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MIAG Oldtimer kaufen

Von 1937 bis 1952 fertigte die MIAG in Braunschweig und Ober-Ramstadt Ackerschlepper, Straßenzugmaschinen und den VW-betriebenen Motorkarren MK2000 – heute gesuchte Raritäten der deutschen Nutzfahrzeuggeschichte mit einer kleinen, aber engagierten Sammlerszene.

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Bild 1/14 von MIAG Motorkarren MK2000 (1953)
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1953 | MIAG Motorkarren MK2000

Preis auf Anfragevor 4 Jahren
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Geschichte & Erbe

Die Wurzeln der MIAG reichen bis ins Jahr 1846 zurück, als Gottlieb Luther in Wolfenbüttel eine Werkstatt für Müllereimaschinen eröffnete. Über Jahrzehnte wuchs das Unternehmen zu einem der führenden deutschen Mühlenbau-Betriebe heran. 1925 fusionierten fünf bedeutende Mühlenbau-Unternehmen – Luther-Werke (Wolfenbüttel), Amme, Giesecke & Konegen (Braunschweig), Seck-Werke (Dresden), Greffenius (Frankfurt am Main) und Kappler (Berlin) – zur MIAG Mühlenbau und Industrie AG mit Sitz in Frankfurt. 1930 verlegte die MIAG ihre Zentrale nach Braunschweig, wo sie zur bedeutendsten Mühlenbauanstalt der Welt aufstieg.

Der Einstieg in den Fahrzeugbau

Die Fahrzeugproduktion begann 1922 mit der Gründung der Abteilung „Elektrofahrzeuge" bei den Luther-Werken. Erste Produkte waren Einachs-Rangierschlepper mit elektromotorischem Antrieb für den Eisenbahnverschub. Ab 1936 fertigte die MIAG in Bielefeld Elektrofahrzeuge, Gabelstapler und Kranfahrzeuge. 1937 wurde die Produktion in das ehemalige Werk der Röhr Auto AG in Ober-Ramstadt bei Darmstadt verlegt – jenes Werk, das zuvor die technisch fortschrittlichen Röhr-Automobile gebaut hatte.

Die ersten Schlepper und Zugmaschinen

1937 nahm die MIAG Straßenzugmaschinen und Ackerschlepper in ihr Produktionsprogramm auf. Die erste Straßenzugmaschine D10 mit einem Einzylinder-MWM-Motor und nur 10 PS erwies sich als hoffnungslos untermotorisiert und fand kaum Käufer. Schnell folgte der ID20 mit einem Zweizylinder-MWM-Dieselmotor und 20 PS Leistung, der in drei Karosserievarianten – offen, mit einfacher oder doppelter Kabine – angeboten wurde. Parallel dazu erschien der Ackerschlepper LD20 mit demselben MWM-Zweizylinder, der mit seiner wuchtigen, quitten­gelben Motorhaube zu einem der markantesten Schlepper seiner Zeit wurde.

Der Schell-Plan von 1941, der eine Vereinheitlichung des deutschen Schlepperbaus auf eine gestraffte Typenpalette vorsah, berücksichtigte die MIAG-Modelle nicht. Die Produktion aller bisherigen Typen wurde eingestellt. Bis Kriegsende baute die MIAG stattdessen Straßenzugmaschinen und Ackerschlepper mit Holzgenerator und einem Vierzylinder-LKW-Motor von Ford (Ford BB) mit 25 PS.

Während des Zweiten Weltkriegs war die MIAG-Abteilung Fahrzeugbau auch in die Rüstungsproduktion eingebunden: Im ehemaligen Röhr-Werk und in den Braunschweiger Luther-Werken wurden Flugzeuge in Lizenz gefertigt (Heinkel He 46, Arado Ar 66, Focke-Wulf Fw 58, Messerschmitt Bf 110) sowie Sturmgeschütze und Jagdpanzer (StuG III, Jagdpanzer 38D).

Nachkriegszeit und das Ende der Schlepperproduktion

Nach dem Krieg lagen die östlichen Niederlassungen in der sowjetischen Besatzungszone und wurden 1949 enteignet. Die westlichen Standorte waren stark ausgebombt und teilweise von den Besatzungsmächten genutzt. Erst 1948/49 lief die Produktion wieder an: Die Straßenzugmaschinen JD17 (in kleinster Stückzahl) und JD33 sowie die Ackerschlepper AD17, AD22 und AD33 kamen auf den Markt – alle mit Zwei- und Dreizylindermotoren von MWM.

1950 baute die MIAG einen Transporter mit 2 Tonnen Nutzlast, angetrieben vom 25-PS-Motor des VW Käfer. Doch als Volkswagen im selben Jahr den VW T1 als eigenen Transporter auf den Markt brachte und die Belieferung von Konkurrenzunternehmen einstellte, musste die MIAG auf MWM-Zweizylindermotoren (KD 15 Z und KD 115 Z) umsteigen. Der daraus entstandene Motorkarren MK2000 – ein kompakter Werkstransporter mit VW-Boxermotor, 2.000 kg Tragfähigkeit und 25 km/h Höchstgeschwindigkeit – wurde ab 1950 in kleinen Stückzahlen gefertigt und fand unter anderem Absatz beim französischen Militär.

Durch die geringen Stückzahlen waren die Kosten der Nachkriegsmodelle jedoch sehr hoch, die Käufer blieben aus. 1952 stellte die MIAG die Schlepperproduktion endgültig ein und wendete sich lukrativeren Geschäftsfeldern zu – dem Mühlenbau, dem Zementanlagenbau und der Großsilotechnologie.

Vom Mühlenbau zum Explosionsschutz-Spezialisten

1972 übernahm die Schweizer Bühler AG aus Uzwil die MIAG. 1983 wurde die Fahrzeugherstellung als eigenständige MIAG Fahrzeugbau GmbH ausgegliedert, die bis heute in Braunschweig explosionsgeschützte Flurförderzeuge und innovative Transportsysteme fertigt – mit Vertretungen in über 24 Ländern weltweit.


Highlights & Besonderheiten

MIAG-Fahrzeuge sind heute gesuchte Raritäten der deutschen Nutzfahrzeuggeschichte. Was die Marke für Sammler besonders macht:

Äußerst geringe Stückzahlen: Von jedem MIAG-Modell wurden nur wenige Exemplare gebaut. Die Typenvielfalt hielt sich in engen Grenzen – rund fünf Modelle pro Fahrzeugart (Schlepper und Zugmaschinen) – und die Produktionszahlen blieben durchgehend niedrig. Das macht jeden erhaltenen MIAG zu einer Rarität.

MWM-Motorentechnik: Alle MIAG-Schlepper und -Zugmaschinen wurden mit Dieselmotoren der Motoren-Werke Mannheim (MWM) ausgestattet. Die wassergekühlten Zwei- und Dreizylinder-Dieselmotoren (Typen KD 15 Z, KD 11 Z, KD 215 Z, KD 215 D, KD 415 Z) waren robust, langlebig und für ihre Zeit technisch ausgereift. Die Ersatzteilversorgung für MWM-Motoren ist bis heute vergleichsweise gut.

Röhr-Werk in Ober-Ramstadt: Die MIAG übernahm 1937 das ehemalige Werk der Röhr Auto AG – jenes Werks, in dem zuvor die technisch fortschrittlichsten deutschen Vorkriegsautomobile gebaut wurden. Für Sammler von Röhr-Fahrzeugen hat die MIAG damit eine besondere historische Verbindung.

Motorkarren MK2000 mit VW-Motor: Der MIAG Motorkarren ist eine der ungewöhnlichsten Anwendungen des VW-Käfer-Motors im Nutzfahrzeugbereich. Der 25-PS-Boxermotor mit VW-Schaltgetriebe, Kardanwelle und Vierrad-Servobremsen machte den MK2000 zu einem zuverlässigen Werkstransporter. Die wenigen erhaltenen Exemplare sind bei VW- und Militärfahrzeug-Sammlern gleichermaßen begehrt.

Quittengelbe Lackierung: Die meisten MIAG-Schlepper verließen das Werk in einem charakteristischen Quittengelb – eine Farbe, die bis heute das Erkennungszeichen der Marke auf Oldtimer-Treffen und in Museen ist.

Explosionsschutz-Tradition: Die MIAG Fahrzeugbau GmbH führt bis heute die Tradition des Unternehmens fort und ist weltweit führend bei explosionsgeschützten Flurförderzeugen. Die über 100-jährige Geschichte im Flurförderzeugbau macht MIAG zu einem der ältesten noch aktiven Hersteller in diesem Segment.


Technische Daten

Alle Schleppermodelle: Einscheiben-Trockenkupplung, Vierrad-Fußbremse, Getriebe-Handbremse. Bereifung LD20: 8-20 (14 km/h) oder 9-24 (20 km/h). Produktionszahlen nicht exakt dokumentiert.


Marktübersicht und Kauftipps

Der Markt für MIAG-Fahrzeuge ist ein Nischensegment innerhalb der historischen Nutzfahrzeuge und Ackerschlepper. Die extrem geringen Stückzahlen und die Spezialisierung auf Schlepper und Zugmaschinen machen MIAG zu einer Marke für Kenner und Liebhaber der deutschen Landtechnik-Geschichte.

Preisspannen nach Modell

MIAG LD20 (Ackerschlepper, 1937–1941): Das bekannteste und am häufigsten erhaltene MIAG-Modell. Laut Traktoren-Schwacke und Traktorkatalog bewegen sich die Preise je nach Zustand: Zustand 1 (restauriert): bis €14.000, Zustand 2: bis €11.000, Zustand 3: bis €7.500, Zustand 4 (restaurierungsbedürftig): bis €4.000, Zustand 5 (Projekt): ab €2.200. Auf Kleinanzeigen-Plattformen und Oldtimer-Treffen werden LD20 regelmäßig angeboten, oft im Bereich von €5.000 bis €12.000 für fahrbereite Exemplare.

MIAG ID20/ID20F (Straßenzugmaschine, 1937–1941): Deutlich seltener als der LD20 und bei Sammlern von Zugmaschinen besonders begehrt. Restaurierte Exemplare mit Kabine erreichen Preise von €10.000 bis €18.000, während offene Varianten und Projekt-Fahrzeuge bei €3.000 bis €7.000 liegen. Die Straßenzugmaschine mit Doppelkabine ist die gesuchteste Variante.

MIAG JD33 (Straßenzugmaschine, 1948–1952): Die Nachkriegs-Zugmaschine mit 33-PS-Vierzylinder ist extrem selten. Wenn überhaupt ein Exemplar auf den Markt kommt, sind Preise von €8.000 bis €15.000 realistisch, abhängig vom Erhaltungszustand.

MIAG AD17/AD22/AD33 (Ackerschlepper, 1949–1952): Die Nachkriegs-Schlepper sind die seltensten MIAG-Fahrzeuge überhaupt. Der AD33 mit dem 33-PS-Dreizylinder ist am meisten gesucht. Preise liegen typischerweise zwischen €4.000 und €12.000, wobei restaurierte Exemplare mit Originalteilen die oberen Werte erreichen.

MIAG Motorkarren MK2000 (1950–1953): Das ungewöhnlichste MIAG-Fahrzeug und bei VW- sowie Militärfahrzeug-Sammlern begehrt. Ein bekanntes Exemplar (Baujahr 1953, ursprünglich an das französische Militär verkauft) wurde auf der Auktionsplattform Get Your Classic mit einer Schätzung von £11.400 bis £12.900 angeboten. Der VW-Boxermotor und die Straßenzulassung machen den MK2000 zu einem einzigartigen Sammlerstück.

Worauf Käufer achten sollten

Motor und Antrieb: Die MWM-Dieselmotoren sind grundsätzlich robust und langlebig. Bei der Besichtigung sollte auf Frostschäden am Zylinderblock, verschlissene Kolbenbolzenlager und das Axialspiel der Kurbelwelle geachtet werden. Das hintere Doppelrollenlager der Kurbelwelle ist ein bekannter Schwachpunkt – ein übermäßiges Lagerspiel deutet auf hohen Verschleiß hin. Die Ersatzteilversorgung für MWM-Motoren ist über spezialisierte Händler vergleichsweise gut.

Rahmen und Chassis: Der Profilrahmen der MIAG-Schlepper ist kräftig dimensioniert, aber anfällig für Risse an den Motorhalterungen. Bei vielen erhaltenen Exemplaren sind die Motorhalterungen abgebrochen und der Motor stützt sich nur noch auf der vorderen Querstrebe ab. Eine gründliche Inspektion des Rahmens – insbesondere unter den Motorhalterungen und an den Achsaufnahmen – ist unverzichtbar.

Karosserie und Blechteile: Die Blechkarosserien der MIAG-Schlepper sind einfach konstruiert, aber originale Seitenteile, Motorhauben und Kotflügel sind schwer beschaffbar. Viele erhaltene Exemplare zeigen nachgefertigte Blechteile oder laienhafte Reparaturen. Die vordere Kühlermaske, die Motorseitenteile und die hinteren Muschelkotflügel sollten auf Originalität geprüft werden.

Getriebe und Bremsen: Das ZF-K30D-Getriebe (4 Vorwärts-, 1 Rückwärtsgang) ist solide konstruiert. Die Vierrad-Fußbremse sollte auf gleichmäßige Wirkung geprüft werden; bei vielen Exemplaren fehlen die vorderen Bremsbeläge und -backen, die nur schwer beschaffbar sind. Die Getriebe-Handbremse sollte als Feststellbremse einwandfrei funktionieren.

Dokumentation und Historie: Bei den geringen Stückzahlen ist eine lückenlose Dokumentation besonders wertvoll. Originale Fahrzeugbriefe, Betriebsanleitungen und Wartungsnachweise steigern den Wert erheblich. Viele MIAG-Fahrzeuge haben eine bewegte Geschichte – einige wurden in der DDR als Ackerschlepper umgenutzt, andere dienten im französischen oder belgischen Militär.

Teileversorgung: MWM-Motorenteile sind über spezialisierte Händler verfügbar. Schwieriger ist die Beschaffung von MIAG-spezifischen Teilen wie Karosserieblechen, Kühlermasken, Armaturenbrettern und originalen Felgen. Das Normag-Forum (normag-forum.de) mit seiner MIAG-Datenbank und die Community auf fahrzeugseiten.de sind wichtige Anlaufstellen für Ersatzteile und Fachwissen.

TÜV und Zulassung: In Deutschland qualifizieren sich MIAG-Fahrzeuge für das H-Kennzeichen (älter als 30 Jahre). Die TÜV-Abnahme erfordert besondere Aufmerksamkeit für Bremsen, Beleuchtung und den allgemeinen Zustand der sicherheitsrelevanten Bauteile. Der Motorkarren MK2000 kann bei entsprechender Ausstattung eine reguläre Straßenzulassung erhalten.


Fahrerlebnis

Einen MIAG-Schlepper zu fahren bedeutet, die Arbeitswelt der deutschen Landwirtschaft und des Nachschubwesens der 1930er bis 1950er Jahre am eigenen Leib zu erleben.

Der LD20 empfängt den Fahrer mit einer wuchtigen, geschlossenen Motorhaube, die den MWM-Zweizylinder vollständig verbirgt. Der Startvorgang erfordert Geduld: Glühkerzen vorglühen, Dekompressionshebel betätigen, und dann den Anlasser anwerfen – oder bei älteren Exemplaren die Handkurbel einsetzen. Der wassergekühlte Zweizylinder-Diesel setzt mit einem charakteristischen, gleichmäßigen Nageln ein, das bei höheren Drehzahlen in ein tiefes Brummen übergeht.

Mit 18 bis 20 PS aus 2.120 cm³ Hubraum ist der LD20 kein Sprinter. Die vier Gänge des ZF-Getriebes lassen sich mit dem typischen unsynchronisierten Klauengetriebe schalten – Zwischengas und Doppelkuppeln sind Pflicht. Auf der Straße erreicht der Schlepper mit der Bereifung 9-24 maximal 20 km/h, mit der kleineren Bereifung 8-20 nur 14 km/h. Das Fahrgefühl ist entschleunigt und bodenständig: Die starre Hinterachse überträgt jeden Bodenkontakt direkt auf den Fahrersitz, die gefederte Vorderachse schluckt die gröbsten Stöße.

Die ID20-Straßenzugmaschine bietet ein ähnliches Fahrerlebnis, ist aber mit ihrer Kabine (einfach oder doppelt) deutlich komfortabler. Die Puffer-gefederte Hinterachse bewahrt den Fahrer vor den schlimmsten Erschütterungen – so versprach es zumindest der originale MIAG-Prospekt. Mit 22 km/h Höchstgeschwindigkeit und einer Anhängelast von rund 10 Tonnen war die ID20 für den gewerblichen Nahverkehr konzipiert, nicht für Autobahnen.

Der Motorkarren MK2000 fährt sich völlig anders: Der luftgekühlte VW-Boxermotor klingt vertraut und dreht williger als die schweren MWM-Diesel. Mit 25 PS und 2.000 kg Tragfähigkeit erreicht der MK2000 bis zu 25 km/h – für einen Werkstransporter der frühen 1950er Jahre ein respektabler Wert. Die Vierrad-Servobremsen und die automobil­mäßige Fulmina-Lenkung machen den MK2000 überraschend handlich, auch in engen Werkshallen. Der Verbrauch liegt bei rund 9 Litern auf 100 Kilometer im Normbetrieb und 13 bis 16 Litern im Kurzstrecken-Werksverkehr.


Design & Karosserie

Das Design der MIAG-Fahrzeuge war konsequent funktional – es ging um Zugkraft, Nutzlast und Zuverlässigkeit, nicht um ästhetische Eleganz. Dennoch entwickelten die MIAG-Schlepper und -Zugmaschinen eine eigenständige Formensprache, die sie von den Konkurrenzprodukten von Deutz, Lanz, Hanomag und Fendt deutlich abhebt.

Der LD20 ist das optisch markanteste MIAG-Modell. Die wuchtige, vollständig geschlossene Motorhaube mit seitlichen Lüftungsschlitzen erinnert an den Automobilbau – kein Zufall, denn die MIAG produzierte im ehemaligen Röhr-Automobilwerk. Die meisten LD20 verließen das Werk in Quittengelb, einer warmen, satten Farbe, die bis heute das Erkennungszeichen der Marke ist. Die hinteren Muschelkotflügel, die runde Instrumententafel und die optionalen Einzelsitze nach originalem Baumuster verleihen dem LD20 einen unverwechselbaren Charakter.

Die Straßenzugmaschinen ID20 und ID20F waren in drei Varianten erhältlich: als offene Version, mit einfacher Kabine oder mit Doppelkabine. Die Kabinen waren geräumig und boten hinten einen verschließbaren Stauraum, der auch für Belastungsgewichte genutzt werden konnte. Die geschlossene Ausführung mit ihrer kantigen Silhouette und dem hohen Aufbau erinnert an die LKW-Kabinen der 1930er Jahre.

Die Nachkriegsmodelle (AD17, AD22, AD33, JD33) folgten dem gleichen funktionalen Designprinzip, waren aber schlichter und pragmatischer gestaltet. Die Materialknappheit der Nachkriegszeit spiegelt sich in einfacheren Blechformen und sparsamerer Ausstattung wider.

Zielgruppe der MIAG-Fahrzeuge waren landwirtschaftliche Betriebe, Speditionen und gewerbliche Unternehmen, die kompakte, zuverlässige Zugmaschinen und Schlepper für den Nahverkehr und die Feldarbeit suchten. Die meisten MIAG-Fahrzeuge wurden über die DIETRAK GmbH in Hannover vertrieben.


Sonstiges

MIAG im Zweiten Weltkrieg: Während des Krieges war die MIAG einer der wichtigsten Rüstungsproduzenten Deutschlands. Im Braunschweiger Werk und in Dresden-Sporbitz wurden Sturmgeschütze (StuG III Ausf. G), Jagdpanzer (Jagdpanzer 38D), verschiedene Varianten des Panzerkampfwagen II und III sowie Flugzeuge in Lizenz gefertigt. Diese düstere Seite der Unternehmensgeschichte ist heute gut dokumentiert, unter anderem durch das KZ-Außenlager Zschachwitz, das auf dem MIAG-Betriebsareal in Dresden eingerichtet wurde.

Der MIAG-Dietrich MD12: 1934 absolvierte der MIAG-Dietrich MD12 seinen Erstflug – ein Schulflugzeug, das Chefkonstrukteur Richard Dietrich für eine Ausschreibung des Reichsluftfahrtministeriums entwickelt hatte. Das RLM entschied sich jedoch gegen die MIAG als eigenständigen Flugzeug-Entwicklungsbetrieb und band das Werk stattdessen in die Lizenzfertigung anderer Hersteller ein. Der MD12 blieb der einzige vollständige Flugzeugentwurf der MIAG.

Traktorenmuseen: MIAG-Schlepper sind in mehreren deutschen Museen zu sehen, darunter das Traktorenmuseum Pauenhof in Sonsbeck, das Deutsche Landwirtschaftsmuseum Blankenhain, das Traktorenmuseum Paderborn und das Landtechnik-Museum Steinhof in Braunschweig. Letzteres erhielt 2022 einen 83 Jahre alten MIAG-Schlepper als Schenkung – der letzte Wunsch des verstorbenen Besitzers.

MIAG-Community: Die wichtigste Anlaufstelle für MIAG-Sammler ist das Normag-Forum (normag-forum.de), das eine umfangreiche MIAG-Datenbank mit Fahrgestellnummern, Motordaten und Standortinformationen pflegt. Die Website fahrzeugseiten.de von Peter Kautz bietet die detaillierteste Online-Dokumentation der MIAG-Fahrzeuggeschichte. Auf Oldtimer-Treffen wie der Bulldogmesse in Alsfeld oder dem Kettwiger Oldtimerfrühling sind MIAG-Schlepper regelmäßig vertreten.


Fazit

MIAG-Fahrzeuge gehören zu den seltensten und unbekanntesten Zeugnissen der deutschen Nutzfahrzeuggeschichte. In nur 15 Jahren Produktionszeitraum (1937–1952) baute die Mühlenbau und Industrie AG eine kleine, aber feine Palette von Ackerschleppern, Straßenzugmaschinen und dem einzigartigen Motorkarren MK2000. Die extrem geringen Stückzahlen machen jeden erhaltenen MIAG zu einer Rarität.

Für Sammler und Käufer gilt: Der LD20 ist das bekannteste und am ehesten verfügbare Modell, mit Preisen zwischen €2.200 (Projekt) und €14.000 (Zustand 1). Die Straßenzugmaschinen ID20 und JD33 sind deutlich seltener und bei Spezialisten besonders begehrt. Der Motorkarren MK2000 mit seinem VW-Boxermotor ist ein außergewöhnliches Sammlerstück, das VW-Enthusiasten und Militärfahrzeug-Sammler gleichermaßen anspricht. Wer einen MIAG kaufen möchte, braucht Geduld, ein gutes Netzwerk in der historischen Nutzfahrzeug-Szene und die Bereitschaft, in eine aufwendige Restaurierung zu investieren. Die Belohnung ist der Besitz eines Fahrzeugs, das wie kaum ein anderes die Geschichte der deutschen Landtechnik und des industriellen Wiederaufbaus verkörpert.