- Motorrad
- IMZ-Ural (0 Angebote)
IMZ-Ural Motorrad kaufen
Aus den Ural-Bergen für die Rote Armee: Seit 1941 baut IMZ-Ural Gespanne nach BMW-Vorbild. Was als Reverse Engineering des BMW R71 begann, entwickelte sich zum Kult-Gespann für Abenteurer weltweit.
Suchergebnisse
Zur Zeit sind keine passenden Inserate zu Ihrer Suche veröffentlicht.
Benachrichtigung erstellen
Lassen Sie sich benachrichtigen, sobald ein Inserat veröffentlicht wird, das Ihren Suchkriterien entspricht.
Fahrzeug inserieren
Sie haben einen IMZ-Ural, den Sie verkaufen wollen? Dann erstellen Sie jetzt ein Inserat.
Fahrzeug inserieren"IMZ-Ural" Inserats-Referenzen von Classic Trader
Im Folgenden finden Sie Inserate zu Ihrer Suche, die nicht mehr auf Classic Trader verfügbar sind. Für eine bessere Kaufentscheidung können Sie sich mit Hilfe dieser Informationen ein besseres Bild über Verfügbarkeit, Wertentwicklung und aktuellen Preis eines "IMZ-Ural" machen.
1991 | IMZ-Ural M 62
URAL UH 650 Sidecar IMZ 8 103 10
1954 | IMZ-Ural M72
Custom Ural M-72 1954
1961 | IMZ-Ural M61
Ural M 62 M 72 M61 Gespann Oldtimer deutscher Brief!
1953 | IMZ-Ural M72
Ural M 72 M61 K750 Gespann Oldtimer deutscher Brief!
1961 | IMZ-Ural M61
Ural Dnepr K750 Gespann Oldtimer deutscher Brief!
1960 | IMZ-Ural M61
Ural Dnepr K750 Gespann Oldtimer deutscher Brief!
1945 | IMZ-Ural M72
Motorteile von BMW
1959 | IMZ-Ural M61
Ural Dnepr K750 Gespann Oldtimer deutscher Brief!
1960 | IMZ-Ural M61
Ural M 72 M61 Gespann Oldtimer deutscher Brief!
1965 | IMZ-Ural M72
Ural M72, M63 Gespann Oldtimer deutsche Papiere!
1956 | IMZ-Ural M72
Cj 750 Gespann M1M fahrbereit Bj. 1956!
1958 | IMZ-Ural M72
M 72 M 61 Gespann Oldtimer mit BRD Brief
1961 | IMZ-Ural M72
M 72 M 61 Gespann Oldtimer mit BRD Brief
1960 | IMZ-Ural M72
M61/ M 72 fahrbereit deutsche Papiere!
1960 | IMZ-Ural M61
M 72/ M 61 fahrbereit, restauriert, BRD Brief
Benachrichtigung erstellen
Lassen Sie sich benachrichtigen, sobald ein Inserat veröffentlicht wird, das Ihren Suchkriterien entspricht.
Fahrzeug inserieren
Sie haben einen IMZ-Ural, den Sie verkaufen wollen? Dann erstellen Sie jetzt ein Inserat.
Fahrzeug inserierenGeschichte & Erbe
Die Geschichte von IMZ-Ural beginnt nicht in Friedenszeiten, sondern in der **Vor
kriegsplanung der Sowjetunion**. 1939, trotz des Molotow-Ribbentrop-Pakts, wusste Joseph Stalin, dass ein Krieg mit Nazi-Deutschland unvermeidlich war. Nach dem **Blitzkrieg gegen Polen** erkannte die Rote Armee die Bedeutung mobiler Bodentruppen. Eine Konferenz im sowjetischen Verteidigungsministerium sollte klären: Welches Motorrad eignet sich für die Rote Armee?
Die Wahl fiel auf die BMW R71 – ein robustes, schweres Gespann, das die Wehrmacht 1938–1941 produzierte (nur 2.000 Exemplare). Die R71 war das letzte BMW-Modell mit Seitenventil-Motor (750 ccm, 22 PS) und hatte einen Rohrrahmen aus Stahl, der heutigen Ural- und Dnepr-Modellen zugrunde liegt. Warum BMW? Deutsche Ingenieurskunst galt als überlegen, und die R71 hatte sich in europäischen Manövern bewährt.
Zwei Versionen der Herkunftsgeschichte existieren: Version 1 – Die Sowjetunion kaufte 1940 eine Lizenz direkt von BMW, inklusive Werkzeugen und Personal. Version 2 – Mehrere BMW R71 wurden in Schweden gekauft, heimlich in die UdSSR transportiert und per Reverse Engineering kopiert: Wachsformen jeder Komponente, exakte Nachbildung ohne Lizenz. BMW selbst gibt an, die Dokumentation sei im Krieg verloren gegangen – beide Versionen könnten zutreffen.
Das Ergebnis war der M-72, präsentiert im August 1941. Stalin genehmigte sofort die Produktion. Eine Anordnung des Rats der Volkskommissare vom 4. März 1941 forderte 50.000 Einheiten (38.000 mit Seitenwagen, 12.000 Solo). Die Produktion begann im Moskauer Werk, doch die Bedrohung deutscher Bomber führte zur Evakuierung: Die gesamte Fabrik wurde 1942 nach Irbit verlegt, eine Stadt in den östlichen Ausläufern der Ural-Berge (200 km östlich von Jekaterinburg), reich an Bodenschätzen und außerhalb der Reichweite deutscher Luftwaffe.
Der Name Ural leitet sich von diesem Gebirgszug ab, der Europa von Asien trennt. Irbit wurde Synonym für sowjetische Motorradproduktion – das Irbiter Motorradwerk (IMZ) war geboren. Die erste M-72 wurde im Februar 1942 an die Rote Armee ausgeliefert. Bis Kriegsende 1945 verließen Hunderttausende M-72 die Werke in Irbit und fünf weiteren sowjetischen Fabriken (Izhevsk, Serpukhov, Kiew, Gorky, Tjumen).
Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte IMZ auf zivile Produktion um, behielt jedoch die militärische Robustheit bei. Der M-72 blieb bis Mitte der 1950er in Produktion, gefolgt von Weiterentwicklungen wie M-61, M-63, M-67 (mit Oberventil-Motor statt Seitenventil). 1953 begannen Exporte – zunächst in Warschauer-Pakt-Staaten, später nach Afrika, Asien, Lateinamerika. Ural-Gespanne waren Arbeitspferde in Regionen ohne befestigte Straßen: sibirische Tundra, mongolische Steppen, Anden.
In den 1990ern, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, kämpfte IMZ ums Überleben. Staatliche Aufträge versiegten, westliche Märkte verlangten moderne Standards (Emissionen, Sicherheit). 1998 wurde Ural Motorcycles in den USA gegründet (heute Woodinville, Washington) – eine Managementfirma, die weltweiten Vertrieb koordiniert und mit der Fabrik modernste Modelle entwickelt.
2022 markierte eine Zäsur: Nach Russlands Invasion der Ukraine verlegte Ural die Produktion von Irbit nach Petropawl, Kasachstan. Die Marke distanzierte sich öffentlich von russischer Politik. Heute werden Ural-Motorräder in Kasachstan assembliert, von den USA vermarktet und in über 40 Ländern auf fünf Kontinenten verkauft. Über drei Millionen Ural-Gespanne wurden seit 1941 gebaut – mehr als jeder andere Gespann-Hersteller.
Highlights & Besonderheiten
Ural ist keine Motorradmarke – es ist eine Philosophie. Während moderne Motorräder auf Geschwindigkeit und Komfort optimiert sind, zielt Ural auf Unverwüstlichkeit. Der luftgekühlte 749-ccm-Boxermotor (seit 2021 mit Kraftstoffeinspritzung, Euro-5-konform) ist auf Drehmoment, nicht Höchstgeschwindigkeit ausgelegt. Seine horizontale Bauweise senkt den Schwerpunkt – entscheidend für Stabilität mit Seitenwagen.
Das Gespann ist kein Anhängsel, sondern integraler Bestandteil. Ural ist der einzige Hersteller, der ausschließlich Gespann-Motorräder produziert – jedes Modell wird ab Werk mit Seitenwagen ausgeliefert. Die Ceriani-ähnliche Achsschenkellenkung (Leading-Link Fork) dämpft Schläge besser als Teleskopgabeln, speziell im Gelände. Drei 19-Zoll-Drahtspeichenräder (austauschbar) mit Heidenau-Reifen sind Standard.
Die Gear-Up-Modelle bieten zuschaltbaren Zweiradantrieb (2WD): Ein Hebel aktiviert Antrieb auf das Seitenwagen-Rad – unschätzbar in Matsch, Sand, Schnee. Der Rückwärtsgang (im 4-Gang-Getriebe integriert) erleichtert Manövrieren im Gelände. Scheibenbremsen an allen drei Rädern sind seit den 2000ern Standard.
Die Modellvielfalt richtet sich an unterschiedliche Abenteurer:
- cT (ab $17.499): Einradantrieb, minimalistisch, urban-tauglich
- Gear-Up Standard (ab $21.999): Zweiradantrieb, Rückwärtsgang, Offroad-fähig
- Gear-Up Expedition (bis $31.440): Vollausstattung mit Zusatzscheinwerfern, Gepäckträgern, Schutzgittern
- Limited Editions (Sahara, Red Sparrow, Geo, Weekender): Thematische Designs mit exklusiven Farben
Die militärische DNA ist unübersehbar: Stahlrahmen (rund und oval, wie 1941), Kickstarter und E-Starter (Redundanz), Werkzeugkiste unter der Sitzbank, spartanisches Design. Ural-Besitzer schrauben selbst – Komplexität ist niedrig, Reparaturen mit Bordwerkzeug möglich.
Technische Daten
M-72 (1941-1960)
Moderne Ural Gear-Up (2024-2025)
Ural cT (2025)
Marktübersicht und Kauftipps
Der Ural-Markt ist zweigleisig: Klassische M-72 (1941-1960) sind Militaria und Oldtimer, während moderne Gear-Ups (2000–2025) funktionale Abenteuermaschinen sind. Classic Trader zeigt aktuell 0 Angebote für IMZ-Ural – ein Zeichen für Seltenheit im europäischen Sammelmarkt. Ural-Gespanne sind in Russland, Kasachstan, USA verbreitet, in Westeuropa jedoch Exoten.
Preisspannen (Stand 2024-2025)
M-72 (1939-1960, restauriert):
€8.000–€15.000
Ein 1939er M-72 wird aktuell in Kanada für CAD $9.980 (ca. €6.800) angeboten – ungewöhnlich niedrig, wahrscheinlich Restaurierungsbedarf. Vollständig restaurierte M-72 mit militärischer Provenienz (dokumentierte Rote-Armee-Nutzung) können €12.000–€15.000 erreichen. Projekte starten bei €3.000, benötigen jedoch oft unbezahlbare Original-Ersatzteile.
Moderne Ural Gear-Up (2019-2024, gebraucht):
€10.000–€22.000
Ein 2019er Gear-Up mit 120 Meilen verkaufte sich im August 2024 bei Bring a Trailer für $17.000 (ca. €15.600). Ein 2022er Gear-Up erzielte im Oktober 2024 $12.100 (ca. €11.100). Ein modifizierter 2024er Gear-Up Standard (Overland Expo Build, umfangreich ausgestattet) ist auf BaT gelistet – Schätzung €20.000+. Neupreise (USA): $17.499–$31.440.
M-67, M-63 (1960er-1980er):
€4.000–€9.000
Seltener als M-72, aber weniger begehrt. Oberventil-Motoren zuverlässiger als Seitenventil-M-72. Ersatzteile besser verfügbar.
Projekte / Teilespender:
€1.500–€4.000
Unvollständige Rahmen, defekte Motoren. Nur für Liebhaber – Restaurierung erfordert Zugang zu russischen Ersatzteilquellen.
Worauf beim Kauf achten?
Klassische M-72:
Motor: Seitenventil-Motoren (frühe M-72) sind robust, aber ineffizient. Prüfen Sie Kompression beider Zylinder (min. 8 bar), Ölverbrauch (Seitenventiler qualmen immer etwas – akzeptabel bis 1 Liter/1.000 km). Kurbelwelle-Lagerung anfällig – prüfen Sie Spiel durch Ziehen am Schwungrad.
Getriebe & Antrieb: 4-Gang-Fußschaltung kann hakelig sein – Synchronisierung oft verschlissen. Kardanantrieb zum Seitenwagen prüfen (Lager, Kreuzgelenke). Kette zum Hinterrad: Verschleiß, Spannung.
Rahmen: Rohrrahmen korrodiert weniger als Pressblech, aber Schweißnähte können rosten. Prüfen Sie Lenkkopflager (Achsschenkellenkung hat Buchsen, nicht Kugellager – Verschleiß = Spiel).
Seitenwagen: Original-Militär-Seitenwagen (M-72-Ära) sind flach, spartanisch, selten original. Zivile Seitenwagen (1950er+) haben Polsterung, Windschutz. Prüfen Sie Befestigungspunkte am Rahmen – Risse häufig.
Papiere: Sowjetische Zulassungen existieren selten. Militärfahrzeuge hatten Seriennummern (am Rahmen gestanzt) – dokumentierte Rote-Armee-Nutzung erhöht Wert. TÜV-Eintragung in Deutschland: Einzelabnahme erforderlich, Budget €1.000–€2.000.
Moderne Ural (2000–2025):
Motor & Einspritzung: Ab 2021: Kraftstoffeinspritzung (Euro-5). Frühere Modelle: Vergaser. Einspritzung zuverlässiger, aber Elektronik kann ausfallen – prüfen Sie Fehlerspeicher. Luftfilter nach Offroad-Einsätzen verstopft – prüfen.
2WD-System: Zuschaltbarer Seitenwagen-Antrieb ist mechanisch (Hebel, keine Elektronik) – zuverlässig. Prüfen Sie Kardanwelle zum Seitenwagen-Rad, Lager.
Seitenwagen-Aufhängung: Moderne Urals haben Stoßdämpfer am Seitenwagen (frühere Modelle: Starrachse). Prüfen Sie Dämpfer auf Lecks.
Bremsen: Brembo-Scheibenbremsen (alle drei Räder) – prüfen Sie Bremsflüssigkeit, Beläge. Separate Bremshebel für Vorderrad und Hinterrad/Seitenwagen-Rad.
Kilometerstand: Ural-Besitzer fahren wenig. >10.000 km/Jahr ungewöhnlich. Niedrige Laufleistung kein Garant – Standzeiten schaden (Vergaser-Verstopfung, Batterie-Ausfall).
Garantie: Neue Urals (ab 2020) haben 2 Jahre, unbegrenzte Kilometer Garantie (USA). Gebrauchte: keine Herstellergarantie.
Ersatzteilsituation
Moderne Ural (2000+): Exzellent. Ural USA unterhält Ersatzteillager in den USA (Woodinville, WA). Versand nach Europa möglich, aber teuer (Zoll, Versand). Viele Teile passen über Generationen (Motor-Grunddesign seit 1960ern unverändert). Online-Shops: Ural USA, Ural Deutschland (ural-team.de).
Klassische M-72: Kritisch. Originalteile existieren nicht mehr. Russische Enthusiasten fertigen Repros (Kolben, Lager, Vergaser-Düsen). Internationale Netzwerke: Soviet Steeds (Forum), Charlie's Vintage Kustoms (USA). Cross-Kompatibilität: M-72-Teile passen oft auf BMW R71 (umgekehrt auch). Dnepr-Motorräder (Kiew-Werk) nutzten ähnliche Komponenten – Teilespender.
Zielgruppen
Abenteurer: Moderne Ural Gear-Up ist Overlanding-Maschine. Zuladung: 250 kg (Seitenwagen kann Zelt, Ausrüstung, Proviant tragen). 2WD + Rückwärtsgang für Outback. Reichweite: 400 km.
Militaria-Sammler: M-72 repräsentiert Rote Armee im Zweiten Weltkrieg. Dokumentierte Kriegsnutzung steigert Wert. Thematische Sammlungen (Ostfront, Sowjetmilitär) profitieren.
Seitenwagen-Enthusiasten: Ural ist das Gespann. Keine Umbauten, keine Kompromisse – ab Werk perfekt.
Pragmatiker: Ural ist Nutzfahrzeug. Einkäufe, Kindertransport (Seitenwagen mit 2-Personen-Sitz), Hund mitnehmen. In Sibirien/Mongolei alltäglich.
Nicht für: Geschwindigkeitsfanatiker (Vmax 105 km/h), Perfektionisten (Verarbeitung rustikal), Alleinfahrer ohne Seitenwagen-Bedarf (schwer, unhandlich).
Fahrverhalten & Fahrgefühl
Einen Ural zu fahren ist keine Motorrad-Erfahrung – es ist Dreirad fahren. Vergessen Sie Schräglage: Gespanne kurven durch Gewichtsverlagerung und Lenkung. In Rechtskurven hebt der Seitenwagen ab – Passagier muss Gewicht nach links verlagern. In Linkskurven bremst der Seitenwagen – Gas geben, durchziehen.
Der Boxermotor vibriert kultiviert – keine Hochdreh-Aggressivität, sondern gleichmäßiges Brummen. Bei 3.000 U/min läuft er am liebsten, liefert maximales Drehmoment. Über 5.000 U/min wird es rau – unnötig. Ural ist kein Sprinter (0–100 km/h: nie gemessen, niemand interessiert sich), sondern Langstrecken-Traktor.
Die Achsschenkellenkung fühlt sich fremd an. Keine Gabel, die sich komprimiert, sondern Schwingen, die Schläge isolieren. Große Schlaglöcher schluckt Ural mühelos – kleine Vibrationen werden ungefiltert durchgereicht. Auf Asphalt bei 80 km/h vibriert alles: Lenker, Spiegel, Seitenwagen-Sitz. Geschwindigkeit ist irrelevant, Ankommen ist Erfolg.
Im Gelände entfaltet Ural sein Potenzial. 2WD aktivieren (Hebel umlegen), Rückwärtsgang einlegen für enge Manöver. Die 19-Zoll-Räder mit Heidenau-Reifen graben sich durch Sand, Schlamm, Schnee. Der niedrige Schwerpunkt (Boxermotor horizontal) verhindert Kippen. Passagier im Seitenwagen stabilisiert zusätzlich.
M-72-Fahrgefühl (1940er-1960er) ist härter: Trommelbremsen bremsen schwach, Seitenventil-Motor qualmt, 4-Gang-Getriebe ohne Synchromesh erfordert Zwischengas. Aber: Authentizität pur. Jede Fahrt ist Zeitreise – Geruch von Öl, Klappern der Kette, Wind im Gesicht (kein Windschutz).
Besitzer beschreiben Ural als "Therapie auf Rädern". Keine Hektik, kein Stress. Langsam fahren, Landschaft genießen, Passanten zuwinken. Ural-Fahrer sind Community – jedes Treffen endet in Schrauber-Gesprächen.
Design & Ausstrahlung
Ural-Design ist anti-modern. Während andere Marken Aerodynamik jagen, bleibt Ural kantig, funktional, zeitlos. Der Stahlrohrrahmen ist sichtbar (kein Kunststoff-Verkleidung), der Boxermotor ragt seitlich heraus, der Seitenwagen sitzt robust rechts.
Die M-72-Ära (1940er) zeigte Militär-Ästhetik: olivgrüne oder feldgraue Lackierung, minimale Polsterung, Werkzeugkiste statt Luxus. Der Seitenwagen war flach, für Maschinengewehr-Montage konzipiert (Halterungen sichtbar). Scheinwerfer klein, Schutzbleche einfach.
Zivile Urals (1950er+) erhielten Farbe: Rot, Blau, Schwarz. Seitenwagen bekamen Polsterung, Windschutz, Verdeck. Die 60er-Jahre-Modelle (M-63, M-67) zeigten rundere Formen – Anpassung an westliche Ästhetik für Exportmärkte.
Moderne Urals (2000+) kombinieren Retro mit Funktion: Runde Scheinwerfer, Chrom-Details, Leder-Sitzbänke – aber LED-Technik, Scheibenbremsen, Kraftstoffeinspritzung unter der Haube. Limited Editions spielen mit Themen:
- Sahara: Sandfarben, Wüsten-Optik
- Red Sparrow: Spy-Thriller-Ästhetik (matt-schwarz, rote Akzente)
- Geo: Topografische Karten-Grafiken
Der Seitenwagen-rechts-Standard (in Europa/USA) ist BMW-Erbe: Deutsche Gespanne hatten Seitenwagen rechts für Beifahrer mit Maschinengewehr-Zugriff. Ural übernahm dies – heute ist es Markenzeichen.
Designer? Keine Designstars. Ural wurde von Ingenieuren geformt, nicht Künstlern. Jede Linie dient Funktion. Das ist die Ästhetik: Ehrlichkeit in Stahl.
Sonstiges
Militärische Nutzung
M-72 war Rote-Armee-Rückgrat im Zweiten Weltkrieg. Einsätze: Truppentransport, Nachrichtenübermittlung, Sanitätsfahrten. Der Seitenwagen trug MG-Schützen oder Verwundete. Nach 1945 blieb M-72 in sowjetischen Streitkräften bis 1960er, ersetzt durch modernere M-61/M-63.
Ural-Gespanne dienten in Afghanistan-Krieg (1979-1989), Tschetschenien-Konflikten, bis heute in russischen Grenzschutz-Einheiten. Ihre Robustheit in extremen Klimazonen (Sibirien: -50°C, Wüste: +50°C) ist unerreicht.
Popkultur & Medien
Urals erscheinen in Filmen über Osteuropa, Russland: "Indiana Jones"-artige Abenteuer zeigen oft Ural-Gespanne (z. B. Overland Expo's "Ultimate Overland Motorcycle" – 2024 Gear-Up, modifiziert wie aus Indiana Jones).
YouTube-Kanäle dokumentieren Ural-Reisen: Transsibirien, Mongolei-Durchquerung, Alaska-Highway. Ural ist Social-Media-Star – jedes Foto zieht Aufmerksamkeit.
Kasachstan-Verlagerung (2022)
Nach Russlands Ukraine-Invasion verlegte Ural Produktion nach Petropawl, Kasachstan. Das Management (USA-basiert) distanzierte sich von Kreml-Politik. Die Verlagerung rettete die Marke: Westliche Märkte hätten russische Produktion boykottiert. Kasachstan ist neutral, Produktion legal, Vertrieb ungehindert.
Ural vs. Dnepr
Dnepr (Kiew, Ukraine) war zweiter M-72-Produzent. Nach 1960 entwickelten IMZ (Irbit) und KMZ (Kiew) separate Linien. Dnepr-Modelle (MT-10, MT-11, K-750) waren ähnlich, aber ukrainische Ingenieurskunst. Dnepr stellte 1990er Produktion ein. Heute sind Dnepr seltener, aber günstiger als Ural (weniger Markenwert).
Fazit
Ural ist keine Motorradmarke für Mainstream. Wer einen M-72 oder Gear-Up besitzt, fährt lebende Geschichte: Von Stalins Kriegsplanung über sibirische Weiten bis zu modernen Overlanding-Abenteuern. Die technische Kontinuität – Boxermotor, Rohrrahmen, Seitenwagen-DNA seit 1941 – ist einzigartig.
Der Markt ist nischenhaft: M-72 für Militaria-Sammler (€8.000–€15.000), moderne Gear-Up für Abenteurer (€11.000–€22.000 gebraucht, $17.499–$31.440 neu). Ersatzteile für moderne Modelle sind exzellent, klassische M-72 erfordern russische Netzwerke.
Die Fahrleistung ist anti-Performance: 105 km/h Vmax, 400 km Reichweite, schwer, unhandlich. Aber Charakter ist unbezahlbar: Das Boxermotor-Brummen, 2WD durch Matsch, Zeitreise-Gefühl. Ural ist kein Motorrad – es ist Dreirad, Werkzeug, Lebenseinstellung.
Die Marke überlebte Krieg, Sowjetunion-Zusammenbruch, Produktionsverlagerung. Heute, assembliert in Kasachstan, verwaltet von den USA, verkauft weltweit, bleibt Ural sowjetische Ingenieurskunst in Reinform: Funktion über Form, Robustheit über Raffinesse.
Finden Sie Ihren Ural auf Classic Trader – und erleben Sie, warum drei Millionen Einheiten seit 1941 nicht irren können: Ural fährt, wenn alles andere stehen bleibt.