✨ Highlights
Unberührter Scheunenfund – jahrzehntelang auf dem Milligen-Hof eingelagert. Ursprünglich als viertürige Limousine ausgeliefert und von den lokalen Karosseriebauern Tooley und Youngs während des Zweiten Weltkriegs zum Pick-up umgebaut. Begehrtes Beispiel für britische Ford-Ingenieurskunst der Vorkriegszeit. Aktuell ohne Getriebe und Vergaser – daher ideal für eine ambitionierte Restaurierung durch Sammler mit Ford-Affinität.
🏛️ Allgemeines zum Fahrzeug / Modellhistorie
Der Ford V8-78 markiert einen wichtigen Meilenstein in der britischen Automobilgeschichte. Präsentiert im Januar 1937, handelte es sich dabei im Kern um die britische Rechtslenker-Variante des amerikanischen V8-78, gefertigt im traditionsreichen Dagenham-Werk. Mit seinem avantgardistisch anmutenden „split-screen“-Design, das eine klare Nähe zum luxuriösen Lincoln-Zephyr erkennen lässt, setzte der V8-78 stilistische Akzente und bediente sich technischer Innovationen: Erstmals wurden die früher üblichen Gestängbremsen durch „easy-action self-energising“ Seilzugbremsen ersetzt, was laut zeitgenössischer Berichterstattung für deutlich verbessertes Bremsverhalten sorgte.
Zwischen Januar 1937 und Juni 1938 entstanden nur 4.331 Exemplare, überwiegend als viertürige Limousine, wobei Club Cabriolets und Nutzfahrzeug-Umbauten wie das hier vorgestellte Pick-up ausgesprochene Raritäten blieben. Die Modellreihe galt vielen als die eleganteste Ausführung der berühmten Ford-V8-Baureihe. Mit einer gemessenen Höchstgeschwindigkeit von rund 140 km/h (87 mph) und einem Neupreis von 230 Pfund Sterling bot der V8-78 ein beachtliches Preis-Leistungs-Verhältnis und galt als eines der schnellsten britischen Familienfahrzeuge seiner Zeit.
Besonders unter britischen Landwirten waren modifizierte V8s aufgrund ihrer Robustheit und Vielseitigkeit sehr geschätzt. Ihre Allwettertauglichkeit und die zuverlässige Startbereitschaft machten sie zu einem festen Bestandteil ländlicher Mobilität – nicht zuletzt, weil Umbauten wie der hier angebotene Pick-up den spezifischen Anforderungen von Farmen entgegenkamen.
Dieses Fahrzeug
Exterieur
Die Karosserie wurde ursprünglich als viertürige Limousine von Briggs gefertigt und von Tooley und Youngs, nach Angaben vor Ort, während des Zweiten Weltkriegs zu einem Pick-up mit Holzpritsche umgebaut. Das Fahrzeug präsentiert sich aktuell im unrestaurierten Zustand mit typischen Patinaspuren und weitgehend vollständiger Substanz. Zum optischen Zustand der Lackierung und des Rahmens liegen keine detaillierten Angaben vor, was angesichts der jahrzehntelangen Standzeit plausibel erscheint.
Technik Der V8-78-Motor zählt zu den meistgebauten und zugleich robustesten Ford-Aggregaten der Vorkriegszeit. Bei diesem Exemplar fehlen aktuell Getriebe und Vergaser, wobei nicht ausgeschlossen ist, dass diese bis zur Auktion wieder auftauchen könnten. Zum generellen technischen Zustand – insbesondere Fahrwerk, Achsen und Elektrik – liegen keine gesicherten Informationen vor. vollständiges Restaurierungsobjekt.
Historie
Bekannt ist, dass das Fahrzeug nach dem Umbau über Jahrzehnte hinweg auf dem Milligen-Hof eingesetzt und anschließend in einem nicht mehr genutzten Wagenschuppen eingelagert wurde – ein klassischer „barn find“, wie ihn die Sammlerszene schätzt. Angaben zur Erstzulassung und eventueller Vorbesitzer fehlen, ebenso ist nicht belegt, ob Dokumente wie alte Zulassungspapiere oder Wartungsnachweise vorhanden sind.
Service/Dokumente
Über den Umfang vorhandener Dokumente, Servicehefte oder Ersatzteilnachweise gibt es keine belastbaren Informationen. Zum Zeitpunkt der Katalogerstellung konnten weder eine originale Betriebsanleitung noch eine Historie der Werkstattaufenthalte gesichtet werden.
Zusammenfassung / Fazit
Dieser Ford V8-78 Pick-up bietet als authentischer Scheunenfund eine seltene Gelegenheit für erfahrene Sammler und Liebhaber britischer Vorkriegsfahrzeuge. Die Kombination aus seltener Nutzfahrzeug-Umrüstung, dokumentierter Standzeit und vollständigem Restaurierungsbedarf verleiht dem Exemplar eine besondere Aura. Gerade im Kontext des britischen Nutzfahrzeugbaus der 1930er-Jahre besitzt dieses Fahrzeug Potenzial, nach einer fachgerechten Aufarbeitung als authentisches Zeitzeugnis und Ausstellungsstück zu glänzen. Die Marktbeobachtung zeigt, dass Pick-ups und landwirtschaftliche Umbauten aus dieser Epoche eine wachsende Fangemeinde genießen.
Kommentar / persönlicher Eindruck
Als ich das Fahrzeug das erste Mal sah, musste ich an die unverstellte Ehrlichkeit jener Zeit denken, als Automobile vor allem Nutzwerkzeuge waren. Der Geruch nach altem Holz, das matte Metall und die ruhende Staubschicht erzählen Geschichten von harter Arbeit, Improvisation und einem Stück ländlicher Automobilkultur, das heute kaum mehr zu finden ist. Für mich ist dieser Ford V8-78 ein Paradebeispiel für automobile Authentizität, die den Respekt des Betrachters fordert.