1957 | Mercedes-Benz 190 SL
1957 Mercedes-Benz 190 SL. Im Auktionsverkauf. Schätzwert: 90.000 € - 120.000 €.
1957 Mercedes-Benz 190 SL. Im Auktionsverkauf. Schätzwert: 90.000 € - 120.000 €.
1957 Mercedes-Benz 190 SL. Im Auktionsverkauf. Schätzwert: 90.000 € - 120.000 €.
1957 Mercedes-Benz 190 SL. Im Auktionsverkauf. Schätzwert: 90.000 € - 120.000 €.
Von Reinhard Bahr kompromisslos restauriertEiner der besten 190-SL-Kenner weit und breitGanz außergewöhnliches ErgebnisWunderschöne Farbkombination
Die Idee zum 190 SL kam, wie so manche gute Mercedes-Idee jener Jahre, nicht aus Stuttgart. Sie kam von einem gebürtigen Wiener, der in New York saß und ziemlich genau wusste, was die Amerikaner kaufen wollten. Max Hoffman importierte europäische Automobile in die USA und drängte den Vorstand bei Mercedes-Benz beharrlich dazu, das – vorsichtig ausgedrückt – etwas konservative Modellprogramm ein wenig aufzufrischen. Schöne, schnelle Autos aus Europa ließen sich im Amerika der Nachkriegsjahre schließlich prächtig verkaufen, und Hoffman wollte davon gerne ein paar mit Stern im Kühlergrill haben.
Konkret dachte er an zwei Autos. Zum einen an eine Straßenversion des Rennwagens 300 SL, zum anderen an einen schicken offenen Zweisitzer für jene Kundschaft, die zwar ähnlich aussehen, aber weder Renntechnik noch deren Preis bezahlen wollte. Ein Boulevard-Sportwagen also, mit aufregender Hülle und profaner Technik darunter. Und tatsächlich standen im Februar 1954 auf der New Yorker Automesse zwei entsprechende Prototypen nebeneinander: der 300 SL und sein deutlich bescheidenerer kleiner Bruder, der 190 SL.
Letzterer war in erstaunlich kurzer Zeit entstanden. Innerhalb weniger Monate wurde er gezeichnet und entwickelt, wobei man sich vernünftigerweise aus dem vorhandenen Mercedes-Regal bediente. Als technische Grundlage dienten Komponenten aus den Baureihen W 120 und W 121. Der Vierzylindermotor war zwar eine Neuentwicklung, allerdings keineswegs exklusiv für den neuen Sportwagen gedacht. Wenig später sollte er auch in den Limousinen Dienst tun. Für den 190 SL wurde ihm allerdings etwas mehr Benehmen beigebracht. Zwei Solex-Doppelvergaser halfen dabei, aus 1,9 Litern Hubraum 105 PS herauszukitzeln. Das war anno dazumal allemal ausreichend, um das Gros der übrigen Verkehrsteilnehmer hinter sich zu lassen. Zum ernsthaften Sportwagen wurde der Mercedes dadurch allerdings noch lange nicht. In den Verkaufsprospekten sprach man deshalb klugerweise vom „Touren-Sportwagen“. Das klang flott, versprach aber nicht zu viel.
Optisch durfte sich der Kleine dagegen schamlos am 300 SL bedienen. Kühlergrill, Kotflügellinien und zahlreiche Details stellten die gewünschte Familienähnlichkeit her. Unter dem Blech endete die Verwandtschaft jedoch ziemlich abrupt. Einen aufwendigen Gitterrohrrahmen wie beim 300 SL suchte man vergebens. Stattdessen ruhte der 190 SL auf einer verkürzten Bodengruppe aus dem Limousinenprogramm. Das war weniger spektakulär, aber erheblich billiger herzustellen – und für die Fahrt vom Hotel zum Strand vermutlich auch vollkommen ausreichend.
Bei der gemeinsamen Präsentation in New York war der 300 SL bereits wesentlich weiter gediehen. Der 190 SL brauchte dagegen noch ein gutes Jahr Entwicklung, ehe aus dem hastig aufgebauten Prototyp ein serienreifes Automobil geworden war. Den endgültigen Entwurf präsentierte Mercedes im Frühjahr 1955 auf dem Genfer Automobilsalon, zwei Monate später begann in Sindelfingen die Produktion.
Ganz ohne Versuchung blieb man während der Entwicklung allerdings nicht. Einige Prototypen erhielten Sechszylindermotoren, womit der kleine SL seinem großen Bruder zumindest technisch etwas näher gerückt wäre. Eine Serienfertigung scheiterte letztlich an den erwarteten Produktionskosten und am Veto des Vorstands. Der 190 SL sollte eben der erreichbare SL bleiben. Zumindest erreichbar im Mercedes-Maßstab.
Angeboten wurde er schließlich in drei Auslieferungsvarianten: als Roadster mit Stoffverdeck, als Coupé mit Hardtop sowie als Coupé mit Hardtop und zusätzlichem Stoffverdeck. Selbst eine Sport-Version fand sich im Prospekt. Mit kleinerer Windschutzscheibe, fensterlosen Aluminiumtüren und ohne Stoßstangen hatte man ihr einige überflüssige Kilos abgewöhnt. Damit wollte Mercedes die Fahrleistungen verbessern und den 190 SL auch für Privatfahrer im Motorsport interessant machen. Ganze 17 Exemplare entstanden. Der Drang der Kundschaft, mit ihrem 190 SL am Wochenende Rennen zu fahren, hielt sich offenbar in Grenzen.
Beim normalen Serienmodell sah die Sache ganz anders aus. Max Hoffman sollte mit seiner Einschätzung recht behalten. Der 190 SL wurde, ebenso wie der 300 SL, zu einem Erfolg, den man in Stuttgart in dieser Größenordnung wohl kaum erwartet hatte. Besonders beliebt war er in Hoffmans neuer Heimat Amerika, wohin ein beträchtlicher Teil der Produktion ging und wo der Mercedes obendrein günstiger angeboten wurde als in Deutschland.
Bis 1963 entstanden fast 26.000 Exemplare. Dann ließ Mercedes beide SL-Linien gleichzeitig auslaufen: den 190 SL ebenso wie den mittlerweile als Roadster angebotenen 300 SL. Zwei höchst unterschiedliche Automobile, die einst gemeinsam in New York gestanden hatten, wurden durch ein einziges ersetzt. Der 230 SL musste fortan beides können.
Dieses 190 SL wurde wie die meisten seiner Artgenossen ursprünglich in die USA ausgeliefert. Er ging an eine Studebaker- und Packard-Vertretung nahe Los Angeles. Vor einigen Jahren holte Reinhard Bahr den 190 SL als gute Restaurierungsbasis zu sich nach Bayern. Bahr ist kein Unbekannter in Sachen 190 SL. Widmete er sich doch jahrzehntelang deren fachmännischer Restaurierung und erlangte in diesem Metier einen gar außergewöhnlich guten Ruf.
Warum dem so ist, dafür liefert dieser 190 SL ein eindrucksvolles Zeugnis ab. Restauriert in den vergangenen Jahren, besticht der Mercedes aus jedem Blickwinkel mit seiner ganz einmaligen Erscheinung. Die Qualität der Arbeit sucht schlichtweg ihresgleichen.
Bei der Restaurierung wurde nicht lange um den heißen Brei gearbeitet. Die Karosserie wurde vollständig zerlegt, entlackt und sandgestrahlt. Hauptboden, Kofferraumboden und Heckblech wurden erneuert, anschließend sämtliche Anbauteile sorgfältig eingepasst. Unterboden und Radhäuser erhielten einen dünnen Steinschlagschutz, ehe die Karosserie innen wie außen neu lackiert wurde. Auch beim Chrom beließ man es nicht bei halben Sachen: Die Teile wurden neu beschichtet oder, wo notwendig, ersetzt.
Ähnlich gründlich ging es im Innenraum weiter. Sitze, Verkleidungen und Verdeckkasten wurden mit hochwertigem Leder bezogen, dazu kamen Schlingenteppich sowie aufgearbeitete Holzelemente, Schalter und Bedienelemente. Kabelbaum und Instrumente wurden ebenfalls überholt. Hübsche Details wie hell-elfenbeinfarbene Bedienknöpfe und lederbezogene Lautsprecher zeigen, dass dabei nicht nur an die großen Dinge gedacht wurde.
Auch technisch blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Der Motor wurde vollständig zerlegt, Block und Zylinderkopf überarbeitet sowie Lager, Ventile und Ventilfedern erneuert. Das Getriebe wurde überprüft und neu abgedichtet, Vorder- und Hinterachse, Fahrwerk sowie die komplette Bremsanlage umfassend überholt. Nebelscheinwerfer, Radio und Weißwandreifen setzen schließlich die passenden zeitgenössischen Akzente. Das Ergebnis ist keine oberflächlich aufgehübschte Schönheit, sondern ein Klassiker, dessen Restaurierung dort weiterging, wo man sie von außen längst nicht mehr sehen kann.
Chassis: 121.042-75-01372
Motor / Engine: 121.920-65-04036
Papiere / Documents: Deutsche historische Zulassung
Schätzwert / Estimate: € 90.000 – 120.000
Ort / Location: CLASSIC EXPO Salzburg Messezentrum Salzburg Am Messezentrum 1 5020 Salzburg
Datum / Date: 17. Oktober 2026 11:00 bis 13:00 und ab 16:00
Besichtigung / Viewing: 16. und 17. Oktober 2026

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