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Cagiva Motorrad kaufen

Vom Blechwarenhersteller zum Bezwinger der Wüste: Cagiva prägte die Motorradwelt durch den Kauf von Ducati und MV Agusta sowie legendäre Dakar-Siege. Entdecken Sie italienische Ingenieurskunst von der flinken Mito bis zur kraftvollen Elefant.

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Suchergebnisse

Bild 1/50 von Cagiva SST 125 (1982)
1 / 50

1982 | Cagiva SST 125

Cagiva 125 SST

CHF 2’257
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Bild 1/50 von Cagiva SX 250 Ala Blu (1970)
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CHF 4’063
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Bild 1/50 von Cagiva RX 250 (1980)
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CHF 5’236
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Bild 1/15 von Cagiva Alazzurra 650 (1988)
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CHF 2’248
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"Cagiva" Inserats-Referenzen von Classic Trader

Im Folgenden finden Sie Inserate zu Ihrer Suche, die nicht mehr auf Classic Trader verfügbar sind. Für eine bessere Kaufentscheidung können Sie sich mit Hilfe dieser Informationen ein besseres Bild über Verfügbarkeit, Wertentwicklung und aktuellen Preis eines "Cagiva" machen.

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Bild 1/50 von Cagiva E900 Elefant (1997)

1997 | Cagiva E900 Elefant

Cagiva ELEFANT E 900 AC

CHF 12’188vor 2 Wochen
🇮🇹
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Bild 1/50 von Cagiva E900 Elefant (1993)

1993 | Cagiva E900 Elefant

Cagiva ELEFANT 900 IE

CHF 19’862vor 3 Wochen
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Bild 1/50 von Cagiva E900 Elefant (1995)

1995 | Cagiva E900 Elefant

Cagiva ELEFANT 900 DESMODUE

CHF 11’285vor 2 Monaten
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Bild 1/19 von Cagiva SST 125 (1981)

1981 | Cagiva SST 125

-

CHF 1’896vor 4 Monaten
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Bild 1/40 von Cagiva E900 Elefant (1994)

1994 | Cagiva E900 Elefant

1994 Cagiva Elefant 750 748cc

Preis auf Anfragevor 5 Monaten
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Bild 1/10 von Cagiva Gran Canyon 900ie (2000)

2000 | Cagiva Gran Canyon 900ie

CAGIVA Gran Canyon 900 900

CHF 3’250vor 9 Monaten
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Bild 1/10 von Cagiva Gran Canyon 900ie (2000)

2000 | Cagiva Gran Canyon 900ie

CAGIVA Gran Canyon 900 900

CHF 3’701vor 11 Monaten
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Bild 1/50 von Cagiva Mito 125 (2011)

2011 | Cagiva Mito 125

-

Preis auf Anfragevor 12 Monaten
🇮🇹
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Bild 1/4 von Cagiva Gran Canyon 900ie (1999)

1999 | Cagiva Gran Canyon 900ie

CAGIVA Gran Canyon 900 ie

CHF 2’257letztes Jahr
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Geschichte & Erbe

Die Geschichte von Cagiva ist eine der ambitioniertesten Erzählungen der italienischen Industrie des 20. Jahrhunderts. Alles begann 1950 in Varese, einer Stadt in der Lombardei, die für ihre metallverarbeitende Industrie bekannt ist. Giovanni Castiglioni gründete dort eine Fabrik für Blechkomponenten. Der Name der Marke ist ein direktes Erbe des Gründers: CAstiglioni GIovanni VArese. In den ersten Jahrzehnten produzierte das Unternehmen jedoch keine Fahrzeuge, sondern spezialisierte sich auf Kleinteile, Pressformen und Metallkomponenten für verschiedene Industriezweige.

Der entscheidende Wendepunkt kam 1978. Giovannis Söhne, Claudio und Gianfranco Castiglioni, übernahmen die Leitung und hatten eine Vision, die weit über Blechwaren hinausging. Sie waren leidenschaftliche Motorsportfans und erkannten das Potenzial des Motorradmarktes. Die Gelegenheit war günstig: Der amerikanische Gigant AMF-Harley-Davidson wollte sich von seiner italienischen Tochtergesellschaft Aermacchi trennen, die in Schiranna am Ufer des Vareser Sees ansässig war. Die Castiglionis kauften das Werk inklusive der gesamten Infrastruktur, der Werkzeuge und des Personals. Damit legten sie den Grundstein für ein Imperium, das die europäische Motorradlandschaft für immer verändern sollte.

Die ersten Modelle, die unter dem Namen Cagiva vom Band liefen, waren kleine Zweitakter mit 125 und 250 ccm, die stark auf der bestehenden Aermacchi-Technik basierten. Doch die Brüder wollten mehr als nur kleine Pendlerfahrzeuge bauen. Sie verstanden, dass Erfolg im Rennsport der Schlüssel zur Markenbildung und zum Prestige war. Bereits 1979 traten sie in der 500-ccm-Weltmeisterschaft an, der Königsklasse des Motorradsports.

In den 1980er Jahren expandierte Cagiva mit einer Aggressivität, die in der Branche ihresgleichen suchte. 1983 schlossen sie einen wegweisenden Vertrag mit Ducati ab, um deren luftgekühlte V-Twin-Motoren für eigene Modelle zu nutzen. Nur zwei Jahre später, 1985, kauften sie Ducati komplett auf, als die Marke aus Bologna in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten steckte. Es folgten weitere strategische Übernahmen: Husqvarna (1987), die schwedische Offroad-Ikone, Moto Morini (1987) und schliesslich die prestigeträchtige Wiederbelebung von MV Agusta im Jahr 1991. Cagiva wurde zum Rettungsanker der italienischen Motorradindustrie. Ohne das finanzielle Engagement und den unternehmerischen Mut der Castiglionis gäbe es Marken wie Ducati in ihrer heutigen Form vermutlich nicht mehr.

Der grösste sportliche Triumph gelang 1990, als Edi Orioli auf einer Cagiva Elefant 900 die Rallye Paris-Dakar gewann. Dieser Sieg war ein Paukenschlag: Er beendete die jahrelange Dominanz japanischer Hersteller wie Honda und Yamaha und zementierte den Ruf von Cagiva als Produzent robuster, leistungsfähiger Langstreckenmaschinen, die den härtesten Bedingungen der Welt trotzen konnten. Ein zweiter Sieg bei der Dakar folgte 1994, was den Status der Elefant als eine der besten Reiseenduros ihrer Zeit festigte.

In den späten 1990ern und frühen 2000ern geriet das Castiglioni-Imperium jedoch in finanzielle Schieflage. Die Expansion war teuer gewesen, und der Markt veränderte sich. Ducati wurde 1996 an die Texas Pacific Group verkauft, um Schulden zu begleichen. Die Produktion eigener Cagiva-Modelle wurde sukzessive reduziert, während man sich auf den Wiederaufstieg von MV Agusta konzentrierte, die unter der Leitung von Claudio Castiglioni und dem Designer Massimo Tamburini mit der F4 750 einen Welterfolg feierten. 2012 lief schliesslich die letzte Cagiva vom Band. Heute ist die Marke ein begehrtes Sammlerobjekt, das für eine Ära steht, in der italienischer Mut, technischer Eigensinn und kompromissloser Designwillen die Weltmärkte herausforderten.

Highlights & Besonderheiten

Cagiva-Motorräder zeichnen sich durch eine einzigartige Mischung aus technischer Pragmatik und italienischem Flair aus. Während andere Hersteller oft auf isolierten Eigenentwicklungen beharrten, war Cagiva der Meister der Integration und Kooperation.

Ein zentrales Highlight der frühen Jahre ist die Alazzurra 650 (1985-1989). Sie war das erste greifbare Ergebnis der Zusammenarbeit mit Ducati. Im Grunde handelte es sich um eine Ducati Pantah in einem modernen, sportlichen Cagiva-Kleid. Mit ihrem 650-ccm-V-Twin, der charakteristischen Desmodromik und einem stabilen Gitterrohrrahmen bot sie echtes Ducati-Feeling zu einem Preis, der für eine breitere Käuferschicht erschwinglich war. In der Schweiz wurde sie oft als die "vernünftige Ducati" geschätzt, die italienisches Temperament mit einer gewissen Alltagstauglichkeit verband.

Die Elefant-Serie (1985-2000) ist zweifellos das bekannteste Erbe der Marke. Von der kleinen 125er für Einsteiger bis zur mächtigen 900er für Weltenbummler deckte sie das gesamte Spektrum der Enduros ab. Die Elefant 900ie mit dem Motor der Ducati 900 SS ist heute eine absolute Kultmaschine. Ihr Design mit dem markanten Doppelscheinwerfer, dem riesigen Tank und der "Lucky Explorer"-Lackierung (inspiriert vom Sponsor Lucky Strike) ist sofort erkennbar. Sie war eine der ersten echten "Reiseenduros", die wirklich geländetauglich waren und gleichzeitig auf der Autobahn eine souveräne Figur machten.

Für die jüngere Generation der 1990er Jahre war die Cagiva Mito 125 das Mass aller Dinge. Gestaltet vom legendären Massimo Tamburini, sah sie aus wie eine exakte, wenn auch kleinere Kopie der Ducati 916. Mit ihrem hochgezüchteten Einzylinder-Zweitaktmotor leistete sie in der offenen Version bis zu 30 PS. In einer Zeit, in der 125er oft bieder wirkten, war die Mito ein radikaler Supersportler im Westentaschenformat. Sie verfügte über einen Aluminium-Brückenrahmen und eine hochwertige Brembo-Bremsanlage – Technik, die man sonst nur bei grossen Maschinen fand.

In den späten 1990ern versuchte Cagiva, das Konzept der Elefant zu modernisieren. Das Ergebnis war die Gran Canyon 900 (1998-2000). Sie nutzte den bewährten 900er Ducati-Motor, setzte aber auf ein moderneres, kurvenorientierteres Fahrwerk mit 19-Zoll-Vorderrad. Sie war der Vorläufer dessen, was wir heute als "Crossover" oder "Street-Enduro" bezeichnen. Kurz darauf folgte die Navigator 1000, bei der Cagiva erstmals den 1000-ccm-V-Twin von Suzuki einsetzte – ein Motor, der für seine Zuverlässigkeit und enorme Kraftentfaltung bekannt war.

Ein weiteres spätes Highlight war die Cagiva Raptor-Serie (650 und 1000). Hier kooperierte man erneut mit Suzuki. Das Design stammte von Miguel Galluzzi, dem Schöpfer der Ducati Monster. Die Raptor war Cagivas Antwort auf den Naked-Bike-Boom. Sie kombinierte japanische Motorenzuverlässigkeit mit italienischem Rahmendesign und Handling. Die Raptor 1000 gilt bis heute als eines der am besten fahrenden Naked Bikes ihrer Ära.

Technische Daten

Hier finden Sie die detaillierten Spezifikationen der wichtigsten Modelle für Sammler und Fahrer in der Schweiz.

Cagiva Elefant 900ie (1990-1992)

Cagiva Raptor 1000 (2000-2005)

Cagiva Mito 125 (Evo-Modell, ca. 1995)

Marktübersicht und Kauftipps

Der Markt für Cagiva-Motorräder in der Schweiz ist eine Nische für Kenner. Da die Marke seit über einem Jahrzehnt keine neuen Maschinen mehr produziert, handelt es sich ausschliesslich um einen Gebraucht- und Klassikermarkt. Die Preise sind in den letzten Jahren für gut erhaltene Exemplare spürbar gestiegen. Schweizer Motorradhändler wie motorradhandel.ch und spezialisierte Klassiker-Importeure haben erkannt, dass Cagiva-Modelle eine wachsende Sammlerschaft anziehen.

Preisgefüge in der Schweiz (Stand 2024/2025)

In der Schweiz liegen die Preise oft leicht über dem Niveau in Deutschland oder Österreich. Dies liegt an der geringeren Stückzahl auf dem Markt, den höheren Importkosten und der Tatsache, dass viele Maschinen bereits in festen Sammlerhänden sind. Die Schweizer Motorradszene schätzt Originalität und Zustand besonders hoch.

  • Cagiva Mito 125: Dies ist das Einstiegsmodell. Frühe "Seven Speed"-Modelle oder die begehrten "Evo"-Versionen im Originalzustand werden zwischen CHF 3.800 und CHF 6.500 gehandelt. Achten Sie darauf, dass die Maschine nicht durch unzählige Besitzerhände gegangen ist. Schweizer Käufer zahlen Prämien für Fahrzeuge mit vollständiger Dokumentation und Wartungshistorie.
  • Cagiva Elefant 900: Die Preise für die Dakar-Replikas (Lucky Explorer) sind explodiert. Eine gepflegte 900ie oder die spätere 900 AC kostet heute zwischen CHF 8.700 und CHF 14.000. Absolute Top-Exemplare mit wenig Kilometern können auch darüber liegen. Die kleineren 750er Modelle sind für CHF 4.900 bis CHF 7.600 zu finden. In der Schweiz sind Elefant-Modelle mit Schweizer Zulassungshistorie besonders gefragt.
  • Cagiva Raptor 1000: Dies ist der Geheimtipp für Fahrer, die Leistung suchen. Für CHF 3.800 bis CHF 6.000 erhält man ein extrem potentes Naked Bike. Die 650er Raptor liegt preislich oft ähnlich, ist aber seltener. Schweizer Motorradhändler berichten von steigendem Interesse an dieser Modellreihe.
  • Cagiva Gran Canyon / Navigator: Diese Modelle bieten viel Motorrad fürs Geld. Eine gute Gran Canyon kostet etwa CHF 3.300 bis CHF 4.900, eine Navigator mit dem Suzuki-Motor liegt meist zwischen CHF 3.800 und CHF 5.400. Diese Modelle sind ideal für Schweizer Alpenfahrten.
  • Cagiva Alazzurra: Ein seltener Klassiker. Preise liegen meist zwischen CHF 4.900 und CHF 7.600, je nach Originalität. Auf dem Schweizer Markt sind diese Modelle besonders begehrt.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten (Detaillierte Checkliste)

  1. Ersatzteilversorgung (Kritisch): Dies ist der wichtigste Punkt bei jeder Cagiva. Während Motorenteile für die Ducati-basierten Modelle (Elefant, Alazzurra, Gran Canyon) und die Suzuki-basierten Modelle (Raptor, Navigator) über die jeweiligen Markenkanäle oder Spezialisten gut verfügbar sind, sieht es bei Cagiva-spezifischen Teilen schwierig aus. Verkleidungen, Scheinwerfer, Tanks und Sitzbänke sind fast nur noch gebraucht zu finden. In der Schweiz gibt es kaum noch Lagerbestände. Motorradhändler wie motorradhandel.ch können oft bei der Suche nach seltenen Teilen helfen. Prüfen Sie die Kunststoffteile genau auf Risse oder spröde Stellen.

  2. Elektrik und Regler: Italienische Motorräder der 80er und 90er Jahre haben oft Probleme mit der Wärmeabfuhr der Laderegler. Ein defekter Regler kann die Batterie und im schlimmsten Fall die gesamte Bordelektronik zerstören. Prüfen Sie bei einer Besichtigung die Ladespannung an der Batterie (sollte bei laufendem Motor zwischen 13,5 und 14,5 Volt liegen). Dies ist besonders wichtig, wenn Sie das Motorrad in der Schweiz über längere Strecken fahren möchten.

  3. Wartung der Desmodromik: Bei den Modellen mit Ducati-Motor ist das Ventilspiel das A und O. Die Einstellung der Desmodromik ist zeitaufwendig und erfordert Fachwissen. Fragen Sie nach Belegen für den letzten Zahnriemenwechsel (alle 2 Jahre oder 20.000 km) und die Ventileinstellung. Ein gerissener Zahnriemen bedeutet den Motortod. In der Schweiz sollten Sie einen Ducati-spezialisierten Mechaniker haben, bevor Sie eine Elefant kaufen.

  4. Zweitakt-Spezifika (Mito): Die Mito-Motoren sind hochgezüchtet. Ein Kolbenwechsel ist etwa alle 10.000 bis 15.000 km ratsam, um einen Zylinderschaden zu vermeiden. Achten Sie auf das Geräuschbild des Motors – ein metallisches Rasseln deutet auf verschlissene Lager oder Kolbenrings hin. Prüfen Sie auch, ob die Ölpumpe korrekt funktioniert oder ob auf Gemischschmierung umgebaut wurde. Schweizer Käufer sollten beachten, dass Zweitakt-Motorräder in einigen Kantonen strengeren Emissionsvorschriften unterliegen.

  5. Rost an Rahmen und Auspuff: Besonders die Elefant-Modelle wurden oft auch im Winter oder im Gelände bewegt. Prüfen Sie den Rahmen (besonders im Bereich der Schwingenaufnahme) und die originale Auspuffanlage auf Durchrostungen. Ersatz-Auspuffanlagen sind schwer zu finden und teuer. In der Schweiz mit ihrem feuchten Klima ist Rostschutz besonders wichtig.

Fahrverhalten & Performance

Eine Cagiva zu fahren, bedeutet, eine emotionale Verbindung zum Fahrzeug einzugehen. Es sind keine klinisch perfekten Maschinen, sondern Motorräder mit Ecken und Kanten, die eine aktive Fahrweise belohnen.

Die Elefant 900 bietet ein erhabenes, fast schon majestätisches Fahrgefühl. Man sitzt aufrecht und thronend über dem Geschehen. Der Ducati-V-Twin liefert ein sattes, pulsierendes Drehmoment aus dem Drehzahlkeller. Auf den kurvigen Landstrassen der Schweizer Voralpen oder den Pässen der Alpen spielt sie ihre Stärken aus. Das Fahrwerk, oft mit hochwertigen Komponenten von Marzocchi und Öhlins bestückt, bügelt Unebenheiten souverän weg, bietet aber genug Rückmeldung für sportliche Schräglagen. Der Sound – ein tiefes, kehliges Grollen – ist unverwechselbar.

Die Mito 125 ist das krasse Gegenteil. Sie ist ein Präzisionswerkzeug für die Rennstrecke oder sehr enge Landstrassen. Das geringe Gewicht und der steife Rahmen erlauben Schräglagen, von denen Fahrer grösserer Maschinen nur träumen können. Der Motor verlangt nach Aufmerksamkeit: Unter 7.000 U/min passiert wenig, doch wenn die Auslasssteuerung öffnet, gibt es einen spürbaren Kick, und die Maschine stürmt bis über 11.000 U/min. Es ist ein puristisches Fahrerlebnis, das Konzentration und eine gute Schalttechnik erfordert.

Die Raptor 1000 kombiniert das Beste aus zwei Welten. Der Suzuki-Motor ist eine Wucht – er ist kultivierter als die alten Ducati-Twins, hat aber eine enorme Kraftentfaltung. In Kombination mit dem handlichen italienischen Fahrwerk ergibt das eine "Landstrassenwaffe". Die Raptor lenkt spielerisch leicht ein und bleibt auch in schnellen Kurven stabil. Die Bremsleistung der Brembo-Anlage ist auch nach heutigen Massstäben noch hervorragend. Für Schweizer Alpenfahrten ist die Raptor eine ausgezeichnete Wahl.

Design & Ästhetik

Design war bei Cagiva nie nur Mittel zum Zweck, sondern Ausdruck einer Identität. Die Castiglionis hatten ein Händchen dafür, die besten Designer ihrer Zeit zu verpflichten.

Die Elefant prägte das Bild der modernen Reiseenduro. Ihr funktionales Design mit dem grossen, schützenden Tank und der hohen Front war wegweisend. Die "Lucky Explorer"-Grafiken sind heute Kult und werden oft auf modernen Motorrädern als Retro-Design zitiert. Es ist eine Ästhetik, die Abenteuer und Fernweh ausstrahlt.

Die Mito ist vielleicht das schönste 125er-Motorrad, das je gebaut wurde. Dass Massimo Tamburini die Linien der legendären Ducati 916 fast eins zu eins auf die kleine Mito übertragen durfte, war ein Geniestreich. Jede Linie, vom Scheinwerfer bis zum Heckbürzel, wirkt stimmig und dynamisch.

Bei der Raptor sieht man den Übergang zum modernen, aggressiven Naked-Bike-Stil. Der Gitterrohrrahmen wird bewusst zur Schau gestellt, die Linienführung ist muskulös und gedrungen. Es ist ein zeitloses Design, das nicht altert. Cagiva bewies hier, dass sie auch ohne die direkte Kopie eines Ducati-Modells eine eigene, starke Formsprache finden konnten.

Rennsport & Kultur

Cagiva war im Rennsport eine Macht, die oft gegen die übermächtige japanische Konkurrenz ankämpfte – und gewann. Die Siege bei der Dakar 1990 und 1994 durch Edi Orioli sind Legende. Sie zeigten, dass ein italienisches Team mit Leidenschaft und technischer Innovation die härteste Rallye der Welt gewinnen kann.

In der 500-ccm-Weltmeisterschaft war Cagiva der stolze Aussenseiter. Die rote Cagiva C594 gilt heute als eines der schönsten Rennmotorräder aller Zeiten. Als Eddie Lawson 1992 im Regen von Ungarn den ersten GP-Sieg für Cagiva einfuhr, weinte die gesamte Boxencrew – es war ein Sieg des Herzens über das Budget. Auch John Kocinski feierte später Erfolge auf der Marke.

In der Schweiz hat Cagiva eine kleine, aber extrem loyale Fangemeinde. Es gibt keine grossen Markenclubs mehr, aber in Foren und bei Klassikertreffen sind die Cagiva-Fahrer gut vernetzt. Eine Cagiva zu besitzen, bedeutet oft auch, ein bisschen Mechaniker zu sein oder zumindest einen sehr guten zu kennen. Es ist eine Kultur des Erhaltens und des Stolzes auf eine Marke, die es wagte, anders zu sein. Schweizer Sammler schätzen besonders die Originalität und die Verbindung zur europäischen Motorradkultur.

Fazit

Wer heute eine Cagiva kaufen möchte, sucht nicht nach einem vernünftigen Fortbewegungsmittel, sondern nach einer Maschine mit Seele und Geschichte. Ob es die technische Finesse einer Elefant mit Ducati-Herz ist, die pure Zweitakt-Emotion einer Mito oder die brachiale Kraft einer Raptor – Cagiva bietet Erlebnisse, die in der heutigen, oft weichgespülten Motorradwelt selten geworden sind.

In der Schweiz ist der Besitz einer Cagiva ein Statement. Man muss bereit sein, Zeit in die Pflege zu investieren und sich mit der Ersatzteilsuche zu beschäftigen. Doch die Belohnung ist ein Motorrad, das Charakter zeigt, hervorragend fährt und bei jedem Stopp für bewundernde Blicke und Benzingespräche sorgt. Motorradhändler wie motorradhandel.ch können bei der Suche nach dem richtigen Modell und bei Wartungsfragen unterstützen.

Cagiva: Italienische Leidenschaft, Vareser Mut und ein Erbe, das auf den Strassen und Pisten dieser Welt unvergessen bleibt.