1964 | Alfa Romeo Giulietta TI
- Status:
- Vorschau
- Schätzwert:
- € 16'000 - € 18'000
- Endet um:
- 25.10.2026, 17:45:00 MEZ
Italien hatte in den 1960er-Jahren eine bemerkenswert andere Vorstellung davon, wie eine Familienlimousine auszusehen hatte.
Anderswo bekam man vier Türen, einen Motor, der hauptsächlich dafür zuständig war, Geräusche zu machen, und ein Fahrwerk, dessen sportlichste Disziplin das Überqueren eines Bahnübergangs war.
Bei Alfa Romeo bekam man die Giulietta TI.
Vier Türen, Hinterradantrieb, Handschaltung, wenig Gewicht und ein drehfreudiger Vierzylinder. Ein Auto, mit dem man am Montag die Kinder zur Schule bringen und sich am Sonntag auf einer kurvigen Landstraße benehmen konnte, als hätte man plötzlich eine Startnummer auf der Tür.
Dieses Exemplar stammt aus 1964, dem letzten Jahr der dritten Serie. Karosserie und Innenraum wurden laut Verkäufer vollständig restauriert, der Motor vor Kurzem umfassend überholt. Seitdem wurden rund 2.000 Kilometer zurückgelegt.
Als Alfa Romeo die Giulietta Mitte der 1950er-Jahre auf die Straße brachte, war die Idee dahinter für damalige Verhältnisse beinahe revolutionär: Ein relativ kleines, erschwinglicheres Auto sollte trotzdem jene technischen Zutaten besitzen, die man mit Alfa Romeo verband.
Die Giulietta TI brachte dieses Rezept in die Welt der viertürigen Limousine.
Das Kürzel TI stand für Turismo Internazionale – und schon der Name machte klar, dass dies nicht einfach nur ein italienisches Transportmittel für Vater, Mutter, zwei Kinder und einen Korb voller Tomaten sein sollte.
Die Giulietta war kompakt und leicht, der Motor saß vorne, die Kraft ging an die Hinterräder. Genau so stellte man sich bei Alfa Romeo eine vernünftige Familienlimousine vor.
Was wiederum einiges über Italien aussagt.
Unter der Haube arbeitet ein 1.290 cm³ großer Vierzylinder mit 74 PS, kombiniert mit einem manuellen Vierganggetriebe.
74 PS.
Heute bekommt man vermutlich leistungsfähigere Elektromotoren zum Verstellen eines SUV-Sitzes. Aber diese Zahl erzählt nur die halbe Geschichte.
Denn die Giulietta wiegt rund 900 Kilogramm.
Und plötzlich ergibt alles Sinn.
Hier müssen keine zwei Tonnen aus einer Kurve herausbeschleunigt werden. Es gibt keine Batterie von der Größe eines Konzertflügels, keine sieben Fahrprogramme und keinen Computer, der darüber nachdenkt, ob der Fahrer wirklich das tun sollte, was er gerade tut.
Man hat einen Motor, ein Getriebe, Hinterradantrieb und ein erstaunlich leichtes Auto darum herum.
Das genügt.
Diese Giulietta wurde nach Angaben des Verkäufers umfassend restauriert. Die Karosserie wurde vollständig aufgearbeitet, ebenso der Innenraum.
Heute präsentiert sich die Limousine in Grau – eine Farbe, die ausgesprochen gut zu ihrer zurückhaltenden Form passt.
Denn die Giulietta TI muss nicht schreien.
Keine gigantischen Lufteinlässe. Keine Kotflügelverbreiterungen. Kein Spoiler, auf dem man in der Mittagspause essen könnte.
Nur eine kompakte italienische Limousine mit dünnen Säulen, viel Glas und jener wunderbar unangestrengten Eleganz, die Autos dieser Epoche heute so sympathisch macht.
Auch der Innenraum wurde laut Verkäufer vollständig restauriert und präsentiert sich mit grauer Stoffausstattung.
Hier wird man daran erinnert, wie wenig ein Auto eigentlich benötigt.
Ein Lenkrad. Ein paar Instrumente. Ein Schalthebel. Sitze.
Fertig.
Kein Touchscreen. Kein Untermenü für die Lüftung. Keine Warnmeldung, weil irgendwo ein Smartphone nicht verbunden ist.
Man steigt ein, startet den Motor und fährt.
Eine geradezu radikale Idee.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt in jüngerer Vergangenheit der Vierzylinder.
Nach Angaben des Verkäufers wurde der Motor vor Kurzem vollständig überholt. Seit Abschluss dieser Arbeiten hat die Giulietta rund 2.000 Kilometer zurückgelegt.
Und genau dieser letzte Punkt gefällt mir.
Denn ein frisch überholter Motor, der anschließend nur fünf Kilometer vom Anhänger in eine Ausstellungshalle gefahren wurde, erzählt wenig darüber, wie sich das Auto tatsächlich im Alltag verhält.
Dieser Alfa durfte nach den Arbeiten wieder auf die Straße.
So sollte es sein.
Nach Angaben des Verkäufers verfügt die Giulietta außerdem über eine ASI-Goldplakette.
Wer sich mit italienischen Klassikern beschäftigt, begegnet dem ASI – dem Automotoclub Storico Italiano – früher oder später zwangsläufig. Es gehört zur italienischen Oldtimerwelt ungefähr so selbstverständlich wie Espresso, rote Werkstattwagenheber und lebhafte Diskussionen darüber, welches Motoröl das einzig richtige ist.
Bei einem italienischen Klassiker ist eine solche Historienverbindung deshalb ein schönes Detail.
Das Faszinierende an einer Giulietta TI ist, dass sie auf den ersten Blick überhaupt nicht faszinierend sein müsste.
Sie ist eine kleine viertürige Limousine.
Aber dann schaut man genauer hin.
Hinterradantrieb. Handschaltung. Rund 900 Kilogramm. Ein lebendiger Vierzylinder. Alfa-Romeo-Technik aus einer Zeit, in der die Marke ihre sportliche Herkunft auch in Autos einbaute, die eigentlich für den Alltag gedacht waren.
Und plötzlich versteht man, warum solche Autos heute so viel Charme besitzen.
Man braucht keine 300 PS. Man braucht nicht einmal 100.
Man braucht eine gute Straße und einen Grund, noch einen kleinen Umweg zu fahren.
Diese Alfa Romeo Giulietta TI von 1964 ist keine italienische Diva mit zwölf Zylindern und einer Motorhaube, die länger ist als manche Garage.
Sie ist etwas viel Bodenständigeres – und gerade deshalb besonders charmant.
Vier Türen. 1,3 Liter Hubraum. 74 PS. Vier Gänge. Hinterradantrieb. Rund 900 Kilogramm.
Dazu kommen eine restaurierte Karosserie, ein restaurierter Innenraum und ein frisch überholter Motor, der seitdem bereits rund 2.000 Kilometer bewegt wurde.
Das Ergebnis ist genau jene Art klassischen Alfa Romeo, die daran erinnert, dass Fahrspaß früher nicht daraus bestand, möglichst viele Pferdestärken in ein Datenblatt zu schreiben.
Man nahm ein leichtes Auto, einen guten Motor und Hinterradantrieb.
Und wenn die Familie mitfahren wollte, baute man eben noch zwei Türen ein.

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