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Motosacoche Motorrad kaufen
1899 erfanden zwei Brüder in Genf den „Motor in der Tasche" – und begründeten damit die größte Schweizer Motorradmarke. Motosacoche lieferte bis 1956 nicht nur komplette Motorräder, sondern versorgte als MAG halb Europa mit Einbaumotoren.
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1932 | Motosacoche 350 Sport
Modell Grand Sport
1929 | Motosacoche 350 Sport
1938 | Motosacoche 350 Tourisme
1940 | Motosacoche 212 Twin
-
1928 | Motosacoche 350 Tourisme
MOTOSACOCHE 350 SS, anno 1928, produzione svizzera, restaurata
1928 | Motosacoche 350 Sport
MOTOSACOCHE 350 SS, anno 1928, produzione svizzera, restaurata
1920 | Motosacoche 2 C 9
1000 CC Bicylindre en V modèle moulin à café
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Fahrzeug inserierenGeschichte & Erbe
Die Geschichte von Motosacoche beginnt 1899 in Genf, als die Brüder Henri Dufaux (geb. 1879, Maler) und Armand Dufaux (geb. 1883, Maschinenbauingenieur) einen kompakten Viertaktmotor konstruierten. Ihre Idee war bestechend einfach: Ein komplettes Antriebsaggregat – Motor, Vergaser, Elektrik und Tank – in einem Gehäuse unterbringen, das sich in 20 Minuten an jeden handelsüblichen Fahrradrahmen montieren ließ. Dieses Paket nannten sie „Motosacoche" – französisch für „Motor in der Tasche" (moto-sa-coche). Der 211-ccm-Einzylinder mit automatischem Einlassventil und Batterie-Spulenzündung erreichte bescheidene 1¼ PS, genügte aber, um ein Fahrrad auf 30 km/h zu beschleunigen.
1901 gründeten die Brüder die Motosacoche S.A. mit Sitz in der Rue des Acacias in Genf. Die Nachfrage übertraf schnell die Erwartungen. In den ersten Jahren verkaufte sich der Beimotor in ganz Europa – über 190.000 Motosacoche-Einheiten sollen insgesamt produziert worden sein. 1905 erhielt das Unternehmen die Rechtsform einer Aktiengesellschaft. Die Dufaux-Brüder verließen bald darauf das Tagesgeschäft und wandten sich der Fliegerei zu – Armand Dufaux überflog 1910 als erster Mensch den Genfer See.
Ab 1907 bot Motosacoche neben dem Beimotor auch komplette Motorräder an. Parallel entstand die Marke MAG (Motosacoche Acacias Genève) für den Verkauf von Einbaumotoren an andere Hersteller. Das Geschäft explodierte: Royal Enfield (ab 1910, 344-ccm-V-Twin), Matchless, Ariel, Triumph, Brough Superior, Imperia, Condor, Terrot, Standard, Opel und zahllose weitere europäische Marken bezogen MAG-Aggregate. Vor dem Ersten Weltkrieg war MAG der größte Einbaumotoren-Hersteller der Welt – mit höheren Stückzahlen als der britische Konkurrent JAP. In Spitzenzeiten beschäftigte das Werk rund 1.200 Mitarbeiter.
Die 1920er waren Motosacoches goldenes Jahrzehnt. 1922 gewann ein Motosacoche-Fahrer die erste Ausgabe des Bol d'Or, des berühmten 24-Stunden-Rennens bei Paris, mit einer 500er-Maschine über eine Distanz von mehr als 1.210 Kilometern. 1923 stellte die Motosacoche 500 mit ihrem MAG-V-Twin einen Geschwindigkeitsweltrekord in der Klasse bis 500 ccm auf: 153,551 km/h. 1927 brach der Franzose Marchand auf einer 550-ccm-Motosacoche die Weltrekorde über 50 Meilen (29 Min. 37,85 Sek.) und 100 Kilometer (33 Min. 26,49 Sek.) in Montlhéry.
1927 kam der britische Ingenieur und Rennfahrer Dougal Marchant zu Motosacoche. Er hatte zuvor bei JAP, Blackburne und Chater-Lea gearbeitet und brachte die Zeichnungen der M35 mit, einer obenliegend gesteuerten 350er. Sechs M35 wurden gebaut, bevor Marchant die verfeinerten Modelle A35 und A50 für 350 und 500 ccm entwickelte. Der Erfolg war durchschlagend: Wal Handley gewann 1928 beim Grand Prix von Europa in Genf beide Klassen (350 und 500 ccm) auf Motosacoche und holte zwei Europameistertitel. Dieses Design wurde anschließend an Triumph, TWN und Standard in Lizenz weitergegeben.
1929 wurden den größten Abnehmern zusätzlich Rennmotoren zur Verfügung gestellt, was den Bekanntheitsgrad weiter steigerte. Im selben Jahr kam Bert le Vack zu Motosacoche – der legendäre britische Geschwindigkeitsrekordhalter, bekannt als „Wizard of Brooklands". Le Vack wurde Werksfahrer, Chefkonstrukteur und Motorenentwickler. Er starb tragisch am 17. September 1931 bei einem Testunfall in der Nähe von Bern, als er die Motosacoche A50 einem Schweizer Armeemitglied vorführen wollte.
Die 1930er brachten den Niedergang. Die Weltwirtschaftskrise drückte den Absatz, Norton überflügelte Motosacoche im Rennsport, und die Konkurrenz durch günstigere britische und deutsche Maschinen wuchs. Vor dem Zweiten Weltkrieg ging der Verkauf von Motorrädern und Einbaumotoren so stark zurück, dass Motosacoche auf die Herstellung von Fahrrad- und Dieselmotoren umstieg. Während des Krieges hielt sich das Unternehmen mit Stationärmotoren und Druckluftanlagen für die Schweizer Armee über Wasser.
Nach Kriegsende entwarf der Konstrukteur Marchant einen ungewöhnlichen 200-ccm-Seitenventiler, der 1947 vorgestellt, aber nie produziert wurde. Ein letzter Versuch folgte Anfang der 1950er: Richard Küchen konstruierte einen 246-ccm-OHC-Paralleltwin, der in geringer Stückzahl gebaut wurde. Zudem wurden ab 1953 deutsche UT-Motorräder unter dem Namen Motosacoche vermarktet – erfolglos. 1956 endete die Motorradproduktion endgültig. MAG-Stationär- und Industriemotoren wurden noch einige Jahre weitergebaut.
2020 wurde die Marke Motosacoche durch den Schweizer Unternehmer Paul Merz wiederbelebt. 2025 begann die Auslieferung des Type-A – eines Elektro-Fahrrads, das an den Urahn von 1901 erinnert.
Highlights & Besonderheiten
Motosacoche vereint mehrere Alleinstellungsmerkmale, die in der Motorradgeschichte einzigartig sind.
Schweizer Präzision als Markenkern: Die Dufaux-Brüder kamen aus der Tradition Genfer Uhrmacherkunst und Feinmechanik. Ihre Motoren galten als die zuverlässigsten ihrer Epoche – ein Ruf, der weltweit Hersteller überzeugte, MAG-Aggregate in eigene Rahmen einzubauen. Die Fertigungsqualität unterschied Motosacoche fundamental von der Konkurrenz: Während britische und deutsche Motoren oft undicht und vibrationsanfällig waren, liefen MAG-V-Twins ruhig und ölfrei.
Größter Einbaumotoren-Lieferant der Welt: Kein anderer Hersteller belieferte vor dem Ersten Weltkrieg so viele Motorradmarken mit Triebwerken. Die Kundenliste liest sich wie ein Who's Who der frühen Motorradindustrie: Royal Enfield, Matchless, Ariel, Triumph, Brough Superior, Imperia, Condor, Terrot, Standard, Opel, Monet Goyon, Neander, Clement und viele mehr. MAG-Motoren befeuerten Maschinen in der Schweiz, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien und Belgien.
Pioniertaten der Dufaux-Brüder: Henri und Armand Dufaux waren Universalgenies. Neben dem Motorrad-Imperium bauten sie Flugzeuge (Armand überflog 1910 den Genfer See), experimentierten mit Hubschraubern und konstruierten Wasserfahrzeuge. Ihr Erfindergeist prägte die DNA von Motosacoche: Innovation vor Konvention.
Rennsport-Dominanz in den 1920ern: Bol d'Or-Sieg 1922, Geschwindigkeitsweltrekord 1923, Doppel-Europameisterschaft 1928 – Motosacoche gehörte in dieser Dekade zur absoluten Spitze des Motorrad-Rennsports. Die Zusammenarbeit mit britischen Ingenieuren wie Dougal Marchant und Bert le Vack verschmolz Schweizer Fertigungsqualität mit britischer Rennkompetenz.
Das Modell Jubilé als Höhepunkt: Die 1931 vorgestellte Jubilé mit seitengesteuertem 500-ccm-Motor und die Jubilé Sport mit oben hängenden Ventilen und angegossener Ölwanne unter dem Kurbelgehäuse repräsentierten den technischen Zenit. Diese Maschinen verbanden Tourensport-Tauglichkeit mit Rennsport-Technik – ein Konzept, das erst Jahrzehnte später Standard wurde.
Drei Produktionsstandorte: Motosacoche unterhielt Fabriken in der Schweiz (Genf, Stammwerk), Frankreich (Lyon, ab den 1920ern wegen Wechselkursproblemen) und Italien. Die französische Produktion unter dem Namen Motosacoche-France wurde später von New-Map übernommen.
Technische Daten
Die MAG-Motoren zeichneten sich durch robuste Konstruktion, gute Schmierung und hohe Laufruhe aus. V-Twins wurden im 50°-Zylinderwinkel gebaut, Einzylinder erhielten langhubige Auslegungen für hohes Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen. Die Ventilsteuerungen reichten von seitlich gesteuert (sv) über IOE (Einlass oben, Auslass seitlich) bis zu OHV und OHC – letztere vor allem in Rennmaschinen.
Marktübersicht und Kauftipps
Motosacoche-Motorräder gehören zu den seltensten Sammlerstücken auf dem Oldtimermarkt. Nur wenige Exemplare haben die Jahrzehnte überstanden, und die Marke genießt in Sammlerkreisen einen fast mythischen Ruf – besonders in der Schweiz und Frankreich.
Preisentwicklung und aktuelle Marktdaten
Laut Classic.com wurden in den letzten fünf Jahren nur 7 Motosacoche bei Auktionen angeboten, mit einem Gesamtvolumen von rund 93.000 USD und einem Höchstzuschlag von 30.307 USD. Konkrete Auktionsergebnisse:
- 1906 Motosacoche Type A (1¼ PS, Beimotor): Bonhams Stafford, Oktober 2023. Schätzung £7.500–10.000 – mit Pioneer Certificate und V5C, nicht verkauft (unter Vorbehalt).
- 1907 Motosacoche 1½ PS Lightweight: Bonhams Stafford, April 2023. Zuschlag £8.050 inkl. Aufgeld.
- 1913 Motosacoche 290cc Model V: Bonhams Stafford, April 2023. Zuschlag £7.475 inkl. Aufgeld. Hochoriginal, bekannt in der Cotswold-Szene.
- 1923 Motosacoche 500cc Sport (V-Twin): Bonhams Paris, 2011. Zuschlag €23.000 inkl. Aufgeld.
- 1910 Motosacoche Racing V-Twin 500cc: Catawiki, März 2026. Schätzung €16.000–18.000, Gebot bei €10.250 (Reservepreis nicht erreicht).
- Privatangebote für gut erhaltene Exemplare aus dem Zeitraum 1905–1910 wurden 2019 auf €13.000–18.500 beziffert.
Preisübersicht nach Kategorie:
Worauf Käufer achten sollten
Identifikation und Authentizität: Motosacoche-Rahmennummern und Motornummern folgen einem spezifischen System. MAG-Motornummern beginnen mit einem Code, der Zylinderanzahl und Typ verrät (z.B. 2C = Zweizylinder, 1C = Einzylinder, gefolgt von Modellnummer). Prüfen Sie: Stimmen Rahmen- und Motornummer zusammen? Ist die Maschine aus Originalteilen oder ein Zusammenbau? Viele „Motosacoche" auf dem Markt sind in Wahrheit Rahmen anderer Hersteller mit MAG-Motoren.
Motorenzustand: MAG-Motoren sind grundsätzlich robust, aber Verschleißteile sind extrem selten. Prüfen Sie: Kompression, Ölverbrauch, Zustand der Ventile und Ventilsitze, Laufgeräusche. Bei V-Twins zusätzlich: Synchronisation der Zylinder, Zustand der Steuerkettenführung. Undichtigkeiten am Kurbelgehäuse sind häufig – bei diesen Motoren ist Ölverlust „normal", aber übermäßiger Verlust deutet auf verschlissene Dichtungen.
Getriebe und Antrieb: Frühe Modelle (vor 1914) verwenden Riemenantrieb – Riemen sind Verschleißteile und schwer zu beschaffen. Spätere Modelle mit Kettenantrieb sind wartungsfreundlicher. Getriebe-Ersatzteile (besonders für die separaten Getriebe der 1920er-Modelle) sind kaum verfügbar.
Elektrik: Vorkriegsmodelle nutzen Magnetzündung (Bosch, BTH) – funktionsfähige Magnete sind selten und teuer. Rechnen Sie mit €500–1.500 für eine Revision.
Rahmen und Gabel: Parallelogrammgabeln (Vorkrieg) und Geradweggabeln (1930er) unterliegen Verschleiß an den Drehpunkten. Rahmenschäden durch Korrosion oder Unfälle sind schwer zu reparieren – Schweizer Qualitätsstahl ist gut, aber nicht unverwüstlich.
Ersatzteile und Restaurierung
Die Ersatzteilversorgung ist die größte Herausforderung beim Motosacoche-Kauf. Es gibt keinen zentralen Lieferanten. Quellen:
- Condor Club Schweiz (benvanhelden.nl/Condorclub): Anlaufstelle für Schweizer Motorrad-Oldtimer, MAG-Motoren-Know-how
- Preverdy (preverdy.free.fr/motosacoche): Französische Seite mit technischen Unterlagen und Katalogen
- Cybermotorcycle.com: Umfangreiche Modell-Datenbank und Kontakte
- Sandra Ansanay-Alex: Autorin des 2021 erschienenen Buches „Motosacoche: The Story of the Legendary Swiss Motorcycle" – limitierte Auflage von 1.000 Exemplaren, ausverkauft
- Spezialisierte Veteranen-Händler: Yesterdays (NL), Dutch Lion Motorbikes (NL), Bonhams-Auktionen (UK)
Restaurierungen erfordern Geduld und Netzwerk. Viele Teile müssen einzeln angefertigt werden. Schweizer und französische Werkstätten mit Erfahrung in Vorkriegsmotorrädern sind die beste Anlaufstelle.
Markttrends
Der Markt für Motosacoche ist stabil bis leicht steigend. Die extrem geringe Verfügbarkeit sorgt dafür, dass gut dokumentierte Exemplare ihren Preis halten. Besonders gefragt sind: Type-A-Beimotoren (wegen Pioneer Run-Berechtigung in Großbritannien), V-Twin-Sportmodelle der 1920er und Rennmaschinen. Die Wiederbelebung der Marke 2020 durch Paul Merz hat das öffentliche Interesse leicht gesteigert, ohne den Sammlermarkt nennenswert zu beeinflussen.
Fahrverhalten & Charakter
Eine Motosacoche zu fahren bedeutet, in eine Zeit zurückzureisen, als Motorradfahren noch Abenteuer war – ungefiltert, direkt und mit einem Hauch Risiko.
Die frühen Beimotoren (Type A, 1901–1910) verwandeln ein Fahrrad in ein motorisiertes Erlebnis. Der 211-ccm-Einzylinder tuckert mit seinem automatischen Einlassventil gemütlich vor sich hin, der Riemenantrieb überträgt die bescheidene Kraft direkt aufs Hinterrad. Es gibt keine Kupplung, kein Getriebe – Gas geben und Bremsen (eine Klotzbremse am Hinterrad) sind die einzigen Bedienelemente neben dem Zündzeitpunkt. Bei 25–30 km/h wird es windig am Lenker, die Fahrrad-Bremsen mahnen zur Vorsicht. Der Reiz liegt im Minimalismus: Mensch, Motor, Straße – mehr braucht es nicht.
Die V-Twins der 1920er (2C10 Grand Sport, 500er-Modelle) bieten ein grundlegend anderes Erlebnis. Der MAG-V-Twin im 50°-Winkel entwickelt sein Drehmoment bullig aus niedrigen Drehzahlen. Das Klangbild ist unverwechselbar: ein tiefes, rhythmisches Pochen, das bei höherer Drehzahl in ein heiseres Fauchen übergeht. Die Parallelogrammgabel federt Unebenheiten rudimentär, das starre Heck überträgt jeden Stein direkt ins Rückgrat. Die Dreigangschaltung (getrennt vom Motor untergebracht) verlangt gefühlvolles Schalten mit Zwischengas. Klotzbremsen auf konischen Bremsfelgen erfordern vorausschauendes Fahren – Notbremsungen sind keine Option. Bei 80–100 km/h erreicht man Geschwindigkeiten, die mit der damaligen Straßeninfrastruktur angemessen erschreckend sind.
Die Jubilé und Sport-Modelle der 1930er sind kultivierter. Der Einzylinder-OHV-Motor der Jubilé Sport liefert gleichmäßige Kraft, die angegossene Ölwanne verbessert die Schmierung spürbar. Das Fahrverhalten ist stabiler als bei den V-Twins – der niedrigere Schwerpunkt des Einzylinders macht sich positiv bemerkbar. Die Federung bleibt minimalistisch, aber die Straßenlage ist für die Ära bemerkenswert souverän.
Allen Motosacoche-Modellen gemeinsam ist eine Qualitätsanmutung, die man spürt: präzise Passformen, sauber bearbeitete Oberflächen, ein Gefühl von Solidität, das die Genfer Uhrmachertradition widerspiegelt. Wer heute eine Motosacoche auf einer Veteranenfahrt bewegt, erntet Bewunderung und Respekt – diese Maschinen sind Raritäten, die Geschichte atmen.
Design & Erscheinungsbild
Motosacoche-Motorräder spiegeln die Schweizer Ingenieurstradition wider: Funktionalität vor Dekoration, Qualität der Verarbeitung als Gestaltungselement.
Der Type A (1901–1910) ist im Grunde ein motorisiertes Fahrrad – und genau darin liegt sein Charme. Der Motor verschwindet elegant im Rahmendreieck, versteckt hinter Blechabdeckungen. Von außen sieht die Maschine fast wie ein normales Fahrrad aus – der „Motor in der Tasche" war buchstäblich unsichtbar. Die Verarbeitung der Motorabdeckungen, die Qualität der Messingbeschläge und die saubere Integration ins Fahrrad zeigen den Anspruch der Dufaux-Brüder: Technik soll elegant sein, nicht aufdringlich.
Die V-Twins der 1920er sind visuell eindrucksvoller. Der V-Motor mit seinen beiden Zylinderköpfen dominiert das Erscheinungsbild. Der markante MAG-Schriftzug auf dem Motorgehäuse ist Erkennungszeichen und Qualitätssiegel zugleich. Die Lackierungen variieren je nach Produktionsland und Zeitraum: Das Genfer Stammwerk bevorzugte gedeckte Farben (Schwarz, Dunkelgrün, Dunkelblau), die französische Fertigung in Lyon setzte auf lebhaftere Töne (Grün-Violett, Rot). Die Parallelogrammgabel mit vernickelten Federn, der sanft geschwungene Sattel und der tropfenförmige Tank ergeben ein harmonisches Gesamtbild.
Die 1930er-Modelle (Jubilé, 720 Grand Luxe) zeigen eine modernere Formensprache. Geschlossene Geradweggabeln, breitere Schutzbleche, instrumentierte Armaturenbretter und größere Tanks reflektieren den Zeitgeist. Die Jubilé Sport mit ihrer markanten angegossenen Ölwanne und den obenliegenden Ventilen hat eine technisch-aggressive Ausstrahlung, die sich von den behäbigeren Tourenmodellen abhebt.
Die Werksrennmaschinen (M35, A50) sind funktionale Kunstwerke: nackte Rahmen, offenliegende Mechanik, polierte Aluteile, minimalste Verkleidung. Die A50 mit ihrer obenliegenden Nockenwelle und dem hinter dem Zylinder montierten Magneten hat eine eigenständige Silhouette, die sich von britischen Rennmaschinen der Ära deutlich unterscheidet.
Motosacoche-Werbeplakate der Frühzeit – insbesondere das berühmte Edouard-Elzingre-Plakat von ca. 1910 – gehören zu den begehrtesten Sammlerstücken der Motorrad-Ephemera. Ein Originalplakat erzielte 2024 bei Swann Galleries in New York 5.500 USD.
Motosacoche und die Schweizer Armee
Motosacoche spielte eine wichtige Rolle als Lieferant der Schweizer Armee. Neben Motorrädern für militärische Zwecke lieferte das Unternehmen während des Zweiten Weltkriegs Stationärmotoren und Druckluftanlagen. Die Motosacoche 720 mit 846-ccm-V-Twin wurde als Krad-Melder eingesetzt. Bert le Vack starb 1931 bei einem Testunfall, als er einem Schweizer Armeemitglied die A50-Rennmaschine vorführte – ein Detail, das die enge Verflechtung von Motosacoche mit dem Schweizer Militär illustriert.
Auch die Schweizer Motorradmarke Condor, die MAG-Motoren bezog, lieferte Armeefahrzeuge. Die MAG-Motoren in Condor-Rahmen waren im Schweizer Militärdienst weit verbreitet und trugen zum Ruf der Zuverlässigkeit bei.
Fazit
Motosacoche ist eine der faszinierendsten und am wenigsten bekannten Marken der Motorradgeschichte. Gegründet von zwei Genfer Universalgenies, aufgestiegen zum größten Schweizer Motorradhersteller und weltgrößten Einbaumotoren-Produzenten, geadelt durch Rennsiege und Geschwindigkeitsrekorde – und dennoch bei vielen Enthusiasten ein weißer Fleck.
Für Sammler bietet Motosacoche eine seltene Gelegenheit: hohe historische Bedeutung bei vergleichsweise moderaten Preisen. Während eine Brough Superior mit MAG-Motor sechsstellig kostet, gibt es das Originaltriebwerk – die Motosacoche selbst – für einen Bruchteil. Die Herausforderung liegt in der Ersatzteilversorgung und der geringen Verfügbarkeit, nicht im Preis.
Die Type-A-Beimotoren sind perfekte Einstiegsmodelle für Veteranenfahrten und Pioneer Runs. Die V-Twins der 1920er bieten Fahrspaß und Rennhistorie. Die Jubilé-Modelle vereinen Alltagstauglichkeit mit Sammlerwert. Und die OHC-Rennmaschinen sind heilige Grale der Vorkriegs-Motorradszene – extrem selten, extrem begehrt.
Wer eine Motosacoche besitzt, besitzt ein Stück Schweizer Industriegeschichte, ein Zeugnis europäischer Ingenieurskunst und eine Maschine, die an jedem Veteranentreffen für ehrfürchtiges Staunen sorgt. Der „Motor in der Tasche" ist längst kein Geheimnis mehr – aber eine Motosacoche zu finden, bleibt eines.