstücke überhaupt in den Händen.

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Geschichte & Erbe

Die Geschichte der Windhoff-Motorräder ist kurz, aber außerordentlich dicht. Hinter dem Unternehmen stand Hans Windhoff, der zuvor gemeinsam mit seinen Brüdern eine Maschinenfabrik betrieben hatte und sich 1907 selbstständig machte. In Berlin gründete er die Hans Windhoff Apparate- und Maschinenfabrik, die sich rasch als Hersteller von Kühlern für Fahrzeuge und Flugzeuge einen Namen machte. Dieses Kühlertechnik-Know-how sollte später die Konstruktionsphilosophie seiner Motorräder prägen.

Anfang der 1920er-Jahre begann Windhoff in seiner Tochtergesellschaft Windhoff Motorenbau GmbH mit dem Motorradbau. Die ersten Maschinen, die ab 1924 in Serie gingen, nutzten eine Weiterentwicklung des Bekamo-Motors von Hugo Ruppe: ein wassergekühlter Einzylinder-Zweitakter, bei dem der Zylinder selbst in den Kühler integriert war und eine Ladepumpe die Leistung steigerte. Das Konzept war ungewöhnlich und deutete bereits auf den Erfindergeist hin, der Windhoff auszeichnen sollte.

Die kleinen Zweitakter erwiesen sich auf der Berliner AVUS und bei anderen Rennen als ausgesprochen konkurrenzfähig. 1925 gewann Windhoff Doppelsiege in den Klassen bis 125 ccm und bis 175 ccm. 1928 folgte der Höhepunkt der Rennkarriere: Beim 24-Stunden-Rennen auf der Opel-Rennbahn in Rüsselsheim stellten Windhoff-Maschinen in der 125-ccm-Klasse gleich zwei Weltrekorde auf – 1.000 km mit einem Durchschnitt von 61,2 km/h.

Doch die Verkaufszahlen stagnierten trotz der Rennerfolge. Hans Windhoff suchte nach einem Durchbruch mit einem repräsentativem Flaggschiff und beauftragte den Ingenieur Dauben – der später zu Mercedes-Benz wechselte und dort an den W144/W146-Rennwagen mitwirkte – mit dem Entwurf einer völlig neuen Maschine. Das Ergebnis war das, was Motorradhistoriker bis heute als eine der kühnsten Konstruktionen der 1920er-Jahre bezeichnen: der Windhoff Four.

Auf der Berliner Motorradausstellung 1927 debütierte der Vierzylinder und sorgte für Aufsehen. Ab 1928 lief er in kleinen Stückzahlen vom Band. Parallel experimentierte Windhoff weiter: Für 1929 wurde ein 996-ccm-Boxermotor mit Seitenventilsteuerung entwickelt – technisch verwandt mit damaligen BMW-Konzepten – doch der Börsencrash vom Oktober 1929 und die folgende Weltwirtschaftskrise zerstörten jeden Massenmarkt für teure Luxusmotorräder.

Auch Versuche, mit lizenzierten Villiers-Motoren günstige Zweitakter in 200- und 300-ccm-Klassen anzubieten, scheiterten – zunächst an den Lizenzverhandlungen, dann an der fehlenden Nachfrage. 1931 stellte Windhoff die Motorradproduktion endgültig ein. Das Unternehmen zog sich auf das ursprüngliche Kerngeschäft zurück und fertigte noch bis in die 1950er-Jahre Kühler. Die gesamte Motorradproduktion über alle Modelle hinweg wird auf rund 1.450 Einheiten geschätzt – eine verschwindend kleine Zahl, die heute die extreme Seltenheit dieser Maschinen erklärt.

Highlights & Besonderheiten

Was Windhoff-Motorräder, allen voran den Windhoff Four, zu außergewöhnlichen Sammlerstücken macht, ist ihre kompromisslose Originalität. Zu einer Zeit, als die meisten Motorräder noch auf konventionellen Rohrrahmen aufbauten, wagte Windhoff den radikalen Schritt: Der Motor ist der Rahmen.

Beim Windhoff Four (746 ccm) entfällt der Rahmen im klassischen Sinn vollständig. Der massive Motorblock aus Aluminiumguss übernimmt die Funktion des Hauptrahmens – Lenkerkopf und Vordergabel schrauben direkt an den Motor, der Hilfsrahmen hinten besteht aus vier parallel verlaufenden Stahlrohren, die direkt aus dem Getriebegehäuse herausragen und Hinterrad sowie Bremsanker aufnehmen. Das Getriebe wiederum ist starr mit dem Motorblock verschraubt. Das Ergebnis ist eine Konstruktion von bemerkenswerter Starrheit und Kompaktheit – ein Prinzip, das erst Jahrzehnte später unter dem Begriff „Monocoque" oder „Stressed Member" breite Anwendung fand.

Der Motor selbst ist eine weitere Pionierleistung. Die obenliegende Nockenwelle (OHC) wurde von einem Stirnradtrieb an der Motorvorderseite angetrieben – in einer Ära, in der Vorkriegs-Vierzylinder mit obenliegender Nockenwelle an einer Hand abzuzählen waren (zu nennen wären noch der Ariel Square Four von 1931 und der dänische Nimbus von 1934). Die Kühlung erfolgte nicht über Wasser, sondern über zirkulierendes Öl, das durch Kanäle im Motorblock geführt wurde – die horizontalen Kühlrippen fungierten als Ölkühler. Externe Ölleitungen gab es nicht: alle Öl führenden Kanäle verlaufen intern, was der Maschine eine ungewöhnlich saubere, fast skulpturale Erscheinung verleiht.

Die Zweitakter der frühen Jahre sind ebenfalls bemerkenswert. Die Wasserkühl-Einzylinder mit integriertem Zylinder-Kühler und Ladepumpe standen technisch weit über dem Standard damaliger Alltagsmotorräder und erklären die Rennstreckenerfolge.

Technische Daten

Windhoff Four (1928–1931)

Windhoff 125/175 ccm Zweitakter (1924–ca. 1928)

Windhoff 996 ccm Boxer (1929–1930, Kleinstserie)

Marktübersicht und Kauftipps

Windhoff-Motorräder gehören zu den absoluten Raritäten der deutschen Vorkriegsgeschichte. Komplette Maschinen wechseln extrem selten den Besitzer – öffentliche Auktionen mit Windhoff-Exemplaren sind auf der ganzen Welt ein Ereignis. Als Referenzpunkt dient die Versteigerung eines Windhoff Four (Fahrgestellnummer 902, Baujahr 1928) bei Bonhams im Oktober 2018 im Barber Motorsports Museum in Birmingham (Alabama): Der Hammer fiel bei 230.500 US-Dollar inklusive Aufgeld – ein Betrag, der die außerordentliche Wertschätzung dieser Maschinen auf dem internationalen Markt unterstreicht.

Vereinzelte Belege aus dem Jahr 2024 zeigen, dass auch isolierte Windhoff-Motoren (ohne Fahrzeug) bei Preisen von rund 29.500 Euro gehandelt werden. Das gibt eine Vorstellung davon, wie hoch der Wert eines fahrbereiten Komplettexemplars anzusetzen ist.

Käuferprofile: Windhoff-Motorräder interessieren ausschließlich ernstzunehmende Sammler mit tiefen Kenntnissen der deutschen Motorradgeschichte und entsprechendem Budget. Für Einsteiger in die Oldtimerwelt sind sie ungeeignet – es geht hier um museale Objekte, nicht um Alltagsklassiker. Typische Käufer sind:

  • Museen und institutionelle Sammler, die Lücken in ihren Beständen zur deutschen Vorkriegs-Motorradtechnik schließen wollen
  • Privatsammler mit speziellem Fokus auf deutsche Ingenieurskunst der Weimarer Republik
  • Anlageorientierte Sammler, die auf extreme Seltenheit und historische Bedeutung setzen

Wichtigste Kaufprüfpunkte:

  • Rahmen (bzw. Motorblock als Rahmen): Da der gesamte Motorblock das tragende Element ist, sind Risse oder Schweißreparaturen am Aluminiumguss ein absolutes Ausschlusskriterium. Jede strukturelle Kompromittierung macht die Maschine unsicher und wertmindernd.
  • Vollständigkeit: Fehlende Originalteile sind faktisch nicht ersetzbar – keine Serienproduktion, keine Nachbauteile. Jedes fehlende Teil (Gabel, Getriebe, Kardanwelle, Vergaser, Lenkerkopf) bedeutet aufwändigste Sonderanfertigung durch Spezialisten.
  • Provenienz und Dokumentation: Bei einem Objekt dieser Preisklasse ist lückenlose Dokumentation (Fahrzeugbrief, historische Fotos, Restaurierungsunterlagen) unverzichtbar. Maschinen mit bekannter Sammlungshistorie erzielen erhebliche Aufschläge.
  • Restaurierungsstand: Professionell restaurierte Exemplare mit korrekten Oberflächen und nachgewiesener Fahrtüchtigkeit (Bonhams-Exemplar wurde 2007/08 vollständig überholt) sind deutlich mehr wert als unberührte, aber nicht fahrbereite Fundstücke.
  • Motorzustand: Die OHC-Konstruktion mit internen Ölkanälen ist komplex. Überprüfung der Ölversorgung, des Ventiltriebs und der Lagerspiele erfordert Spezialisten mit Vorkriegs-Expertise.
  • Getriebe und Kardanwelle: Dreigang-Getriebe und Wellenantrieb müssen auf Spiel und Dichtheit geprüft werden. Ersatzteile existieren nicht.

Ersatzteillage: Schlicht gesagt katastrophal. Es gibt keine Zulieferer, keine Clubs mit Teilebörsen, keine Nachbauindustrie für Windhoff. Wer eine Windhoff kauft, kauft ein Museumsobjekt – und muss bei Bedarf Teile von Null neu anfertigen lassen. Das setzt enge Zusammenarbeit mit spezialisierten Vorkriegs-Motorrad-Restauratoren voraus (z. B. in Deutschland, Großbritannien oder den USA).

Markttrend: Die wenigen Transaktionen, die dokumentiert sind, zeigen einen klaren Aufwärtstrend. Korrekt dokumentierte, vollständige Windhoff-Maschinen werden zunehmend als Museumsstücke von international bedeutendem Rang gehandelt.

Fahrverhalten und Fahrerlebnis

Den Windhoff Four zu fahren ist eine Begegnung mit einer anderen Epoche des Motorradbaus – und mit einem Fahrzeug, das sich seiner eigenen Modernität bewusst zu sein scheint. Der 746-ccm-Vierzylinder dreht sanft und charakteristisch kultiviert für einen Motor aus den späten 1920er-Jahren. Bei 4.000 U/min ruft er seine 22 PS ab – bescheiden nach heutigen Maßstäben, aber für einen Tourensportler von 1928 beachtlich.

Das Fehlen eines konventionellen Rahmens macht sich beim Fahren bemerkbar: Die Steifigkeit des Gesamtpakets ist außergewöhnlich. Kein Rohrrahmen federt oder verwindet sich – der massive Aluminiumblock bildet eine monolithische Einheit mit Getriebe und Hilfsrahmen. Das Lenken des Windhoff fühlt sich präziser an, als man es von zeitgenössischen Maschinen mit flexibleren Rohrrahmen kennt.

Die Nachlaufgabel mit Doppelblattfedern gibt ein gewöhnungsbedürftiges, aber für die Epoche solides Feedback. Das starre Hinterrad – damals Standard – bedeutet auf schlechten Straßen spürbare Stöße, die der Sattel teilweise abfedert. Die Kardanwelle sorgt im Vergleich zur damals üblichen Kette für nahezu wartungsfreien, sauberen Antrieb – ein Luxusmerkmal, das den Hochpreischarakter der Maschine unterstreicht.

Das Dreigang-Getriebe mit Handschaltung rechts erfordert Übung, gibt aber ein direktes Gefühl für die Mechanik. Bei niedrigen Geschwindigkeiten zeigt sich der Vierzylinder erstaunlich kultiviert – schon ab Schritttempo zieht er sauber durch, ohne zu ruckeln. Die Höchstgeschwindigkeit von deutlich über 120 km/h war für 1928 eine echte Ansage.

Die kleinen Zweitakter vermitteln ein völlig anderes Erlebnis: leicht, quirlig, mit dem typischen Zweitakter-Schub im mittleren Drehzahlbereich. Auf der AVUS waren sie tatsächlich konkurrenzfähig – und das Anspringen der Ladepumpe gibt diesen Maschinen einen Charakter, der deutlich von den zeitgenössischen Viertaktern abweicht.

Design & Erscheinungsbild

Das Design des Windhoff Four ist die direkte Folge seiner Konstruktionsphilosophie: Form folgt Funktion – und diese Funktion ist radikal. Wo andere Motorräder einen klar erkennbaren Rahmen aus Stahlrohren zeigen, präsentiert der Windhoff einen wuchtigen, skulpturalen Aluminiumblock als zentrales Gestaltelement.

Ingenieur Dauben schuf eine Silhouette, die weniger an ein Motorrad der 1920er-Jahre erinnert als an eine Vorwegnahme des Industriedesigns. Die horizontalen Kühlrippen an beiden Seiten des Motorblocks verleihen der Maschine eine geometrische Strenge, die gleichzeitig technische Notwendigkeit und ästhetisches Statement ist. Alle Ölleitungen verlaufen intern – keine störenden externen Schläuche, keine Behelfslösungen. Das Ergebnis ist eine ungewöhnlich aufgeräumte, fast monolithische Erscheinung.

Der Satteltank mit Schulterprofil und die Nachlaufgabel mit ihren beidseitigen Blattfederbeinen rahmen den Motor ein, ohne von ihm abzulenken. Die vier parallelen Hilfsrahmenrohre, die hinten aus dem Getriebegehäuse austreten und das Hinterrad halten, verstärken den Eindruck einer Maschine, die auf das Essentielle reduziert wurde.

Verglichen damit wirken die frühen Zweitakter konventioneller – elegante Maschinen mit Rohrrahmen, aber ohne die architektonische Kühnheit des Four. Der 996-ccm-Boxer von 1929 wiederum zeigt eine sichtbare BMW-Verwandtschaft in der Grundkonzeption, ist aber durch die extreme Seltenheit erhaltener Exemplare kaum greifbar.

Das Farbspektrum der Zeit war bei Windhoff überschaubar: Schwarz dominierte, ergänzt durch Chromdetails an Gabel, Auspuff und Instrumenten. Wenige Exemplare sind in anderen Farbtönen dokumentiert.

Motorsport & historische Bedeutung

Windhoff ist in der Geschichte des deutschen Motorradsports zweifach verankert: durch die Rennerfolge der Zweitakter in den 1920er-Jahren und durch die technologische Pionierleistung des Vierzylinders.

Die AVUS-Doppelsiege von 1925 in den Klassen 125 ccm und 175 ccm waren ein nationaler Erfolg für die noch junge Berliner Marke. Kritiker des Fahrzeugliteraten Tragatsch beschrieben die kleinen Windhoff-Renner als „superb" – ein seltenes Lob für eine Kleinserie. Der Weltrekord von 1928 auf der Opel-Rennbahn (1.000 km mit 61,2 km/h Durchschnitt in der 125-ccm-Klasse bei einem 24-Stunden-Rennen) ist bis heute ein belegter Meilenstein in der deutschen Motorradgeschichte.

Der Windhoff Four hat darüber hinaus eine technikgeschichtliche Bedeutung, die weit über Deutschland hinausgeht: Er war Deutschlands erster Serien-Vierzylinder, konstruiert zu einer Zeit, als selbst BMW und DKW noch keine Vierzylinder im Angebot hatten. Das Prinzip des Motors als tragendes Rahmenelement beeinflusste spätere Konstrukteure – ein direkter Vergleich zum Vincent der Nachkriegszeit, der ebenfalls mit dem Motor als Strukturelement arbeitete, ist in der Fachliteratur belegt.

Heute befinden sich die wenigen bekannten Exemplare des Windhoff Four überwiegend in Museen und bedeutenden Privatsammlungen weltweit. Das Barber Motorsports Museum in Birmingham (Alabama) besaß ein Exemplar. Weitere Maschinen sind in europäischen Sammlungen dokumentiert.

Fazit

Windhoff ist eine der faszinierendsten Kleinstmarken der deutschen Motorradgeschichte. In nur sieben Jahren Serienproduktion (1924–1931) schuf das Berliner Unternehmen Maschinen, die weit über ihrer Zeit standen: Die Zweitakter überzeugten auf der Rennstrecke, der Windhoff Four setzte mit rahmenlosem Monocoque-Konzept, ölgekühltem OHC-Vierzylinder und Kardanantrieb Maßstäbe, die erst Jahrzehnte später wieder aufgegriffen wurden.

Wer heute ein Windhoff-Motorrad kauft, erwirbt kein Fahrzeug zum Fahren – sondern ein Stück kompromissloser Ingenieursgeschichte aus der Weimarer Republik. Die Marktpreise spiegeln das wider: Ein vollständiges, dokumentiertes Exemplar des Windhoff Four ist heute ein sechsstelliges Investitionsobjekt. Die extreme Seltenheit (geschätzt unter 1.500 Maschinen insgesamt produziert, davon vermutlich nur eine Handvoll Four erhalten) macht jeden Kauf zu einem seltenen Ereignis.

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