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Dallara ist fuer viele Sammler kein klassischer Serienhersteller, sondern der heimliche Konstrukteur des modernen Motorsports. Gerade diese Mischung aus Formel-3-Dominanz, Motor-Valley-Herkunft und extrem seltenen Strassenautos macht die Marke in der Schweiz so spannend.
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1992 | Dallara F392 Formula 3
Ex Giancarlo Fisichella
"Dallara" Inserats-Referenzen von Classic Trader
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1992 | Dallara F392 Formula 3

2007 | Dallara IR-05
2007 Dallara-Honda IR-05

1992 | Dallara F392 Formula 3

1991 | Dallara F391

2019 | Dallara Stradale
2019 Dallara Stradale

1993 | Dallara F393
Federale Renault

1992 | Dallara BMS192
ESTIMATE: 350.000/390.000 EURO - BIDS STARTING FROM EURO 50.000
Geschichte und Herkunft
Dallara ist als Sammlermarke ein Sonderfall. Wer einen Dallara sucht, kauft selten bloss ein Auto; meist kauft er einen direkten Zugang zur Konstrukteursgeschichte des modernen Motorsports. Der Name geht auf Giampaolo Dallara zurueck, geboren 1936, ausgebildet als Luftfahrtingenieur am Politecnico di Milano und danach taetig bei Ferrari, Maserati und Lamborghini. Besonders wichtig fuer das Markenverstaendnis ist seine Rolle in Sant'Agata: Dallara war massgeblich an der technischen Entwicklung des Lamborghini Miura beteiligt, also jenem Mittelmotor-Supersportwagen, der die Gattung des modernen Exoten entscheidend gepraegt hat.
1972 gruendete er in Varano de' Melegari seine eigene Firma. Das ist fuer Schweizer Interessenten mehr als eine Fussnote. Varano liegt in der Emilia-Romagna, also mitten in der Motor Valley zwischen Parma, Modena und Bologna. Vom Tessin aus ist diese Welt greifbar nah, von Zuerich oder Luzern aus mit einem langen Wochenendtrip erreichbar. Genau diese geographische Naehe erklaert mit, weshalb Schweizer Sammler seit Jahrzehnten eine besondere Beziehung zu italienischen Sport- und Rennmarken pflegen: Die kulturelle Distanz ist klein, die technische Faszination gross.
Das erste eigene Fahrzeug war die SP1000, ein kleiner Sportprototyp mit zentraler Sitzposition. Schon hier erkennt man die DNA, die Dallara spaeter beruehmt machte: minimales Gewicht, durchdachte Aerodynamik und kompromisslose Konzentration auf Fahrdynamik. Parallel arbeitete das Unternehmen fuer andere Hersteller, unter anderem an Lancia-Rennprojekten wie dem Stratos und dem Beta Montecarlo. Der eigentliche Durchbruch kam aber mit dem Formelsport.
Ab Ende der 1970er-Jahre entwickelte sich Dallara zum Massstab in der Formel 3. Modelle wie F381, F385, F392, F395 und F396 wurden zu eigentlichen Talentschmieden fuer spaetere Grand-Prix-Fahrer. In den 1990er-Jahren war die Dominanz so gross, dass Dallara fuer viele Teams faktisch alternativlos wurde. Wer heute einen historischen Dallara-F3 kauft, erwirbt also nicht irgendeinen Monoposto, sondern ein Fahrzeug aus jener Schule, in der spaetere Namen wie Jean Alesi, Giancarlo Fisichella, Jarno Trulli, Juan Pablo Montoya oder Sébastien Bourdais ihr Handwerk verfeinerten.
Parallel dazu baute Dallara seine Rolle als Konstrukteur immer weiter aus. In den USA wurde die Marke zum prae-genden Namen des IndyCar-Sports; seit 2012 stammt das komplette Chassis-Fundament der Serie von Dallara. Hinzu kommen heutige Einheitsfahrzeuge fuer FIA Formula 2, FIA Formula 3, Super Formula, Formula E und weitere Nachwuchs- oder Profiklassen. Damit hat Dallara im Sammlermarkt ein Alleinstellungsmerkmal: Kaum ein anderer Hersteller ist in der Gegenwart des Rennsports so einflussreich und gleichzeitig auf der Strasse so selten.
Die Strassenkapitel begannen offiziell erst 2017 mit dem Dallara Stradale. Das war kein Marketing-Gag, sondern die spaete Verwirklichung eines alten Ingenieurtraums: eine leichte, mechanisch direkte, aerodynamisch ernst gemeinte Strassenmaschine mit Kennzeichen. 2021 folgte der EXP als noch schraeger Track-Day-Ableger. 2024 entstand mit dem MPS Monoposto zudem ein Einzelstueck mit zentraler Sitzposition, das 2026 bei RM Sotheby's in Monaco fuer EUR 1'000'000 verkauft wurde. Spaetestens damit war klar: Der Name Dallara traegt inzwischen auch im Sammlermarkt erhebliches Gewicht.
Highlights und Sammlerprofil
Was Dallara von fast allen anderen Marken unterscheidet, ist die Glaubwuerdigkeit. Die Marke muss keine Motorsportgeschichte erfinden oder nostalgisch aufladen - sie baut sie bis heute selbst. Genau daraus entstehen fuer Sammler mehrere sehr unterschiedliche, aber starke Zugangswege.
Erstens ist da die Welt der Formel-3-Chassis. Wer einen F392, F395 oder F396 kauft, erwirbt einen historisch relevanten Rennwagen, der oft noch relativ erreichbar ist. Anders als bei Formel-1-Fahrzeugen bleiben Einsatz, Wartung und Eventfaehigkeit in einem Rahmen, den engagierte Privatsammler mit Spezialisten noch bewaeltigen koennen. Fuer europaeische Historic-Events ist Dallara deshalb oft die erste Wahl.
Zweitens steht der Stradale im Zentrum des heutigen Interesses. Er ist Dallaras einziges echtes Serien-Strassenauto, aber eben kein normales Serienauto. Die Basis ist eine Carbon-Monocoque-Struktur, dazu modulare Aufbauten als Barchetta, Spider, Targa oder Coupé. Keine Tueren in der Grundform, wenig Komfortballast, kaum ueberfluessige Elektronik - dafuer viel Luftstrom, viel Grip und eine Fahrweise, die eher an einen Rennwagen mit Nummernschild erinnert als an einen klassischen Supersportler.
Drittens gibt es den EXP, also die radikalisierte Pistenfassung mit mehr Leistung, mehr Abtrieb und engerem Nutzungsprofil. Er ist sammlerisch spannender, als es die kleine Produktionszahl allein vermuten laesst, weil er den Stradale nicht ersetzt, sondern dessen Philosophie auf die Spitze treibt. Fuer Schweizer Kauefer ist das ein Nischenprodukt fuer Besitzer mit Hangar, Trailer oder direkter Rennstreckenroutine - aber gerade deshalb reizvoll.
Viertens verdient das MPS Monoposto Aufmerksamkeit. Ein Einzelstueck im Markt ist nicht automatisch relevant; hier ist es anders. Das Auto verbindet Dallaras Urspruenge mit heutiger Technologie, nimmt die zentrale Sitzposition der fruehen SP1000 wieder auf und wurde obendrein mit einem spektakulaeren Wohltatigkeitshintergrund verkauft. Solche Fahrzeuge definieren Preisobergrenzen und Markenwahrnehmung fuer Jahre.
Fuer Schweizer Sammler ist Dallara besonders interessant, wenn bereits eine Affinitaet zu italienischen Motorsportmarken vorhanden ist. Wer Ferrari, Alfa Romeo, Lancia oder Abarth wegen ihrer Rennsportvergangenheit schaetzt, findet in Dallara eine viel seltenere, technisch oft noch puristischere Alternative. Der Unterschied ist nur: Dallara steht weniger fuer Concours-Prestige und mehr fuer Ingenieurskultur. Genau das macht die Marke in kundigen Sammlerkreisen begehrt.
Technik
Die Stradale-Technik ist fuer Kauefer der wichtigste Referenzpunkt. Offizielle Dallara-Daten nennen 855 kg Trockengewicht, 400 PS, 500 Nm, 0-100 km/h in 3,25 Sekunden, 280 km/h Spitze und in Track-Konfiguration bis zu 855 kg Abtrieb - also ein bemerkenswertes 1:1-Verhaeltnis von Gewicht zu Downforce. Der Motor stammt aus der Ford-EcoBoost-Familie, wurde aber fuer Dallara neu abgestimmt. Vorne und hinten arbeitet eine Doppelquerlenkerachse, die Daempfer sind verstellbar, das Auto liegt extrem tief und lebt von sauberer Aerobalance statt von brachialer Zylinderzahl.
2025 erhielt der Stradale ein werksseitiges Update mit zusätzlichen Louvres, ueberarbeiteter Bremskuehlung, verfeinerter Fahrwerksabstimmung und verbessertem Kraftstoffsystem fuer hohe Querbeschleunigungen. Das ist fuer den Markt wichtig, weil fruehe Autos und aktualisierte Fahrzeuge inzwischen klar voneinander zu unterscheiden sind. Schweizer Kauefer sollten deshalb genau pruefen, ob ein angebotenes Fahrzeug bereits den neueren Stand hat oder auf diesen umgeruestet wurde.
Beim EXP steigt die Leistung auf 500 PS, das Drehmoment auf rund 700 Nm, der Abtrieb auf bis zu 1'250 kg bei hohem Tempo. Dazu kommt zwingend das sequenzielle Getriebe. Die Konstruktion bleibt eng mit dem Stradale verwandt, aber der Charakter aendert sich fundamental: weniger Strassenkompromiss, mehr Rennstreckenlogik.
Die historischen F3-Dallaras sind technisch viel einfacher, aber keineswegs simpel. Sie leben von geringem Gewicht, klarer Mechanik, direktem Lenkgefuehl und gut dokumentierbaren Evolutionsstufen. Genau dort liegt auch der Reiz fuer Sammler: Die Fahrzeuge sind jung genug, um fahrbar zu bleiben, aber alt genug, um motorsporthistorisch relevant zu sein.
Marktübersicht und Kauftipps
Der Dallara-Markt teilt sich in der Schweiz im Grunde in drei Segmente: historische Formel-Fahrzeuge, den Stradale als Strassen-Sammlerauto und extreme Sonderformen wie EXP oder MPS. Wer diese Welten vermischt, kauft schnell am Bedarf vorbei.
1. Preisbild 2024-2026
Beim Stradale liegen belastbare Auktionsdaten vor. Ein 2022 Dallara Stradale wurde im Maerz 2026 bei Collecting Cars in Dresden fuer EUR 211'100 verkauft, umgerechnet grob CHF 198'000 bis 202'000 je nach Tageskurs. Ein 2019 Dallara Stradale Signature Edition erzielte im Januar 2026 bei Collecting Cars EUR 170'500, also rund CHF 160'000 bis 163'000. Diese beiden Resultate zeigen die aktuelle Achse recht gut: fruehere Autos mit mehr Laufleistung liegen tiefer, spaetere oder besonders begehrte Spezifikationen naehern sich der CHF-200'000-Marke.
Beim EXP ist die Datenlage duenn, aber nicht leer. Ein 2022 Dallara Stradale EXP brachte im Juni 2026 auf Bring a Trailer USD 186'000, also grob CHF 148'000 bis 152'000 vor Transport, Verzollung und Schweizer Nebenkosten. Fuer Schweizer Kauefer ist dieser Betrag deshalb nur der Anfang der Rechnung. Mit Transport, Einfuhrabgaben und eventuellen technischen Anpassungen liegt der effektive Landekostensatz deutlich hoeher.
Bei historischen Rennwagen ist der Einstieg niedriger, aber die Spannweite gross. Ein 1996 Dallara-Renault F396 wurde im Dezember 2025 bei Artcurial fuer EUR 42'140 verkauft, also rund CHF 40'000. Sehr gute, dokumentierte oder einsatzfertige F3-Autos koennen aber spuerbar darueber liegen, besonders wenn frische Revisionen, Ersatzteile und Event-Historie dabei sind. Fuer einen serioesen Schweizer Einstieg sollte man bei F3 realistisch mit CHF 35'000 bis 80'000 rechnen.
Ganz oben steht das MPS Monoposto. Der Verkauf bei RM Sotheby's Monaco 2026 fuer EUR 1'000'000 entspricht etwa CHF 940'000 bis 955'000. Dieser Wert ist kein Serienmarkt, aber ein klares Signal fuer die Markenkraft eines einzigartigen Dallara.
2. Schweizer Import- und MFK-Perspektive
Fuer Kauefer in der Schweiz ist nicht nur der Kaufpreis entscheidend, sondern die Zulassungsrealitaet. Spezialisten wie Oldierama weisen zu Recht darauf hin, dass vor einem Auslandsimport immer die Vorabklaerung mit den Papieren erfolgen sollte. Wichtig sind vor allem Zollunterlagen/Formular 13.20, Herkunftsnachweise und - wenn vorhanden - ein COC oder andere Homologationsbelege. Ein in Deutschland oder Italien zugelassenes Fahrzeug ist nicht automatisch problemlos in der Schweiz zulassungsfaehig.
Beim Stradale ist das besonders relevant. Das Auto ist zwar homologiert, aber wegen seiner modularen Bauweise, der optional tuerenlosen Konfiguration und der sehr speziellen Spezifikation sollte vor dem Kauf geklaert werden, in welcher Konfiguration das Fahrzeug in der Schweiz gefahren werden soll. Ein sauber dokumentiertes europaeisches Auto mit nachvollziehbarer Servicehistorie ist hier deutlich attraktiver als ein exotisch umgebautes Fahrzeug ohne klare Unterlagen.
Fuer aeltere Dallara-Rennwagen kommt der Veteranenstatus nur teilweise in Frage. Der TCS Zuerich nennt dafuer klare Eckpunkte: mindestens 30 Jahre alt, nur private Nutzung, durchschnittlich etwa 2'000 bis 3'000 km pro Jahr, urspruengliche Ausfuehrung sowie optisch und technisch einwandfreier Zustand. Dann kann das Pruefintervall bis auf sechs Jahre gestreckt werden. Das hilft einem historischen F3-Auto nur dann, wenn ueberhaupt eine Strassenzulassung vorgesehen oder moeglich ist; viele Monoposti bleiben realistisch reine Renn- oder Track-Objekte.
3. Worauf Schweizer Kauefer konkret achten sollten
Bei Stradale und EXP:
- Carbonstruktur und Unfallschaeden pruefen. Schon kleine Beruehrungen auf der Rennstrecke koennen bei Carbon teuer werden.
- Vollstaendigkeit der Module kontrollieren: Windschutzscheibe, T-Frame, Tueren, Dachteile, Heckfluegel, Werkzeugsatz, Lade-/Standsysteme.
- Werksservice und Updates nachvollziehen. Gerade die 2025er Verbesserungen bei Aerodynamik, Bremse und Kraftstoffversorgung sind wertrelevant.
- Fahrwerk und Dampfer auf Leckagen, Spiel und richtige Einstellung pruefen. Falsch abgestimmte Autos fuehlen sich oft härter, aber nicht schneller an.
- Bremsen und Reifen ernst nehmen. Ein wenig bewegter Stradale mit alten Trofeo-Reifen ist keine gute Sparoption, sondern ein Sicherheitsrisiko.
Bei F3-Chassis:
- Chassisnummer, Historie und Einsatzzeitraum sauber dokumentieren.
- Motorstunden seit Revision, Getriebehistorie und Zustand der Aufhaengung prüfen.
- Spare package bewerten. Ein scheinbar guenstiges Auto ohne Felgen, Uebersetzungen, Nasen, Aufhaengungsteile und Bodywork kann am Ende teurer werden als ein komplettes Set.
- Event-Eignung klaeren: FIA-/HTP-Relevanz, Lärmgrenzen, Startsystem, Sicherheitszelle, Gurt- und Loeschsystemstand.
Dallara ist in der Schweiz also kein Impulskauf. Die Marke belohnt Kauefer, die techniknah, dokumentationsbewusst und zweckklar suchen.
Fahrerlebnis
Ein Dallara Stradale faehrt sich nicht wie ein ueblicher Supersportwagen mit kleinem Motor, sondern wie ein Ingenieursexperiment, das wider Erwarten perfekt funktioniert. Schon der Einstieg macht klar, worum es geht: breite Schweller, tiefer Sitz, wenig Trennung zwischen Fahrer und Technik. Danach folgt keine Komfortinszenierung, sondern unmittelbare Rueckmeldung. Die Lenkung ist direkt, das Auto wirkt schmaler und leichter, als es optisch erscheint, und jeder saubere Lastwechsel fuehlt sich mechanisch echt an.
Auf Schweizer Nebenstrassen und Paessen ist das faszinierend, aber auch fordernd. Ein Stradale braucht einen glatten, entschlossenen Fahrer. Wo ein klassischer GT ueber Bodenwellen hinwegtraegt, will der Dallara mit klaren Eingaben und sauberer Linie gefahren werden. Genau dann zeigt sich aber seine Staerke: viel Grip, erstaunliche Praezision und eine Stabilitaet, die nicht aus Gewicht, sondern aus Abtrieb und Balance entsteht.
Der 2,3-Liter-Turbo liefert kraftvollen Schub statt opernhaften Klang. Das ist wichtig fuer die Erwartungshaltung. Wer nach V12-Drama sucht, ist falsch. Wer wissen will, wie sich 400 PS in einem 855-Kilo-Auto mit ernst gemeinter Aerodynamik anfuehlen, ist genau richtig. In der Schweiz passt das gut zu Kauefern, die weniger Boulevard als Fahrtechnik suchen.
Der EXP geht nochmals deutlich weiter. Alles wird intensiver: mehr Abtrieb, mehr Querbeschleunigung, mehr Fokus. Das ist kein Auto fuer die Fahrt ins Café, sondern fuer Besitzer, die ihre Tage nach Streckenzeit, Reifentemperatur und Setup strukturieren. Er wirkt dadurch fast wie ein Kundenrennwagen mit Dallara-Servicegedanken im Hintergrund.
Und dann die historischen F3-Dallaras: Dort wird das Erlebnis roher, lauter und kompromissloser. Die Fahrzeuge reagieren auf kleinste Lenkwinkel, verlangen saubere Zwischengas- und Schaltarbeit und machen moderne Strassenautos schlagartig schwer und abgeschirmt. Gerade fuer Schweizer Sammler, die bereits historische Bergrennen, Rundstrecken oder Demonstrationsfahrten kennen, liegt hier der vielleicht authentischste Zugang zur Marke.
Design und Formensprache
Dallara gestaltet nie zuerst fuer die Vitrine, sondern fuer die Strömung. Das ist der Kern der Markenästhetik. Die Firma kommt aus Aerodynamik, Windkanal und Leichtbau; entsprechend entstehen ihre Fahrzeuge fast immer nach dem Prinzip: erst Funktion, dann Erscheinung.
Beim Stradale ist das besonders sichtbar. Die Form wurde mit Granstudio und Lowie Vermeersch entwickelt, aber sie lebt nicht von dekorativen Linien, sondern von Luftfuehrung, geringer Stirnflaeche und modularer Nutzbarkeit. Als Barchetta ohne Tueren wirkt der Wagen beinahe wie ein offener Prototyp fuer die Strasse. Mit Windschutzscheibe, T-Frame und Fluegeltueren wird daraus ein technisch anmutendes Coupé, das dennoch immer kompakt und angespannt bleibt.
Fuer Schweizer Kauefer ist genau das reizvoll. Viele italienische Sportwagen leben stark von Theater, Dallara lebt von Praezision. Sichtcarbon, offene Flächen, funktionale Ansaugoeffnungen und der knapp geschnittene Innenraum vermitteln nicht Luxus im klassischen Sinn, sondern technische Ernsthaftigkeit.
Auch die historischen F3-Modelle folgen dieser Logik. Von Generation zu Generation wurden Nase, Seitenkaesten, Aufhaengung und Unterboden nicht aus Stilgruenden, sondern wegen Reglement, Luftstrom und Fahrbarkeit weiterentwickelt. Darum altern Dallara-Monoposti optisch erstaunlich gut: Sie sehen fast immer exakt so aus, wie sie fuer ihre Aufgabe aussehen mussten.
Das MPS Monoposto fuehrt diese Philosophie ins Extrem. Die zentrale Sitzposition, die schmale Stirnflaeche und die fast skulpturale Einplatz-Loesung erinnern bewusst an fruehe Renn- und Sportprototypen. Gerade weil das Auto nicht auf Serienproduktion ruecksicht nehmen musste, zeigt es Dallara in seiner reinsten Form.
Sonstiges: Motorsport, Schweiz und Motor Valley
Dallara ist fuer die Schweiz auch deshalb spannend, weil die hiesige Sammlerszene seit langem offen fuer italienische Motorsportkultur ist. Ferrari, Alfa Romeo, Lancia, Abarth oder Maserati geniessen hier traditionell hohe Aufmerksamkeit, und Schweizer Auktionen beweisen regelmaessig, wie stark italienische Fahrzeuge mit guter Provenienz nachgefragt werden. Dallara profitiert davon als Insider-Marke: weniger bekannt beim breiten Publikum, aber umso starker bei Kauefern, die wissen, wer die Chassis hinter grossen Rennserien liefert.
Hinzu kommt die Naehe zu Varano de' Melegari. Ein Besuch der Dallara Academy und des Werkumfelds ist fuer Schweizer Besitzer keine abstrakte Fernreise, sondern ein realistischer Teil der Markenpflege. Das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Gerade bei Nischenmarken steigt die Bindung, wenn Werk, Museum, Streckenumfeld und Servicekultur physisch erlebbar bleiben.
Dallara ist ausserdem eine Marke mit starkem Netzwerkeffekt. Ein Besitzer bewegt sich schnell in Kreisen aus Technikern, Historic-Rennfahrern, Streckenveranstaltern und Sammlern, die weniger ueber Chrom und Concours, sondern ueber Dämpferraten, Historie und Aero-Balance sprechen. Wer genau diese Szene sucht, findet bei Dallara oft mehr Substanz als bei manch lauterem Exoten.
Fazit
Dallara ist keine Marke fuer Kauefer, die bloss einen seltenen Namen oder viel Prestige auf dem Boulevard suchen. Die Faszination liegt tiefer: in Giampaolo Dallaras Ingenieursgeschichte, in der Formel-3-Dominanz, in der IndyCar-Relevanz und im spaeten, aber umso konsequenteren Schritt auf die Strasse mit dem Stradale.
Fuer Schweizer Interessenten ergeben sich daraus drei klare Wege. F3-Dallaras sind der vergleichsweise zugängliche Einstieg in echte Motorsporthistorie. Der Stradale ist das begehrteste Sammler-Strassenauto der Marke und bewegt sich inzwischen grob zwischen CHF 160'000 und 200'000 plus je nach Version, Historie und Update-Stand. EXP und MPS markieren die extreme Seite fuer Spezialisten und sehr kleine Kaeuferschichten.
Wichtig ist, vor dem Kauf nicht nur Preis und Seltenheit zu betrachten, sondern auch Importpapiere, MFK-Perspektive, Carbonzustand, Werksupdates und den tatsaechlichen Nutzungszweck. Wer das sauber trennt, bekommt mit Dallara eine der glaubwuerdigsten Sammlermarken der Gegenwart - nah an der Schweizer Enthusiastenszene, nah an der Motor Valley und weit weg vom Beliebigen.
