1949 | Tatra T 87
1949 Tatra Type 87. Im Auktionsverkauf. Schätzwert: 80.000 € - 140.000 €. Ohne Mindestpreis!
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Hans Ledwinkas größter WurfEine automobile Ikone der ModerneSeinerzeit wegweisend in Sachen AerodynamikRestauriert von Doktor Tatra Aleš Maralík
In Kopřivnice dachte man schon anders über Automobile, als anderswo noch der Kühler senkrecht im Wind stand. Verantwortlich dafür war vor allem Hans Ledwinka, seit 1921 Chefkonstrukteur der »Nesseldorfer Wagenbau-Fabriks-Gesellschaft«, wie Tatra früher hieß. Der in Klosterneuburg geborene Konstrukteur hatte bei Tatra mit Zentralrohrrahmen, Pendelachsen und luftgekühlten Motoren längst seinen eigenen technischen Kosmos geschaffen. Anfang der 1930er-Jahre kam mit Paul Jaray noch die Stromlinienlehre dazu. Der ehemalige Zeppelin-Aerodynamiker wusste schließlich, dass Luft nicht nur zum Atmen da war.
1934 präsentierte Tatra den Type 77. Windschlüpfrig, mit luftgekühltem V8 im Heck und einer mächtigen Finne auf demselben, sah er aus wie ein Automobil aus einer Zukunft, die noch ein wenig auf sich warten ließ. Technisch war er nicht minder extravagant. Allerdings war der T77 zu groß und schwer. Das äußere Blech des über fünf Meter langen Wagens war noch auf einen Holz-Unterbau genagelt. Fortschritt hatte eben auch damals sein Gewicht. Und er war teuer. Zu teuer, um ein Erfolg werden zu können.
Ledwinka wusste das und machte sich gemeinsam mit Erich Übelacker an die nächste Evolutionsstufe. 1936 erschien der Tatra 87. Etwas kürzer, deutlich leichter und im Windkanal aerodynamisch weiter verfeinert, behielt er all jene Zutaten, die schon den Vorgänger so außergewöhnlich gemacht hatten. Die selbsttragenden Stahlkarosserie lief tropfenförmig nach hinten aus, drei Scheinwerfer blickten nach vorne und die markante Rückenflosse teilte das Heck. Darunter saß dort, wo andere Autos ihren Kofferraum hatten, ein luftgekühlter V8 aus Leichtmetall.
Aus 2.968 Kubikzentimetern holte der Achtzylinder rund 75 PS. Das klingt überschaubar, reichte dem knapp anderthalb Tonnen schweren Tatra dank seiner Aerodynamik aber für rund 160 km/h. Ende der 1930er war das verdammt schnell. Dass der Motor hinter der Hinterachse saß, sorgte allerdings für ein Fahrverhalten, das Respekt verlangte. Wer einen T87 zu schnell in eine Kurve warf, bekam Physikunterricht ohne Voranmeldung.
Im Inneren ging es nicht weniger eigenwillig zu. Fahrer und Passagiere saßen weit vorne, während der Motor ganz hinten arbeitete. Dazwischen blieb erstaunlich viel Platz für Menschen und Gepäck. Der T87 war damit keine technische Fingerübung, sondern eine ausgewachsene Reiselimousine – nur eben eine, die aussah, als hätte jemand einen Zeppelin auf vier Räder gestellt.
Der Krieg unterbrach seine Geschichte, beendete sie aber nicht. Nach 1945 wurde der T87 weitergebaut und äußerlich behutsam modernisiert. Bis 1950 entstanden insgesamt nur etwas mehr als 3.000 Exemplare.
Berühmt wurde er nicht allein wegen seiner Form. Jiří Hanzelka und Miroslav Zikmund brachen 1947 mit einem T87 zu ihrer legendären Reise durch Afrika und Lateinamerika auf und machten ihn damit endgültig weltbekannt. Kaum ein anderes Auto passte besser dazu. Denn der Tatra 87 war schon im Stand weit gereist – seiner Zeit voraus.
Diesen Tatra Type 87 hat derjenige restauriert, den sie in Tschechien »Doktor Tatra« nannten. Für Aleš Maralík (1932–2024) zählten Automobile aus Kopřivnice, egal ob Type 87, Tatraplan oder 603, über Jahrzehnte zu seinem zentralen Lebensinhalt. Keiner restaurierte mehr als er, niemand kannte sie besser. Es dauerte Jahre bis sein letzter österreichischer Besitzer Maralík davon überzeugen konnte, ihm eines seiner Wunderwerke auf Rädern zu verkaufen. 2010 war es so weit. Allerdings brauchte es eine offizielle Ausfuhrgenehmigung, den ein Type 87 gilt in der Tschechischen Republik als unter Schutz gestelltes Kulturgut. Und das völlig zurecht. Er war Ledwinkas Vision für Zukunft und wurde retrospektiv zu einer Ikone der Moderne. Noch heute fasziniert er aus jedem Blickwinkel, ganz einfach, weil er anders ist als alles, was vor und nach ihm kam. Nach gut zehn Jahren Dornröschenschlaf sprang der Achtzylinder erst kürzlich wieder auf Anhieb an. Vor der Wiederinbetriebnahme sei jedoch eine sorgfältige Durchsicht angeraten. Denn so sehr dieser Stromlinienwagen seine Blicke gleich einem Kunstwerk auf sich zieht, so ist er doch gemacht, um gefahren zu werden und dabei seine ganze Faszination offenbaren zu können.
Chassis: 3375227
Motor / Engine: –
Papiere / Documents: Ausfuhrgenehmigung der Tschechischen Republik (2010) Tschechischer historischer Fahrzeugausweis (2006, Kopie) Tschechoslowakischer Technicky Prukaz (1949, Motor)
Schätzwert / Estimate: EUR 80.000 – 140.000 Ohne Limit / Without reserve
Ort / Location: CLASSIC EXPO Salzburg Messezentrum Salzburg Am Messezentrum 1 5020 Salzburg
Datum / Date: 17. Oktober 2026 11:00 bis 13:00 und ab 16:00
Besichtigung / Viewing: 16. und 17. Oktober 2026

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