1959 | Panhard PL 17 Tigre
- Status:
- Preview
- Estimate:
- € 18,000 - € 22,000
- Ends at:
- 14/09/2026, 03:45:00 am AEST
Dieser Panhard PL 17 Tigre von 1959 ist schon aufgrund seiner ungewöhnlichen rosa Lackierung und der offenbar noch original erhaltenen Tigerpolsterung ein bemerkenswerter Vertreter französischer Automobilkultur. Seine ältere Restaurierung ist mit Rechnungen und einem Fotoband außergewöhnlich ausführlich dokumentiert; Karosserie, Motor und Getriebe wurden dabei fachgerecht instand gesetzt. Seit rund 13 Jahren befindet sich der Wagen beim heutigen Sammler, der ihn aus einem Museum erwarb. Matching Numbers und Matching Colors sind anhand der geprüften Unterlagen bestätigt.
Panhard verfolgte beim PL 17 einen eigenwilligen technischen Ansatz. Statt großer Motoren setzte die französische Marke auf geringes Gewicht, aerodynamische Karosserien und einen luftgekühlten Boxermotor. Beim Tigre wurde dieses Prinzip besonders konsequent umgesetzt: Nach den vorliegenden Fahrzeugunterlagen leistet die stärkere Ausführung 60 PS und damit deutlich mehr als die Standardversion.
In Verbindung mit einem Gewicht von rund 830 Kilogramm und einer aerodynamisch ausgelegten Karosserie mit einem angegebenen cW-Wert von 0,26 erreichte der Tigre laut Dokumentation bis zu 145 km/h. Das klingt heute überschaubar, war aber das Resultat einer ausgesprochen effizienten Konstruktion. Selbst die praktische Seite wurde nicht vergessen: Durch Umlegen der Rücksitzlehne ließ sich der Gepäckraum laut den vorliegenden Angaben auf 527 Liter erweitern.
Damit ist der PL 17 ein schönes Beispiel dafür, dass technischer Ehrgeiz nicht zwingend über Hubraum oder Zylinderzahl definiert werden muss. Panhard suchte seine Lösungen vielmehr in Leichtbau, Aerodynamik und einer ungewöhnlichen Motorenkonstruktion.
Die Karosserie präsentiert sich in einem außergewöhnlichen Rosaton. Die Fotografien bestätigen den eigenständigen Auftritt mit geschwungener Seitenlinie, reichlich Verglasung und zahlreichen zeittypischen Chromdetails. Die Farbe verstärkt den ohnehin ungewöhnlichen Charakter des französischen Viertürers noch einmal deutlich.
Besonders relevant ist die dokumentierte ältere Restaurierung. Die Karosseriearbeiten wurden bei der Berliner Karosseriebau-Werkstatt Glasenapp ausgeführt. Ein Fotoband hält die Arbeiten fest; dazu sind Rechnungen vorhanden. Laut Dokumentation wurden schadhafte Blechteile fachgerecht zugeschnitten und geformt. Bei den Karosseriearbeiten wurde nicht lediglich mit Spachtel gearbeitet, sondern verzinnt und verschwemmt.
Matching Colors sind anhand der geprüften Unterlagen bestätigt. Ein separates aktuelles Zustands- oder Wertgutachten liegt nicht vor, weshalb bewusst keine Zustandsnote vergeben wird.
Mindestens ebenso bemerkenswert wie die Außenfarbe ist der Innenraum. Dort befindet sich die offenbar noch originale Tigerpolsterung, deren Muster und Gestaltung den eigenwilligen Charakter des Fahrzeugs fortsetzen. Die Bilddokumentation lässt diese ungewöhnliche Ausstattung deutlich erkennen.
Gerade der Kontrast zwischen restaurierter Karosserie und erhaltener historischer Innenausstattung ist aus Sammlersicht interessant. Statt das gesamte Fahrzeug auf einen einheitlich neuwertigen Eindruck zu bringen, blieb hier ein wesentlicher Teil seiner historischen Substanz erhalten.
Der bestätigte PL 17 Tigre verfügt über die 60-PS-Ausführung des luftgekühlten Boxermotors. Der Wagen ist als Linkslenker ausgeführt und besitzt ein manuelles Getriebe. Die Fahrgestellnummer lautet 2011706; Matching Numbers sind dokumentarisch bestätigt.
Auch die mechanische Restaurierung ist nachvollziehbar. Die entsprechenden Arbeiten wurden vom Meisterbetrieb Berthold Pamp in Berlin durchgeführt. Für die Instandsetzung von Motor und Getriebe liegen Rechnungen vor.
Zuletzt wurde der Panhard nach Angaben des Einbringers vor etwa fünf Jahren gestartet und bewegt. Aufgrund dieser längeren Standzeit sollte vor einer erneuten Inbetriebnahme eine umfassende technische Durchsicht erfolgen. Der Wagen ist aktuell nicht zugelassen und wird nicht als unmittelbar fahrbereit angeboten.
Nach Abschluss der dokumentierten Restaurierungsarbeiten war der Tigre offenbar zunächst noch auf Berliner Straßen unterwegs. Eine vorhandene Hauptuntersuchung bescheinigt für diesen Zeitraum einen technisch ordnungsgemäßen Zustand. Später gelangte der Wagen in ein Museum, wo er den überwiegenden Teil der folgenden Jahre verbrachte.
Dort wurde das Fahrzeug vor rund 13 Jahren vom heutigen Sammler entdeckt und erworben. Die Museumsprovenienz erklärt zugleich, weshalb der Panhard nach seiner aufwendigen Restaurierung vergleichsweise wenig genutzt wurde.
Zum historischen Bestand gehört außerdem ein französisches Originalzertifikat. Daraus geht hervor, dass im Zuge des Wechsels nach Deutschland ein Fahrzeugbrief mit der Nummer 1M828195 ausgestellt wurde. Dieser deutsche Fahrzeugbrief befindet sich allerdings nicht in den überlieferten Museumsunterlagen – eine Lücke, die in der Beschreibung bewusst transparent festgehalten wird.
Die Dokumentation gehört zu den besonderen Stärken dieses Exemplars. Neben dem Fotoband der Restaurierung liegen Rechnungen über die Karosseriearbeiten sowie über die Instandsetzung von Motor und Getriebe vor. Hinzu kommen das französische Originalzertifikat und die historische Hauptuntersuchung.
Bemerkenswert ist außerdem ein großer originaler Teilekatalog. Verschiedene Reparaturanleitungen und ein Bestand an Dichtungen, die offenbar im Zusammenhang mit der Restaurierung vorsorglich beschafft wurden, gehören ebenfalls zum Fahrzeug. Matching Numbers und Matching Colors sind bestätigt. Eine belastbare Gesamtlaufleistung liegt dagegen nicht vor; der im Datensatz hinterlegte Nullwert wird ausdrücklich nicht als Kilometerstand interpretiert.
Der Panhard PL 17 Tigre gehört zu jener faszinierenden Kategorie von Klassikern, deren Reiz gerade darin besteht, dass sie technische Probleme völlig anders lösten als die Mehrheit ihrer Zeitgenossen. Leichtbau, Aerodynamik und luftgekühlter Boxermotor ergeben ein Konzept, das auch Jahrzehnte später bemerkenswert eigenständig wirkt.
Bei diesem Exemplar kommen die außergewöhnliche rosa Farbgebung, die offenbar originale Tigerpolsterung und eine bemerkenswert detailliert belegte Restaurierung hinzu. Rechnungen, Fotodokumentation, Teilekatalog, Reparaturunterlagen und französisches Originalzertifikat verleihen der Historie zusätzliche Tiefe. Nach rund fünf Jahren Standzeit benötigt der Panhard vor der Rückkehr auf die Straße technische Aufmerksamkeit – seine ungewöhnliche Identität hat er dabei längst bewahrt.
Ein rosa französischer Viertürer mit luftgekühltem Boxermotor, Tigerpolsterung und einem cW-Wert, über den man 1959 durchaus reden konnte: Der PL 17 ist schon auf dem Papier wunderbar unkonventionell. Noch besser gefällt mir, dass hinter der Exzentrik echte Ingenieursarbeit steckt. Leicht, aerodynamisch und technisch völlig anders gedacht als die Konkurrenz. Dazu diese umfangreiche Restaurierungsdokumentation und das erhaltene Interieur. Manche Klassiker brauchen lange Erklärungen, um interessant zu werden. Dieser Panhard braucht eigentlich nur eine offene Tür.

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