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Commer Oldtimer kaufen

Commer baute von 1905 bis 1983 britische Nutzfahrzeuge mit echtem Charakter – vom kompakten Cob bis zum schweren Superpoise und dem berühmten TS3-Knocker. Heute sind diese seltenen Klassiker bei Sammlern gefragt, auch in der Schweiz.

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1960 | Commer Cob

1960 Commer Cob Mark 2

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1960 | Commer TS3

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Geschichte & Erbe

Commer gehört zu den traditionsreichsten Namen im britischen Nutzfahrzeugbau. Die Marke entstand 1905 als Commercial Cars Ltd. in Süd-London, der eigentliche Aufstieg begann aber erst nach dem Umzug nach Luton im Jahr 1907. Dort entstanden über Jahrzehnte Lieferwagen, Kleinlaster und schwere Chassis für Handwerk, Handel, Militär und Spezialaufbauten. Commer war nie eine Marke für den grossen Auftritt, sondern für Präzision im Alltag – genau das macht den Reiz heute aus.

In den 1920er-Jahren wechselte Commer in den Einflussbereich von Humber und kurz darauf in die wachsende Rootes Group. Unter Rootes wurden Teile, Fahrgestelle und Motoren eng mit Hillman, Humber und anderen Konzernmarken verzahnt. Das brachte wirtschaftliche Vorteile und prägte die Modellpalette über Jahrzehnte. Viele der leichteren Fahrzeuge teilten sich Technik mit Rootes-Pkw, während grössere Baureihen auf robuste Nutzfahrzeug-Lösungen setzten.

Besonders wichtig ist der Blick auf die Nachkriegszeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg boomte der Bedarf an Lieferwagen, Kommunalfahrzeugen und mobilen Verkaufsfahrzeugen. Commer reagierte mit Baureihen, die heute zu den gefragtesten Sammelobjekten der Marke gehören: Cob, FC/PA/PB/SpaceVan, Superpoise und der QX mit TS3-Motor. Diese Fahrzeuge decken das ganze Spektrum vom kompakten Stadtlieferwagen bis zum schweren Frontlenker ab.

Der Commer Cob erschien 1956 und brachte die Marke in die Welt der kleinen, alltagstauglichen Kastenwagen. Ab 1960 stellte der FC mit seiner Frontlenker-Bauweise einen deutlichen Modernisierungsschritt dar; aus dieser Familie entwickelten sich später PB und SpaceVan. Der Superpoise stand dagegen für schwerere Aufgaben und zeigt, wie weit Commer technisch und konstruktiv denken konnte.

Eine der spannendsten technischen Eigenheiten war der Rootes TS3, ein Dreizylinder-Zweitakt-Gegenkolben-Diesel, der wegen seines Klangbilds als Commer Knocker bekannt wurde. Dieser Motor ist heute ein Gesprächsthema unter Kennern und macht schwere Commer-Fahrzeuge für Spezialisten besonders interessant. Mit der Übernahme durch Chrysler 1967 und dem späteren Ende der Marke verschwand der Name Commer zwar vom Markt, nicht aber aus den Garagen der Liebhaber.

In der Schweiz trifft Commer auf eine kleine, aber engagierte Szene. Gerade britische Nutzfahrzeuge wecken hier Interesse, weil sie anders sind als die üblichen deutschen oder italienischen Klassiker. Wer einen Commer kaufen möchte, sucht nicht nur Technik, sondern ein Stück Industriegeschichte mit britischem Charme und eigenständigem Auftritt.

Highlights & Besonderheiten

Was macht Commer für Sammler attraktiv? Vor allem die Mischung aus Seltenheit, klarer Funktionalität und grossen Unterschieden zwischen den Baureihen. Kein Commer wirkt beliebig. Jede Linie hat ihren eigenen Charakter, und genau deshalb lohnt es sich, die wichtigsten Modelle zu kennen.

Commer Cob (1956-1965): Der Cob ist der Einstieg in die Marke. Sein Format ist kompakt, die Proportionen sind freundlich, und seine Technik stammt aus dem Rootes-Umfeld. Für Sammler ist er interessant, weil er noch halbwegs überschaubar restaurierbar ist. Gute Fahrzeuge sind selten geworden, vor allem mit originaler Karosserie und sauberer Historie. Im Schweizer Markt sind solche Fahrzeuge oft besonders attraktiv, weil der Import aus dem Vereinigten Königreich zwar Aufwand bedeutet, aber ein sehr spezielles Auto auf die Strasse bringt.

Commer FC / PB / SpaceVan (1960-1983): Diese Familie ist für viele der spannendste Commer. Der Frontlenker wirkt modern, bleibt aber klar britisch. Die verschiedenen Ausführungen zeigen, wie vielseitig das Konzept war: Lieferwagen, Camper, Servicefahrzeug oder Spezialumbau. In der Schweiz sind solche Fahrzeuge besonders interessant für Liebhaber, die etwas Praktisches mit Charakter suchen.

Commer Superpoise (1939-1961): Der Superpoise steht für die schwere Seite der Marke. Diese Fahrzeuge sind seltener, oft grösser und technisch anspruchsvoller. Für Sammler ist das keine Massenware, sondern ein Bereich für Kenner mit Platz, Zeit und dem nötigen Netzwerk für Ersatzteile und Fachwissen.

Commer QX mit TS3 (1948-1960er): Der QX mit dem legendären TS3-Gegenkolben-Diesel ist die technische Krone der Marke. Der Dreizylinder-Zweitakt mit sechs Kolben und 105 PS aus 3,26 Litern Hubraum ermöglichte die Frontlenker-Bauweise und prägte den Sound einer ganzen Generation britischer Lastwagen. Für Schweizer Enthusiasten ist der Knocker ein absolutes Spezialobjekt.

Gerade diese Modellvielfalt macht die Marke stark. Wer Commer kauft, entscheidet nicht nur nach Preis, sondern nach Einsatz, Stil und Authentizität. Vom restaurierten Werbe- oder Eiswagen bis zum einfachen Transporter ist alles möglich.

Technische Daten

Besondere Erwähnung verdient der TS3: ein aufgeladener Dreizylinder-Diesel mit sechs Kolben, rund 366 Nm Drehmoment bei niedriger Drehzahl und kompakter Bauweise für Frontlenker-Fahrzeuge. Gerade weil dieses Aggregat konstruktiv so aussergewöhnlich ist, bildet es bis heute den technischen Kern der Commer-Faszination.

Marktübersicht und Kauftipps

Der Commer-Markt ist in der Schweiz klein, international und stark importgetrieben. Anders als bei Porsche, Mercedes-Benz oder VW existiert hier kaum ein nennenswerter Inlandsbestand. Die meisten Fahrzeuge kommen aus Grossbritannien, vereinzelt aus den Niederlanden, Australien oder Neuseeland. Für Schweizer Käufer heisst das: Der eigentliche Kaufpreis ist nur ein Teil der Rechnung.

Als Orientierung helfen aktuelle Marktbeobachtungen aus Grossbritannien. Ein 1960 Commer Cob wurde bei WB & Sons im Mai 2026 für GBP 2'998 verkauft, ein restaurierungsbedürftiger Cob lag bei Mathewsons im Februar 2025 sogar nur bei GBP 1'000. Ein 1972 Commer Camper erzielte bei Mathewsons im April 2025 GBP 4'500, ein 1972 PB Campervan kam bei Anglia Car Auctions im April 2024 auf GBP 5'616 inklusive Aufgeld. Ein 1965 ex-London Fire Brigade Cob erreichte auf Car & Classic GBP 5'850. Diese Zahlen zeigen: Commers sind auf der Insel noch immer vergleichsweise günstig.

Für die Schweiz müssen Sie diese UK-Preise aber um Transport, Abwicklung und Zulassung erweitern. Das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) nennt für Personenwagen und gewisse leichte Nutzfahrzeuge eine Automobilsteuer von 4 % des Fahrzeugwerts sowie 8,1 % Einfuhr-MWST. Die MWST wird auf Basis von Kaufpreis plus Kosten bis zum Bestimmungsort in der Schweiz berechnet. Für die Zollfreigabe zur späteren Zulassung fällt laut BAZG zudem eine Gebühr von CHF 20 an. Wenn ein Spediteur oder Verzollungsdienst eingeschaltet wird, kommen dessen Bearbeitungsgebühren hinzu.

In der Praxis sollten Schweizer Käufer für einen leichten Commer aus Grossbritannien meistens mit CHF 1'500 bis 4'000 Zusatzkosten rechnen, noch bevor irgendeine Werkstattarbeit beginnt. Darin können Transport, Fähre, Zollabwicklung, Automobilsteuer, MWST, technische Vorbereitungen für die MFK und Kleinteile enthalten sein. Bei schweren Superpoise- oder QX-Lkw können die Nebenkosten wegen Transport, Gewicht und Speziallogistik deutlich höher liegen.

Daraus ergeben sich für die Schweiz realistische Marktspannen in CHF:

  • Commer Cob: Projekte und unvollständige Fahrzeuge etwa CHF 4'000-7'000 eingelandet; fahrbereite, sauber präsentierte Fahrzeuge meist CHF 8'000-14'000; sehr gute oder seltene Exemplare darüber.
  • Commer FC / PA / PB / Spacevan als Kastenwagen: meist CHF 6'000-15'000, stark abhängig von Rostzustand, Originalität und MFK-Vorbereitung.
  • Commer Camper-Umbauten: einfache Projekte ab etwa CHF 8'000, gute und nutzbare Fahrzeuge meist CHF 12'000-22'000, hochwertige oder frisch restaurierte Umbauten darüber.
  • Commer Superpoise und QX / Knocker: in der Schweiz selten angeboten; für fahrbereite Lastwagen sollte man oft CHF 15'000-30'000 einplanen, erstklassige Fahrzeuge können klar darüber liegen.

Wichtig ist, dass Schweizer Preise nicht nur vom Fahrzeug selbst, sondern auch von der Homologations- und MFK-Tauglichkeit beeinflusst werden. Die meisten Commers sind rechtsgelenkt. Das ist in der Schweiz nicht per se ein Problem, doch Scheinwerfer, Beleuchtung, Tachometeranzeige und allgemeiner technischer Zustand müssen für die Zulassung passen. Gerade britische Fahrzeuge verdienen hier eine sehr genaue Vorprüfung.

Bei der MFK zählt nicht Nostalgie, sondern Substanz. Rost an tragenden Teilen, schlechte Bremswerte, ausgeschlagene Vorderachsen, undichte Lenkung oder improvisierte Elektrik werden teuer. Beim Spacevan sind typische Schwachstellen die unteren Seitenpartien, Türunterkanten, Radläufe, Dachrinnen, Frontbereich um Lufteinlass und Scheibenrahmen, Wagenheberaufnahmen sowie Federaufnahmen. Beim Cob schauen Sie besonders auf Schweller, Bodenbleche, hintere Fahrgestellbereiche und Karosserienähte. Bei Campers kommt Feuchtigkeit in Dachaufbauten, Fenstereinfassungen und Innenverkleidungen hinzu.

Mechanisch sind die kleineren Benziner meist unkomplizierter als ihr Ruf, solange man keine Wunder bei Leistung und Langstreckentempo erwartet. Prüfen Sie Kaltstart, Öldruck, Kompression, Kupplung, Spiel in Lenkung und Achsschenkeln sowie das Verhalten der Trommelbremsen. Beim Spacevan sind Kingpins, Vorderachskomponenten und Radlager klassische Kontrollpunkte. Overdrive-Versionen sind auf dem Markt gesuchter, weil sie das Drehzahlniveau auf schnelleren Etappen spürbar senken.

Beim TS3-Knocker braucht es nochmals mehr Sorgfalt. Die Maschine ist faszinierend, aber kein Nebenbei-Projekt. Kritisch sind der Antrieb des Gebläses, die Zahnräder, Einspritzkomponenten und die generelle Teileversorgung. Ein schlecht laufender TS3 kann schnell vom Kultobjekt zum kostspieligen Standmodell werden. Hier ist Dokumentation fast wichtiger als frischer Lack.

Für Schweizer Käufer besonders wichtig ist der Veteranenstatus. Laut Swiss Historic Vehicle Federation (SHVF) und kantonalen Stellen wie Basel-Stadt gelten Veteranenfahrzeuge in der Schweiz grundsätzlich dann als solche, wenn sie mehr als 30 Jahre alt sind, nur privat genutzt werden, nicht regelmässig in Betrieb stehen, sich in ursprünglicher Ausführung befinden und optisch wie technisch in gutem Zustand sind. Als Richtwert werden etwa 2'000 bis 3'000 km pro Jahr genannt. Wer diesen Status erhält, profitiert in der Regel von einem sechsjährigen Prüfintervall. Gerade für einen selten genutzten Commer ist das attraktiv.

Die Kehrseite: Ein stark umgebauter oder allzu modernisierter Commer kann den Veteranenstatus verfehlen. Das betrifft besonders Camper mit späteren Einbauten, Motorumbauten, unpassenden Sitzen oder improvisierter Elektrik. Wenn Sie einen Spacevan oder Cob mit Veteraneneintrag suchen, sollten Sie möglichst viel Belegmaterial zu früheren Restaurierungen, periodischen Umbauten und originalen Spezifikationen sammeln. Kantonale MFK-Stellen können hier unterschiedlich streng sein.

Zur Schweizer Zulassung gehört auch der Versicherungsnachweis. Kantonale Hinweise zeigen, dass dieser vor der Fahrzeugprüfung elektronisch übermittelt sein muss. Planen Sie also nicht nur den Kauf und Transport, sondern auch Versicherung, Terminplanung und eventuelle Vorführarbeiten sauber im Voraus.

Die Ersatzteillage ist zweigeteilt. Für Cob, FC, PB und Spacevan ist sie besser, als man bei einer verschwundenen Marke erwarten würde. Spezialisierte Anbieter wie Commer Van Spares, Coventry Commer Panels, Rootes Parts in den Niederlanden oder britische Rootes-Händler liefern Blechteile, Fahrwerkskomponenten, Dichtungen, Glas, Brems- und Motorteile. Viele Benzinmotor-Komponenten überschneiden sich mit Rootes-Pkw. In der Schweiz selbst ist das Netz dünn, darum lohnt es sich, Verschleissteile früh mitzubesorgen und mit längeren Lieferwegen zu rechnen.

Deutlich schwieriger wird es beim TS3. Hier findet man Spezialwissen und Teilekontakte eher in Grossbritannien, Australien oder Neuseeland als in der Schweiz. Für einen Schweizer Knocker-Besitzer bedeutet das: Netzwerk ist fast so wichtig wie Budget. Kaufen Sie einen TS3 nur dann, wenn der Zustand nachvollziehbar ist oder wenn Sie bereits Zugang zu Spezialisten haben.

Unterm Strich ist der Kauf eines Commer in der Schweiz weniger eine spontane Occasion als ein sauber kalkulierter Import mit technischem Prüfplan. Wer das akzeptiert, bekommt viel Charakter fürs Geld. Wer auf vermeintlich billige Scheunenfunde hereinfällt, bezahlt später oft doppelt.

Fahrerlebnis

Einen Commer fährt man nicht wie einen modernen Van und auch nicht wie einen klassischen Sportwagen. Das Erlebnis ist langsamer, direkter und mechanischer. Genau daraus entsteht sein Reiz.

Der Cob wirkt hinter dem Lenkrad fast wie eine Mischung aus Kleinwagen und Lieferwagen. Man sitzt aufrecht, schaut über eine kurze Front und arbeitet mit einem Getriebe, das klare, aber nicht hastige Bewegungen verlangt. In Schweizer Altstädten, auf Dorfdurchfahrten oder entlang des Sees passt dieses Tempo erstaunlich gut. Der Cob fühlt sich am wohlsten bei entspanntem Fluss, nicht bei Eile.

Der Spacevan ist eigenständiger. Die Frontlenker-Architektur setzt den Fahrer weit nach vorne, die Kabine ist eng, und der Motor arbeitet dicht bei den Sitzen. Das macht das Fahren akustisch präsent. Gleichzeitig ist die Übersicht nach vorne gut, und die kompakten Aussenmasse helfen beim Rangieren. Auf Landstrassen bewegt sich ein guter Spacevan erstaunlich handlich, während lange Autobahnsteigungen in Richtung Gotthard oder Julier eher Geduld als Tempo verlangen.

Als Camper gewinnt der Commer nochmals eine andere Qualität. Das Ziel ist nicht, möglichst schnell anzukommen, sondern stilvoll unterwegs zu sein. Wer mit einem PB oder Spacevan an einen Campingplatz im Berner Oberland oder ins Tessin rollt, erlebt die Anreise als Teil des Hobbys. Anders als ein moderner Kastenwagen vermittelt der Commer immer das Gefühl, dass Technik, Karosserie und Landschaft direkt miteinander arbeiten.

Ein Superpoise oder QX Knocker ist dagegen eine vollständig andere Liga. Hier dominiert Masse, Traktion, Geräusch und das Gefühl schwerer Mechanik. Besonders der TS3 läuft nicht einfach, er arbeitet hörbar. Auf ebenen Strecken ist das eindrucksvoll, auf Steigungen sogar noch mehr. Für Schweizer Alpenstrassen heisst das aber auch: kühl bleiben, Bremsen respektieren, Linien bewusst setzen. Ein Knocker kann in Bergkulissen grossartig wirken, verlangt aber fahrerisch mehr Voraussicht als ein leichter Lieferwagen.

Genau deshalb passen Commers erstaunlich gut zur Schweiz. Unsere besten Klassikerstrecken sind oft keine Vollgas-Autobahnen, sondern kurvige Nebenstrassen, Passanstiege, Dorfkerne und Panoramarouten. Ein Commer lädt dazu ein, Tempo herauszunehmen und die Umgebung mitzunehmen. Er ist kein Fahrzeug für Hektik, sondern für Haltung.

Design & Karosserie

Das Design von Commer folgt fast immer der Funktion zuerst-Philosophie. Doch gerade diese Konsequenz hat den Fahrzeugen eine starke Identität gegeben. Ein Cob ist sofort als 1950er-Jahre-Lieferwagen erkennbar: kurze Haube, klare Fensterflächen, kompakte Proportionen. Nichts daran ist überzeichnet, aber alles wirkt ehrlich.

Beim FC/PA/PB/Spacevan wird diese Ehrlichkeit fast schon eigenwillig. Die Karosserie ist rundlich, die Front kurz, die Vorderachse schmaler als die Hinterachse. Genau daraus entsteht jene unverwechselbare Silhouette, die man entweder seltsam oder grossartig findet. Mit etwas Abstand gewinnt der Spacevan enorm: Er sieht nicht geschniegelt aus, sondern intelligent verpackt.

Besonders reizvoll sind die Coachbuilt-Camper. Dachaufbauten, Schrankmöbel, Stoffmuster, kleine Küchenblöcke und periodische Farbgebungen transportieren britische Ferienkultur der 1960er- und 1970er-Jahre. Viele Umbauten wirken heute sympathischer als spätere, allzu glatte Reisemobile, gerade weil ihre Architektur noch sichtbar von der Grundform des Nutzfahrzeugs ausgeht.

Bei Superpoise und QX zeigt sich eine andere Art von Designqualität. Hier geht es um Präsenz, Proportion und Zweck. Die Fahrzeuge sehen so aus, wie schwere Arbeit aussehen soll. Ein restaurierter QX mit TS3 unter der Kabine, passenden Beschriftungen und periodischer Lackierung ist kein filigranes Schaustück, sondern ein mobiles Industrieobjekt mit hohem Wiedererkennungswert.

Beim Kauf zählt deshalb Originalität. Stimmige Embleme, zeitgenössische Farben, korrekte Innenmaterialien und passende Aufbau-Details tragen den Wert oft stärker als Hochglanzlack. Ein Commer darf Geschichte zeigen. Zu sterile Restaurierungen nehmen ihm häufig genau jenen Charme, den Sammler suchen.

Sonstiges

Kulturell hat Commer einen festen Platz in der britischen Alltagsgeschichte. Besonders der Spacevan wurde durch den Einsatz bei Post Office und später British Telecom fast zum Infrastruktur-Fahrzeug einer ganzen Epoche. Diese Nutzung rettete das Modell indirekt über viele Jahre, obwohl die Konstruktion technisch schon überholt war. Genau diese späte Allgegenwart macht den Spacevan heute so sympathisch: Er war kein exotischer Exot, sondern ein Gebrauchsgegenstand mit Gesicht.

Auch in der Campingkultur hat Commer Spuren hinterlassen. Auto-Sleeper- und Highwayman-Umbauten stehen für Ferienreisen, Festivals und Wochenendtouren mit klar britischem Stil. Für Schweizer Sammler ist das reizvoll, weil ein Commer-Camper nicht einfach als Fahrzeug funktioniert, sondern ein komplettes Lebensgefühl mitliefert.

Die hiesige Szene ist klein, aber offen. In der Schweiz werden seltene britische Nutzfahrzeuge auf Oldtimer-Treffen, British-Car-Events und Veteranenveranstaltungen meist mit viel Interesse aufgenommen, gerade weil man sie kaum sieht. Ein Commer konkurriert hier nicht direkt mit Massenklassikern; er besetzt seine eigene Nische zwischen Nutzfahrzeug, Kultobjekt und Zeitdokument.

Fazit

Commer Oldtimer sind in der Schweiz eine Wahl für Kenner, Individualisten und Liebhaber britischer Nutzfahrzeuggeschichte. Der Cob ist der charmante Einstieg, der FC/PB/Spacevan die vielseitige Mitte, und der TS3-Knocker die technische Krone für erfahrene Enthusiasten. Gemeinsam haben sie Seltenheit, starken Charakter und einen Markt, der noch nicht von Spekulation dominiert wird.

Entscheidend ist die richtige Kalkulation. In der Schweiz kaufen Sie fast nie nur das Fahrzeug, sondern immer auch Import, MFK, Teilelogistik und Originalitätsfrage mit. Wer diese Punkte sauber prüft, kann für vergleichsweise überschaubares Geld einen aussergewöhnlichen Klassiker erwerben, der sich von den üblichen Marktstars deutlich absetzt.

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