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SIS Sachs Motorrad kaufen
Aus der kleinen Stadt Anadia im portugiesischen Aveiro stammte eine der bemerkenswertesten Zweiradmarken der Iberischen Halbinsel – SIS Sachs kombinierte deutschen Motorenbau mit südeuropäischer Handwerkskunst. Die V5, die Lebre und die RE50 prägten ganze Generationen von Zweiradfahrern in Portugal, Deutschland, Österreich und weit darüber hinaus.
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1954 | SIS Sachs 50
C.M.P. Sachs 50 Velocipede

1975 | SIS Sachs V5 Sport
SIS SACHS V5 Racing Sport
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Fahrzeug inserierenGeschichte & Erbe
Die Geschichte von SIS Sachs beginnt mit einem Fahrradhändler aus Sangalhos. Joaquim Simões Costa gründete in den frühen 1950er Jahren die Sociedade Irmãos Simões – kurz SIS – und legte damit den Grundstein für eine der bedeutendsten portugiesischen Motorradmarken des 20. Jahrhunderts. Von Anfang an stand SIS in enger Verbindung mit dem deutschen Motorenbauer Fichtel & Sachs aus Schweinfurt: Simões Costa importierte zunächst 98-ccm-Sachs-Motoren, baute sie in eigene Rahmen ein und vertrieb die fertigen Fahrzeuge unter verschiedenen Namen wie OSP, Rex und Tansini.
1964 übernahm Aulácio Almeida von der Organização Sachs Portugal (OSP) das Unternehmen. Die Firma wurde in SIS – Veículos Motorizados, Lda. umbenannt und trat fortan einheitlich als SIS-Sachs auf. Sieben Jahre später, 1971, wurden die bis dahin auf zwei Standorte in Sangalhos und Arcos verteilten Produktionsstätten in einer neuen Fabrik in Malaposta, Anadia zusammengeführt. Im gleichen Jahr begann SIS, die Sachs-Motoren in Portugal in Lizenz selbst zu fertigen – ein entscheidender Schritt zur eigenständigen Motorradmarke.
In den 1960er Jahren machten frühe Modelle wie die Lebre (Hase) und die Ciclone von sich reden. 1965 erschien die V5 Sport, das Modell, das SIS international bekannt machen sollte. Die V5-Linie wurde von António Quadros entworfen und verbarg unter dem sportlichen Blechkleid den zuverlässigen Sachs 50 S-Einzylinder-Zweitakter. Der Name „V5" stand nicht für einen V5-Motor, sondern für das 5-Gang-Getriebe – zu einer Zeit eine echte Besonderheit im 50-ccm-Segment.
Das Exportprogramm von SIS war für einen kleinen portugiesischen Hersteller bemerkenswert ehrgeizig. In den USA vertrieb Cycle International aus Kalifornien die Modelle ab Mitte der 1960er Jahre, in der Schweiz war A. Strasser in Biberist als Importeur tätig. SIS Sachs-Motorräder rollten in die Bundesrepublik Deutschland, nach Österreich, Griechenland, Marokko, Angola und Mosambik. In der Bundesrepublik wurden Modelle sogar im Quelle-Katalog gelistet.
Mit der Yamaha DT 125 führte SIS 1982 nach einem Abkommen mit Motopeças auch eine komplette Baugröße in sein Programm ein. In den späten 1980ern umfasste die Modellpalette neben der V5 die RE50 (eine Trail-Maschine für Straße und Gelände), die elegante Lotus Special, die sportliche Fuego und den vollverkleideten Sportler GP1, der an Fahrzeugen der spanischen Marke MVM orientiert war und lt. Werksprospekt bis zu 110 km/h erreichte.
Die wachsende Konkurrenz aus Asien, die den europäischen Kleinkraftradmarkt ab Ende der 1980er Jahre überrollte, setzte SIS zunehmend unter Druck. Im September 1995 musste das Werk in Anadia endgültig schließen – nach über vier Jahrzehnten und etwa 50 verschiedenen Modellvarianten.
Highlights & Besonderheiten
Was SIS Sachs von zeitgenössischen europäischen Konkurrenten abhob, war die ungewöhnliche Kombination aus portugiesischer Designidentität und deutscher Motorentechnik. Während viele Mitbewerber auf günstigere Eigenentwicklungen setzten, blieb SIS dem Sachs-Motor treu – und baute ihn ab 1975 sogar in Lizenz selbst für 5- und 6-Gang-Versionen.
Die V5 Sport war ihrer Zeit voraus: Mit einem 49-ccm-Zweitakter (38 × 44 mm), 5,3 PS, hydraulischen Teleskopgabeln vorne und Zweifachfederbeinen hinten, Trommelbremsen mit 100-mm-Durchmesser und einem 16-Liter-Tank bei nur 68 kg Leergewicht bot sie eine Fahrwerksauslegung, die in dieser Klasse selten war. Dass das Modell eine portugiesische Briefmarke gewidmet bekam, zeigt den Stellenwert, den SIS Sachs in der nationalen Mobilitätsgeschichte einnahm.
Das V5 Lotus-Modell aus den späten 1980ern kombinierte die bewährte Mechanik der V5 mit einer moderneren, strömungsgünstigeren Verkleidung – und gilt heute als einer der gesuchteren Sammlertypen, da die Stückzahlen deutlich geringer ausfielen als bei der klassischen V5 Sport.
Die RE50 brachte das Trail-Konzept in das SIS-Programm: leichtes Gewicht, hohe Bodenfreiheit und ein Sachs-Motor, der sowohl auf Schotter als auch auf Asphalt funktionierte. Für Spanien wurde die RE50 in einer 75-ccm-Version angeboten, um lokale Führerscheinregelungen zu erfüllen.
Der GP1 markierte den Abschluss der SIS-Geschichte mit Stil: vollverkleidet, filigran und mit dem Sachs 50 SWD-Motor bestückt, der dem Fahrzeug laut Werksprospekt erstaunliche 110 km/h ermöglichen sollte. In Deutschland wurden nur rund 50 Exemplare importiert – ein Rarität, die auf Sammlerbörsen entsprechend begehrt ist.
Technische Daten
Motorkenndaten Sachs 50 S: Bohrung 38 mm, Hub 44 mm, 6-Volt-Magnetzünder Bosch 29 W, Bing-Vergaser Typ 1/19/31, Mehrscheiben-Nassölkupplung, hydraulisch gedämpfte Teleskopgabel, 2,75 × 21"-Bereifung.
Marktübersicht und Kauftipps
SIS Sachs zählt zu den Nischenkollektablen unter den europäischen Kleinkrafträdern. Außerhalb Portugals sind Exemplare spürbar seltener als vergleichbare deutsche oder britische Zeitgenossen, was den Markt zweigeteilt erscheinen lässt: In Portugal sind Angebote deutlich zahlreicher und günstiger, während in Deutschland, Österreich und der Schweiz gut erhaltene Exemplare höhere Aufpreise erzielen können.
Aktuelle Marktpreise (Stand 2025/2026):
- Restaurierungsprojekte / Teileträger: 300–800 € – defekte oder stark verwitterte Exemplare, bei denen Motor, Vergaser oder Elektrik fehlen
- Fahrbereit, unrestauriert: 800–1.500 € – läuft, braucht aber Vergaserabstimmung, Bremskontrolle und ggf. neue Lichtmaschinen-Simmerringe
- Ordentlicher Alltagszustand: 1.500–2.500 € – vollständig, mechanisch in Ordnung, optisch mit Gebrauchsspuren
- Professionell restauriert, V5 Sport/Racing: 2.500–3.500 € – Auktionspreise auf portugiesischen Plattformen (OLX, StandVirtual, CustoJusto) für vollständig restaurierte Exemplare
- V5 Lotus restauriert: 3.000–5.000 € – seltene Variante, höhere Sammlernachfrage
- Baujahr 1965 (erstes Exportjahr), V5 Sport: Seltenheit; das einzig bekannte Exemplar eines US-Exports wurde 2025 bei Classic Avenue für 2.250 USD versteigert – eine Restoreierungsprojekt; ein tadelloser 1965er würde deutlich mehr erzielen
Käuferprofil: SIS Sachs spricht hauptsächlich drei Gruppen an: Nostalgiker mit Bezug zur portugiesischen oder iberischen Motorradkultur, Sammler, die Zweiradgeschichte außerhalb der Mainstream-Marken erkunden, sowie erfahrene Schrauber, die den zuverlässigen und gut dokumentierten Sachs-Motor schätzen.
Kaufinspektion – konkrete Prüfpunkte:
- Kurbelwellenlager: Das häufigste Verschleißteil beim Sachs 50 S. Typisches Symptom: Mahlen oder Pfeifen bei laufendem Motor. Austausch kostet mit Arbeit ca. 80–150 €, Lager sind als Nachbau verfügbar (Lagersitz kupplungsseitig 20 mm, magnetseitig 25 mm).
- Vergaser (Bing 85/10 oder 1/19/31): Schwimmernadel häufig verschlissen oder fehlend. Übergangslosigkeit (Gasannahme-Probleme bei niedrigen Drehzahlen) deutet auf zu viel Lufteinfall hin – Kurbelwellen-Simmerringe prüfen. Bing-Ersatzteile bei Greiner-Oldtimerteile erhältlich.
- Getriebeöl: Originalbefüllung SAE 80 GL-4 oder ATF Dexron IID; keinesfalls GL-5 verwenden (quillt Kupplungslamellen auf). Füllmenge: ältere 505er-Motoren 250 ml, neuere (ab ca. 1980) 300 ml.
- Rahmentank (Saxy, Minor): Modelle mit integralem Rahmentank (z.B. Saxy) neigen zu Undichtigkeiten durch innere Korrosion. Tankversiegelung möglich, aber aufwendig.
- Karosserieteile: Original-Blechteile und Chromzierrat für die V5 sind über portugiesische Händler (z.B. Pimentas bei eBay) beschaffbar; Kunststoffteile der GP1 und RE50 sind praktisch nicht mehr lieferbar.
- Schaltmechanismus: Schaltgabelrollen können ausleieren (typisches Symptom: Gänge springen heraus). Schaltzug auf korrektes Spiel (1–2 mm am Griff) prüfen; Ersatz-Schalthebel über Hercules Prima-Anbauteile manchmal kompatibel.
- Bereifung: Originalgröße 2,75 × 21" beim V5 Sport ist ungewöhnlich. Zuverlässige Reifenverfügbarkeit vorab prüfen.
- Papiere und ABE: Für den deutschen Markt importierte SIS-Fahrzeuge (RE50, Saxy, GP1) haben teilweise schwer nachzuweisende ABE-Nachweise. Versicherungszwecke unbedingt klären.
Ersatzteile: Sachs-Motorenteile sind über Spezialisten wie mopedparts.de, pati-versand.de und den 50er-Forum-Händlerring gut erhältlich. Modellspezifische Teile wie Bremssättel, Schutzbleche und Verkleidungen müssen häufig aus Portugal bezogen werden.
Fahrverhalten
Wer eine SIS Sachs V5 Sport zum ersten Mal bewegt, staunt unweigerlich über die Ernsthaftigkeit, mit der dieses kleine Fahrzeug zu Werke geht. Das 5-Gang-Getriebe ermöglicht ein entspanntes Ausdrehen jedes Gangs, und der Sachs 50 S entfaltet seinen Charakter erst bei höheren Drehzahlen – ab etwa 6.000 U/min schiebt der Motor mit einer für 50 ccm beachtlichen Direktheit an.
Das Fahrwerk ist für ein Kleinkraftrad der 1960er und 1970er Jahre ausgesprochen kompetent ausgelegt: Die Teleskopgabel mit hydraulischer Dämpfung vorne und die Zweifachfederbeine hinten vermitteln auch auf schlechten Straßen ein beherrschbares Feedback. Mit 2,75 × 21"-Reifen rollt die V5 Sport über Kopfsteinpflaster und Schlaglöcher mit der nonchalanten Gelassenheit einer Maschine, die für das tägliche Leben in portugiesischen Kleinstädten gemacht wurde – und genau das ist ihr größter Charme.
Der Geruch des verbrannten Zweitaktgemischs, das charakteristische Kreischen des Sachs-Motors kurz unterhalb des Drehzahlbegrenzer und das Gefühl, dass jeder Kilometer auf dieser Maschine bewusst erlebt wird – das macht SIS Sachs zur erfahrungsreichen Alternative zu den üblichen Verdächtigen auf Oldtimerveranstaltungen.
Die RE50 verhält sich dank ihrer höheren Bodenfreiheit und des weicheren Fahrwerks deutlich sanftmütiger; sie eignet sich für Schotter- und Waldwege ebenso wie für die Landstraße. Die GP1 hingegen, eingehüllt in ihre schmale Vollverkleidung, vermittelt das Flair eines Rennsportlers im Kleinformat – das Sitzen ist enger, die Sitzposition sportlicher, und das 6-Gang-Getriebe erlaubt eine deutlich feinere Abstimmung auf unterschiedlichste Geschwindigkeitsbereiche.
Design & Zubehör
António Quadros entwarf mit der V5-Linie ein Fahrzeug, das den Zeitgeist der 1960er Jahre perfekt einfing: die gezogene Linie des Tanks, der in einen schlanken Heck übergeht, die Kombination aus verchromten Rohren und matten Metallteilen, die ausgeprägten Kühlrippen des Sachs-Motors als sichtbares Qualitätsmerkmal. Im damaligen SIS-Werbeprospekt stellte man die V5 selbstbewusst neben einen Porsche – als Symbol für Qualität und Exklusivität im Kleinwagenformat.
Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich das Design der V5 schrittweise weiter: Das Lotus-Modell der späten 1980er Jahre erhielt eine strömungsoptimierte Halbverkleidung, die den Zeitgeist des Sportmotorrad-Booms aufgriff, ohne die charakteristischen Linien des Originals zu verleugnen. Das V5 Motozax-Sondermodell und spätere Varianten wie der Golden Chopper zeigten, dass SIS durchaus bereit war, mit Nischenprodukten zu experimentieren.
Die Farbgestaltung der SIS-Modelle war für die Epoche ungewöhnlich vielfältig: Rot, Blau, Gelb und Schwarz waren je nach Modelljahr erhältlich, wobei originale Farblackierungen in gutem Zustand heute einen erheblichen Wertbeitrag leisten. Originale Chromteile – Gepäckträger, Auspufftopf-Blende, Lenkerhalterung – sind stark nachgefragt und auf dem Markt zunehmend schwer zu finden.
Zubehör und Erweiterungen: Im Originalzustand wurden V5-Modelle mit optionalen Gepäckträgern, Metallkörben über dem Vorderrad und verschiedenen Lenkern angeboten. Heute existiert ein kleines Aftermarket-Ökosystem in Portugal und Deutschland, das Replika-Aufkleber, Vergaser-Reparatursätze und Kurbelwellensätze liefert.
Exportgeschichte und Sammlerkultur
Die portugiesische Zweiradmarke SIS Sachs ist international ein Geheimtipp, der in Kenntniskreisen höchsten Respekt genießt. Dass Portugal in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine eigenständige Zweiradkultur entwickelte, die über das pure Zusammenschrauben importierter Teile hinausging, ist maßgeblich das Verdienst von SIS. Das Unternehmen exportierte nicht nur Fahrzeuge, sondern auch das Wissen, wie man Sachs-Motoren in Portugal produzierte – ein technologischer Transfer, der dem Land eine industrielle Kompetenz einbrachte, die weit über den Fahrzeugbau hinausging.
In Deutschland existieren heute kleine, aber engagierte Fankreise auf Plattformen wie mofapower.de und caferacer-forum.de. In Portugal ist die SIS Sachs V5 Teil des nationalen Gedächtnisses: Das Modell wurde auf einer Sondermarke der portugiesischen Post verewigt – eine Ehrung, die wenigen einheimischen Fahrzeugen zuteil wird.
Auf portugiesischen Klassikerveranstaltungen und dem internationalen Treffen „Motos de Portugal" treffen Sammler regelmäßig zusammen, tauschen Teile und restaurieren Fahrzeuge nach höchsten Standards. Deutsche Sammler berichten, dass gut erhaltene V5-Exemplare aus Portugal in die Bundesrepublik importiert werden und dort auf wachsendes Interesse stoßen.
Fazit
SIS Sachs ist mehr als ein portugiesischer Kleinkraftrad-Hersteller – es ist eine Marke, die dokumentiert, wie europäische Industriegeschichte jenseits der großen Zentren geschrieben wurde. Mit der V5 Sport schuf António Quadros und das SIS-Team ein Fahrzeug, das über drei Jahrzehnte produziert wurde und heute zu den gesuchten Stücken unter Kleinkollektablen-Sammlern zählt. Die Lebre überzeugte in den 1960ern sogar das amerikanische Fachmagazin Cycle, die RE50 bewährte sich als robuste Alltagsmaschine, und der GP1 zeigte, dass SIS bis zuletzt innovativ denken konnte.
Wer eine SIS Sachs kaufen möchte, erwirbt ein Stück ibero-deutschen Maschinenbaus, das durch seinen Sachs-Motor gut dokumentiert, gut ersatzteilversorgt und im Betrieb erfreulich verlässlich ist. Der Markt ist überschaubar, die Preisentwicklung zeigt bei restaurierten Exemplaren deutlich nach oben – wer jetzt handelt, findet noch Fahrzeuge zu Preisen, die in fünf Jahren kaum noch erreichbar sein werden.
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