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Progress Motorrad kaufen
Vom Strolch zum Progress: Gottlieb Gassmanns Roller aus Stuttgart-Untertürkheim verbanden robuste Sachs-Technik mit einem für die 1950er-Jahre bahnbrechenden Design. In der Schweiz sind die seltenen Strolch-Modelle heute geschätzte Sammlerstücke, die durch ihre Fahrstabilität und Wartungsfreundlichkeit überzeugen.
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1954 | Progress Strolch 150
Progress Strochl Original BJ 1954
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Fahrzeug inserierenGeschichte & Erbe
Die Geschichte der Marke Progress und ihres bekanntesten Modells, des Strolch, ist eng mit dem deutschen Wirtschaftswunder verknüpft, fand aber auch in der Schweiz schnell Anklang. Alles begann im Jahr 1950 in Stuttgart-Untertürkheim. Der Konstrukteur Gottlieb Gassmann, der zuvor bereits durch die Entwicklung von Fahrrädern und Hilfsmotoren bekannt geworden war, erkannte eine Marktlücke im aufstrebenden Rollermarkt der Nachkriegszeit. Während italienische Modelle wie die Vespa von Piaggio oder die Lambretta von Innocenti auf kleine 8- oder 10-Zoll-Räder setzten, verfolgte Gassmann einen anderen Ansatz, der besonders für die oft noch unbefestigten Strassen und Bergpässe im Alpenraum von Vorteil war.
Eine überlieferte Anekdote besagt, dass ein schwäbischer Arzt an einem Stammtisch in Untertürkheim zu Gassmann sagte, er würde ja gerne einen Roller kaufen, aber die Räder seien ihm zu klein – sie würden "in jedes Loch fallen". Dies war die Geburtsstunde des Konzepts mit 16-Zoll-Rädern, das den Strolch massgeblich prägen sollte. Der Name "Strolch" selbst war bewusst gewählt: Er sollte die Unbeschwertheit und Wendigkeit des kleinen Fahrzeugs widerspiegeln, das wie ein Lausbub flink durch den Verkehr huschen konnte.
Der erste Prototyp aus dem Jahr 1950 war noch ein bescheidenes Fahrzeug mit einem 75-cm³-Sachs-Motor. Doch die Nachfrage nach motorisierter Mobilität war so gross, dass Gassmann die Entwicklung zügig vorantrieb. In der Schweiz, wo man traditionell eine hohe Affinität zu deutscher Ingenieurskunst pflegte, wurden die ersten Modelle mit grossem Interesse beobachtet. Der offizielle Durchbruch gelang jedoch erst durch die Partnerschaft mit der Progress-Werk Oberkirch AG (PWO) in Baden. Ab 1953 übernahm PWO die Serienfertigung, da Gassmanns eigene Werkstattkapazitäten nicht mehr ausreichten.
In dieser Ära wurde der Roller zum Progress Strolch. Mit dem Umzug der Produktion nach Oberkirch stieg nicht nur die Stückzahl, sondern auch die technische Reife. Es folgten Versionen mit 150 cm³, 175 cm³ und schliesslich der leistungsstarke Progress 200. Ein wichtiger Meilenstein für den Schweizer Markt war die Erteilung des offiziellen Schweizer Typenscheins #1369 für den Progress 175. Dies unterstreicht, dass der Roller nicht nur als Einzelimport, sondern über ein offizielles Händlernetz in der Schweiz vertrieben wurde.
Mitte der 1950er-Jahre beschäftigte Progress rund 500 Mitarbeiter. Die Exportquoten waren beeindruckend: Sogar in Grossbritannien und den USA fanden die Strolch-Roller unter Namen wie "Briton" oder "Britannia" (mit Fiberglaskarosserien) ihre Abnehmer. Doch der Erfolg währte nur ein Jahrzehnt. Mit dem Aufkommen günstiger Kleinwagen wie dem VW Käfer oder der BMW Isetta schwand das Interesse an Motorrollern dramatisch. 1960 stellte Progress die Produktion ein. Das Unternehmen PWO existiert jedoch bis heute und ist ein wichtiger Zulieferer der Automobilindustrie, was die hohe Qualität der damaligen Fertigung erklärt.
Highlights & Besonderheiten
Der Progress Strolch unterscheidet sich fundamental von seinen italienischen Zeitgenossen. Während eine Vespa auf eine selbsttragende Blechkarosserie setzt, verfügt der Progress über ein stabiles Fahrgestell aus Pressstahl, das eine aussergewöhnliche Verwindungssteifigkeit bietet. Dies macht ihn besonders langlebig und widerstandsfähig gegen die typischen Vibrationsschäden älterer Zweitakter.
Das absolute Highlight sind die 16-Zoll-Räder. Für einen Roller der 1950er-Jahre war dies ein Alleinstellungsmerkmal. Die grossen Räder sorgen für einen exzellenten Geradeauslauf und eine Federungsqualität, die auf Kopfsteinpflaster oder Schotterwegen – wie sie damals auch in der Schweiz noch häufig anzutreffen waren – unerreicht blieb. Fahrer, die von kleinen Rädern auf den Progress umstiegen, berichteten oft von einem "erhabenen" Fahrgefühl, das eher an ein vollwertiges Motorrad als an einen Roller erinnerte.
Ein weiteres technisches Glanzstück war die Integration der Fichtel & Sachs-Motoren. Diese Triebwerke aus Schweinfurt galten als das Mass der Dinge im Kleinkraftradbau. Sie waren nicht nur leistungsstark, sondern vor allem extrem wartungsfreundlich. Besonders die Modelle 175 ES und 200 ES sorgten für Aufsehen: Das "ES" stand für Elektrostarter. In einer Zeit, in der selbst schwere Motorräder mühsam angekickt werden mussten, bot Progress den Luxus eines Dynastarters. Ein Druck auf den Knopf genügte, und der Sachs-Motor nahm zuverlässig seine Arbeit auf – ein Komfortmerkmal, das vor allem Pendler und weibliche Käufer ansprach.
Die Wartungsfreundlichkeit des Progress ist bis heute legendär unter Schraubern. Dank zweier Schnellverschluss-Hebel lässt sich die gesamte hintere Karosserieeinheit mit wenigen Handgriffen öffnen oder sogar ganz abnehmen. Dies gibt den Blick auf den kompletten Antriebsstrang frei. Zündkerzenwechsel, Vergaserreinigung oder die Kontrolle des Getriebeöls werden so zur Minutensache, ohne dass man sich durch enge Wartungsklappen quälen muss.
Nicht zu vergessen ist die Möglichkeit, den Progress als Gespann zu betreiben. In Zusammenarbeit mit der Firma Steib entstand der Strolch mit LS 200 Seitenwagen. Dieses Gespann ist heute eine der begehrtesten Raritäten auf dem Markt. Die Kombination aus dem robusten Sachs-200-Motor und dem eleganten Steib-Boot macht den Progress zu einem echten Blickfang bei jeder Oldtimer-Rallye in den Schweizer Alpen.
Technische Daten
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Modelle der Progress-Ära. Bitte beachten Sie, dass die Leistungsdaten je nach Baujahr und verbautem Vergaser (meist Bing) leicht variieren können.
Die Kraftübertragung erfolgte beim Progress über eine Kette im geschlossenen Ölbad, was den Verschleiss minimierte und die Sauberkeit des Fahrzeugs (keine Ölspritzer an der Kleidung) sicherstellte. Die Bremsanlage mit Trommelbremsen vorne und hinten war für die damalige Zeit grosszügig dimensioniert und bot auch bei Passabfahrten in der Schweiz ausreichende Reserven.
Marktübersicht und Kauftipps
Wer heute einen Progress Motorroller in der Schweiz kaufen möchte, begibt sich auf die Suche nach einer echten Nische. Während Modelle von Zündapp oder Heinkel noch relativ häufig zu finden sind, ist ein gut erhaltener Progress eine Seltenheit. Dies liegt zum einen an den geringeren Produktionszahlen im Vergleich zu den Branchenriesen, zum anderen daran, dass viele Fahrzeuge in den 1970er-Jahren schlichtweg "aufgebraucht" und verschrottet wurden.
Preisgefüge in der Schweiz (CHF)
Die Preise für Progress-Roller haben in den letzten Jahren angezogen, da Sammler den hohen Nutzwert und die Qualität der Sachs-Technik wiederentdeckt haben.
- Zustand 4 (Scheunenfund/Restaurierungsobjekt): Fahrzeuge mit fehlenden Teilen oder starkem Rostbefall beginnen bei ca. CHF 800 bis CHF 1'500. Hier ist Vorsicht geboten, da spezifische Karosserieteile extrem schwer zu finden sind.
- Zustand 3 (Fahrbereit mit Patina): Ein ehrlicher Roller, der technisch funktioniert, aber optische Mängel hat, kostet zwischen CHF 3'000 und CHF 5'000. Solche Fahrzeuge sind ideal für "Daily Driver", die den Roller regelmässig nutzen möchten.
- Zustand 2 (Restauriert oder Top-Original): Für perfekt restaurierte Exemplare, idealerweise mit MFK-Veteraneneintrag, werden Preise zwischen CHF 6'500 und CHF 8'500 aufgerufen.
- Sondermodelle & Gespanne: Ein originaler Progress 200 mit einem Steib LS 200 Seitenwagen kann in der Schweiz problemlos die Marke von CHF 12'000 überschreiten, sofern der Zustand exzellent ist.
Der "Veteraneneintrag" (MFK)
In der Schweiz ist der Veteraneneintrag bei der Motorfahrzeugkontrolle (MFK) ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Ein Progress mit diesem Status darf nur eine begrenzte Kilometerzahl pro Jahr gefahren werden, geniesst aber steuerliche Vorteile und muss seltener zur technischen Prüfung (alle 6 statt 2 Jahre). Für einen Käufer ist dieser Eintrag ein Beleg dafür, dass sich das Fahrzeug in einem weitgehend originalen und technisch einwandfreien Zustand befindet. Achten Sie beim Kauf darauf, ob der Roller bereits als Veteran geprüft wurde oder ob grössere Investitionen nötig wären, um diesen Status zu erreichen.
Worauf beim Kauf zu achten ist
- Rost an der Bodengruppe: Die Pressstahlkarosserie hat ihre Schwachpunkte an den Schweissnähten des Trittbretts. Prüfen Sie mit einem Magneten oder – falls möglich – durch einen Blick unter die Gummimatten auf Durchrostungen. Eine Durchrostung an tragenden Teilen kann die MFK-Prüfung unmöglich machen.
- Vollständigkeit der Zierteile: Die Aluleisten, die spezifischen Embleme ("Strolch" oder "Progress") und das charakteristische Rücklicht sind als Ersatzteile kaum noch neu zu bekommen. Ein fehlendes Logo kann eine langwierige Suche auf Teilemärkten nach sich ziehen.
- Motorzustand (Sachs): Machen Sie eine Probefahrt. Der Sachs-Motor sollte sauber hochdrehen und keine metallischen Schlaggeräusche von den Kurbelwellenlagern abgeben. Dank der guten Ersatzteillage für Sachs-Motoren (Teile gibt es bei Spezialisten wie Fahrzeugteile Bayer oder dem Sachs-Stammtisch) ist eine Motorrevision zwar machbar, kostet aber bei einem Fachbetrieb in der Schweiz schnell CHF 1'500 bis CHF 2'500.
- Elektrik (ES-Modelle): Bei Modellen mit Elektrostarter ist die Funktion des Dynastarters entscheidend. Oft sind die Kohlen verschlissen oder der Regler defekt. Ersatz ist teuer und erfordert Fachwissen.
Fahrverhalten & Charakter
Einen Progress zu fahren, bedeutet, die Ruhe der 1950er-Jahre zu geniessen. Der Motor startet mit dem typischen "Reng-teng-teng" eines klassischen Zweitakters. Dank der hervorragenden Dämpfung des Sachs-Motors (oft gummigelagert im Rahmen) übertragen sich kaum Vibrationen auf den Fahrer.
Das Fahrverhalten wird massgeblich durch die 16-Zoll-Räder bestimmt. Während man auf einer Vespa jede Bodenwelle direkt im Rücken spürt, gleitet der Progress förmlich über Unebenheiten hinweg. Die Lenkung ist stabil und vermittelt viel Vertrauen. In Kurven liegt der Roller satt auf der Strasse, was ihn auch für längere Touren prädestiniert.
Für Schweizer Fahrer ist die Bergtauglichkeit ein entscheidendes Kriterium. Ein Progress 200 mit seinen rund 10 PS hat genug Drehmoment, um auch Steigungen souverän zu meistern. Natürlich gewinnt man damit keine Bergrennen, aber das entspannte Tuckern im dritten Gang hinauf zum Gotthardpass hat seinen ganz eigenen Reiz. Die Bremsen sind für das Gewicht von ca. 130 kg gut dimensioniert, verlangen aber bei langen Abfahrten nach vorausschauender Fahrweise – wie bei jedem Oldtimer.
Der Charakter des Rollers ist ehrlich und bodenständig. Er ist kein modisches Accessoire für die Gelateria, sondern ein seriöses Reisemotorrad im Rollergewand. Er vermittelt ein Gefühl von Solidität, das man heute bei modernen Plastikrollern vergeblich sucht. Jedes Klicken des Schalthebels und jedes Geräusch des Motors zeugt von einer Ära, in der Dinge für die Ewigkeit gebaut wurden.
Design & Erscheinung
Das Design des Progress Strolch ist ein Paradebeispiel für deutsche Industrieästhetik der Nachkriegszeit. Es verzichtet auf barocke Schnörkel und setzt stattdessen auf klare Linien und funktionale Formen. Massgeblich beeinflusst wurde das Erscheinungsbild durch den Industriedesigner Louis Lepoix. Lepoix, der auch für Marken wie Bugatti, Walmet oder Magirus-Deutz arbeitete, verstand es, Technik elegant zu verpacken.
Die fliessenden Linien der Seitenhauben verleihen dem Roller eine gewisse Dynamik, ohne aggressiv zu wirken. Die Frontpartie mit dem markanten Scheinwerfer (der bei den frühen Modellen noch mit der Gabel mitlenkte und später in die Verkleidung integriert wurde) gibt dem Strolch ein fast schon "freundliches" Gesicht. In der Schweiz waren oft Farbkombinationen in gedeckten Tönen beliebt: Ein elegantes Lindgrün, kombiniert mit Cremeweiss, oder ein tiefes Blau mit silbernen Akzenten.
Besonders hervorzuheben ist die ergonomische Gestaltung. Die Sitzbank ist grosszügig dimensioniert und bietet auch auf langen Fahrten exzellenten Komfort. Das Trittbrett bietet genug Platz für die Füsse, ohne dass man sich eingeengt fühlt. Die Bedienelemente am Lenker sind robust und haptisch ansprechend – Metall statt Plastik war damals die Devise.
Ein Progress in einer Schweizer Garage oder auf einem Oldtimer-Treffen fällt auf, ohne aufdringlich zu sein. Er verkörpert ein Stück Industriegeschichte, das technisches Können mit ästhetischem Anspruch verbindet. Die feinen Details, wie die polierten Aluleisten oder die hochwertigen Emaille-Embleme, machen ihn zu einem Objekt, das man auch im Stand gerne betrachtet.
Fazit
Der Progress Motorroller ist mehr als nur ein Fortbewegungsmittel aus einer vergangenen Zeit. Er ist ein Zeugnis für den Mut zu eigenen technischen Lösungen und für die Qualität deutscher Fertigung in den 1950er-Jahren. Für Sammler in der Schweiz bietet er eine faszinierende Alternative zu den bekannteren Marken.
Mit seiner überragenden Fahrstabilität durch die 16-Zoll-Räder, der robusten und wartungsfreundlichen Sachs-Technik sowie dem zeitlosen Design von Louis Lepoix ist er ein idealer Oldtimer für Einsteiger und Kenner gleichermassen. Wer einen Progress besitzt, fährt nicht nur einen Roller – er pflegt ein Kulturgut, das auf Schweizer Strassen einst zum Alltag gehörte und heute zu Recht bewundert wird.
Ob als Solomaschine für die gemütliche Ausfahrt am Wochenende oder als spektakuläres Gespann für die grosse Reise: Der Progress überzeugt durch seine inneren Werte und seine unverwüstliche Art. Auf dem Markt für klassische Fahrzeuge ist er ein Geheimtipp, der seinen Wert stabil hält und seinem Besitzer bei jeder Fahrt ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Wer die Kombination aus technischer Raffinesse und historischem Charme sucht, kommt an einem Progress Strolch nicht vorbei.