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Mercedes Vorkriegs-Oldtimer kaufen
Zwischen 1900 und 1926 hieß die Marke schlicht Mercedes – eine eigenständige Ära der Daimler-Motoren-Gesellschaft, geprägt von Rennsiegen in Nizza und bahnbrechender Ingenieursarbeit. Finden Sie seltene Vorkriegs-Mercedes mit nachvollziehbarer Historie und passender Dokumentation für Österreich.
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1909 | Mercedes 15/20 PS
Ein Flitzer (Runabout) aus der Messingzeit
"Mercedes" Inserats-Referenzen von Classic Trader
Im Folgenden finden Sie Inserate zu Ihrer Suche, die nicht mehr auf Classic Trader verfügbar sind. Für eine bessere Kaufentscheidung können Sie sich mit Hilfe dieser Informationen ein besseres Bild über Verfügbarkeit, Wertentwicklung und aktuellen Preis eines "Mercedes" machen.

1910 | Mercedes 15/20 PS

1924 | Mercedes 28/95 PS
MATCHING NUMBERS | MERCEDES-BENZ ZERTIFIKAT | ERSTKLASSIGE RESTAURIERUNG

1915 | Mercedes 22/50 PS

1925 | Mercedes 15/70/100 PS
1925 Mercedes-Benz 15/70/100 PS Offener Tourenwagen

1915 | Mercedes 22/50 PS
| 22/50 hp | 1.Platz CONCOURS D'ELEGANCE SCHWETZ

1915 | Mercedes 22/50 PS
22/50 Siebensitzer Open Tourer
Geschichte der Marke Mercedes 1900–1926
Der Ausgangspunkt ist präzise datierbar: Der erste DMG 35 PS wurde am 22. Dezember 1900 ausgeliefert. Wilhelm Maybach entwickelte die Konstruktion, Jellinek vertrieb sie unter dem Vornamen seiner Tochter Mercedes. Der 35 PS war kein aufgesetzter Kutschenwagen mit Motor mehr. Sein niedriger gepresster Stahlrahmen, der weit vorne sitzende Motor und der lange Radstand verbesserten Schwerpunkt und Fahrstabilität grundlegend. Gerade die Verbindung aus konstruktiver Ruhe und hoher Leistung machte das Auto zum Maßstab seiner Zeit.
Technisch war der 35 PS für 1900 außerordentlich: ein 5,9-Liter-Vierzylinder, 35 PS bei nur 950/min, Wabenkühler nach Maybach, Spritzvergaser und Kulissenschaltung. Der Wabenkühler brachte eine für die Leistung nötige Kühlfläche in kompakter Form unter. Bei der Nice Week 1901 gewann der Mercedes; die Erfolge machten aus einem Handelsnamen rasch eine eigenständige Modellbezeichnung. Ab 1902 nutzte DMG Mercedes für seine Personenwagen.
Auf den 35 PS folgte die Mercedes-Simplex-Familie. „Simplex“ meinte nicht einfach, sondern leichter beherrschbar: bessere Bedienung, robustere Ausführung und ein klar gegliederter Modellbaukasten. Sammler begegnen heute besonders den 18/22 PS, 28/32 PS, 35 PS und dem Spitzenmodell 60 HP. Die Bezeichnung mit zwei Zahlen folgt nicht immer dem später gewohnten Schema; deshalb sind Baujahr, Motor, Antrieb und Werksunterlagen wichtiger als ein bloßes Emblem am Kühler.
Der Simplex 60 HP von 1903 zählt zu den bedeutendsten frühen Mercedes. Sein 9.236-cm³-F-Kopf-Vierzylinder leistet 60 HP, die Kraft gelangt über ein Vierganggetriebe und Doppelketten an die Hinterachse. DMG baute 102 Stück; fünf haben nach heutiger Forschung überlebt. Das erklärt, weshalb jedes Exemplar mit originalem Motor, Fahrgestell und Karosserie eine Sonderstellung einnimmt. Der 60 HP war zugleich Reisewagen und sportliches Gerät: Für Wettbewerbe ließ sich ein leichter Aufbau montieren, auf der Straße waren großzügige Tourenkarosserien gefragt.
Nach 1908 wandelte sich die Modellpalette. Kardanantrieb setzte sich bei vielen Tourenwagen durch; zugleich blieben für schwierige Märkte oder besondere Ausführungen Kettenantriebe verfügbar. Der 22/40 PS von 1910/11 steht für diese Übergangszeit. Seine „Colonial“-Ausführung mit größerer Bodenfreiheit und breiterer Spur zeigt, dass Mercedes früh für Exportstraßen und lange Distanzen plante. Der 28/50 PS mit 7,2-Liter-Vierzylinder und der 38/70 PS führten die Tradition großer, souveräner Reisewagen weiter.
Der Erste Weltkrieg unterbrach das zivile Geschäft, doch nach 1918 entwickelte sich Mercedes erneut in Richtung Leistungsspitze. Der 28/95 PS mit Sechszylinder ist für Käufer besonders attraktiv, weil er die Vorkriegsdimension mit einer deutlich moderneren technischen Haltung verbindet. Mit dem von Ferdinand Porsche verantworteten 15/70/100 PS und den daraus entwickelten Kompressorwagen der frühen 1920er Jahre gewann die Marke wieder sportliche Schärfe. Kurz vor 1926 gehören 24/100/140 PS und 24/110/160 PS zu den eindrucksvollsten Mercedes: großvolumige Sechszylinder, mechanische Aufladung und ein Anspruch, der weit über bloße Fortbewegung hinausging.
Besonderheiten und Sammlerrelevanz
Mercedes dieser Jahre sind keine einheitliche Baureihe, sondern eine Folge von Antworten auf dieselbe Frage: Wie verbindet man Zuverlässigkeit, Geschwindigkeit und Würde auf schlechten Straßen? Der 35 PS beantwortete sie mit niedrigem Schwerpunkt und effizienter Kühlung. Der Simplex machte die Leistung alltagstauglicher. Die großen Nachkriegssechszylinder ergänzten sie um Kompressortechnik und ein deutlich sportlicheres Temperament.
Für den Markt zählen drei bis fünf Modelle als Orientierungspunkte. Erstens der 35 PS, weil er den Namen Mercedes technisch begründete. Zweitens der Simplex 60 HP, weil er Seltenheit, Motorsportbezug und überragende Leistungsdaten vereint. Drittens der 22/40 PS oder 28/50 PS als fahraktive Edwardian-Tourenwagen. Viertens der 28/95 PS, der den Weg zum Sechszylinder weist. Fünftens die Kompressor-Sechszylinder 15/70/100 PS und 24/100/140 PS für Käufer, die die Zwanzigerjahre suchen.
Entscheidend ist nicht nur das Modell, sondern die individuelle Konfiguration. Diese Chassis wurden oft nackt an Karossiers geliefert. Ein Tourer, Limousine, Landaulet oder Roi-des-Belges-Aufbau kann daher original sein, obwohl er anders aussieht als ein Werksprospekt. Genau deshalb gehören Karosserienummer, historische Fotos, Auftragskopie und eine lückenlose Eigentümerfolge zusammen. Ein späterer, schön gemachter Aufbau ist nicht automatisch falsch, aber etwas anderes als eine erhaltene Erstkarosserie.
Die Faszination steckt auch in den sichtbaren Lösungen: außenliegende Leitungen, Schmierstellen, Messing, Holzspeichen, große Scheinwerfer und offene Ventil- oder Gestängetechnik. Das verlangt vom Eigentümer Aufmerksamkeit. Ein fachgerecht gewarteter früher Mercedes ist jedoch kein reines Museumsstück. Seine Motoren liefern schon bei niedrigen Drehzahlen kräftigen Zug; die Fahrwerke sind für damalige Fernfahrten und nicht für moderne Kurzstreckenlogik gemacht.
Beim Kompressorwagen muss die Bedeutung des Begriffs sauber bleiben. Der Lader ist keine spätere Leistungszugabe, sondern Teil der historischen Auslegung. Käufer sollten daher kontrollieren, ob Motorblock, Verdichter, Ansaugung, Vergaser und Zündung zueinander passen. Ein unpassender Nachbau-Kompressor oder ein späterer Motor mag fahrbar sein, mindert aber die technische Aussage des Wagens erheblich.
Technische Daten wichtiger Mercedes
Die Tabelle dient der Einordnung. Bei frühen Mercedes sind Angaben je nach Radstand, Aufbau, Exportversion und Überlieferung unterschiedlich; das konkrete Fahrzeugdatenblatt hat Vorrang. Leistungsangaben folgen zeitgenössischen HP/PS-Bezeichnungen und sind nicht mit modernen Messnormen gleichzusetzen.
Bei den frühen Vierzylindern sind Magnetzündung, Gemischaufbereitung, Kühlung und Schmierung als System zu betrachten. Ein Motor kann sauber anspringen und dennoch bei Belastung überhitzen, wenn Kühlerkern, Wasserumlauf oder Zündzeitpunkt nicht stimmen. Beim 60 HP sind der korrekte F-Kopf, der Zenith-Vergaser, die Kettenräder und das Vierganggetriebe wesentliche Authentizitätsmerkmale. Beim 22/40 PS ist die Kombination aus T-Kopf-Motor, Doppelzündung und Antriebsart besonders prüfenswert.
Marktübersicht und Kauftipps
Der Markt für Mercedes 1900–1926 ist klein, international und stark von Einzelfahrzeugen geprägt. Pauschale Preisbänder wären irreführend: Ein restaurierter Tourer ohne gesicherte Werkshistorie ist nicht mit einem bewahrten Spitzentyp mit Erstkarosserie vergleichbar. Statt erfundener Preisbereiche sind belastbare Resultate hilfreicher. Gooding erzielte bei Amelia 2024 für einen 1903 Mercedes-Simplex 60 HP „Roi des Belges“ 12.105.000 US-Dollar. Das Fahrzeug hatte außergewöhnliche Provenienz, 121 Jahre Familienbesitz und eine erhaltene, bedeutende Karosserie; dieses Ergebnis ist kein allgemeiner Maßstab für alle Simplex.
Ein anderer Marktpunkt ist Bonhams London: Ein 1910 Mercedes 35 PS Landaulette wurde im Dezember 2024 für 109.250 Pfund Sterling inklusive Aufgeld verkauft. Das Los trug allerdings ausdrücklich einen revidierten Aufbau und einen früheren 8,5-Liter-Motor statt des ursprünglich montierten Motors. Gerade dieses Ergebnis lehrt, dass ein Fahrzeug mit reizvoller Geschichte und brauchbarer Fahrbereitschaft trotz substantieller Abweichungen anders bewertet wird als ein matching-numbers-Exemplar.
RM Sotheby’s verkaufte beim Hershey-Termin 2025 einen 1911 Mercedes 22/40 HP „Colonial“ Double Phaeton für 187.000 US-Dollar. Die originalen Bauunterlagen, der nachgewiesene Export nach Buenos Aires und die lange Museumsgeschichte stützen dort die Einordnung. Vergleichen Sie bei jedem Angebot daher nicht nur Jahr und PS-Zahl, sondern Aufbau, Fahrgestellnummer, Motor, Dokumentenlage und Restaurierungsalter.
Kaufprüfung vor Ort: Besichtigen Sie nicht allein mit dem Verkäufer. Ein Sachverständiger für historische Fahrzeuge oder ein Restaurator mit Vorkriegs-Erfahrung sollte Fahrgestell, Antrieb und Holzaufbau prüfen. Beginnen Sie mit der Identität: eingeschlagene Fahrgestellnummer, Motornummer, Karosserieschild, Werkskopie und alte Zulassungen müssen zusammenpassen. Bei Karosserien aus Esche oder anderem Hartholz sind gelöste Verbindungen, weiche Bereiche an Spritzwand und Schweller, ungleichmäßige Türspalte sowie verdeckte Feuchte unter Leder oder Teppichen Warnzeichen.
Am Chassis verdienen Rahmenlängsträger, Federaufnahmen, Achsschenkel, Lenkgetriebe, Felgen und Speichen besondere Aufmerksamkeit. Alte Reparaturen sind nicht per se schlecht; dokumentierte, sachgerechte Arbeiten sind einem glänzenden, aber unklaren Neuaufbau vorzuziehen. Prüfen Sie bei Kettenfahrzeugen Kettenlängung, Kettenräder, Schutzgehäuse und die Ausrichtung der Hinterachse. Beim Kardanwagen sind Gelenke, Lager, Differential und das Spiel im Antriebsstrang wichtig.
Die Probefahrt beginnt kalt. Beobachten Sie Ölversorgung, Wasserumlauf, Rauch, Zündaussetzer und Kupplung. Die Getriebe verlangen bewusstes Schalten und häufig Zwischengas; ein unsynchronisiertes Getriebe muss nicht lautlos sein. Nicht akzeptabel sind jedoch springende Gänge, rutschende Kupplung, knackende Zahnräder unter normaler Last oder ein Motor, der nach wenigen Kilometern kocht. Mechanische Bremsen und gegebenenfalls Getriebebremsen müssen fachlich beurteilt werden; ein modernes Bremsempfinden ist der falsche Maßstab, sichere und gleichmäßige Wirkung aber unverzichtbar.
Für österreichische Käufer ist der Transport Teil des Kaufs. Ein offener Veteran sollte nicht ohne Plan auf eigener Achse über viele hundert Kilometer überstellt werden. Wählen Sie einen auf Vorkriegsfahrzeuge spezialisierten, geschlossenen Transport mit niedriger Rampe, weichen Zurrpunkten und ausreichender Wertdeckung. Vorher fotografieren Sie Karosserie, Messing, Scheiben, Verdeck, lose Werkzeuge und Ersatzräder. Bei einer Auktion im Ausland gehören Abholungsvollmacht, Exportpapiere und ein Zustandsprotokoll in dieselbe Mappe wie der Kaufvertrag.
Auch die Zulassung muss vor dem Zuschlag geklärt sein. Für Importfahrzeuge ohne österreichische Papiere ist in der Regel die Einzelgenehmigung bei der zuständigen Landesprüfstelle nötig. Der ÖAMTC empfiehlt, vor dem Ankauf abzuklären, ob die historische Genehmigung realistisch ist. Bereiten Sie ausländische Zulassung, Kaufvertrag oder Rechnung, Baujahrsnachweis, fahrgestellnummerbezogenes technisches Datenblatt, Fotos und gegebenenfalls ein Gutachten vor. Ein deutsches H-Kennzeichen oder eine ausländische historische Zulassung ersetzt die österreichische Prüfung nicht automatisch.
Ein Mercedes dieser Zeit erfüllt das Alterskriterium mühelos, doch Originalität und Erhaltungswürdigkeit bleiben entscheidend. Für den Status als historisches Fahrzeug verlangt Österreich einen passenden Originalzustand; die wesentlichen Baugruppen dürfen nicht beliebig modernisiert sein. Historische Kraftwagen sind auf 120 Fahrtage pro Jahr beschränkt, die Fahrten sind nachvollziehbar zu dokumentieren; die §57a-Begutachtung erfolgt grundsätzlich alle zwei Jahre. Das passt gut zu einem sorgsam genutzten Veteranen, aber nicht zu einem Alltagsauto.
Beim EU-Kauf fallen laut ÖAMTC für historische Fahrzeuge keine Einfuhrabgaben an. Bei Drittlandsimporten sind Zolltarif, Einfuhrumsatzsteuer, Originalzustand und Seltenheit früh mit Fachleuten abzustimmen. Rechnen Sie nie mit einer Begünstigung, bevor der konkrete Wagen samt Papieren geprüft wurde. Die NoVA-Frage, die Eintragung in die Genehmigungsdatenbank und mögliche technische Auflagen gehören vor dem Transport auf die Checkliste. Bei sehr frühen Wagen können Lärm-, Licht- oder Reifennachweise die Dauer des Verfahrens bestimmen.
Fahrerlebnis auf österreichischen Straßen
Ein Mercedes 35 PS oder Simplex will nicht wie ein moderner Oldtimer bewegt werden. Man sitzt hoch, sieht die Vorderräder arbeiten und hört jede mechanische Entscheidung: Ansaugen, Zündung, Ketten, Zahnräder. Schon der 35 PS überrascht mit seinem Drehmoment bei niedriger Drehzahl. Die große Maschine schiebt nicht hektisch, sondern schwer und kontinuierlich. Auf einer ruhigen Landstraße entsteht ein Tempo, das für ein Fahrzeug von 1900 erstaunlich entschlossen wirkt.
Der Simplex 60 HP ist eine andere Kategorie. Sein langer Vorderwagen, das Geräusch des großen Vierzylinders und die direkte Kraftübertragung vermitteln physische Präsenz. Die Leistung verlangt Respekt vor Reifen, Bremsen, Lenkung und Sicht. Eine Passstraße ist nicht der Ort für Tempojagd, sondern für vorausschauendes Fahren: Gang früh wählen, Kühlung beobachten, Kurven weit lesen und dem Wagen Raum geben. Gerade in den Alpen entscheidet die Vorbereitung über Freude oder Überforderung.
Ein 22/40 PS oder 28/50 PS wirkt im Vergleich weniger brachial, häufig aber tourentauglicher. Der Kardan reduziert die visuelle Dramatik des Antriebs, nicht die Aufmerksamkeitspflicht. Große Lenkräder, schwere Kupplungen und lange Pedalwege sind Teil des Erlebnisses. Die Kompressor-Sechszylinder der 1920er setzen darauf noch eine Schicht: Beim Zuschalten des Laders verdichtet sich Klang und Zug, ohne dass der Wagen seine würdige Erscheinung verliert.
Für österreichische Ausfahrten empfiehlt sich eine konservative Route: niedrige Passhöhe, verlässliche Tankmöglichkeiten, Begleitfahrzeug oder wenigstens Werkzeug, Wasser, Öl und Ersatzschläuche. Ein Fahrer sollte vor der ersten Bergfahrt den Schaltablauf, die Zündverstellung und die Bremsbalance auf flachem Gelände üben. Das macht aus einer Vorführung eine echte Reise.
Design, Karosserien und handwerkliche Qualität
Die Form früher Mercedes entsteht aus Technik und Karosseriebau. Beim 35 PS sitzt der Kühler vorn wie ein selbstverständliches Gesicht, dahinter der lange Motorraum, danach ein klarer Fahrgastraum. Die Proportionen wirkten 1900 revolutionär, weil Motor, Fahrer und Räder nicht mehr wie zufällig aneinandergefügt waren. Der Maybach-Wabenkühler ist dabei funktionales Bauteil und Erkennungszeichen zugleich.
Die Simplex-Chassis trugen zahlreiche Aufbauten. Ein Roi des Belges mit geschwungenem Heck und hinteren Einzelsitzen steht für die elegante Seite des Edwardian-Motoring. Tonneau, Phaeton und Tourer betonen dagegen Nutzung und Sichtbarkeit der Mechanik. Limousine und Landaulet sind eher Chauffeur- und Gesellschaftswagen. Bei jedem Aufbau gilt: Der Karossier muss zum Fahrgestell und zur zeitgenössischen Lieferpraxis passen; eine reizvolle Form allein beweist keine Authentizität.
In den 1910er Jahren wurden die Wagen geschlossener und repräsentativer. Lange Hauben, Kotflügel, tiefe Trittbretter und große, aufrechte Fahrgastzellen bestimmten das Bild. Die 1920er brachten straffere Linien und bei den Kompressorwagen einen sportlicheren Zug. Trotzdem bleibt die Karosserie handwerklich: Holzgerippe, Blechhaut, Leder, Lack, Beschläge, Verdeckgestänge und vernickelte oder messingene Teile altern unterschiedlich. Eine Restaurierung sollte diese Schichten lesbar lassen, statt alles in einen einheitlich neuen Glanz zu zwingen.
Fragen Sie bei der Besichtigung nach Fotodokumentation der Restaurierung, Rechnungen von Karosseriebauern und Materiallisten. Neu bezogenes Leder kann korrekt sein; fehlende Bilder des darunterliegenden Holzes sind es nicht. Besonders wertvoll sind Spuren einer nachvollziehbaren Nutzung, wenn die Struktur gesund ist und die Dokumentation sie erklärt.
Sport, Export und gesellschaftliche Bedeutung
Mercedes wurde früh durch Wettbewerb bekannt. Der 35 PS gewann 1901 in Nizza, und die Nachfolger prägten Bergrennen, Zuverlässigkeitsfahrten und Geschwindigkeitsprüfungen. Das war nicht bloß Werbung. Die Erfahrungen aus Kühlung, Gewichtsverteilung, Getriebe und Antrieb flossen in die Serienwagen. Beim Simplex 60 HP verband sich der Anspruch auf höchste Reiseleistung mit einer Rennfähigkeit, die andere Hersteller zum Nachdenken zwang.
Emil Jellineks Netzwerk an der Riviera und im Export öffnete einen wohlhabenden internationalen Kundenkreis. Mercedes gingen nach Frankreich, Großbritannien, Nord- und Südamerika sowie in Regionen mit schlechten Straßen. Deshalb sind Exportausführungen keine Randnotiz. Mehrsprachige Schilder, abweichende Bereifung, größere Bodenfreiheit oder spezielle Karosserien können werksseitig plausibel sein, müssen aber durch Unterlagen gestützt werden.
Für Sammler erhöht ein dokumentierter Wettbewerbseinsatz die Bedeutung, aber nicht jede Rennbehauptung hält einer Prüfung stand. Verlangen Sie zeitgenössische Nennungslisten, Fotos, Presseauszüge oder Werkskorrespondenz. Beim 60 HP ist der Unterschied zwischen nachgewiesener Zeitgeschichte und einer nachträglich erzählten Rennlegende besonders groß. Dasselbe gilt für prominente Vorbesitzer: Ein Name im Verkaufstext ist erst dann wertbildend, wenn die Kette der Belege geschlossen ist.
Fazit: Mercedes Oldtimer gezielt kaufen
Mercedes von 1900 bis 1926 reichen vom wegweisenden 35 PS über die Simplex-Familie bis zu den Kompressor-Sechszylindern. Wer einen solchen Wagen kaufen möchte, sollte zuerst festlegen, ob eine museale Spitzenrarität, ein tourentauglicher Edwardian oder ein leistungsstarker Zwanzigerjahre-Wagen gesucht wird. Danach folgt die Prüfung des einzelnen Chassis, nicht nur des Modellnamens.
Ein überzeugender Kauf verbindet richtige Identität, nachvollziehbare Karosserie, belastbare Historie, fachgerechte Technik und österreichische Zulassungsfähigkeit. Die dokumentierten Auktionsergebnisse zeigen die enorme Spreizung zwischen Ausnahmeprovenienz und abweichender Substanz. Nehmen Sie sich Zeit für Sachverständige, Transportplanung und Genehmigung. Dann wird aus einem frühen Mercedes nicht nur ein seltenes Sammlerstück, sondern ein Fahrzeug, das seine Geschichte auch auf ausgewählten Straßen noch glaubwürdig erzählt.
Recherchequellen: Gooding Christie’s, 1903 Mercedes-Simplex 60 HP ‘Roi des Belges’ und Pressemitteilung vom 4. März 2024 (goodingco.com); Bonhams, 1910 Mercedes 35PS Landaulette, Bond Street Sale, 12. Dezember 2024 (cars.bonhams.com); RM Sotheby’s, 1911 Mercedes 22/40 HP ‘Colonial’ Double Phaeton, Hershey 2025 (rmsothebys.com); Rétromobile, Mercedes Simplex 60HP ‘King of Belgians’ (retromobile.com); ÖAMTC, Oldtimer und Import von Oldtimern nach Österreich (oeamtc.at); BMIMI und KHMÖ, Informationen zu historischen Fahrzeugen (bmimi.gv.at, khmoe.at).
