Dreitüriger Tourer Body. Mille Miglia tauglich.
Umbau in den Jahren 1968-1971 vom Saloon Aufbau und gleichzeitige Totalrestaurierung bei der Firma McKenzie Dorset mit James E. Pearce, Coachbuilder Sussex, im Van den Plas Open Tourer Le Mans Style. Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen Bentley 4,5 Liter Open Tourer Umbau vom Saloon Car, erstzugelassen im Jahre 1928, mit der Fahrzeug Ident. Nr. PM3265.
6- Zylinder 4 1/2 Ltr. Reihenmotor R-Typ-Bentley
Im Zuge der Restaurierung in den Jahren 2014/2015/2016 bei LMB Racing in Wommelgem, Belgien, wurden der Motor, die Nockenwelle, die Kolben, der Ölfilter und Wasserpumpe erneuert. Der Motor wurde gebohrt und gehont, die Kurbelwelle wurde revidiert. Der Motorzustand kann mit „2+“ bewertet werden.
Getriebe Nr.: D-Typ Gear Box Y102
4-Gang MK 6 – Bentley Getriebe mit Laycock/ Petersen, „P“-Typ Overdrive.
Lackierte 19“ – 70 Speichen Drahtspeichenräder.
Fahrzg.-Ident-Nr. PM3265
Fabrikat Bentley Typ 4,5 Liter Open Tourer
Motorart 4-Zylinder-Ottomotor
Motor-Nr. B 253 M
Hubraum 4 398 cm³
Leistung 110 KW
Bereifung 5.25/6.00 x 21 H Blockley 6 Ply Spezial
Tag der Erstzulassung 01.07.1928
Tachostand abgelesen 11000 mls
Farbe dunkelgrün
Historie: Die nach dem Ersten Weltkrieg gegründete Marke von W. O. Bentley wurde binnen weniger Jahre zu einem Synonym für schwere, kraftvolle Touren- und Rennwagen. Mehrere Le-Mans-Siege untermauerten den Ruhm der Marke. Die Bentley waren ebenso leistungsfähig wie hochwertig. Letzteres Prädikat mag mit ein Grund dafür gewesen sein. daß die Bentley Motors Ltd. 1931 in Konkurs geriet, aber auch dafür, daß Rolls-Royce die Firma übernahm. W. O. Bentley arbeitete fortan für Lagonda: er verstarb 1971 im Alter von 83 Jahren. Sein Name hat in der Geschichte des Autos einen festen Platz.
Die Historie der Marke Bentley - von Claus Goldberg: Die Nennung der Initialen „W. O.“ genügen in der Regel, um bei Enthusiasten ein erwartungsvolles Flimmern in die Augen zu zaubern, denn handelt es sich doch um jenen Mann, der heute noch so bekannt ist wie zu seiner Zeit als genialer und grandioser Automobilpionier. Sein Name ist untrennbar mit hochwertigen, reinrassigen Renn- und Sportwagen verbunden und im Gespräch fällt natürlich sehr bald das Wort Le Mans, wo sich die Bentleyboys bei vielen 24-Stunden-Rennen u.a. mit den Fahrern von Mercedes-Benz hinreißende Duelle lieferten und wenigstens fünfmal den Siegespokal mit auf die Insel nehmen konnten. W.O. wurde 1888 als letztes von 9 Kindern in London geboren. Die spätviktorianische Familie war begütert und so genoss der junge W.O. eine glückliche Kindheit, in der er sich frei entfalten konnte. Als technisch interessierter und auch versierter junger Mann verdingte er sich mit 16 Jahren als Lehrling bei den Doncaster Lokomotivwerken, die zur Gruppe der Great Northern Railway gehörte. Während der folgenden 3 ½ Jahre entdeckte er dort nach und nach seine Fähigkeiten als Ingenieur. Seinen Kindheitstraum erfüllte er sich 1909, als er sich, zeitlich begrenzt, als Heizer auf einer ExpresszugLokomotive verdingte. Mit 18 Jahren entdeckte der junge W. O. seine Leidenschaft für Motorräder und legte sich im Laufe der Zeit wechselnde Fabrikate zu und es ist berichtet, dass er bei seiner ersten Teilnahme an der Zuverlässigkeitsfahrt des Motor Cycling Club, die von London nach Edinburgh führte, trotz vieler Pannen gar die Goldmedaille gewann. Diese bescheidenen Anfangserfolge begründeten bei W.O. eine lebenslange Begeisterung für den Motorsport. Ähnlich der Geschichte der Herren Charles Stewart Rolls und Henry Royce, die ebenfalls zunächst französische Automobile importierte, um sie von Grund auf zu verbessern und zuverlässiger zu machen, gründeten die Gebrüder Bentley 1912 eine Agentur für französische D.F.P. Autos und nannten die Firma Bentley & Bentley. Ihr Ziel war es, durch Überarbeitung und Leistungssteigerung die D.F.P. Autos u.a. für den Rennsport tauglichzu machen und gaben dem ersten Modell die Typenbezeichnung 12/15. Schon bald gab es einen Nachfolger, den Typ 12/40 Speed, mit dem auf der Isle of Man und der Rennstrecke von Brooklands gute Erfolge erzielt werden konnten. Geheimnis des Erfolgs war, dass man den Motoren eine Weltnovität einpflanzte, die W.O. ersonnen hatte, nämlich Aluminium-Kolben. Diese Autos brachten den Gebrüdern Bentley sowohl wirtschaftlichen, als auch sportlichen Erfolg bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges, der ihr Geschäft abrupt, jedoch zeitlich begrenzt, zum Erliegen brachte. W.O. absolvierte seinen Wehrdienst als Pilot bei der RAF. Was wunder, hatte er doch zuvor Flugzeug-Sternmotoren konstruiert, die zu den besten der Zeit gehörten. 1919 begannen in Teamwork die Arbeiten am ersten reinrassigen W.O.-Sportwagen mit einem 3-Liter-Vierzylinder Motor, Leichtmetallkolben, obenliegender Nockenwelle, Doppelzündung und 4 Ventilen pro Zylinder, eine für die damalige Zeit revolutionäre Technik. Teamwork insofern, als sich W.O. der Mitarbeit von Frank Burgess für seine Chassis versichert hatte, der zuvor für das Design bei Humber tätig war. Bereits zu Beginn des Jahres 1920 konnten erste Testläufe mit diesem Fahrzeug, das die Bezeichnung EXP 1 erhielt, unternommen werden. In den Folgejahren entstanden weitere Motorvarianten mit 6-Zylinder Triebwerken und variierenden Chassislängen, um dem Verlangen nach mehr Leistung und besserem Handling gerecht zu werden. Das brachte W.O. international das scherzhafte Kompliment ein, die schnellsten Lastwagen der Welt zu bauen.
Die von W.O. konzipierten und gebauten Bentley-Typen waren in der Reihenfolge:
Typ Bauzeit
Bentley 3 Liter 1919-1929
Bentley 6 ½ Liter 1926-1930
Bentley 4 ½ Liter 1929-1931
Bentley 4 ½ Liter mit Kompressor 1929-1931
Bentley 8 Liter 1930-1931
Bentley 4 Liter 1931
Der Vorschlag des Rennfahrers Tim Birkin an W.O., den zwischen 1929 und 1931 gebauten Bentley 4 ½ Liter mit einem Kompressor zu versehen, führte zum Bruch mit W.O., da dieser darin eine Perversion seines Motorenkonzeptes sah. Birkin hatte den Vorschlag aus der Erkenntnis heraus gemacht, dass auch der Erzrivale Mercedes-Benz bei den Rennen in Le Mans mit Kompressormodellen antrat, die den reinen Saugern von W.O. in Beschleunigung und Endgeschwindigkeit überlegen zu werden drohten. Aus der Ablehnung von W.O. heraus machte sich Tim Birkin mit eigenen Mitteln und selbst ans Werk und versah den 4 ½ Liter mit einem Kompressor, der beim ersten Rennen in Le Mans mangels Stehvermögens des Kompressors ausfiel, im
Folgejahr jedoch bereits gegen die Konkurrenz von Mercedes-Benz obsiegte. Da Birkin sein gesamtes Geld, das seines Vaters, der eine Fabrik für textile Spitze betrieb und das einer spendablen Freundin in die Entwicklung gesteckt hatte, waren alle am Ende mittellos und Birkin verdingte sich als Rennfahrer bei Alfa Romeo.
W.O. ging es im Schicksalsjahr 1931 auch nicht besser, denn alles Geld war durch die Entwicklung neuer Konzepte, u.a. ein – zuvor abgelehntes - Kompressormodell auf Basis des 4 ½ Liter und nicht zuletzt aufgrund der Rennleidenschaft, die mehr Geld verschlang als durch Verkäufe erwirtschaftet werden konnte, verbraucht.