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Mercedes Vorkriegs-Oldtimer kaufen

Vor 1926 stand Mercedes fuer die eigenstaendige Pioniermarke von Daimler-Motoren-Gesellschaft: vom 35 PS von 1901 bis zu den grossen Tourenwagen der fruehen 1920er-Jahre. Finden Sie seltene Vorkriegs-Mercedes mit nachvollziehbarer Historie, passender Karosserie und Substanz fuer Schweizer Strassen.

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Suchergebnisse

Mercedes (DMG) 15/20 PS Runabout 1909
1 / 6

1909 | Mercedes 15/20 PS

Ein Flitzer (Runabout) aus der Messingzeit

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"Mercedes" Inserats-Referenzen von Classic Trader

Im Folgenden finden Sie Inserate zu Ihrer Suche, die nicht mehr auf Classic Trader verfügbar sind. Für eine bessere Kaufentscheidung können Sie sich mit Hilfe dieser Informationen ein besseres Bild über Verfügbarkeit, Wertentwicklung und aktuellen Preis eines "Mercedes" machen.

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Bild 1/11 von Mercedes 15/20 PS (1910)

1910 | Mercedes 15/20 PS

Preis auf Anfragevor 3 Jahren
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Bild 1/41 von Mercedes 28/95 PS (1924)

1924 | Mercedes 28/95 PS

MATCHING NUMBERS | MERCEDES-BENZ ZERTIFIKAT | ERSTKLASSIGE RESTAURIERUNG

CHF 939'560vor 3 Jahren
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Bild 1/30 von Mercedes 22/50 PS (1915)

1915 | Mercedes 22/50 PS

CHF 558'401vor 5 Jahren
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Bild 1/15 von Mercedes 15/70/100 PS (1925)

1925 | Mercedes 15/70/100 PS

1925 Mercedes-Benz 15/70/100 PS Offener Tourenwagen

Preis auf Anfragevor 10 Jahren
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Bild 1/15 von Mercedes 22/50 PS (1915)

1915 | Mercedes 22/50 PS

| 22/50 hp | 1.Platz CONCOURS D'ELEGANCE SCHWETZ

CHF 735'471vor 11 Jahren
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Bild 1/24 von Mercedes 22/50 PS (1915)

1915 | Mercedes 22/50 PS

22/50 Siebensitzer Open Tourer

CHF 626'373vor 12 Jahren
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Geschichte & Erbe

Der Name Mercedes erschien zuerst im Umfeld des Unternehmers und DMG-Haendlers Emil Jellinek. Er verwendete Mercédès, den Namen seiner Tochter, bereits als Pseudonym im Rennsport. Im April 1900 vereinbarten Jellinek und DMG einen neuen Motor unter der Bezeichnung Daimler-Mercedes. Daraus wurde eine eigenstaendige Modellbezeichnung und bald eine Marke.

Der entscheidende Wagen war der von Wilhelm Maybach entwickelte Mercedes 35 PS. Das erste Fahrzeug wurde am 22. November 1900 fertiggestellt, erprobt und konstruktiv nachgebessert. Am 22. Dezember 1900 lieferte DMG den ersten 35 PS an Jellinek nach Nizza. Mit seinem tief eingebauten, leichten Vierzylinder, langem Radstand, breiter Spur und dem in die Front integrierten Wabenkuehler war er kein motorisierter Kutschenaufbau mehr. Er gilt deshalb zu Recht als ein fruehes Muster des modernen Automobils.

Im Maerz 1901 lieferte die Rennwoche von Nizza den Beweis. Wilhelm Werner gewann auf dem 35 PS des Barons Henri de Rothschild die 392 Kilometer lange Fernfahrt Nizza–Salon–Aix–Sénas–Salon–Nizza, den Sprint in Nizza und das Bergrennen Nizza–La Turbie. Die Durchschnittsgeschwindigkeit am Berg stieg auf 51,4 km/h, die Spitzengeschwindigkeit betrug 86 km/h. Der Erfolg war nicht bloss Werbung: Er machte sichtbar, dass die neue Gewichtsverteilung, Kuehlung und Fahrwerksauslegung auf realen Strassen funktionierten.

DMG baute die Baureihe rasch aus. 1901 kamen der 12/16 PS und der kleinere 8/11 PS hinzu. Ab 1902 hiessen die leistungsstarken Modelle Mercedes-Simplex. Der Name versprach im damaligen Vergleich eine vereinfachte, besser beherrschbare Bedienung. Fuer Sammler stehen vor allem der 28/32 PS, 40 PS und der gewaltige Simplex 60 HP fuer diese fruehe Leistungsepoche. Der 60 HP war von 1903 bis 1905 der Gipfel: Tourenwagen, Rennwagen und Statusobjekt in einem.

Nach dem Ausscheiden Maybachs praegten Paul Daimler und danach Ferdinand Porsche die Marke. Vor dem Ersten Weltkrieg entstanden solide, grosse Ketten- und spaeter Kardanantriebswagen wie 18/28 PS, 22/40 PS und 35 PS. Die Fahrzeuge waren keine Billigware, sondern technisch anspruchsvolle Luxusautomobile fuer eine internationale Kundschaft. Nach dem Krieg erschwerten Inflation, Materialknappheit und ein kleiner gewordener Markt die Lage. 1926 fusionierten DMG und Benz & Cie. zur Daimler-Benz AG; seither lautete der Markenname Mercedes-Benz. Genau dort endet die hier behandelte Mercedes-Marke.

Highlights & Besonderheiten

Die wichtigsten Mercedes dieser Periode verbindet nicht einfach ein Stern oder ein Chromgrill, sondern ein anderer Konstruktionsansatz. Der 35 PS stellte Motor, Rahmen, Kupplung, Kuehlung und Sitzposition als zusammenhaengendes System dar. Sein Motor sass vorn und tief im gepressten Stahlrahmen; die Karosserie folgte der Mechanik. Dieses Prinzip wirkt heute selbstverstaendlich, war um 1900 aber ein klarer Bruch mit hohen, kippanfälligen Motorkutschen.

Herzstueck des 35 PS ist der 5,9-Liter-Vierzylinder mit 35 PS bei 950/min. Der von Maybach entwickelte Wabenkuehler arbeitet mit einer grossen Zahl kleiner, quadratischer Luftkanaele. Gegenueber dem frueheren Rohrkuehler brachte er erheblich mehr Kuehlflaeche und reduzierte den Wasservorrat auf neun Liter. Sein rechteckiges Gesicht praegte den Wagen optisch ebenso wie technisch. Bei der Besichtigung darf ein solcher Kuehler nie als beliebiges Zubehoerteil behandelt werden: Material, Loetstellen, Verschluss, Wasserpumpe und korrekte Einbindung in die Front sind wertbildend.

Der Mercedes-Simplex 60 HP zeigt, wie schnell sich das Konzept weiterentwickelte. Sein 9,236-Liter-Vierzylinder leistete 60 HP bei 1'100/min. Das reicht nicht als nackte Zahl: Der grosse, langhubige Motor, die aufwendige Kraftuebertragung und der lange Rahmen verlangten nach einem kundigen Fahrer, machten aber auch hohe Dauergeschwindigkeiten auf damaligen Fernstrassen moeglich. Von diesem Typ entstanden 102 Fahrzeuge; heute sind nur fuenf erhalten. Die Seltenheit erklaert, weshalb ein belegtes Originalfahrzeug und ein spaeter zusammengestellter Wagen nicht im selben Marktsegment stehen.

Bei den Tourenwagen der 1910er-Jahre sind die 22/40 PS besonders interessant. Der 5'623-cm³-T-Kopf-Vierzylinder leistet 40 PS bei 1'230/min und besitzt zwei Nockenwellen, Druckkuehlung sowie Doppelzuendung durch Magnet und Batterie. Die Colonial-Ausfuehrung mit Doppelkettenantrieb, mehr Bodenfreiheit und breiter Spur war fuer schlechtere Strassen gedacht. Solche Varianten zeigen: Mercedes bot nicht nur Rennprestige, sondern auch kundenspezifische Loesungen fuer Exportmaerkte an.

Wichtig fuer jeden Kauf ist die Karosseriefrage. Ein Chassis konnte bei Lieferungen mit Tourenwagen-, Phaeton-, Limousinen- oder Landaulet-Aufbau bestellt und in seinem Leben umkarossiert werden. Das ist bei einem Edwardianer nicht automatisch ein Makel. Entscheidend sind jedoch Auslieferungsdaten, Fotos, Karosseriebauer, Umbauzeitpunkt und technische Stimmigkeit. Ein neuer Aufbau muss offen beschrieben sein; eine originale, dokumentierte Karosserie kann den historischen und finanziellen Stellenwert erheblich veraendern.

Technik

Die Tabelle hilft beim Einordnen, ersetzt aber nie die Chassisakte. Zeitgenoessische Nennungen sind nicht immer einheitlich: PS, HP, Steuer-PS und effektive Leistung koennen verschieden verwendet werden. Auch Hubraum, Achsuebersetzung, Kuehlung und Karosserie variierten teils nach Bestellung. Kaufinteressenten sollten daher die Motornummer, Fahrgestellnummer, Achsen, Getriebegehaeuse und den Aufbau nicht nur mit einem Inserat, sondern mit Werksunterlagen, Fachliteratur und einem Markenspezialisten abgleichen.

Marktübersicht und Kauftipps

Der Markt fuer Vorkriegs-Mercedes ist extrem klein und nicht mit dem breiten Markt spaeterer Mercedes-Benz zu verwechseln. Es gibt weder eine verlässliche, pauschale Preisliste noch eine ehrliche "Mercedes-Preisspanne". Wert entsteht aus Modell, Ueberlebensrate, Karosserie, Renngeschichte, Originalitaet, Restaurierungsqualitaet und vor allem aus einer geschlossenen Provenienz. Wer nur nach dem niedrigsten Angebot sucht, riskiert bei einem Fahrzeug von 1900 bis 1925 schnell ein unvollstaendiges Objekt mit Kosten, die sich nicht kalkulieren lassen.

Die wenigen aktuellen Auktionen verdeutlichen diese Spreizung, ohne einen Marktwert zu fingieren. Gooding Christie’s verkaufte 2024 den 1903 Mercedes-Simplex 60 HP "Roi des Belges" fuer 12'105'000 USD. Dieses Ergebnis betrifft ein aussergewoehnliches Fahrzeug: 121 Jahre in einer Familie, dokumentierte Wettbewerbshistorie, erhaltener Rothschild-Aufbau und eine der wenigen bekannten 60-HP-Existenz. Es ist ein Referenzresultat fuer Spitzenprovenienz, kein Richtpreis fuer jeden Simplex.

Bonhams erzielte im Dezember 2024 fuer einen 1910 Mercedes 35 PS Landaulet 109'250 GBP inklusive Aufgeld. Das Los war 49 Jahre in einer Familie, in den 1970er-Jahren restauriert und vor dem Verkauf wieder in Betrieb genommen worden. Bonhams nannte zugleich einen spaeteren Aufbau und einen frueheren 8,5-Liter-Motor als urspruenglich geliefert. Gerade dieser transparente Hinweis ist lehrreich: Eine Abweichung muss nicht den Kauf ausschliessen, sie muss aber im Preis, in der Zulassungsplanung und in der Beschreibung klar enthalten sein.

RM Sotheby’s verzeichnete 2025 fuer einen 1911 Mercedes 22/40 HP Colonial Double Phaeton 187'000 USD. Das Fahrzeug war urspruenglich nach Buenos Aires geliefert worden, besass Bauunterlagen und stand lange im Indianapolis Motor Speedway Museum. Seine Colonial-Spezifikation, der Doppelkettenantrieb und die belegte Exportgeschichte machen es zu einem konkreten Vergleich fuer dokumentierte Tourenwagen, nicht fuer einen 35-PS-Sportwagen oder einen 60-HP-Concoursstar.

Vor dem Gebot gehoeren mindestens diese Punkte auf die Liste:

  • Provenienz: Lueckenlose Besitzfolge, Auslieferungskarte, alte Zulassungen, Fotos, Rechnungen und Korrespondenz einsehen. Bei Chassis mit Umbauten braucht es Daten und Bilder statt Vermutungen.
  • Nummern und Identitaet: Rahmennummer, Motor, Getriebe, Achsen, Karosserieplaketten und Beschlagteile mit einer sachkundigen Person prüfen. Nicht nur eine Nummer, sondern die Plausibilitaet des ganzen Fahrzeugs zaehlt.
  • Motor und Kuehlung: Kaltstart, Oeldruck falls vorhanden, Magnetzuendung, Batteriezuendung, Vergaser, Wasserpumpe, Zu- und Ruecklauf sowie den Wabenkuehler kontrollieren. Ueberhitzung oder Leckagen sind bei solchen Motoren keine Bagatelle.
  • Fahrwerk und Bremsen: Speichenraeder, Felgen, Naben, Ketten oder Kardanwelle, Blattfedern, Lenkung, Bremszuege und Pedalerie sind sicherheitsrelevant. Eine historische Fahrweise entschuldigt kein ausgeschlagenes Lenkgestaenge.
  • Holz und Aufbau: Unter dem Lack nach weichem Eschenholz, Feuchtigkeit, Rissen, falschen Schrauben und unstimmigen Tuerfugen suchen. Sattlerarbeiten, Leder, Verdeck und Beschlaege koennen sehr teuer werden.

Fuer die Schweiz ist die MFK Teil des Kaufs, nicht ein Nachgedanke. Ein Fachbetrieb mit Erfahrung in Veteranenfahrzeugen sollte vor dem Import pruefen, ob Beleuchtung, Bereifung, Bremsen, Lenkung, Signalisation und Dokumente zur kantonalen Zulassung passen. Veteranenstatus (Code 180) setzt unter anderem mindestens 30 Jahre Alter, einen optisch und technisch sehr guten Zustand, zeitgenossische Ersatzteile oder Umbauten und eingeschraenkte Nutzung voraus; die Details koennen kantonal variieren. Eine Schweizer FIVA ID Card kann bei Zweifeln als Originalitaetsnachweis verlangt werden.

Beim Import sind Kaufvertrag oder Rechnung, auslaendischer Fahrzeugausweis, Identitaetspapiere und die Zollanmeldung bereitzuhalten. Das Bundesamt fuer Zoll und Grenzsicherheit verlangt die spontane Anmeldung zur definitiven Einfuhr; als Zulassungsnachweis dient danach Formular 13.20 A. Fuer Personenwagen fallen grundsaetzlich 4 Prozent Automobilsteuer und 8,1 Prozent Mehrwertsteuer auf der massgeblichen Bemessungsgrundlage an. Bei EU/EFTA-Ursprung kann ein geeigneter Ursprungsnachweis die Zollabgabe beeinflussen. Deshalb vor dem Zuschlag Herkunft, Transport, Wechselkurs, Versicherung, Verzollung und MFK-Aufbereitung in CHF rechnen und die Zollstelle oder einen erfahrenen Spediteur frueh einbeziehen.

Ein unabhaengiger Vorkriegs- und Veteranenspezialist sollte die Besichtigung begleiten. Bei einem Simplex oder 22/40 PS genuegt keine moderne Occasionen-Checkliste: Er muss Bauart, Messing, Kettenantrieb, historische Magnetzuendung, Holzrahmen und die MFK-Praxis kennen. Die Gebuehr fuer diese Expertise ist gegenueber einem falschen Motor, faulen Holzrahmen oder ungeeigneten Importpapieren gering.

Fahrerlebnis

Ein echter Mercedes dieser Zeit verlangt Aufmerksamkeit und belohnt sie mit einer sehr unmittelbaren Mechanik. Im 35 PS sitzt der Fahrer nicht hinter einer komfortablen, entkoppelten Maschine, sondern nahe an Motor, Gestänge, Pedalen und Fahrtwind. Das tiefe Chassis wirkt im Vergleich zur hochbeinigen Vorkriegskutsche erstaunlich gesetzt. Trotzdem bleibt jede Fahrt eine Aufgabe: Strecke lesen, Abstand planen, Motor beobachten und die Masse des Wagens respektieren.

Der 35 PS fuehlt sich dank langem Radstand und niedriger Lage deutlich moderner an, als sein Baujahr erwarten laesst. Sein Vierzylinder liefert Kraft bei niedrigen Drehzahlen, die Schaltung will aber sauber und ohne Hast bedient werden. Die Bremsen, Reifen und Lenkung haben mit heutigen Erwartungen nichts gemein. Auf einer ruhigen Schweizer Landstrasse ist nicht Tempo der Punkt, sondern das Gefuehl, eine technische Zeitenwende zu bewegen.

Im Simplex 60 HP kommt dazu eine fast einschuechternde Souveraenitaet. Der riesige Motor zieht den grossen Wagen mit Druck, waehrend offener Aufbau, langer Vorderwagen und die sichtbaren Details jede Ausfahrt zum Ereignis machen. Ein 22/40 PS ist eher der kultivierte Reisewagen: weniger dramatisch als ein 60 HP, aber mit viel Drehmoment und Substanz fuer Etappen. Keiner dieser Wagen ist fuer dichten Stadtverkehr oder spontane Passhatz gemacht. Mit geschulter Begleitung, guter Vorbereitung und passenden Nebenstrassen sind sie jedoch ausserordentlich eindrucksvoll.

Design & Karosseriebau

Der 35 PS begruendete eine eigene Formensprache. Der Wabenkuehler stand nicht wie ein nachtraegliches Bauteil vor der Kutsche, sondern gab der Front eine klare Architektur. Lange Haube, tiefer Rahmen und die nach hinten gesetzte Passagierzone ergaben eine gestreckte Silhouette. Das Design entstand aus Technik, nicht aus Nostalgie. Gerade deshalb ist ein korrekter Kuehler, eine stimmige Haubenlinie und die richtige Sitzposition wichtiger als auffaelliger Hochglanzlack.

Beim Simplex wuchs alles in die Groesse: Motorhaube, Radstand, Kotfluegel und gesellschaftlicher Anspruch. Karosseriebauer wie J. Rothschild et Fils in Paris kleideten die Chassis als Roi des Belges, Phaeton, Tourer oder formale Limousine ein. Mercedes lieferte damit eine Plattform, auf der Kunden ihre eigene Vorstellung von Sport, Reise oder Repraesentation realisierten. Ein guter Aufbau darf Patina tragen; er soll aber in Proportion, Holzarbeit, Beschlaegen und Dokumentation stimmig sein.

Die Wagen der 1910er-Jahre zeigen den Uebergang zu massiveren Luxusautos. Landaulets boten eine geschuetzte hintere Reiseposition, Doppelphaetons die offene Gesellschaftsfahrt. Beim Colonial kamen funktionale Merkmale dazu: hoeherer Bodenabstand, breite Spur und robuste Ketten. Fuer Schweizer Kaeufer ist die Aufbautypfrage auch praktisch: Ein offener Wagen verlangt nach trockenem Stellplatz, Sattlerkompetenz und sorgfaeltigem Wetterschutz; eine Limousine stellt andere Anforderungen an Holz, Glas und Tuermechanik.

Motorsport, Export & Quellen

Die Rennwoche von Nizza 1901 bleibt der zentrale sportliche Beleg fuer die Mercedes-Idee. Der Sieg bei der Fernfahrt, im Sprint und am Berg verband technische Innovation mit einer aussergewoehnlich wirksamen internationalen Bühne. Beim Simplex 60 HP setzten sich Renn- und Reisewagen weiter gegenseitig unter Druck: Ein Fahrzeug konnte zum Wettbewerb fahren, antreten und danach weiterreisen. Diese Doppelnatur erklaert seinen Rang in der Sammlerwelt.

Auch Export ist Teil der Geschichte. Der 1911er 22/40 HP von RM Sotheby’s wurde fuer Argentinien gebaut, mit Beschriftungen auf Franzoesisch, Deutsch und Spanisch sowie Colonial-Raedern fuer schwierigere Wege. Solche Details machen ein Fahrzeug nicht nur exotisch, sondern pruefbar: Aufbaukarte, Lieferziel, Spezifikation und spaetere Besitzgeschichte koennen zusammen eine belastbare Provenienz ergeben.

Weiterfuehrende Quellen fuer die Kaufpruefung: Mercedes-Benz Public Archive zur ersten Mercedes-Modellreihe und zum 35 PS; Gooding Christie’s, Los 1903 Mercedes-Simplex 60 HP Roi des Belges (2024); Bonhams, Los 1910 Mercedes 35 PS Landaulet, 12. Dezember 2024; RM Sotheby’s, Los 1911 Mercedes 22/40 HP Colonial Double Phaeton, Hershey 2025; sowie das Bundesamt fuer Zoll und Grenzsicherheit zu Fahrzeugeinfuhr und die kantonale Zulassungsstelle fuer die konkrete MFK. Primarquellen und Fahrzeugakten haben bei jeder Kaufentscheidung Vorrang vor Sekundaerangaben.

Fazit

Mercedes vor 1926 ist ein eigenstaendiges Kapitel der Automobilgeschichte. Der 35 PS von 1900 brachte das moderne Fahrzeugkonzept in eine klare Form, der Simplex 60 HP fuehrte es zur Spitzenleistung, und die Tourenwagen der 1910er-Jahre verbanden Luxus mit internationaler Reisetauglichkeit. Nach der Fusion 1926 beginnt Mercedes-Benz; beim Kauf muss diese begriffliche Grenze sauber bleiben.

Finden Sie einen Mercedes Oldtimer nicht nach einem pauschalen Preis, sondern nach Akte, Substanz und Verwendungsziel. Ein Spitzen-Simplex mit unangreifbarer Historie ist etwas grundsaetzlich anderes als ein spaeter umkarossierter Tourenwagen. Fuer die Schweiz entscheiden zusaetzlich Importbelege, CHF-Gesamtkalkulation, MFK-Faehigkeit und die Vorabnahme durch einen Veteranenspezialisten. Wer diese Arbeit vor dem Kauf macht, erwirbt nicht bloss ein seltenes Auto, sondern ein glaubwuerdiges Stück der Mercedes-Geschichte.

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