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Agrati Motorrad kaufen

Agrati steht für ein kurzes, aber prägendes Kapitel der italienischen Zweiradgeschichte: Von 1958 bis 1965 baute die Fabrik in Como Roller, die ganz Europa auf kleinen Rädern in Bewegung setzten. Finden Sie auf Classic Trader authentische Agrati- und Agrati-Garelli-Roller aus dieser Zeit.

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Abgelaufenes Inserat
Bild 1/10 von Agrati Capri 50 (1968)

1968 | Agrati Capri 50

999 €vor 10 Jahren
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Geschichte & Erbe

Die Familiengeschichte der Agrati reicht weit ins 19. Jahrhundert zurück. Gegründet als Ditta A. Agrati & Figli in Monticello bei Como, begann das Unternehmen um 1900 mit der Fertigung von Elektromotoren, bevor es sich dem Fahrzeugbau zuwandte. Der entscheidende Wendepunkt kam jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Agrati-Familie erwarb die krisengeschüttelte Garelli Motorcycles, gegründet 1919 vom Ingenieur Adalberto Garelli, und formte daraus ein neues Industriekonglomerat unter dem Dach des Gruppo Industriale Agrati in Como.

Adalberto Garelli selbst hatte als Pionier des Zweitakters Geschichte geschrieben. Bereits in den 1920er-Jahren dominierte sein 350-cm³-Doppelkolbenmotor die Rennsportszene; Tazio Nuvolari und Achille Varzi sammelten auf Garelli-Maschinen ihre ersten Meriten. Nach dem Krieg konzentrierte sich Garelli auf günstige Alltagsfahrzeuge – und mit der finanziellen Kraft der Agrati-Familie stand nun der Weg frei, dieses Potenzial in großem Maßstab zu nutzen.

1958 stellte Agrati den Capri-Roller vor – und traf damit den Zeitgeist. Europa hungerte nach erschwinglicher, stylischer Mobilität. Das Wirtschaftswunder rollte auf Kleinstmotoren. Der Capri debütierte mit einem 70-cm³-Zweitaktmotor von Garelli und bot bei seinem Erscheinen eine frische Alternative zur allgegenwärtigen Vespa. Die Produktion nahm rasch Fahrt auf: In kurzer Folge erweiterte Agrati die Palette auf 50 cm³, 80 cm³, 100 cm³, 125 cm³ und schließlich sogar 148/150 cm³. Für den nordeuropäischen Markt – vor allem für Großbritannien, wo der Roller großen Anklang fand – wurden die Capri-Modelle mit Sachs- und Minarelli-Motoren geliefert, da diese den dortigen Vorschriften besser entsprachen.

1961 fusionierte Agrati offiziell mit Garelli zu Agrati-Garelli. Die Kooperation war nicht nur kaufmännisch: Das frische Kapital ermöglichte Garelli, gleichzeitig in den Rennsport zurückzukehren – eine Investition, die sich langfristig auszahlen sollte, als Garelli in den 1980er-Jahren sechs aufeinanderfolgende 125-cm³-Weltmeistertitel gewann. Im Alltag hingegen lief die Rollerproduktion unter dem gemeinsamen Markennamen weiter.

1965 verschwand der Name Agrati endgültig. Alle Fahrzeuge liefen fortan nur noch unter Garelli. Das letzte Modell unter doppeltem Markennamen, der Capri 50, wurde noch bis etwa 1970 gebaut. Die Gesamtproduktionszeit des Capri erstreckt sich damit über rund zwölf Jahre – von 1958 bis ca. 1970 – wobei die reinen Agrati-Jahre nur bis 1965 reichen.

Ein interessantes Kapitel am Rande: Mario Agrati, ein Spross der Unternehmerfamilie, gründete 1968 gemeinsam mit dem Niederländer Henry Keppel-Hesselink die Marke Fantic Motor, die bis heute als Hersteller von Enduro- und Trial-Motorrädern bekannt ist.


Highlights & Besonderheiten

Was macht einen Agrati-Roller heute für Sammler interessant? Zunächst die Seltenheit: Gemessen an Vespa oder Lambretta wurden verhältnismäßig wenige Agrati-Roller produziert, und noch weniger haben die Jahrzehnte unbeschadet überstanden. Wer einen findet, hält ein echtes Raritätenstück in Händen.

Der Capri war – und das ist entscheidend – kein billiger Klon. Agrati investierte in eigene Karosseriepressteile mit charakteristischen Linienführungen, nutzte bewährte Motorenkomponenten (Garelli-Eigenentwicklungen, Sachs für den Export, Minarelli für bestimmte Märkte) und bot von Anfang an mehrere Hubraumvarianten an. Die Bandbreite vom Capri 50 bis zum Super Capri 150 macht deutlich, dass Agrati einen echten Modellverbund anstrebte, kein einmaliges Produkt.

Besonders begehrt sind heute:

  • Capri 50 / Capri 50 S: Der kleinste und häufigste Vertreter. Vier Gänge, Handschaltung, Dell'Orto-Vergaser – alles klassisch italienisch. Exportversionen mit höher verdichtetem Motor leisten bis zu 3,2 PS bei 6.000 U/min.
  • Capri 70: Das Einführungsmodell mit dem originalen Garelli-70-cm³-Zweittakter. Sehr selten in gutem Zustand.
  • Capri 80: Für den britischen Markt besonders relevant – ausgestattet mit einem Minarelli-80-cm³-Motor und in drei Ausstattungsvarianten lieferbar, darunter das begehrte Model D Dual Seat. UK-Exemplare mit originaler Registration Book sind gesuchte Sammlerstücke.
  • Super Capri 125 / 150: Die leistungsstärksten Varianten, heute äußerst rar.

Das zweiteilige Farbdesign der späten Capri-Modelle (ab 1967 in Zweifarbkombinationen wie Hellgrau/Blau oder Apfelgrün/Dunkelgrün) gilt als besonderes Qualitätsmerkmal eines Originalexemplars.


Technische Daten

Die folgende Tabelle bezieht sich auf den Agrati Capri 50 (Baujahre 1958–1970, je nach Markt und Ausführung):

Für den Capri 80 (Minarelli-Motor, Export-UK) liegen die Daten leicht abweichend: 80 cm³, ebenfalls 4 Gänge, Höchstgeschwindigkeit deutlich über 40 km/h. Der Capri 125 verwendete einen Garelli-eigenen 125-cm³-Zweitakter und war mit Selbsttragender Karosserie auf mehr Touring-Komfort ausgelegt.


Marktübersicht und Kauftipps

Der Markt für Agrati-Roller ist sehr überschaubar. Auf Classic Trader, Car & Classic und vergleichbaren Plattformen tauchen gelegentlich Agrati- bzw. Agrati-Garelli-Capri-Exemplare auf – zumeist aus privaten Sammlungen in Italien, Großbritannien und dem deutschsprachigen Raum. Hier ein realistischer Preisrahmen basierend auf aktuellen Angeboten und jüngsten Auktionsergebnissen:

Ein 1969er Agrati-Garelli Capri 50 wurde auf Classic Trader zuletzt mit einem Schätzwert von 2.000–2.500 € angeboten (Auktionsformat, fahrbereit, neu lackiert in zweifarbiger Originalfarbe, original Libretto vorhanden). Eine britische Auktion listete einen 1962er Capri 80 (80 cm³, Minarelli, Dual Seat, 8.343 Meilen, nicht restauriert) mit einer Schätzung von £1.500–2.500.

Was Sie beim Kauf prüfen sollten

Papiere und Identität
Originale Fahrzeugpapiere – in Italien das Libretto di circolazione, in Deutschland der alte Fahrzeugbrief – sind für Agrati-Roller von erheblichem Mehrwert. Viele Exemplare wurden jahrzehntelang stillgelegt und haben keine lückenlose Dokumentation. Achten Sie auf Übereinstimmung von Fahrgestellnummer (am Rahmen, hinter dem Frontschild) und Motornummer.

Motor und Antrieb
Der Garelli-Zweitakter ist grundsätzlich robust, aber nach 50–60 Jahren unweigerlich verschlissen, wenn er nicht regelmäßig gewartet wurde. Typische Schwachstellen:

  • Kolben und Zylinder: Beim 50-cm³-Motor ist der Zylinder aufgrund der geringen Bohrung (40 mm) anfällig für Verschleiß bei falscher Mischung. Kompressionstest obligatorisch.
  • Vergaser: Dell'Orto-Vergaser mit verstopften Düsen sind das häufigste Standschaden-Problem. Vollständige Reinigung oder Ersatzvergaser einplanen.
  • Lichtmaschine: Das 6-V-Magnetsystem altert. Prüfen Sie, ob Licht und Horn funktionieren.

Karosserie und Bleche
Die Pressblechteile des Capri sind anfällig für Rost an den Flanken und am Unterboden, besonders wenn das Fahrzeug in feuchten Garagen stand. Prüfen Sie die Schweißnähte an den Befestigungspunkten des Rahmens.

Ersatzteilsituation
Agrati-Originalteile sind kaum im Handel. Mechanische Komponenten (Kolben, Dichtungen) lassen sich teils über Garelli-Spezialisten oder Italian-moped-Händler beschaffen. Für Karosserieteile bleibt meist nur 3D-Druck, Anfertigung oder eine gut sortierte Schrottsammlung. Budgetieren Sie bei jedem Restaurierungsprojekt mindestens 30–50 % des Kaufpreises für Ersatzteile und Facharbeit.

Zulassung und H-Kennzeichen
In Deutschland erhalten Agrati-Roller der Baujahre bis 1970 problemlos ein H-Kennzeichen (30 Jahre Alter, Originalzustand), was Versicherungsvorteile und Steuerersparnisse bringt. Österreich und die Schweiz haben vergleichbare Regelungen.


Fahrverhalten & Fahrerlebnis

Wer heute einen Agrati-Capri bewegt, erlebt eine Zeitreise ohne Umweg. Schon das Kickstarten hat eine eigene Dramaturgie: Das tiefe Grollen des kleinen Zweitakters, der erste Hauch Blaurauch, das leichte Schütteln des Lenkers beim Warmlaufen. Dann rollt man los – und die Welt verlangsamt sich.

35 km/h Höchstgeschwindigkeit klingen nach wenig. Auf einem Agrati-Capri 50 fühlen sie sich ganz anders an. Die niedrige Sitzposition, das kleine 12-Zoll-Rad vorne, der direkte Fahrtwind – zusammen ergibt das eine Fahrphysik, die modernen Rollern völlig abgeht. Jede Kurve will bewusst eingeleitet werden, jeder Schaltvorgang der Viergang-Handschaltung will genau dosiert sein.

Der Capri 80 – vor allem in den britischen Exemplaren mit etwas höher verdichtetem Minarelli-Motor – wirkt eine Spur temperamentvoller. Auf englischen Landstraßen der frühen 1960er-Jahre war das Fahrzeug mit bis zu 60 km/h durchaus alltagstauglich. Heute genießt man diese Variante auf ruhigeren Nebenstraßen, wo die Beschaulichkeit des Fahrens Sinn ergibt.

Das Wichtigste an einem Agrati ist nicht die Leistung. Es ist das Gesamterlebnis: der Geruch des Zweitaktöls, das Klackern der Handschaltung, die schlichte Instrumentierung mit dem weißen CEV-Tacho. Das ist keine Nostalgie um der Nostalgie willen – es ist ein authentisches Stück europäischer Alltagsgeschichte, das man unter sich spürt.


Design & Karosserie

Der Agrati-Capri ist ein Kind der Como-Designtradition – pragmatisch-elegant, ohne die dramatische Expressivität einer Vespa. Die Karosserie besteht aus Pressblechpaneelen, die weiche Übergänge bilden und den Fahrer gut einrahmen. Der geschwungene Frontschild, die tropfenförmige Seitenverkleidung und der sauber integrierte Gepäckträger am Heck ergeben ein stimmiges Gesamtbild.

Das Farbkonzept entwickelte sich über die Produktionsjahre. Frühe Modelle (1958–1965) kamen in einfarbigem Rot oder Grün. Ab dem Restyling 1966 und verstärkt ab 1967 bot Agrati-Garelli mehrere zweifarbige Kombinationen an:

  • Hellgrau mit Blau-, Rot- oder Dunkelgraustreifen
  • Apfelgrün mit dunkelgrünen Akzenten
  • Später Metallicgrau mit blauen Details

Das CEV-Instrument (weißes Zifferblatt, 100-km/h-Skala) ist ein unverwechselbares Merkmal. Der graue Gummifußboden ohne Zierstreifen, die dezenten Chromakzente an den Lenkergriffen und der Auspuffanlage runden das Erscheinungsbild ab.

Für Sammler gilt: Ein zweifarbiger Capri im Originalzustand mit noch intakter Lackierung ist um ein Vielfaches wertvoller als ein neu lackiertes, monochromes Exemplar. Dokumentierte Originalfarbe – am besten per Motorcode verifizierbar – ist beim Kauf bares Geld wert.


Sonstiges: Verbindung zu Fantic Motor

Die Agrati-Familie ist in der Motorradwelt nicht nur durch Roller bekannt. Mario Agrati, Unternehmenserbe der zweiten Generation, gründete 1968 zusammen mit dem niederländischen Partner Henry Keppel-Hesselink die Marke Fantic Motor in Barzago (Lecco). Fantic spezialisierte sich auf Trial- und Enduro-Motorräder – ein völlig anderes Segment als die Capri-Roller – und wurde in den 1970er- und 1980er-Jahren zu einem der führenden Hersteller im Geländesport.

Diese Verbindung ist aus Sammlerperspektive interessant: Wer sich für Agrati-Roller begeistert, bewegt sich im selben Familienumfeld wie Fantic-Fans. Auf Oldtimertreffen in der Lombardei sind gelegentlich beide Marken gemeinsam zu sehen – eine seltene Reminiszenz an eine Familie, die mehr als ein Jahrzehnt lang die italienische Zweiradszene mitgeprägt hat.


Fazit

Ein Agrati-Roller ist keine Massenware – und das macht seinen Reiz aus. Wer heute einen Capri 50, 70, 80 oder 125 kauft, erwirbt ein Fahrzeug, das in seiner Entstehungszeit für günstige Alltagsmobilität stand, heute aber als echte Rarität gilt. Die Kombination aus italienischer Handwerkskunst, bewährter Garelli-Technik und charakteristischem Retro-Design macht jeden Agrati zu einem Gesprächsstarter auf jedem Oldtimertreffen.

Für Käufer gilt: Priorität haben vollständige Papiere, nachweisbare Originalfarbe und ein funktionsfähiger Motor. Die Ersatzteilsituation ist anspruchsvoll, aber lösbar – mit Geduld, einem guten Kontaktnetzwerk in der Italian-Moped-Community und dem richtigen Fachbetrieb.

Aktuelle Preise für fahrtaugliche Exemplare liegen zwischen 1.500 und 2.500 €, restaurierte Exemplare in Concours-Qualität erzielen bis zu 7.000 €. Der Markt ist klein, das Angebot entsprechend selten – wer einen guten Agrati findet, sollte nicht zu lange zögern.

Besonders aufmerksam sollten Interessenten auf den Unterschied zwischen echten Agrati-Modellen (Baujahre bis 1965) und späten Agrati-Garelli-Ausführungen (bis ca. 1970) sein: Beide sind sammelwürdig, aber die frühen reinen Agrati-Modelle mit Como-Identifikation sind noch seltener und bei gut informierten Käufern entsprechend begehrter.

Finden Sie auf Classic Trader aktuelle Agrati-Angebote – und jetzt entdecken, welcher Capri auf Sie wartet.