1959 | Heinkel Tourist 103 A1
- Status:
- Voorvertoning
- Schatting:
- € 2.800 - € 3.800
- Eindigt op:
- 13-09-2026, 19:45:00 CEST
Dieser Heinkel Tourist 103 A1 von 1959 verbindet die robuste Technik des klassischen deutschen Großrollers mit einer ausgesprochen individuellen Optik. Mechanisch wurde das Exemplar mit erheblichem Aufwand und zahlreichen Neuteilen überarbeitet; der 177-cm³-Einzylinder leistet 9 PS und ist mit einem Viergang-Schaltgetriebe kombiniert. Statt einer konventionellen Neulackierung wurde die Karosserie bewusst weitgehend blank belassen und mit Owatrol konserviert. Der Roller erhielt bereits 1964 eine österreichische Einzelgenehmigung und verfügt über ein „Pickerl“ bis August 2026.
Der Heinkel Tourist gehörte in den 1950er-Jahren zu jener Kategorie Roller, die sich deutlich vom Bild des minimalistischen Stadtgefährts entfernten. Der 103 A1 besitzt einen 177 cm³ großen Viertakt-OHV-Einzylinder, Gebläsekühlung, Elektrostarter und ein Vierganggetriebe. Mit 9 PS war das Konzept für seine Entstehungszeit keineswegs bescheiden motorisiert.
Der Anspruch lag vielmehr darin, einen ausgewachsenen, alltagstauglichen Roller zu schaffen. Eine entspannte Sitzposition, guter Wetterschutz, ein großer Gepäckträger und die komplette Ausstattung machten den Tourist zu einem Fahrzeug, das auch für regelmäßige und längere Nutzung gedacht war. In der damaligen deutschen Fachpresse wurde der Typ laut Einbringer sogar als „König der Roller“ bezeichnet – eine zeitgenössische Charakterisierung, die den Anspruch des Modells treffend zusammenfasst.
Optisch geht dieses Exemplar einen sehr eigenen Weg. Statt die Karosserie nach der technischen Überarbeitung klassisch zu lackieren, entschied sich ein früherer Besitzer dafür, die Metalloberflächen weitgehend blank zu belassen und mit Owatrol zu behandeln. Dadurch entsteht eine rohe, industriell anmutende Erscheinung, die sich deutlich von einem werksgetreu restaurierten Tourist unterscheidet.
Die Fotografien zeigen genau diesen bewusst gewählten Charakter: sichtbare Metalloberflächen, Patina und klassische Anbauteile treffen auf eine insgesamt vollständige Erscheinung. Der heutige Zustand ist daher nicht mit einer original erhaltenen Lackierung zu verwechseln, sondern das Ergebnis einer individuellen gestalterischen Entscheidung im Zuge der Aufarbeitung.
Matching Colors sind nach Prüfung grundsätzlich bestätigt, wobei für die Sammlereinordnung entscheidend bleibt, dass die historische Farbzuordnung nicht dem heutigen blanken Erscheinungsbild entspricht.
Zur Ausstattung gehören ein Elektrostarter und eine Blinkanlage. Hinzu kommen der große Gepäckträger und die für den Tourist typische umfangreiche Verkleidung. Gerade diese Details zeigen, dass Heinkel den Roller nicht lediglich als urbanes Kurzstreckenfahrzeug konzipierte.
Mit einem hinterlegten Gewicht von rund 100 Kilogramm und der aufrechten Sitzposition besitzt der Tourist eine wesentlich erwachsenere Erscheinung, als seine 9 PS zunächst vermuten lassen. Der Einbringer kennt das Modell zudem aus eigener Erfahrung: Bereits in den 1980er-Jahren nutzte er einen Tourist dieses Typs als Alltagsfahrzeug im Großraum Wien.
Der 177-cm³-Einzylinder-Viertaktmotor mit OHV-Ventilsteuerung leistet bestätigte 9 PS beziehungsweise 7 kW. Der Motor wird per Gebläse gekühlt und elektrisch gestartet. Geschaltet wird über ein Viergang-Schaltgetriebe.
Technisch wurde der Roller nach den geprüften Angaben mit großem Aufwand und zahlreichen Neuteilen in seinen heutigen Zustand versetzt. Der Einbringer beschreibt ihn als gut laufend. Besonders wichtig für den nächsten Besitzer ist, dass der überarbeitete Motor noch nicht vollständig eingefahren ist. Nach etwa 300 Kilometern sollen die Kopfmuttern vorsichtig nachgezogen werden.
Eine belastbare Gesamtlaufleistung liegt nicht vor. Der im Datensatz hinterlegte Wert von null Kilometern wird daher ausdrücklich nicht als tatsächliche Laufleistung interpretiert. Matching Numbers sind nach Prüfung bestätigt.
Der Tourist wurde 1959 produziert und gelangte den vorhandenen Angaben zufolge vermutlich als Gebrauchtimport nach Österreich. Dort erhielt er bereits 1964 eine Einzelgenehmigung. Es folgten mehrere Besitzerwechsel.
Später gelangte der Roller zu einem Freund des heutigen Einbringers, der ihn nach seinen eigenen Vorstellungen umfassend herrichten ließ. Technisch lag der Schwerpunkt auf einer gründlichen Aufarbeitung mit zahlreichen Neuteilen; optisch entschied er sich dagegen bewusst gegen eine konventionelle Restaurierung und für die heutige Owatrol-konservierte Metalloberfläche.
Der spätere Besitzer war im Alltag offenbar eher an die Leistungsentfaltung einer Harley-Davidson gewöhnt und stellte fest, dass die 9 PS des Heinkel nicht ganz seinem persönlichen Fahrgeschmack entsprachen. Der heutige Einbringer übernahm den Tourist schließlich zusammen mit weiteren Fahrzeugen und Gegenständen im Paket. Da er selbst keine dauerhafte Verwendung für den Roller hat, wird dieser nun weitergegeben.
Die österreichische Einzelgenehmigung von 1964 und die Fahrzeugpapiere sind vorhanden und geprüft. Ebenso ist die umfangreiche mechanische Aufarbeitung dokumentiert. Der Roller besitzt laut Unterlagen ein gültiges österreichisches „Pickerl“ bis August 2026.
Aktuell ist der Heinkel nicht angemeldet. Der Einbringer beschreibt ihn als gut laufend; im strukturierten Datensatz ist die aktuelle Fahrbereitschaft jedoch nicht separat bestätigt. Ein eigenständiges Zustands- oder Wertgutachten liegt nicht vor.
Dieser Heinkel Tourist ist kein Kandidat für denjenigen, der einen optisch streng auf Werkszustand restaurierten Roller sucht. Sein Reiz liegt gerade im Gegensatz zwischen umfangreich überarbeiteter Mechanik und bewusst unkonventioneller Oberfläche. Die blanke, mit Owatrol konservierte Karosserie gibt ihm eine Persönlichkeit, die man entweder sofort versteht – oder eben nicht.
Dazu kommen eine bis 1964 zurückreichende österreichische Zulassungsgeschichte, der frisch aufgebaute und noch einzufahrende Motor sowie Elektrostarter und Vierganggetriebe. Als Heinkel Tourist bleibt er ein charaktervoller Vertreter deutscher Nachkriegsmobilität; in dieser individuellen Ausführung ist er zugleich weit entfernt vom üblichen Bild eines perfekt lackierten Museumsrollers.
Neun PS sind heute eine Zahl, die kaum jemanden nervös macht. 1959 sah die Sache anders aus – und ein Roller mit Viertaktmotor, Elektrostarter, vier Gängen und reichlich Platz war durchaus eine ernsthafte Form der Mobilität. Dieser hier fügt noch eine Portion Eigenwilligkeit hinzu: Statt Hochglanzlack gibt es blankes Metall und Owatrol. Puristen werden diskutieren, andere werden grinsen. Mir gefällt vor allem, dass niemand versucht hat, ihn künstlich älter oder perfekter wirken zu lassen. Er ist technisch gemacht, optisch eigensinnig und ziemlich sicher nicht mit dem Roller des Nachbarn zu verwechseln.

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