- Motorrad
- Progress (0 Angebote)
Progress Motorrad kaufen
Vom Strolch zum Progress: Gottlieb Gaßmanns Roller aus Stuttgart-Untertürkheim verbanden robuste Sachs-Technik mit eigenständigem Design. Zwischen 1950 und 1960 entstanden rund 500 Mitarbeiter stark die beliebten Strolch-Modelle.
Suchergebnisse
Zur Zeit sind keine passenden Inserate zu Ihrer Suche veröffentlicht.
Benachrichtigung erstellen
Lassen Sie sich benachrichtigen, sobald ein Inserat veröffentlicht wird, das Ihren Suchkriterien entspricht.
Fahrzeug inserieren
Sie haben einen Progress, den Sie verkaufen wollen? Dann erstellen Sie jetzt ein Inserat.
Fahrzeug inserieren"Progress" Inserats-Referenzen von Classic Trader
Im Folgenden finden Sie Inserate zu Ihrer Suche, die nicht mehr auf Classic Trader verfügbar sind. Für eine bessere Kaufentscheidung können Sie sich mit Hilfe dieser Informationen ein besseres Bild über Verfügbarkeit, Wertentwicklung und aktuellen Preis eines "Progress" machen.
1954 | Progress Strolch 150
Progress Strochl Original BJ 1954
Benachrichtigung erstellen
Lassen Sie sich benachrichtigen, sobald ein Inserat veröffentlicht wird, das Ihren Suchkriterien entspricht.
Fahrzeug inserieren
Sie haben einen Progress, den Sie verkaufen wollen? Dann erstellen Sie jetzt ein Inserat.
Fahrzeug inserierenGeschichte & Erbe
Die Geschichte der Marke Progress beginnt 1950 in Stuttgart-Untertürkheim, wo der Konstrukteur Gottlieb Gaßmann in seiner Werkstatt in der Hindelanger Straße 15 einen kleinen Motorroller mit 75 cm³ Hubraum entwickelte. Der Roller trug den Namen Strolch – ein umgangssprachliches Wort für Lausbub oder Vagabund, das den unbekümmerten Charakter des Fahrzeugs treffend beschrieb.
Deutschland befand sich in den frühen 1950er Jahren im Wiederaufbau. Motorisierte Zweiräder waren für viele die einzige erschwingliche Fortbewegung, und der Rollermarkt boomte. Während Vespa und Lambretta den italienischen Stil verkörperten, bot der Strolch eine deutsche Alternative: praktisch, robust und auf Langlebigkeit ausgelegt.
Der erste Strolch mit seinem 75-cm³-Motor war noch ein bescheidenes Fahrzeug, doch Gaßmann entwickelte das Konzept zügig weiter. Bereits 1951 folgte eine Version mit 100-cm³-Sachs-Motor, 1952 die stärkere Variante mit 150 cm³. Die Motoren stammten von Fichtel & Sachs aus Schweinfurt – einem der renommiertesten deutschen Motorenhersteller der Nachkriegszeit, der auch Hercules, DKW und zahlreiche andere Marken belieferte.
1952 schloss Gaßmann eine Vereinbarung mit der ProgressWerk Oberkirch AG über die Fertigung der Roller. Dieser Schritt brachte die industriellen Kapazitäten, die für eine Serienproduktion nötig waren. 1954 erschien der neue Progress Strolch – nun mit dem Firmennamen Progress im Markennamen. Das neue Modell war eine deutliche Weiterentwicklung: Ein zentral im Chassis positionierter Fichtel & Sachs 175-cm³-Motor, 16-Zoll-Räder, Hinterradschwinge mit integrierten Stoßdämpfern und ein am Vorderrad befestigter Scheinwerfer. Die Karosserie bestand aus gepresstem Stahl.
Eine bemerkenswerte Innovation war die Verfügbarkeit als ES-Modell mit Elektrostarter – zu einer Zeit, als Kickstarter bei Rollern die absolute Norm waren. Dieser Komfort richtete sich gezielt an ein breiteres Publikum, das von der Vespa-Eleganz angezogen wurde, aber deutsche Zuverlässigkeit bevorzugte.
1957 brachte einen weiteren Modellwechsel: Der Motor wurde auf 200 cm³ vergrößert, und der Scheinwerfer wanderte von der Gabel in die feststehende Karosserieverkleidung – eine Anpassung an den sich ändernden Geschmack der Rollerfahrer. Der Zugang zum Antriebsstrang wurde durch zwei Schnellverschluss-Hebel elegant gelöst, sodass Wartungsarbeiten ohne Werkzeug möglich waren.
Auf dem Höhepunkt beschäftigte Progress rund 500 Mitarbeiter. Die Roller wurden nicht nur in Deutschland verkauft, sondern auch exportiert. In Großbritannien importierte die Firma Carr Brothers Ltd aus Purley die Strolch-Roller und entwickelte daraus eigene Varianten mit Villiers-Motoren: die 175 Anglian, die 200 Briton und die 200 Britannia (letztere mit Elektrostarter). Diese britischen Modelle verwendeten Fiberglas-Karosserien statt des deutschen Pressstahlaufbaus. In den USA brachte die Berliner Motor Corporation – dieselbe Firma, die auch Ducati und Norton importierte – den Progress ab 1957 auf den amerikanischen Markt.
Doch der deutsche Rollermarkt kollabierte Ende der 1950er Jahre. Mit wachsendem Wohlstand stiegen viele Käufer auf Kleinwagen wie den VW Käfer oder die BMW Isetta um. 1960 stellte Progress die Produktion ein. Restbestände wurden noch bis 1963 verkauft, aber die letzten Roller verließen 1960 das Werk. Die Firma selbst überlebte – sie kehrte zur industriellen Metallverarbeitung zurück und existiert bis heute mit Produktionsstätten in Deutschland, China und Kanada.
Highlights & Besonderheiten
Der Progress Strolch hob sich von der italienischen Rollerkonkurrenz durch durchdachte Pragmatik ab. Während Vespa auf Monocoque-Bauweise und modisches Design setzte, bot der Strolch eine konventionellere, aber wartungsfreundlichere Konstruktion.
Das zentral montierte Triebwerk aus dem Hause Fichtel & Sachs war die technische Basis des Erfolgs. Die Sachs-Motoren galten als nahezu unverwüstlich: einfach aufgebaut, leicht zu warten, mit großzügig dimensionierten Lagern und robusten Getrieben. Der gleiche Sachs 191-cm³-Motor, der im Progress zum Einsatz kam, trieb auch das Messerschmitt KR200-Kabinenroller an – ein Beleg für die Vielseitigkeit und Belastbarkeit des Aggregats.
Die Pressstahlkarosserie bot soliden Wetterschutz und war korrosionsbeständiger als die Blechverkleidungen vieler Konkurrenten. Die 16-Zoll-Räder waren größer als bei den meisten zeitgenössischen Rollern (Vespa: 10 Zoll, Lambretta: 10 Zoll) und sorgten für bessere Fahrstabilität auf den oft schlechten deutschen Nachkriegsstraßen.
Der Elektrostarter des ES-Modells war ein echtes Alleinstellungsmerkmal. In einer Ära, in der selbst teure Motorräder Kickstarter hatten, bot Progress diesen Komfort bei einem Mittelklasse-Roller – ein Marketing-Argument, das vor allem bei weiblichen Käufern und Pendlern ankam.
Die Schnellverschluss-Wartung mit zwei Hebeln, die den gesamten Antriebsstrang zugänglich machten, zeugt von Gaßmanns Ingenieursdenken. Statt Verkleidungsschrauben lösen zu müssen – bei italienischen Rollern oft eine Geduldsprobe – genügte ein Handgriff. Für Werkstätten war der Progress ein dankbarer Kunde.
Erwähnenswert ist auch die Steib-Seitenwagen-Kombination: Der Progress konnte mit einem Steib LS 200-Seitenwagen kombiniert werden – eine in der Rollerwelt seltene Option, die den Nutzwert des Fahrzeugs erheblich steigerte. Überlieferte Fotos zeigen Progress-Steib-Gespanne im Alltagseinsatz, ein Bild, das die pragmatische Ausrichtung der Marke unterstreicht.
Ein weiterer Designaspekt: Die Formensprache des Progress war maßgeblich von Louis Lepoix beeinflusst, einem der produktivsten Industriedesigner der deutschen Nachkriegszeit. Lepoix gestaltete auch Roller für TWN (Contessa), Bastert und andere Marken. Sein Einfluss zeigt sich in den fließenden Linien und der ausgewogenen Proportionierung des Strolch.
Technische Daten
Marktübersicht und Kauftipps
Der Markt für Progress-Roller ist eine ausgeprägte Nische innerhalb der ohnehin spezialisierten deutschen Rollerwelt. Die Produktionszahlen waren deutlich geringer als bei Vespa oder Lambretta, und der Bekanntheitsgrad außerhalb Deutschlands ist begrenzt. Für Sammler bedeutet das: geringe Konkurrenz, moderate Preise, aber auch eingeschränkte Ersatzteilversorgung.
Progress Strolch 175 und 175 ES
Die am häufigsten angebotenen Modelle. Fahrfähige Originalexemplare bewegen sich zwischen 2.000 und 4.000 €, gut restaurierte Strolch-Roller können 5.000–7.000 € erreichen. Der ES-Elektrostarter-Variante wird ein leichter Aufschlag von 500–1.000 € zugestanden. Projektfahrzeuge und Scheunenfunde beginnen bei 500–1.500 €.
Progress 200
Das letzte und technisch ausgereifteste Modell. Aufgrund der geringeren Stückzahl etwas seltener als der 175er. Preise: 2.500–5.000 € für fahrfähige Exemplare, restaurierte Modelle bis 7.500 €. Der 200-cm³-Sachs-Motor ist das stärkste und laufruhigste Aggregat der Baureihe.
Strolch 75/100/150 (Frühmodelle)
Die seltenen Frühmodelle vor der Progress-Ära sind Sammlerstücke für Spezialisten. Kaum Angebote, Preise stark zustandsabhängig. Wenn erhältlich: 1.500–3.500 € für fahrbare Zustände.
Steib-Seitenwagen-Kombination
Ein Progress mit Steib-Seitenwagen ist ein besonders begehrtes Sammelobjekt. Die Kombination verdoppelt den Wert gegenüber dem Einzelfahrzeug – ein komplettes, restauriertes Gespann kann 8.000–12.000 € erzielen.
Kaufhinweise
Schwachstellen: Die Pressstahlkarosserie ist grundsätzlich rostanfällig – besonders an den Schweißnähten des Trittbretts und der Bodenwanne. Prüfen Sie die Karosserie auf durchgerostete Stellen und unsachgemäße Reparaturen (Spachtelmassen!). Die Sachs-Motoren sind mechanisch robust, aber Vergaser (Bing) und Zündanlage (Bosch) können nach Jahrzehnten der Standzeit Probleme bereiten.
Ersatzteilversorgung: Sachs-Motorteile sind über den allgemeinen Oldtimer-Teilemarkt und Anbieter wie Fahrzeugteile-Bayer oder den Sachs-Stammtisch gut verfügbar – derselbe Motor wurde in Dutzenden anderen Fahrzeugen verbaut. Karosserieteile hingegen sind rar: Kotflügel, Seitenverkleidungen und Trittbretter müssen oft aus NOS-Beständen (New Old Stock) oder durch Nachfertigungen beschafft werden. Gummiteile (Trittbrettmatten, Dichtungen) sind über Spezialisten erhältlich.
Originalität: Achten Sie auf korrekte Farbgebung (die meisten Progress-Roller waren in gedeckten Grün-, Grau- oder Cremetönen lackiert), originale Schriftzüge und korrekte Sachs-Motornummer. Umbauten auf andere Motorisierungen sind selten, aber nicht unbekannt.
Fahrverhalten & Charakter
Wer einen Progress Strolch fährt, erlebt die pragmatische Seite des deutschen Wirtschaftswunders auf zwei Rädern. Kein italienisches Temperament, keine britische Exzentrik – stattdessen solide, berechenbare Fortbewegung mit einer Prise Charme.
Der Sachs-Motor springt nach korrekter Wartung zuverlässig an (beim ES-Modell genügt ein Knopfdruck) und läuft mit dem gleichmäßigen Tuckern, das Zweitakter dieser Ära auszeichnet. Die 175er-Version bietet genug Leistung für flüssiges Mitschwimmen im Stadtverkehr und zurückhaltende Überlandfahrten. Die 200er setzt noch etwas drauf und meistert auch leichte Steigungen souverän.
Das Fahrwerk vermittelt dank der 16-Zoll-Räder mehr Stabilität als die kleinrädrigen italienischen Konkurrenten. Auf Kopfsteinpflaster und unebenen Straßen – in den 1950er Jahren die Norm – federt der Progress spürbar komfortabler als eine Vespa oder Lambretta. Die Hinterradschwinge mit integrierten Dämpfern bietet einen akzeptablen Kompromiss aus Komfort und Straßenlage.
Die Sitzposition ist aufrecht und entspannt. Der breite Sitz und das großzügige Trittbrett bieten auch größeren Fahrern genug Platz. Die Lenkung ist leichtgängig, das Handling gutmütig – ein Roller, der keine Überraschungen bietet und genau deshalb als Alltagsfahrzeug geschätzt wurde.
Was den Progress von seinen Zeitgenossen unterscheidet, ist die Wartungsfreundlichkeit. Die zwei Schnellverschlüsse zum Öffnen der Karosserie machen den Roller zum Traum für Schrauber. Kerzenwechsel, Vergaserreinigung, Keilriemenprüfung – alles in Minuten erledigt, ohne Werkstattbesuch. Dieses Konzept der Zugänglichkeit war seiner Zeit voraus.
Design & Erscheinung
Der Progress Strolch verkörpert deutsche Nachkriegs-Industrieästhetik: funktional, sachlich, ohne überflüssige Zierden – aber mit einer Formgebung, die Proportionen und Zweckmäßigkeit in Einklang bringt.
Die Gestaltung geht auf Gottlieb Gaßmann zurück, mit Einflüssen des Industriedesigners Louis Lepoix, der die fließenden Karosserielinien des späteren Progress mitprägte. Lepoix war in den 1950er Jahren einer der gefragtesten Fahrzeugdesigner Deutschlands – seine Handschrift findet sich auch bei TWN, Bastert und anderen Marken.
Die Pressstahlkarosserie verleiht dem Strolch eine geschlossene, aufgeräumte Erscheinung. Im Gegensatz zur Vespa, deren Monocoque-Bauweise ein fließendes Gesamtbild erzeugt, wirkt der Progress strukturierter – einzelne Karosserieteile sind als Elemente erkennbar, aber harmonisch proportioniert. Die Lenkerverkleidung und das vordere Beinschild bieten Wetterschutz, ohne den Roller klobig wirken zu lassen.
Die Farbpalette der Progress-Roller war typisch für die Ära: gedeckte Töne in Grün, Grau, Creme und Blau, gelegentlich mit zweifarbiger Lackierung. Chromakzente an Stoßstangen, Zierleisten und Rücklichtfassung setzen zurückhaltende Glanzpunkte. Das Progress-Schriftzug-Emblem auf der Seitenverkleidung ist ein beliebtes Sammlerstück.
Das Cockpit ist minimalistisch: ein einzelner Tacho (bei den späteren Modellen), Lichtschalter und Zündschloss. Die Bedienelemente sind robust und intuitiv – kein Schnickschnack, der kaputtgehen kann. Die Sitzbank bietet Platz für zwei Personen und kann optional mit einem Gepäckträger ergänzt werden.
Fazit
Der Progress Strolch ist ein Stück deutsche Wirtschaftswunder-Geschichte auf zwei Rädern. Als bodenständige Alternative zu den glamourösen Italienern bot er robuste Sachs-Technik, durchdachte Wartungsfreundlichkeit und soliden Alltagsnutzen. Die begrenzte Produktionsdauer von nur zehn Jahren und die überschaubaren Stückzahlen machen den Progress heute zu einem reizvollen Sammlerobjekt.
Für Einsteiger in die Welt der Oldtimer-Roller bietet der Progress einen bezahlbaren Einstieg mit guter Sachs-Ersatzteillage für die Mechanik. Wer ein Steib-Seitenwagen-Gespann findet, besitzt ein ungewöhnliches Gespann, das auf jeder Oldtimer-Veranstaltung Aufsehen erregt. Der Progress mag nicht den Glamour einer Vespa haben – aber er hat etwas, das vielen italienischen Rollern fehlt: die stille Überzeugungskraft solider Ingenieursarbeit.