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EMW Motorrad kaufen

Eisenacher Motorenwerk produzierte zwischen 1945 und 1955 Motorräder, die als BMW begannen und als EMW endeten. Die R 35 wurde zum Symbol des geteilten Deutschlands – identische Technik, unterschiedliche Embleme, heute ein gesuchter Klassiker in der Schweiz.

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Bild 1/14 von EMW R 35 (1955)
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1955 | EMW R 35

EMW EMW R  R 35

CHF 8’665
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"EMW" Inserats-Referenzen von Classic Trader

Im Folgenden finden Sie Inserate zu Ihrer Suche, die nicht mehr auf Classic Trader verfügbar sind. Für eine bessere Kaufentscheidung können Sie sich mit Hilfe dieser Informationen ein besseres Bild über Verfügbarkeit, Wertentwicklung und aktuellen Preis eines "EMW" machen.

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Bild 1/27 von EMW R 35/3 (1953)

1953 | EMW R 35/3

EMW EMW R  R 35/3

CHF 4’104letztes Jahr
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1955 | EMW R 35

EMW EMW R  R 35

CHF 9’577letztes Jahr
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Bild 1/27 von EMW R 35/3 (1953)

1953 | EMW R 35/3

EMW EMW R  R 35/3

CHF 5’929vor 2 Jahren
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Bild 1/40 von EMW R 35 (1954)

1954 | EMW R 35

EMW EMW R R 35

CHF 8’939vor 4 Jahren
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Bild 1/50 von EMW R 35 (1953)

1953 | EMW R 35

BMW R 35/2 EMW R 35

CHF 8’209vor 5 Jahren
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Bild 1/19 von EMW R 35 (1949)

1949 | EMW R 35

EMW EMW R R 35

CHF 2’007vor 5 Jahren
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Bild 1/6 von EMW R 35/3 (1955)

1955 | EMW R 35/3

1955 EMW R35/3

CHF 6’522vor 6 Jahren
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Bild 1/11 von EMW R 35 (1955)

1955 | EMW R 35

Gespann

CHF 6’385vor 8 Jahren
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Bild 1/10 von EMW R 35 (1953)

1953 | EMW R 35

CHF 8’200vor 9 Jahren
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Bild 1/15 von EMW R 35 (1953)

1953 | EMW R 35

EMW R 35, Nachfolger BMW R 35

CHF 4’561vor 10 Jahren
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Nach dem Zweiten Weltkrieg verlief die Demarkationslinie mitten durch das Herz der deutschen Motorradindustrie. Während München stillstand, produzierte das Werk in Eisenach weiter. Zwischen 1945 und 1955 verliessen über 90’000 Motorräder die thüringische Fabrik, zunächst mit dem blau-weissen BMW-Emblem, ab 1952 schliesslich als EMW mit rot-weissem Logo. Technisch weitgehend identisch mit der Vorkriegs-R 35, verkörpert dieses Modell die Nachkriegszeit in Ostdeutschland: robuste Bauweise, knappe Materialien und eine pragmatische Ingenieurskunst ohne unnötigen Schnörkel. Für Sammler in der Schweiz stellt die EMW R 35 eine faszinierende Brücke zwischen der klassischen BMW-Historie und der sozialistischen Industriegeschichte dar.

Geschichte & Entwicklung

Die Wurzeln des Eisenacher Motorenwerks reichen bis ins Jahr 1896 zurück, als die Fahrzeugfabrik Eisenach (FFE) gegründet wurde. 1928 übernahm BMW das Werk und verlagerte während des Zweiten Weltkriegs die gesamte Motorradproduktion von München nach Eisenach, um die Kapazitäten in Bayern für den Flugmotorenbau zu nutzen. Im Juli 1945 fiel die Stadt Eisenach in die sowjetische Besatzungszone. Die Rote Armee zeigte grosses Interesse an den bewährten BMW-Konstruktionen und befahl die sofortige Wiederaufnahme der Produktion – trotz massiver Kriegsschäden an den Werksanlagen, die auf etwa 60 Prozent geschätzt wurden.

Ab Herbst 1945 entstanden die ersten BMW R 35 der Nachkriegszeit aus vorhandenen Restteilen und verbliebenen Werkzeugen. Die Sowjets enteigneten das Werk und gliederten es in die Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) Awtowelo ein. 1949 verliessen bereits 4’250 Motorräder die Bänder, die zunächst vor allem für Behörden, die Volkspolizei und die FDJ-Interessengemeinschaft Motorsport bestimmt waren. Das blau-weisse BMW-Emblem blieb bis 1951 erhalten, was zu erheblichen juristischen Spannungen mit dem Stammhaus in München führte.

Nach einer erfolgreichen Klage der Münchener BMW AG musste 1952 der Markenname in Eisenach geändert werden. Aus BMW wurde EMW (Eisenacher Motorenwerk), und aus dem blau-weissen Propeller wurde ein rot-weisser. Die Produktion lief unter dem volkseigenen IFA-Verbund weiter. Das Modell R 35/3 erhielt in dieser Phase entscheidende Verbesserungen: einen verstärkten Rahmen (von 2 auf 3 mm Materialstärke), eine gedämpfte Hinterradfederung und modifizierte Kotflügel. 1955 endete die Motorradproduktion in Eisenach komplett, da sich das Werk fortan als Automobilwerk Eisenach (AWE) auf die Produktion des Wartburg konzentrierte. Insgesamt entstanden zwischen 50’000 und 66’000 Exemplare der R 35/3, was sie zum am häufigsten produzierten Modell der Serie macht.

Highlights & Besonderheiten

Die EMW R 35 ist technisch gesehen eine BMW R 35 aus Eisenacher Produktion. Das Herzstück ist der 342-ccm-Einzylinder-OHV-Motor, der 14 PS bei 5’200 U/min leistet. Was nach heutigen Massstäben bescheiden klingt, war damals ausreichend für eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h (ca. 85 km/h im Gespannbetrieb). Ein charakteristisches Merkmal, das die EMW von vielen zeitgenössischen Konkurrenten abhob, ist die Kardanwelle. Dieser wartungsarme Wellenantrieb ist ein typisches BMW-Erbe, das bis heute Bestand hat und für eine saubere Kraftübertragung sorgt.

Der Pressstahlrahmen aus genieteten Blechprofilen ist ein weiteres markantes Merkmal. Er kam mit wenig Schweissarbeit aus, was in Zeiten von Materialknappheit und eingeschränkten Fertigungsmöglichkeiten ein grosser Vorteil war. Die frühen Modelle bis 1951 verfügen über eine Handschaltung am Tank und eine ungefederte Hinterhand (Hardtail). Ab 1952 erhielt die R 35/2 eine hydraulisch gedämpfte Teleskopgabel sowie eine Fuss- statt Handschaltung. Die R 35/3 (ab 1953) markierte den technischen Höhepunkt mit einer gedämpften Geradweg-Hinterradfederung, die den Fahrkomfort auf den damals oft schlechten Strassen massgeblich verbesserte.

Die 6-Volt-Elektrik mit einer 45-Watt-Lichtmaschine und Batteriezündung mit manueller Zündverstellung wirkt heute archaisch, war aber in den 1950er Jahren Standard. Der 12-Liter-Tank schmiegt sich eng an den Pressstahlrahmen an und prägt das kompakte, fast schon zierliche Erscheinungsbild der Maschine. Besonders beliebt bei Sammlern sind Kombinationen mit dem Stoye-Seitenwagen. EMW lieferte tausende Beiwagen vom Typ Stoye I aus, die heute als Gespann besonders gesucht sind und das Bild des Strassenverkehrs der frühen DDR massgeblich prägten.

Technische Daten

Marktübersicht und Kauftipps

EMW-Motorräder sind in der Schweiz exklusive Nischensammlerfahrzeuge mit grossem historischem Reiz. Die Preise für eine EMW R 35 bewegen sich im Zeitraum 2024-2025 zwischen CHF 8’500 und CHF 18’500, abhängig von Baujahr, Erhaltungszustand und Originalität. Während einfache Projektfahrzeuge seltener auf dem Schweizer Markt zu finden sind, erzielen top-restaurierte Exemplare mit Veteranenstatus (Code 180) Spitzenpreise.

Wer kauft EMW in der Schweiz? Es lassen sich drei Hauptprofile ausmachen: BMW-Enthusiasten, welche die Lücke in der Markenhistorie schliessen wollen; Technik-Sammler, die den robusten Kardanantrieb und den Pressstahlrahmen schätzen; und Geschichtsinteressierte, die ein Stück "Eisernen Vorhang" auf zwei Rädern besitzen möchten. Im Vergleich zu den in München produzierten BMW-Modellen wie der R 25 oder R 26 bietet die EMW oft ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis, obwohl sie seltener angeboten wird.

Preisstruktur in der Schweiz (Schätzwerte 2024/2025):

  • Projektfahrzeuge (unvollständig, nicht fahrbereit): CHF 3’500 – CHF 6’500
  • Fahrbereiter Zustand mit Patina (unrestauriert): CHF 8’500 – CHF 12’000
  • Top-Zustand / Restauriert (mit MFK/Veteran): CHF 13’000 – CHF 18’500
  • Gespann-Aufschlag (mit Stoye-Beiwagen): + CHF 2’500 – CHF 4’500

Import und Zulassung in der Schweiz: Wer eine EMW aus Deutschland oder Osteuropa importiert, muss die Schweizer Zollbestimmungen beachten. Es fallen 8.1 % Mehrwertsteuer sowie eine Automobilsteuer von 4 % an. Hinzu kommen Zollabgaben nach Gewicht (ca. CHF 12 bis 15 pro 100 kg). Für die Zulassung beim Strassenverkehrsamt (MFK) ist ein technisches Datenblatt erforderlich. Da die EMW R 35 vor 1955 gebaut wurde, ist eine Veteranenzulassung erstrebenswert. Diese erfordert einen weitgehend originalen Zustand und eine überdurchschnittliche Pflege, bietet aber Vorteile wie längere Prüfintervalle (alle 6 Jahre) und geringere Versicherungsprämien.

Worauf achten? Der genietete Pressstahlrahmen ist die grösste Schwachstelle. Rost zwischen den Blechlagen (Blattrost) kann die Stabilität gefährden und ist nur mit grossem Aufwand zu sanieren. Prüfen Sie die Nieten auf festen Sitz. Die 6-Volt-Anlage ist oft schwach; viele Besitzer rüsten auf 12-Volt-Vape-Zündungen um. Dies verbessert die Alltagstauglichkeit enorm, kann aber bei einer strengen Veteranenprüfung zu Diskussionen führen. Originalität ist das A und O: Eine EMW mit korrektem rot-weissem Emblem (oder eine frühe Eisenacher BMW mit blau-weissem Logo) ist wertstabiler als "verbastelte" Maschinen mit falschen Anbauteilen.

Fahrverhalten & Performance

Eine Fahrt auf einer EMW R 35 ist eine mechanische Zeitreise. Der Startvorgang ist ein Ritual, das Geduld und Gefühl erfordert: Benzinhahn öffnen, den Tupfer am Vergaser betätigen, die Zündverstellung am Lenker auf "spät" stellen, den Dekompressionshebel ziehen und dann kraftvoll kicken. Wenn der Einzylinder mit seinem charakteristischen OHV-Klappern zum Leben erwacht, spürt man sofort die Vibrationen der massiven Bauteile.

Die Handschaltung am Tank bei den frühen Modellen erfordert Konzentration. Man muss die rechte Hand vom Lenker nehmen, um den Gang einzulegen, während die linke Hand die Kupplung bedient. Das erfordert vorausschauendes Fahren, besonders im Stadtverkehr von Zürich oder Bern. Die späteren Modelle mit Fussschaltung sind deutlich einfacher zu handhaben, aber das Getriebe bleibt unsynchronisiert und verlangt nach Zwischengas beim Herunterschalten.

Auf der Strasse zeigt sich der Unterschied zwischen den Generationen deutlich. Die Hardtail-Modelle geben jede Unebenheit der Strasse direkt an den Fahrer weiter – hier leisten die gefederten Sättel Schwerstarbeit. Die R 35/3 mit ihrer gedämpften Hinterradfederung ist auf Schweizer Landstrassen deutlich komfortabler, bleibt aber ein straffes Fahrzeug. Die Teleskopgabel vorn arbeitet nach dem Prinzip der Reibungsdämpfung (frühe Modelle) oder hydraulisch (späte Modelle) und bietet eine akzeptable Spurtreue, solange man es nicht übertreibt.

Der Kardanantrieb ist das Highlight der Performance. Er läuft ruhig und ohne das typische Peitschen einer Kette. Die Trommelbremsen sind jedoch ein Produkt ihrer Zeit. Sie verzögern zwar zuverlässig, erfordern aber eine kräftige Hand und viel Vorausschau. In den Schweizer Alpen sollte man die Motorbremswirkung des langhubigen Einzylinders konsequent nutzen, um die Trommeln nicht zu überhitzen. Bei einer Reisegeschwindigkeit von 70 bis 80 km/h fühlt sich die EMW am wohlsten – sie ist kein Raser, sondern ein Geniesser-Motorrad für die Nebenstrassen des Appenzellerlands oder des Juras.

Design & Gestaltung

Das Design der EMW R 35 ist geprägt von industrieller Funktionalität. Hier gibt es keine verspielten Linien oder unnötigen Chromzierrat. Der Pressstahlrahmen dominiert die Optik und verleiht der Maschine eine fast schon architektonische Strenge. Es ist ein Design, das aus der Notwendigkeit der Massenproduktion und Materialersparnis geboren wurde, heute aber gerade wegen seiner Ehrlichkeit und Robustheit geschätzt wird.

Der 12-Liter-Tank sitzt wie ein Sattel auf dem Rahmenrücken. Die Kotflügel sind tief gezogen und breit, um den Fahrer vor Schmutz zu schützen – ein Zugeständnis an die Zeit, als viele Strassen noch unbefestigt waren. Die Farbpalette war zeittypisch begrenzt: Die meisten Maschinen verliessen das Werk in klassischem Schwarz oder einem dunklen Grau, oft verziert mit feinen, handgezogenen weissen Zierlinien (Pinstripes).

Das wichtigste Designelement für Sammler ist das Emblem. Die frühen Eisenacher Modelle trugen das BMW-Logo. Nach 1952 wurde das rot-weisse EMW-Logo eingeführt, das in seiner Formgebung fast identisch mit dem Münchener Vorbild ist, aber durch den Farbwechsel eine völlig neue politische und historische Bedeutung erhielt. Dieser "rote Propeller" ist heute das Markenzeichen der Eisenacher und macht jede R 35 sofort als Ost-Klassiker erkennbar.

Die Gestaltung der Sättel änderte sich ebenfalls über die Jahre. Während die frühen BMW-Versionen oft Einzelsättel von Pagusa oder Framo hatten, bekamen die späteren EMW-Modelle oft eine zentral gefederte Sattelkonstruktion, die optisch massiver wirkte. Insgesamt ist die EMW R 35 ein Paradebeispiel für das Form-follows-Function-Prinzip der frühen Nachkriegsjahre.

Sonstiges: EMW in der Schweiz

Obwohl die EMW R 35 primär für den Bedarf in der DDR und den Export in sozialistische Bruderstaaten produziert wurde, fanden über die Jahrzehnte immer wieder Exemplare den Weg in den Westen und schliesslich in die Schweiz. In der Schweizer Oldtimer-Szene geniesst die EMW einen besonderen Status als "der andere Boxer-Verwandte" (auch wenn es ein Einzylinder ist).

Ein interessanter Aspekt für Schweizer Besitzer ist die Ersatzteilversorgung. Da viele Teile mit der Vorkriegs-BMW R 35 identisch sind, gibt es eine gute Verfügbarkeit über spezialisierte Händler in Deutschland. In der Schweiz gibt es zudem eine aktive Szene von Vorkriegs-BMW-Spezialisten, die sich auch mit der Eisenacher Technik bestens auskennen. Wer eine EMW in der Schweiz unterhält, profitiert von der hohen Qualität der hiesigen Restaurationsbetriebe, die oft auch für diese ostdeutschen Maschinen ihr ganzes Know-how einsetzen.

In der Popkultur und bei Oldtimer-Treffen wie dem "Swiss Classic World" in Luzern ist die EMW oft ein kleiner Star. Sie provoziert Fragen, regt zu Gesprächen über die deutsche Teilung an und wird oft fälschlicherweise für eine "echte" Münchener BMW gehalten – was dem Besitzer die perfekte Steilvorlage für eine kleine Geschichtsstunde bietet.

Fazit

Die EMW R 35 ist weit mehr als nur ein Motorrad; sie ist ein rollendes Geschichtsbuch. Für Sammler in der Schweiz bietet sie die seltene Gelegenheit, ein technisch ausgereiftes Vorkriegsdesign in einer interessanten Nachkriegsvariante zu besitzen. Sie ist robust, wartungsfreundlich und dank des Kardanantriebs ein zuverlässiger Begleiter für klassische Ausfahrten.

Wer eine EMW kauft, entscheidet sich gegen den Mainstream der perfekt restaurierten Münchener Maschinen und für einen Klassiker mit Ecken, Kanten und einer bewegten Biografie. Ob als Solomaschine oder als uriges Gespann mit Stoye-Beiwagen – die EMW R 35 bleibt ein charakterstarkes Statement auf Schweizer Strassen. Mit stabilen Preisen und einer treuen Fangemeinde ist sie zudem eine solide Wertanlage für alle, die Freude an authentischer Technik und gelebter Geschichte haben.