Sammlung Sonderklasse - Auktion
Lot 019: 1968 Mercedes-Benz 300 SE (6.3) “Wilfert”
Fahrzeugbeschreibung
- 1968 Mercedes-Benz 300 SE 6.3 "Wilfert"
Technische Details
- Rufpreis: € 20.000.- Ohne Limit
- EINZIGARTIGER VERSUCHSWAGEN
- AUS UNERFINDLICHEN GRUENDEN BIS HEUTE UEBERLEBT
- WEITGEHEND IM ORIGINALZUSTAND ERHALTEN
- VIELE SICHERHEITS-AUSSTATTUNGS-PROTOTYPEN
- Auf den ersten, flüchtigen Blick ein kurzer 300 SE, ist dieser W 109 beim zweiten Hinsehen doch irgendwie anders. Die Heckleuchten erinnern frappant an die des Nachfolgers, der Kühler an den der späteren W 111 Coupés und Cabriolets. Auch innen erkennt man bereits das, womit Mercedes den W 116 zu einem der sichersten Autos der Welt machen würde. Gepolsterte Verkleidungen entlang der Seitenfenster, ein Aufprallschutz am Armaturenbrett, ein Sicherheitslenkrad wirken zwar vertraut, doch sieht alles noch höchst improvisiert aus.
- Genau das ist es letztlich auch, denn dieser 300 SEL 6.3 – auf »L« und »6.3« verzichtete man, um weniger aufzufallen – ist ein Versuchsträger, der auf ungeklärte Weise seinem Schicksal, der Schrottpresse, entkommen war. Türverkleidungen, Armaturenbrett und Mittelkonsole sind aus Aluminium von Hand gefertigt und mit dickem Kunstleder gepolstert. Ebenso ein Unikat ist die Schaltkulisse aus Messing und Plexiglas. Die bereits erwähnten Heckleuchten und das Kombiinstrument sind ebenfalls Prototypen, die erst Jahre später in Serie gehen würden. Die Haube samt Kühler stammt tatsächlich vom Flachkühler-Coupé.
- Karl Wilfert war in enger Zusammenarbeit mit Béla Barényi ein Vordenker in Sachen Sicherheit. Als Leiter der PKW-Entwicklung gab er bei Mercedes-Benz die Marschrichtung vor. Er selbst nutzte den Versuchswagen als persönlichen Dienstwagen, zugelassen am 8. August 1968. Ab 1983 war das Unikat auf Bertram Wolff zugelassen. Dass dieser sogenannte »Wilfert-Wagen« überlebt hat, ist ohnehin ein Wunder, heute ist er Zeuge eines der wichtigsten Entwicklungsschritte bei Mercedes-Benz, zumal alle einzigartigen Ausstattungs-Merkmale bis heute unangetastet erhalten blieben.
- Jahr: 1968
- Fahrgestell: 66 517 107 /1
- Lackierung: 462 (UT) / 461 (OT) TUNISBEIGE METALLIC / BRONZEBRAUN METALLIC
- Polster: STOFF BRAUN
Provenienz
- 08/08/1968 MERCEDES-BENZ, STUTTGART-UNTERTUERKHEIM, DE
- 17/11/1983 BERTRAM WOLFF, HEIDELBERG, DE
- 02/05/2006 BERTRAM WOLFF, DARMSTADT, DE
Papiere
- DEUTSCHER FAHRZEUGBRIEF (1983)
- DEUTSCHE ZULASSUNGSBESCHEINIGUNG (2006)
Zur Baureihe
W 109
Der Einfluss, den Paul Bracq ab seiner Ankunft in Stuttgart auf die gesamte Modellreihe von Mercedes-Benz hatte, ist unverkennbar. Die Formensprache seiner W 111/W 112 Coupés und Cabriolets setzte sich im W 113 (1963), W 100 (1964) und in weiterer Folge auch in den neuen Oberklasse-Modellen, den Schwesterbaureihen W 108 und W 109, fort, die 1965 debütierten. Die waren nicht nur viel moderner als ihre Vorgänger, sondern hatten im Gegensatz zu diesen auch ihren fest definierten Platz im Modellprogramm gefunden. Mercedes selbst spricht in Retrospektive von der Geburtsstunde der »S-Klasse«, auch wenn die Baureihe diese Bezeichnung noch nicht offiziell trug.
W 108 und W 109 unterschieden sich im Wesentlichen durch ein Hauptmerkmal, die Luftfederung. Die W 109 waren außerdem ausschließlich mit langem Radstand als »SEL« erhältlich. Mercedes vergrößerte gleichzeitig die Motoren- und Variantenvielfalt. Den Anfang machten zur Präsentation auf der IAA der 250 S (Vergasermotor), der 250 SE (Einspritzmotor) und der 300 SE(b) als W 108. Die Produktion der langen W 109 begann mit dem 300 SEL ein halbes Jahr später. Die beiden Letzteren waren als Speerspitze der Modellreihen weiterhin mit dem Motor aus der W 189 Baureihe und üppigerem Chromornat ausgestattet. Anfang 1968 hatte dieser Motor, dessen Grundkonzept noch aus den frühen 1950ern stammte, endgültig ausgedient. An seine Stelle trat der neue 2,8-Liter M 130, der in alle Baureihen einzog. Aus dem 250 SE wurde folglich der 280 SE mit 160 PS, aus dem 300 SEL der 300 SEL 2.8 mit zehn Pferdestärken mehr.
Fast gleichzeitig setzte Mercedes-Benz mit der Baureihe W 109 jedoch ein anderes Ausrufezeichen. Dank des 6,3-Liter-Motors aus dem W 100 hatte Deutschlands schnellster Neuwagen nun vier Türen. Der 220 km/h schnelle Sportwagen hörte auf den Namen 300 SEL 6.3 und brachte nicht nur in der Stuttgarter Nachbarschaft manche ins Grübeln. Ab 1969 folgten mit einer umfassenden Modellpflege für beide Baureihen auch kleinere V8-Motoren mit 3,5 Litern Hubraum – in den USA 4,5 Liter, because size matters.
Im Hintergrund hatten bereits längst die Arbeiten an einem Nachfolger begonnen. 1970 verabschiedete sich Paul Bracq Richtung München. Friedrich Geiger, schon seit den 1950ern in Stuttgart und unter anderem auch Schöpfer des 300 SL, übernahm wieder am Zeichenbrett. Im Hintergrund arbeiteten Béla Barényi und Karl Wilfert weiterhin intensiv am Thema Sicherheit. Das Verkehrsaufkommen auf Europas Straßen hatte sich während der 1960er Jahre vervielfacht. Ebenso die Unfälle mit oft fatalem Ausgang. Das neue Oberklasse-Modell sollte dahingehend in jeder Hinsicht neue Maßstäbe setzen.
Auktionsinformationen
- Auktion: 07.11.2026, 14:00 Uhr
- Auktionshaus: Humer Granner & Co
- Rufpreis: 20.000 EUR
- Limit: Ohne Limit
- Besichtigung: 05. November 2026 10:00 – 18:00, 06. November 2026 09:00 – 18:00, 07. November 2026 ab 09:00
- Ort: Gewerbeparkstraße 17, 4101 Feldkirchen an der Donau, AT
- Bieten: Vor Ort · Online live · Telefonisch · Schriftliches Gebot
- Anmeldung zur Auktion: Schriftliches Kaufangebot, Als Telefonbieter, Online - live
- Kontakt: Wolfgang Humer, +43 650 7262524 / Reinhard Granner, +43 699 17127272
Teilnahme & Details