- Motorrad
- Motovespa (1 Angebot)
Motovespa Motorroller kaufen
Motovespa – das ist Vespa mit spanischer Seele. Von 1953 bis in die späten 1990er Jahre baute die Madrider Lizenzfabrik Roller, die technisch oft einen Schritt voraus waren und heute zu den spannendsten Sammlerobjekten der Scooter-Welt gehören.
Suchergebnisse

1967 | Motovespa Vespa 125 SL
Vespa Torismo
"Motovespa" Inserats-Referenzen von Classic Trader
Im Folgenden finden Sie Inserate zu Ihrer Suche, die nicht mehr auf Classic Trader verfügbar sind. Für eine bessere Kaufentscheidung können Sie sich mit Hilfe dieser Informationen ein besseres Bild über Verfügbarkeit, Wertentwicklung und aktuellen Preis eines "Motovespa" machen.

1975 | Motovespa Vespa 125 SL
Motovespa Vespa 125 SL von 1975 – Historisch zugelassen und fahrbereit für die Saison
Geschichte & Erbe
Als Enrico Piaggio in den frühen 1950er Jahren nach Lizenzpartnern für seine Vespa suchte, traf er auf ein Spanien, das unter Francos Diktatur wirtschaftlich weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten war. Importverbote machten es unmöglich, Motorroller aus Italien einzuführen – genau deshalb war eine einheimische Produktion attraktiv. Auf Anraten des Unternehmensberaters Spartaco G. Boldori Malandri entschied sich Enrico Piaggio, eine eigene Fabrik auf der Iberischen Halbinsel zu errichten.
Im August 1952 entstand in Ciudad Lineal bei Madrid ein 13.000 m² großes Werk – und am 22. Februar 1953 rollte der erste Motovespa vom Band. Die Gesellschaft firmierte als Motovespa S.A., eine eigenständige spanische Aktiengesellschaft mit Piaggio-Lizenz. Der Name „Motovespa" war dabei mehr als ein Markenzeichen: Er grenzte den Madrider Roller bewusst von den in Eibar produzierten Serveta-Lambrettas ab, mit denen ein direkter Wettbewerb herrschte.
Die ersten Jahre waren von pragmatischen Kompromissen geprägt. Da die Nachfrage die Produktionskapazitäten überstieg, importierte Motovespa zunächst fertige Maschinen aus Italien und versah sie mit spanischen Rahmennummern – offiziell ein offenes Geheimnis in der Branche. Ab 1956 liefen die ersten vollständig in Madrid gefertigten Modelle vom Band, anfangs ausschließlich mit 125-cm³-Motoren. Erst 1960/1961 folgte mit der 150S das erste rein spanische Großrahmen-Design, das auf der Pressekonferenz im Madrider Hotel Memphis vorgestellt wurde.
Was Motovespa von Beginn an auszeichnete, war die Bereitschaft zur technischen Eigenentwicklung. Während Piaggio in Italien noch auf klassische Kontaktzündung setzte, führte Motovespa die Femsatronic-Elektronikzündung ein – benannt nach dem spanischen Elektronikhersteller Femsa. Die Technologie, die mit dem 160-cm³-Modell ab 1969 debütierte, fand erst deutlich später Eingang in die italienischen Rally-Modelle. Auch die im Madrider Werk hergestellte Primavera 125 für die spanische Post erhielt werkseitig Blinker, als Piaggio in Pontedera daran noch gar nicht dachte.
Das Modellprogramm entwickelte sich über vier Jahrzehnte kontinuierlich weiter:
- 125 N / 125 S (1953–1964): Die ersten Modelle, zunächst importiert, ab 1958 mit spanienspezifischen Modifikationen. Äußerlich erkennbar am charakteristischen Einteiler-Lenkergehäuse der späteren Varianten.
- 150 S / 150 L (1961–1965): Das erste exklusiv spanische Breitrahmen-Design – eine Eigenentwicklung Madrids, kein direktes Gegenstück zum italienischen Programm.
- 150 Sprint / 160 GT (1966–1979): Die sportiven Baureihen mit 150 bzw. 161 cm³, die Motovespa mit der Femsatronic-Zündung zum Technologieführer machten. Der 160 GT war technisch ein Hybrid: Der Rahmen eines Sprint, die Elektronikzündung eines Modernen.
- DS 200 / DN 200 (ab 1978): Die Krönung der Motovespa-Geschichte – ein PX-Rahmen kombiniert mit Rally-Gabeln und Rally-Frontmaske, dazu der frühe P200/Rally-Übergangsmotor, der als schnellster ab Werk produzierter 200er Vespa gilt. DS und DN unterscheiden sich in Details: Das DS-Modell besitzt keinen Blinker, ein einteiliges Lenkergehäuse und ein trapezförmiges Tacho; das DN-Modell kam mit Blinkern und rundem Tacho.
- TX 200 (1980er Jahre): Der Nachfolger, der technisch weitgehend dem italienischen PX 200 Lusso entspricht, aber mit spanischen Bauteilen.
- Plurimatic: Eine der ersten serienmäßig in Spanien produzierten automatischen Vespas – Motovespa war auch hier Vorreiter.
Die Produktion unter Lizenz endete in den späten 1990er Jahren; seither werden Roller nach Spanien importiert. Das Werk in Ciudad Lineal ist Geschichte, doch die Fahrzeuge, die dort entstanden, finden heute begeisterte Sammler in ganz Europa.
Highlights & Besonderheiten
Was macht Motovespa für Sammler so interessant? Im Wesentlichen drei Faktoren: technische Pionierleistungen, eigenständige Modellentwicklungen und die daraus resultierende Seltenheit außerhalb Spaniens.
Technischer Vorsprung: Die Femsatronic-Elektronikzündung war kein Zufall, sondern Ausdruck einer Ingenieurskultur, die spanische Bauteile – Femsa für Elektrik, Bing für Vergaser – in überraschend hochwertigen Kombinationen einsetzte. Wer eine Motovespa 160 fährt, fährt einen Roller, der Jahrzehnte vor den meisten seiner Zeitgenossen kontaktlose Zündung hatte.
DS 200 – der Gralsroller: Der spanische DS 200 gilt in Vespa-Kreisen als einer der begehrtesten Vorserienmodelle der PX-Ära. Die Kombination aus PX-Monocoque-Rahmen, Rally 200-Vorderradgabel und -Frontmaske sowie dem frühen Übergangsmotor ergibt ein Fahrzeug, das weder reine Rally noch reiner PX ist – und gerade deshalb so fasziniert. Auf Kleinanzeigen und bei britischen Händlern werden restaurierte DS 200 regelmäßig als „highly sought after" und „fastest factory 200" ausgezeichnet; Preise liegen 2024/2025 um 3.300–4.500 € für fahrbereite Exemplare, vollrestaurierte Stücke deutlich darüber.
Eigenständige Karosserieentwicklung: Die 150 S von 1961 war kein Klon eines italienischen Modells. Motovespa entwickelte in Madrid einen eigenen Breitrahmen-Roller, der erst auf der Pressekonferenz im Hotel Memphis präsentiert wurde – ein Eigengewächs mit Vespa-DNA, aber iberischem Charakter.
Exklusivität: Außerhalb Spaniens sind Motovespa-Roller selten. Die meisten verblieben auf der Iberischen Halbinsel; was den europäischen Markt erreicht, stammt meist aus Sammlungen oder Importen. Wer auf Classic Trader ein Motovespa-Angebot findet, bekommt etwas, das die meisten Vespa-Liebhaber noch nie aus der Nähe gesehen haben.
Technische Daten
Motor (160 GT, Referenzmodell):
- Zylinder: 1, luftgekühlt, 2-Takt, Kolbensteuerung
- Bohrung × Hub: 60 × 57 mm
- Verdichtung: 7,8:1
- Schmierung: Gemisch 1:20 (5 %)
- Kupplung: Mehrscheiben-Ölbad
- Räder: 10 Zoll
- Bereifung: 3,50 × 10
- Leergewicht: 98 kg
- Spannung: 12 V / 35 W Lichtmaschine
DS 200 (Besonderheiten):
- Rahmen: PX-Monocoque
- Gabel und Frontmaske: Rally 200-Typ
- Motor: früher P200/Rally-Übergangsmotor (gilt als werkseitig schnellster 200er)
- Tacho: trapezförmig (DS) / rund (DN)
- Blinker: nein (DS) / ja (DN)
Marktübersicht und Kauftipps
Preisrahmen 2024/2025:
Motovespa-Roller sind kein Massenmarkt – das Angebot ist überschaubar, dafür aber die Preisspanne erheblich. Grobe Orientierungswerte:
- 125er Modelle (1953–1965): einfache Fahrer 800–1.800 €, restauriert 2.500–4.500 €
- 150 Sprint / 160 GT: fahrbereit 1.500–3.500 €, vollrestauriert 4.000–7.000 €
- DS 200 / TX 200: 3.000–4.500 € für solide Exemplare, restaurierte Highlights 5.500–8.500 €
Auf Kleinanzeigen.de tauchen Motovespas selten auf; wer aktiv sucht, findet eher über spezialisierte Händler, Scooterlounge-Foren oder Classic Trader. Ein Motovespa TX 200 von 1988 wechselte laut SIP-Scootershop-Blog 2025 für ca. 3.400 € den Besitzer – nach frischer HU und zwei neuen Reifen.
Käuferprofil:
Motovespa spricht zwei Käufergruppen an: Erstens erfahrene Vespa-Sammler, die das Programm abrunden wollen und auf der Suche nach dem technisch wie historisch besonderen Modell sind – insbesondere dem DS 200. Zweitens Fahrgenießer, die einen soliden, alltagstauglichen Klassiker suchen, der nicht auf jedem Vespa-Treffen zweimal vorkommt.
Worauf beim Kauf achten:
- Rahmentunnel und Bodenwanne: Klingelt es beim Abklopfen hohl, ist Rost unter dem Lack. Kritische Stellen: Hinter dem Vorderrad, unter den Bodenmatten, am hinteren Ende des Rahmentunnels (Überlappungsnaht der Bleche), unter dem Reserverad und an den Schweißpunkten. Oberflächenrost ist beherrschbar; tiefer Durchrostungsrost macht eine Komplettrestaurierung unausweichlich.
- Seriennummer und Authentizität: Frühe Motovespas wurden teils mit spanischen Nummern auf importierten Rahmen versehen. Eine Überprüfung der Rahmennummer gegenüber dem vorhandenen Fahrzeugbrief ist Pflicht – gerade bei DS 200-Exemplaren, die häufig als begehrte Sammlerobjekte gehandelt werden.
- Lenkung und Gabelspiel: Lenklagerspiel ertasten (Vorderrad heben, Lenker von Anschlag zu Anschlag), Gabelspiel durch Wiegen prüfen. Beides günstiger zu reparieren als oft befürchtet, aber ein Verhandlungsargument.
- Femsatronic-Zündung (160, DS 200): Die elektronische Zündung ist robust, aber bei Defekt teuer und schwierig zu beschaffen. Laufende Maschinen bei der Probefahrt auf Aussetzer prüfen; ein Kaltstart-Test ist aussagekräftiger als nur Warmstart.
- Spanische Originalteile vs. Piaggio-Teile: Viele Motovespa-Komponenten (Vergaser, Elektrik) sind mit Piaggio-Teilen tauschbar, aber nicht 1:1 kompatibel. Fragen Sie den Verkäufer explizit, welche Teile bereits ausgetauscht wurden. Spanische Originalteile sind schwerer zu beschaffen; europäische SIP-Scootershop-Lagerhaltung deckt aber den Großteil des Bedarfs ab.
- Bremsen, Dämpfer, Licht: Standardchecks, die bei jedem klassischen Roller gelten – aber auch hier ist der Zustand der Bremsbacken und die Funktion der Hupe Pflicht.
Teileversorgung:
Für die späten Modelle (TX 200, Baureihen mit PX-ähnlicher Technik) ist die Teileverfügbarkeit gut; SIP-Scootershop, reunited-parts.com und spezialisierte Vespa-Händler haben ein breites Sortiment. Für frühe 125er und die 150 S wird es eng: Karosserieteile und Anbauteile sind selten und teuer. Ein Fahrzeug mit vollständiger Karosserie hat daher erheblichen Mehrwert.
Fahrverhalten
Eine Motovespa zu fahren heißt, Geschichte zu erfahren – buchstäblich. Der 160 GT klingt beim Anlassen wie ein verschlafener Zweitakter, der gerade überlegt, ob er heute Lust auf Arbeit hat. Dann aber fasst der Motor, der Femsatronic-Funke springt sauber, und der Roller zieht mit einem charakteristischen, leicht rauen 2-Takt-Gurgeln los. Gegenüber dem zeitgleich gebauten italienischen Sprint ist das Fahrgefühl verblüffend ähnlich – und doch anders: Das Gewicht liegt minimal höher, die Lenkung spricht präziser an als man erwartet, und die 4-Gang-Schaltung am linken Handgriff macht Spaß.
Der DS 200 überrascht mit Temperament. Der frühe Übergangsmotor ist kein Zahmer: Bei 5.000 Touren öffnet sich eine zweite Leistungsstufe, die ihn im Vergleich zu zeitgenössischen PX-Modellen spürbar spritziger macht. Auf der Landstraße hält er problemlos mit modernem Stadtverkehr mit; die etwas schwerfälligere Rally-Gabel vorne gibt dem Fahrer das Gefühl von Substanz, nicht von Behäbigkeit.
Was alle Motovespa-Modelle verbindet: Direktheit. Die Stahlmonocoque-Konstruktion vermittelt anders als neuere Roller kaum Federabstand zwischen Fahrer und Straße – jede Fugenkante, jeder Kopfsteinpflasterabschnitt wird mit einer gewissen Ehrlichkeit kommuniziert. Das ist kein Mangel, sondern Charakter. Wer nach einem Roller sucht, der nach steriler Perfektion klingt, ist bei Motovespa falsch. Wer ein lebendiges, kommunikatives Fahrzeug mit iberischer Eigenständigkeit sucht, ist genau richtig.
Design & Zubehör
Optisch bewegt sich Motovespa zwischen Vespa-Orthodoxie und spanischer Interpretation. Die frühen 125 N/S sind kaum von ihren italienischen Pendants zu unterscheiden – was auch damit zusammenhängt, dass sie in den ersten Jahren direkt aus Pontedera kamen. Die 150 S von 1961 bricht erstmals aus: Die Karosserie ist breiter proportioniert, das Lenkergehäuse einteilig; ein Roller, der wie ein spanischer Ingenieur aussieht, der die Vespa-Blaupause studiert und dann seine eigenen Schlüsse gezogen hat.
Der 160 GT der frühen 1970er Jahre – erkennbar an der Farbgebung ohne Aluminium-Zierstreifen und dem Aufkleber „electronic" in Rally-Manier – wirkt sportlicher als der Sprint, dem er konstruktiv ähnelt. Die GTi-Variante von 1974 trägt Blinker am Lenkerenden (spanisch: „intermitentes", daher das „i") und plastikgefertigte Schriftzüge am Beinschild.
Der DS 200 vereint in seinem Äußeren zwei Welten: Die geschwungene Rally-Frontmaske sitzt auf einem PX-Rahmen ohne Blinker; das Ergebnis ist ein Roller, der fremdartiger wirkt als jeder reine PX und jede reine Rally – und damit auf Treffen unweigerlich Fragen provoziert.
Als Zubehör sind originale Motovespa-Gepäckträger (die Halteklappe für Beifahrer ist klappbar und funktional identisch mit PX-Varianten), spanische Femsa-Zündelektronik-Ersatzteile und die charakteristischen Motovespa-Schriftzüge gesuchte Ergänzungen. Für die TX 200-Baureihe passen viele PX-Anbauteile direkt; bei früheren Modellen ist Recherchearbeit gefragt.
Spanien, Scooter und Solidarität
Motovespa entstand nicht trotz des frankistischen Spaniens, sondern wegen ihm. Die wirtschaftliche Isolation des Landes erzwang technische Eigenständigkeit – und schuf damit eine Fabrik, die in Teilen innovativer war als ihr italienischer Lizenzgeber. Kein anderer europäischer Vespa-Lizenznehmer hat den Mutstatus der Madrider Fabrik erreicht.
Ein besonderes Kapitel ist die Primavera für die spanische Post: Motovespa rüstete dieses Modell werkseitig mit Blinkern aus – eine Notwendigkeit für Postboten im Madrider Straßenverkehr, die Piaggio in Italien als Ausstattungsmerkmal erst Jahre später umsetzte. Auch die Fertigung der Plurimatic – einer der frühesten Serien-Automatik-Vespas – belegt, dass Madrid kein reiner verlängerter Arm Pontedetras war, sondern ein eigenständiger Entwicklungsstandort.
Heute sind Motovespa-Roller außerhalb Spaniens auf jedem Treffen ein Gesprächsthema: Wer hat das schon gesehen? Woher kommt dieses Modell? Das ist der beste Beweis dafür, dass Motovespa mehr war als eine Lizenzproduktion – sie war eine eigenständige Interpretation des Vespa-Gedankens, mit spanischer Seele.
Fazit
Motovespa ist für den kenntnisreichen Sammler eine der spannendsten Nischen im klassischen Scooter-Markt. Die Modelle aus Madrid verbinden Vespa-DNA mit iberischer Eigenständigkeit – vom einfachen 125 N der frühen 1950er bis zum technisch aufregenden DS 200, der als schnellstes Serienmodell seiner Klasse gilt.
Kaufentscheidend sind drei Punkte: Rahmenzustand (Rost ist bei Jahrzehnte alten Stahl-Monocoques das Hauptrisiko), Authentizität (Rahmennummer, Originalteile, korrekte Nummernübereinstimmung) und Teileverfügbarkeit (gut für PX-nahe Spätmodelle, schwierig für frühe 125er-Karosserieteile). Wer diese Hausaufgaben macht, kauft einen Roller, der auf keinem Treffen zweimal vorkommt – und der einen Teil europäischer Industriegeschichte trägt, die außerhalb Spaniens kaum bekannt ist.
Finden Sie jetzt Motovespa-Roller auf Classic Trader – von seltenen Früh-Modellen bis zum begehrten DS 200, jetzt entdecken.
