1960 | Suffolk C-Type Jaguar
1960 Jaguar C-Type Recreation. Im Auktionsverkauf. Schätzwert: 110.000 € - 140.000 €.
1960 Jaguar C-Type Recreation. Im Auktionsverkauf. Schätzwert: 110.000 € - 140.000 €.
1960 Jaguar C-Type Recreation. Im Auktionsverkauf. Schätzwert: 110.000 € - 140.000 €.
1960 Jaguar C-Type Recreation. Im Auktionsverkauf. Schätzwert: 110.000 € - 140.000 €.
C-Type Recreation nach dem Vorbild von XKC015Sehr ungewöhnliche EntstehungsgeschichteMit 3,4-Liter-XK-Motor und Moss-GetriebeHöchst authentisches ErscheinungsbildIn Österreich typisiert und zugelassenTeilnehmer renommierter Veranstaltungen
Als Jaguar 1950 beschloss, in Le Mans anzutreten, tat man das nicht aus einer Laune heraus. Der XK 120 hatte gerade eindrucksvoll bewiesen, dass Jaguars neuer Reihensechszylinder nicht nur vor dem Londoner Hotelportal eine gute Figur machte. Drei weitgehend serienmäßige XK 120 starteten 1950 in Le Mans, einer davon lag zeitweise an dritter Stelle. In Coventry verstand man den Wink. Wenn das schon mit einem Straßenauto möglich war, musste mit einem richtigen Rennwagen noch etwas mehr möglich sein.
Also entstand der XK 120 C – das C stand erfreulich fantasielos für „Competition“. Vom XK übernahm man den 3,4-Liter-Sechszylinder, doch ansonsten wurde gründlich aufgeräumt. Statt des schweren Serienchassis gab es einen leichten Gitterrohrrahmen, darüber spannte Malcolm Sayer eine ebenso schlichte wie aerodynamisch höchst wirkungsvolle Aluminiumkarosserie. Sayer war zuvor in der Luftfahrt tätig gewesen und näherte sich dem Automobil entsprechend weniger als Künstler denn als Aerodynamiker. Jede Linie hatte einen Zweck zu erfüllen. Hübsch wurde der C-Type dabei gewissermaßen nebenbei.
Auch der XK-Motor wurde für die Rennfahrerei entsprechend hergerichtet. Höhere Verdichtung, andere Nockenwellen und zwei SU-Vergaser sorgten für rund 200 PS. Das klingt heute nicht allzu erschütternd, traf allerdings auf ein Auto von knapp einer Tonne Gewicht. Außerdem war der Jaguar klein, windschnittig und vor allem dafür gebaut, viele Stunden lang sehr schnell zu fahren.
Das Ergebnis funktionierte auf Anhieb. Bereits beim ersten Le-Mans-Einsatz 1951 gewannen Peter Walker und Peter Whitehead. Jaguar war gekommen, hatte gewonnen und durfte sich zunächst bestätigt fühlen.
1952 wurde man dafür wieder ein wenig auf den Boden geholt. Für Le Mans hatte Jaguar die Karosserie aerodynamisch weiterentwickelt. Weniger Luftwiderstand versprach mehr Geschwindigkeit auf der Hunaudières-Geraden, brachte aber leider auch weniger Kühlluft. Sämtliche Werkswagen fielen aus. Ein klassischer Fall von theoretisch schneller und praktisch kaputt.
In Coventry zog man daraus die richtigen Schlüsse. Für 1953 wurde der C-Type gründlich überarbeitet. Die Karosserie wurde leichter, der Motor stärker und mit drei Weber-Vergasern gefüttert. Vor allem aber setzte Jaguar gemeinsam mit Dunlop auf Scheibenbremsen. Während die Konkurrenz ihre Trommelbremsen Runde für Runde heißer trat, konnten die Jaguar später, kräftiger und vor allem konstanter verzögern. Auf einer Strecke wie Le Mans war das kein akademischer Vorteil.
Das Resultat fiel entsprechend deutlich aus. Tony Rolt und Duncan Hamilton gewannen vor ihren Markenkollegen Stirling Moss und Peter Walker. Erstmals wurde Le Mans mit einem Durchschnitt von mehr als 100 Meilen pro Stunde gewonnen. Aus dem kleinen Rennprojekt war binnen drei Jahren eine technische Messlatte geworden.
Neben den Werkswagen entstanden auch C-Types für Privatfahrer, die damit bei Sportwagenrennen rund um die Welt antraten. Insgesamt wurden nur gut 50 Exemplare gebaut, ehe Jaguar 1954 mit dem D-Type bereits den nächsten Schritt machte.
Der C-Type blieb damit nur eine kurze Episode. Aber eine ziemlich folgenreiche. Er brachte Jaguar den ersten Le-Mans-Sieg, machte die Scheibenbremse im internationalen Motorsport salonfähig und zeigte, wie viel sich mit wenig Gewicht, guter Aerodynamik und einem bereits vorhandenen Serienmotor anfangen ließ.
Jaguar war nach Le Mans gekommen, um einmal nachzusehen, was möglich war. Drei Jahre später wusste es die Konkurrenz auch.
Dieser C-Type ist kein echter. Das verrät allein schon der Blick auf das Baujahr und auf den Schätzwert links gegenüber. Er ist allerdings auch alles andere als eine gewöhnliche Replika. Denn sein Werdegang ist höchst spannend.
Dieses Exemplar entstand ursprünglich in den 1980er-Jahren beim Classic & Sportscar Centre in North Yorkshire. Als technische Basis diente ein Jaguar Mk 2 von 1960, dessen Identität sich auch in den zum Wagen gehörenden Unterlagen wiederfindet. Das war bei C-Type-Repliken anno dazumal durchaus üblich: Man nahm dort Jaguar, wo Jaguar verfügbar war, und baute daraus möglichst viel Le Mans.
Damit war die Geschichte dieses Autos allerdings noch lange nicht fertig. Einer der späteren Besitzer kaufte den Wagen bereits teilweise aufgebaut und brachte ihn zunächst auf die Straße. Mitte bis Ende der 1990er-Jahre entschloss er sich dann zu einem erheblich konsequenteren zweiten Anlauf. Die Replika wurde wieder zerlegt und praktisch von vorne begonnen. Diesmal stand sogar ein echter C-Type als Anschauungsobjekt zur Verfügung. Das neue Chassis entstand nach dessen korrekten Abmessungen mit den entsprechenden runden und rechteckigen Rohrprofilen. Auch die inneren Aluminiumverkleidungen wurden nach Originalvorbild gefertigt, ehe ein auf Bootsbau spezialisierter Karosseriebauer eine neue Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff schuf.
Besonders interessant wird es unter der langen Motorhaube. Dort sitzt ein 3,4-Liter-XK-Reihensechszylinder, der keineswegs im Zustand einer gemütlichen Mk-2-Limousine belassen wurde. Drei Weber-DCOE-Doppelvergaser versorgen ihn mit Gemisch, dazu kommen schärfere Nockenwellen, ein bearbeiteter Zylinderkopf und C-Type-artige Auspuffkrümmer. Die Abgase verschwinden schließlich durch einen einzelnen, seitlich geführten Schalldämpfer. Leise Zurückhaltung sieht anders aus.
Auch technisch wurde in jüngerer Vergangenheit ordentlich investiert. 2015 wurde der Motor überholt, wobei unter anderem Teile von Rob Beere Racing und PowerTune-Kolben zum Einsatz kamen. Eine Rechnung über 6.000 Pfund aus dem Jahr 2019 dokumentiert weitere Arbeiten am Zylinderkopf sowie Änderungen an Pedalerie und Gasbetätigung. Die Radnaben wurden auf C-Type-Spezifikation umgebaut, damit die richtigen 16-Zoll-Speichenräder mit Zentralverschlüssen montiert werden konnten.
Geschaltet wird über ein Moss-Vierganggetriebe mit Overdrive. Im Cockpit geht es erfreulich zweckmäßig zu: Aluminium, Leder, ein halbes Armaturenbrett und eine bunte Mischung aus Lucas-, Smiths- und originalen C-Type-Instrumenten. Komfortausstattung besteht im Wesentlichen darin, dass überhaupt Sitze vorhanden sind.
Natürlich ist dieser Wagen kein C-Type. Er gibt auch nicht vor, einer der 53 zu sein. Interessanter ist ohnehin, wie weit seine Erbauer gingen, um das Erlebnis des Originals mit zeitgenössischer Jaguar-Technik nachzuzeichnen. Der zeitgenössische Test beschreibt einen lebhaften XK-Motor, ein angenehm schaltbares Moss-Getriebe und ein Fahrwerk, das auch bei flotter Gangart keine unangenehmen Überraschungen bereitet.
Seit 2020 ist diese C-Type-Reminiszenz bei seinem aktuellen Besitzer in Österreich. Zugelassen ist der Wagen ganz offiziell mit historischem Eintrag als „Jaguar C-Type Nachbau“. Auch die FIVA gab ihm in Form einer Carte d’Identité ihren Sanctus. Selbst bei renommierten Veranstaltungen wie „Le Mitiche Sport a Bassano“ waren der C-Type und sein Besitzer gerne gesehen. Mehrere Male bestritten sie in den vergangenen Jahren diese Rallye im Norden Italiens.
Weil sein Besitzer beim ersten Jaguar-Sieg in Le Mans schon fast im Volksschulalter war, wird der Wagen nun in neue Hände weitergereicht.
Auf den oder die neue Besitzerin wartet ein Sportwagen, wie er puristischer nicht sein könnte. Natürlich ist er kein Original. Das will er auch gar nicht sein. Aber sein Werdegang, seine Mechanik und seine Ausstrahlung unterscheiden ihn im positiven Sinn deutlich von vielen anderen.
Nicht zuletzt räumt seine Zulassung hierzulande auch noch mit den letzten Zweifeln auf. So kann sich jederzeit die nächste Landstraße wie die berühmtesten Strecken von einst anfühlen. Und hat man sich erst einmal nach ein paar Kilometern im Cockpit eingelebt und ist der Wagen dann auf Temperatur, so fühlt er sich irgendwie doch erstaunlich echt an.
Chassis: 103654
Motor / Engine: –
Schätzwert / Estimate: EUR 110.000 – 140.000
Ort / Location: CLASSIC EXPO Salzburg Messezentrum Salzburg Am Messezentrum 1 5020 Salzburg
Datum / Date: 17. Oktober 2026 11:00 bis 13:00 und ab 16:00
Besichtigung / Viewing: 16. und 17. Oktober 2026

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