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Victory Motorrad kaufen

Victory Motorcycles brachte frischen Wind in die amerikanische V-Twin-Szene, indem sie modernes Engineering mit klassischem Cruiser-Design kombinierten. Von 1998 bis 2017 forderte die Polaris-Tochter die etablierte Konkurrenz heraus und schuf Maschinen, die heute als zuverlässige moderne Klassiker gelten.

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Bild 1/23 von Victory Hammer 8-Ball (2009)
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2009 | Victory Hammer 8-Ball

Custom Victory Hammer 8

CHF 30’403
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Geschichte & Erbe

Die Geschichte von Victory Motorcycles ist ein faszinierendes Kapitel der amerikanischen Industriegeschichte, das in den späten 1990er Jahren in Spirit Lake, Iowa, seinen Anfang nahm. Der Mutterkonzern Polaris Industries, der sich bereits einen Namen mit Schneemobilen und ATVs gemacht hatte, erkannte eine strategische Chance im Motorradmarkt. Zu dieser Zeit dominierte Harley-Davidson das Segment der schweren Cruiser fast nach Belieben, doch Polaris sah eine wachsende Gruppe von Fahrern, die zwar den Charakter eines amerikanischen V-Twins suchten, aber von der oft veralteten Technik und den langen Wartelisten der Konkurrenz frustriert waren.

1997 wurde der erste Prototyp der Öffentlichkeit vorgestellt, und bereits 1998 rollte die erste V92C vom Band. Der Name stand für "Victory 92 Cubic Inches", was einem Hubraum von etwa 1.507 ccm entsprach. Dieses Motorrad war keine bloße Kopie bestehender Konzepte. Mit einem 50-Grad-V-Twin, Kraftstoffeinspritzung, obenliegenden Nockenwellen und einem modernen Fahrwerk setzte Victory von Beginn an auf technische Überlegenheit. Während andere Hersteller noch auf Vergaser und traditionelle Bauweisen setzten, bot Victory eine Maschine an, die "out of the box" zuverlässig und leistungsstark war.

Die Entwicklung der V92C war ein mutiger Schritt. Polaris investierte Millionen in die Entwicklung eines völlig neuen Motors, anstatt auf bestehende Designs zurückzugreifen. Der Motor war als tragendes Teil in den Rahmen integriert, was die Steifigkeit erhöhte und das Gewicht reduzierte. Die ersten Tests in Fachzeitschriften waren voll des Lobes für die Kraftentfaltung und das für einen Cruiser ungewöhnlich gute Handling. Dennoch war der Start nicht ohne Hürden. Die frühen Getriebe galten als etwas knochig, und das Design wurde von einigen als zu konservativ empfunden.

In den frühen 2000er Jahren festigte Victory seinen Ruf als ernstzunehmende Harley-Alternative. Der Slogan "New American Motorcycles" war Programm. Die Marke positionierte sich als innovativ, mutig und technisch fortschrittlich. Ein wichtiger Meilenstein war die Einführung des Freedom-Motors im Jahr 2002, der mehr Leistung und eine noch höhere Zuverlässigkeit bot. Victory war ab diesem Zeitpunkt profitabel und begann, sein Modellprogramm konsequent auszuweiten. Der Freedom-Motor war eine Evolution des ursprünglichen 92-ci-Aggregats, verfügte aber über verbesserte Ölkühlung, leisere Ventilsteuerung und ein deutlich geschmeidigeres 6-Gang-Getriebe.

Die Zusammenarbeit mit legendären Custom-Buildern wie Arlen Ness und seinem Sohn Cory Ness brachte eine Reihe von Sondermodellen hervor, die das Design von Victory auf ein neues Level hoben. Diese "Ness-Signature"-Modelle waren oft radikal gestaltet, mit auffälligen Lackierungen und exklusiven Zubehörteilen, was der Marke zusätzliche Glaubwürdigkeit in der Custom-Szene verschaffte. Victory bewies, dass ein Serienhersteller Motorräder bauen konnte, die wie handgefertigte Einzelstücke aussah, aber die Zuverlässigkeit einer Grossserie boten. Arlen Ness selbst sagte einmal, dass Victory ihm die Freiheit gab, Designs umzusetzen, die bei anderen Herstellern niemals durch die Rechtsabteilung gekommen wären.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Markengeschichte war das Engagement im Rennsport. Victory trat beim legendären Pikes Peak International Hill Climb an und bewies mit der "Project 156", einer Rennmaschine mit dem Motor der späteren Octane, dass amerikanische V-Twins auch sportlich extrem konkurrenzfähig sein können. Auch in der NHRA Drag Racing Serie feierte Victory Erfolge und unterstrich damit den Performance-Anspruch der Marke.

Trotz des technischen Erfolgs und einer treuen Fangemeinde änderte sich das Marktumfeld in den 2010er Jahren. Der Markt für schwere Cruiser schrumpfte weltweit, und Polaris hatte 2011 die traditionsreiche Marke Indian Motorcycles übernommen. Indian verfügte über eine tiefere historische Wurzel und eine stärkere emotionale Bindung bei den Käufern. Polaris stand vor der Entscheidung, zwei Marken im gleichen Segment zu führen oder die Ressourcen zu bündeln. Während Victory für Innovation und Moderne stand, bediente Indian die Sehnsucht nach Tradition und Geschichte.

Am 9. Januar 2017 kam die überraschende Nachricht: Polaris stellte die Produktion von Victory Motorcycles mit sofortiger Wirkung ein. Es gab kein langsames Auslaufen, sondern einen harten Schnitt. Der Fokus sollte fortan auf Indian und die Entwicklung von Elektroantrieben liegen. Für die Besitzer und Fans war dies ein Schock, doch Polaris versicherte, die Ersatzteilversorgung für mindestens zehn Jahre , also bis 2027 , sicherzustellen. Heute, Jahre nach dem Ende der Produktion, haben Victory-Motorräder einen festen Platz in der Klassiker-Szene gefunden. Sie werden für ihre Langlebigkeit, ihr eigenständiges Design und ihr hervorragendes Fahrverhalten geschätzt. In der Schweiz gibt es eine kleine, aber sehr aktive Gemeinschaft von Victory-Fahrern, die sich regelmäßig zu Ausfahrten und Treffen zusammenfinden, um das Erbe der Marke lebendig zu halten.

Highlights & Besonderheiten

Victory-Motorräder zeichnen sich durch eine einzigartige Mischung aus progressivem Design und zuverlässiger Technik aus. Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern, die sich oft in nostalgischen Details verloren, blickte Victory stets nach vorne. Hier sind die wichtigsten Modellreihen, die den Charakter der Marke prägten:

Victory Hammer (2005-2017)

Der Hammer war das Kraftpaket im Programm. Mit seinem massiven 250-mm-Hinterreifen und dem muskulösen Auftreten definierte er das Segment der Power-Cruiser neu. Besonders die Hammer 8-Ball-Version mit ihrer komplett schwarzen Optik wurde zum Kultobjekt. Ausgestattet mit dem 100- oder später 106-Cubic-Inch-Motor, bot der Hammer eine Beschleunigung, die man einem Cruiser dieser Grösse kaum zugetraut hätte. Das Fahrwerk war straff abgestimmt, was in Kombination mit der breiten Bereifung für ein sehr stabiles, wenn auch in engen Kurven etwas eigenwilliges Fahrverhalten sorgte. Der Hammer war die Antwort auf die wachsende Nachfrage nach "Muscle Bikes", die nicht nur gut aussahen, sondern auch ordentlich Druck aus dem Keller lieferten.

Victory Cross Country (2010-2017)

Für die Langstrecke konzipiert, war das Cross Country das Flaggschiff der Touring-Reihe. Es bot eine grosszügige Verkleidung, geräumige Hartschalenkoffer und einen Komfort, der auch auf mehrtägigen Touren keine Wünsche offen liess. Technisch beeindruckte es durch ein Aluminium-Guss-Fahrwerk, das für eine hohe Verwindungssteifigkeit und ein präzises Handling sorgte , ein Bereich, in dem viele klassische Tourer oft Schwächen zeigten. Die Cross Country Tour-Variante setzte mit noch mehr Stauraum und Windschutz noch einen oben drauf. Mit einem Ladevolumen von über 150 Litern war sie der unangefochtene Packesel im Programm und bot Features wie eine luftunterstützte Hinterradfederung, die sich perfekt auf unterschiedliche Beladungszustände anpassen liess.

Victory Vegas (2003-2017)

Die Vegas war der elegante Urban-Cruiser. Mit ihrem schlanken 21-Zoll-Vorderrad und der fließenden Linienführung sprach sie Fahrer an, die Wert auf Ästhetik und Agilität legten. Sie war leichter und handlicher als der Hammer und eignete sich hervorragend für die tägliche Fahrt oder die entspannte Wochenendtour über kurvige Landstrassen. Die Vegas war oft die Basis für viele Custom-Umbauten, da ihre Grundform bereits sehr stimmig war. Besonders beliebt war die Vegas High-Ball, ein Bobber-Style-Modell mit Ape-Hanger-Lenker und Weisswandreifen, das den Zeitgeist perfekt traf.

Victory Vision (2008-2017)

Die Vision war wohl das polarisierendste Modell der Marke. Ihr futuristisches, fast schon raumschiffartiges Design spaltete die Meinungen, doch technisch war sie ein Meisterwerk. Der Windschutz war phänomenal, und die Integration von Komfortfeatures wie Sitzheizung, elektrisch verstellbarem Windschild und einem High-End-Audiosystem setzte Massstäbe. Wer eine Vision fährt, fällt auf , auch heute noch. Unter der futuristischen Hülle steckte ein hochmoderner Rahmen, der die Vision trotz ihrer Grösse erstaunlich handlich machte. Sie war das ultimative Statement für Fahrer, die Luxus und Individualität suchten.

Victory Octane (2016-2017)

Als letztes neues Modell vor dem Ende der Marke eingeführt, war die Octane der sportlichste Vertreter. Mit einem wassergekühlten 1.200-ccm-V2-Motor, der über 100 PS leistete, zielte sie auf eine jüngere, leistungsorientierte Zielgruppe ab. Sie teilte sich die technische Basis mit der Indian Scout, war aber deutlich aggressiver abgestimmt und puristischer im Design. Die Octane war ein "Hooligan-Bike" im Cruiser-Gewand, bereit für Burnouts und schnelle Sprints an der Ampel.

Victory Judge (2012-2017)

Die Judge war eine Hommage an die amerikanischen Muscle Cars der 1960er Jahre. Mit ihren 16-Zoll-Rädern und den charakteristischen Fünf-Speichen-Felgen erinnerte sie an die goldene Ära des Drag Racing. Die Sitzposition war etwas sportlicher als bei der Vegas, mit mittig montierten Fussrasten, was eine bessere Kontrolle in Kurven ermöglichte. Die Judge war ein ehrliches, maskulines Motorrad ohne unnötigen Schnickschnack.

Victory Gunner (2014-2017)

Der Gunner war ein puristischer Bobber, der auf das Wesentliche reduziert wurde. Mit seiner zweifarbigen Lackierung in Suede Titanium und Black sowie den markanten Gussrädern strahlte er eine zeitlose Coolness aus. Er war technisch eng mit der Vegas verwandt, bot aber durch die breiteren Reifen und die niedrigere Sitzhöhe ein ganz eigenes Fahrgefühl. Der Gunner war das perfekte Motorrad für Fahrer, die einen klassischen Look mit moderner Performance verbinden wollten.

Technische Details des Freedom-Motors

Das Herzstück jeder Victory war der Freedom-V-Twin. Dieser Motor war das Ergebnis jahrelanger Entwicklung und wurde stetig verbessert. Hier sind einige technische Besonderheiten, die ihn von der Konkurrenz abhoben:

  • 50-Grad-Winkel: Während Harley-Davidson auf den traditionellen 45-Grad-Winkel setzt, entschied sich Victory für 50 Grad. Dies ermöglichte eine bessere Balance und reduzierte Vibrationen, ohne den charakteristischen V-Twin-Sound zu verlieren.
  • Obenliegende Nockenwellen (SOHC): Im Gegensatz zu den stoßstangengesteuerten Motoren vieler Mitbewerber nutzte Victory obenliegende Nockenwellen mit vier Ventilen pro Zylinder. Dies sorgte für eine effizientere Verbrennung und eine höhere Drehzahlfestigkeit.
  • Ölkühlung: Der Freedom-Motor verfügte über ein ausgeklügeltes Ölkühlungssystem. Ein großer Ölkühler an der Vorderseite sorgte dafür, dass die thermische Belastung auch bei hohen Aussentemperaturen oder im Stop-and-Go-Verkehr im grünen Bereich blieb.
  • Hydraulischer Ventilspielausgleich: Dies machte die Wartung deutlich einfacher und günstiger, da das manuelle Einstellen der Ventile entfiel.
  • 6-Gang-Getriebe: Ab 2002 waren fast alle Modelle mit einem 6-Gang-Getriebe ausgestattet. Der sechste Gang war als Overdrive ausgelegt, was die Drehzahl bei Autobahngeschwindigkeiten massiv senkte und den Kraftstoffverbrauch reduzierte.
  • Zahnriemenantrieb: Der Endantrieb erfolgte über einen kohlefaserverstärkten Zahnriemen. Dieser war extrem langlebig, leise und erforderte keine Schmierung wie eine Kette.

Technische Daten

Die technischen Daten der Victory-Modelle unterstreichen den Anspruch auf Performance und Langlebigkeit. Hier ein Überblick über zwei der populärsten Modelle:

Victory Hammer S (Beispielhafte Daten)

Victory Cross Country (Beispielhafte Daten)

Marktübersicht und Kauftipps

In der Schweiz ist der Markt für Victory-Motorräder überschaubar, aber stabil. Da die Marke nie die Massenverbreitung von Harley-Davidson erreichte, sind gute Exemplare oft gesucht. Die Preise haben sich nach einem kurzen Tief nach der Produktionseinstellung konsolidiert und ziehen für gepflegte Modelle im Originalzustand sogar leicht an. Besonders in Kantonen wie Zürich, Bern und Aargau gibt es eine treue Fangemeinde.

Preisgefüge in der Schweiz (Stand 2024/2025)

  • Einsteigermodelle (V92C, frühe Vegas): CHF 6.500 , CHF 8.500. Diese Modelle sind ideal für Bastler oder Einsteiger, die ein solides Basisfahrzeug suchen.
  • Gepflegte Cruiser (Vegas, Gunner, High-Ball): CHF 9.000 , CHF 13.000. Hier findet man oft Maschinen mit moderater Laufleistung und sinnvollem Zubehör.
  • Power-Cruiser (Hammer S, Hammer 8-Ball): CHF 11.000 , CHF 15.500. Der Hammer ist aufgrund seines Designs sehr wertstabil.
  • Touring-Modelle (Cross Country, Vision): CHF 12.500 , CHF 18.500. Diese Modelle bieten extrem viel Motorrad fürs Geld, besonders im Vergleich zu gebrauchten Street Glides oder Road Kings.
  • Sondermodelle (Ness-Editionen, Magnum X-1): CHF 15.000 , CHF 22.000. Sammlerstücke, die oft nur selten auf den Markt kommen.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Victory-Motorräder gelten als mechanisch extrem zuverlässig. Laufleistungen von über 100.000 Kilometern sind bei guter Pflege keine Seltenheit. Dennoch gibt es spezifische Punkte, die Sie prüfen sollten:

  1. Getriebe: Bei frühen Modellen (vor 2002) gab es vereinzelt Probleme mit dem Getriebe. Achten Sie bei der Probefahrt auf saubere Schaltvorgänge und darauf, dass die Gänge unter Last nicht herausspringen. Ab dem Freedom-Motor sind die Getriebe sehr standfest. Ein lautes "Klonk" beim Einlegen des ersten Gangs ist jedoch normal und kein Grund zur Sorge.
  2. Zahnriemen: Der Endantrieb per Zahnriemen ist wartungsarm, aber nicht wartungsfrei. Prüfen Sie den Riemen auf Risse oder Beschädigungen durch Steinschlag. Ein Austausch kann in einer Fachwerkstatt inklusive Arbeit etwa 500 bis 800 Franken kosten.
  3. Elektrik: Prüfen Sie alle Funktionen, insbesondere bei den Touring-Modellen mit viel Elektronik (Radio, Tempomat, elektrisches Windschild). Korrodierte Steckverbindungen können zu Fehlermeldungen führen. Ein Blick unter die Sitzbank auf den Sicherungskasten verrät oft viel über den Pflegezustand.
  4. Zubehör: Viele Victorys wurden individualisiert. Achten Sie darauf, dass Umbauten (Auspuff, Lenker, Fussrasten) über die notwendigen E-Prüfzeichen verfügen oder in die Fahrzeugpapiere eingetragen sind, um Probleme bei der Motorfahrzeugkontrolle (MFK) zu vermeiden. In der Schweiz sind die Experten bei nicht eingetragenen Auspuffanlagen oft sehr streng.
  5. Ersatzteile: Während Verschleißteile (Bremsen, Filter, Reifen) problemlos verfügbar sind, können spezifische Karosserieteile oder elektronische Steuergeräte schwieriger zu beschaffen sein. Polaris garantiert die Versorgung bis 2027, danach wird der Gebrauchtmarkt und spezialisierte Händler wie "Victory Only" oder "Witchdoctors" wichtiger.
  6. Servicehistorie: Ein lückenloses Serviceheft ist immer ein Pluspunkt. Achten Sie darauf, dass die Ölwechselintervalle (alle 8.000 km) eingehalten wurden. Victory-Motoren reagieren empfindlich auf minderwertiges Öl; Polaris empfiehlt spezielles teilsynthetisches Öl.

Fahrverhalten & Performance

Das Fahrerlebnis auf einer Victory unterscheidet sich deutlich von dem auf einer klassischen Harley. Während eine Harley oft durch ihr "Stampfen" und die starken Vibrationen charakterisiert wird, läuft der Victory-V-Twin deutlich kultivierter. Die Vibrationen sind vorhanden, wirken aber weniger mechanisch aufdringlich. Es ist ein rhythmisches Pulsieren, das dem Fahrer stets Rückmeldung gibt, ohne nervig zu werden.

Der Freedom-Motor ist ein Drehmoment-Monster. Schon knapp über Leerlaufdrehzahl schiebt die Maschine massiv an. Das 6-Gang-Getriebe ist lang übersetzt, was besonders auf der Autobahn für entspanntes Cruisen bei niedrigen Drehzahlen sorgt. Der sechste Gang ist als echter Overdrive ausgelegt. Bei 120 km/h dreht der Motor oft nur knapp über 2.400 U/min, was für eine sehr entspannte Geräuschkulisse sorgt.

Das Handling ist für Motorräder dieser Gewichtsklasse überraschend präzise. Dank der modernen Rahmenkonstruktionen und hochwertiger Fahrwerkskomponenten (oft Upside-Down-Gabeln bei den sportlicheren Modellen) lassen sich Victorys erstaunlich flott durch Kurven bewegen. Die Schräglagenfreiheit ist cruiser-typisch begrenzt, liegt aber oft über dem Niveau der direkten Konkurrenz. Besonders das Cross Country überrascht durch seine Agilität trotz der massiven Optik. Die Bremsen, oft von Brembo oder Nissin zugeliefert, bieten einen klaren Druckpunkt und verzögern die schweren Maschinen zuverlässig. ABS wurde ab 2011 bei vielen Modellen serienmässig oder optional eingeführt und funktioniert unauffällig, aber effektiv.

Design & Zubehör

Design war immer eine der grössten Stärken von Victory. Die Linienführung ist oft fliessend und wirkt wie aus einem Guss. Ein charakteristisches Merkmal vieler Modelle ist der "Spine", eine Erhebung, die sich über den Tank und die Fender zieht und den Motorrädern eine optische Klammer gibt. Dieses Designelement wurde von Michael Song entworfen, der massgeblich für den Look der Marke verantwortlich war.

Victory setzte früh auf Trends wie den "Blacked-out"-Look oder extrem breite Hinterreifen, lange bevor diese im Mainstream ankamen. Die Lackqualität ist ab Werk auf einem sehr hohen Niveau, mit tiefem Glanz und oft aufwendigen Grafiken bei den Sondermodellen. Die Chromteile sind dick beschichtet und halten bei minimaler Pflege jahrelang ihren Glanz.

Das Angebot an Zubehör war bereits ab Werk umfangreich und wurde durch einen aktiven Aftermarket ergänzt. Ob Performance-Auspuffanlagen (wie die beliebten Stage 1 Kits), komfortablere Sitzbänke oder ergonomische Anpassungen , eine Victory lässt sich perfekt auf die Bedürfnisse des Fahrers zuschneiden. In der Schweiz sollte man jedoch stets die rechtlichen Rahmenbedingungen für Umbauten im Auge behalten. Beliebte Marken für Victory-Zubehör sind unter anderem Lloyd'z Motor Workz, die für ihre Performance-Nockenwellen und Steuergeräte-Optimierungen bekannt sind.

Victory vs. Harley-Davidson: Die moderne Alternative

Ein Vergleich zwischen Victory und Harley-Davidson ist unvermeidlich, da Victory explizit als Herausforderer konzipiert wurde. Während Harley-Davidson auf eine über 120-jährige Tradition zurückblickt, startete Victory auf einem weissen Blatt Papier. Dies hatte entscheidende Vorteile:

  • Engineering: Victory-Motoren wurden von Anfang an für moderne Anforderungen entwickelt. Die obenliegenden Nockenwellen und die Vierventiltechnik boten eine Effizienz, die Harley erst viel später mit dem Milwaukee-Eight-Motor erreichte.
  • Zuverlässigkeit: Victory-Besitzer berichten oft von einer höheren Zuverlässigkeit im Alltag. Probleme mit Öllecks oder überhitzenden Motoren, die bei älteren luftgekühlten Harleys vorkommen konnten, sind bei Victory aufgrund der effektiven Ölkühlung und der präzisen Fertigungstoleranzen selten.
  • Fahrwerk: Während viele Harleys auf klassischen Stahlrohrrahmen basieren, nutzte Victory oft innovative Gusskonstruktionen, die eine höhere Steifigkeit bei geringerem Gewicht boten. Dies spiegelt sich in einem präziseren Handling wider.
  • Preis-Leistung: Auf dem Gebrauchtmarkt bietet Victory oft deutlich mehr Motorrad für das gleiche Geld. Während man für eine Harley oft einen "Markenaufschlag" zahlt, bekommt man bei Victory eine technisch überlegene Maschine zu einem oft attraktiveren Preis.

Victory vs. Indian: Das Erbe von Polaris

Nachdem Polaris Indian Motorcycles übernommen hatte, wurde die Konkurrenz im eigenen Haus spürbar. Indian bediente die Nostalgie-Schiene perfekt, während Victory die moderne Schiene besetzte. Viele technische Innovationen, die bei Victory debütierten, fanden später ihren Weg in die Indian-Modelle. Die Indian Scout beispielsweise nutzt eine Weiterentwicklung des wassergekühlten Motors, der ursprünglich für die Victory Octane entwickelt wurde. Für Käufer heute bedeutet das: Wer den klassischen Look liebt, greift zu Indian. Wer jedoch ein Motorrad sucht, das technisches Understatement mit moderner Performance verbindet, ist bei Victory besser aufgehoben.

Victory in der Popkultur

Obwohl Victory nie die filmische Präsenz von Harley-Davidson erreichte, gab es dennoch einige bemerkenswerte Auftritte. In Filmen und Serien wurden Victory-Motorräder oft eingesetzt, um einen modernen, technoiden Look zu unterstreichen. Auch prominente Besitzer wie der ehemalige Formel-1-Fahrer Michael Schumacher oder der Schauspieler Ewan McGregor wurden bereits auf Victorys gesichtet, was das Image der Marke als Wahl für Kenner und Individualisten festigte.

Fazit

Wer ein amerikanisches V-Twin-Motorrad sucht, das technisch ausgereift, zuverlässig und eigenständig im Design ist, kommt an Victory nicht vorbei. Die Marke mag zwar Geschichte sein, doch die Motorräder sind lebendiger denn je. Sie bieten ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis auf dem Gebrauchtmarkt und heben sich wohltuend vom Einerlei der großen Massenhersteller ab.

Eine Victory zu fahren bedeutet, ein Stück Ingenieurskunst zu besitzen, das mit Leidenschaft und dem Mut zur Innovation geschaffen wurde. Ob als bulliger Hammer für den großen Auftritt oder als komfortables Cross Country für die Reise zum Nordkap , Victory liefert die passende Maschine für Individualisten, die keine Kompromisse bei der Qualität eingehen wollen. In der Schweiz finden Sie eine wachsende Szene, die den Geist von Spirit Lake weiterträgt. Auf Classic Trader finden Sie eine Auswahl an erstklassigen Victory-Modellen, die bereit sind für neue Abenteuer auf der Straße. Victory ist mehr als nur ein Motorrad , es ist ein Statement für Fortschritt und Charakter.