1962 | Facel Vega Facel II
1962 Facel-Vega Facel II. Im Auktionsverkauf. Schätzwert: 280.000 € - 360.000 €.
1962 Facel-Vega Facel II. Im Auktionsverkauf. Schätzwert: 280.000 € - 360.000 €.
1962 Facel-Vega Facel II. Im Auktionsverkauf. Schätzwert: 280.000 € - 360.000 €.
1962 Facel-Vega Facel II. Im Auktionsverkauf. Schätzwert: 280.000 € - 360.000 €.
Einer von nur 184. gebauten Facel IISeit 33 Jahren bei seinen aktuellen BesitzernVier Besitzer und belegbare 99.000 KilometerIn außergewöhnlichem Originalzustand erhaltenFranzösische Avantgarde in ihrer schönsten Form
Der 1906 in Paris geborene Ingenieur begann seine Karriere bei Citroën. Dort war er unter anderem an der Entwicklung des Traction Avant beteiligt. Nach einem Abstecher in die Luftfahrtindustrie gründete er 1939 die »Forges et Ateliers de Construction d’Eure-et-Loir«, kurz FACEL. Das Unternehmen fertigte zunächst Metallteile für die Luftfahrt, nach dem Krieg dann zunehmend Karosserien für andere Automobilhersteller. Simca, Ford und Panhard gehörten zur Kundschaft, selbst Bentley ließ bei Facel Karosserien bauen. Daninos wusste also längst, wie man Autos baute. Es fehlte nur noch eines mit seinem eigenen Namen.
Das erschien 1954 und hieß zunächst schlicht »Vega«, nach einem der hellsten Sterne am Nachthimmel. Daninos verband dabei französische Eleganz mit amerikanischer Großserientechnik. Frankreich hatte seinen großen Luxusmarken nach dem Krieg mit einer hubraumabhängigen Steuerpolitik weitgehend den Gar ausgemacht. Delahaye, Delage, Hotchkiss und Talbot-Lago verschwanden nach und nach von der Bildfläche. Einen eigenen großen Motor zu entwickeln wäre für einen kleinen Hersteller ohnehin ein finanzielles Abenteuer gewesen, also kaufte Daninos bei Chrysler ein.
Das erwies sich als ausgesprochen vernünftig. Die amerikanischen V8 waren kräftig, zuverlässig und vor allem bereits fertig entwickelt. Herum baute Facel einen französischen Gran Turismo, der aussah, als hätte er mit Vernunft wiederum eher wenig am Hut. Viel Chrom, niedrige Dachlinie, Panoramascheiben und ein Innenraum, der Leder in verschwenderischen Mengen mit einem Armaturenbrett kombinierte, das wie kostbarstes Wurzelholz aussah. Tatsächlich war es Metall, von Hand so kunstvoll bemalt, dass die Illusion eher für als gegen Facel sprach.
Der Plan ging erstaunlich gut auf. Über den FV und seine zahlreichen Weiterentwicklungen führte der Weg zum HK500, und Facel Vega wurde binnen weniger Jahre wieder das, was Frankreich eigentlich gar nicht mehr hatte: eine international respektierte Luxusautomarke. Stirling Moss fuhr Facel, ebenso Pablo Picasso, Ava Gardner und Ringo Starr. Staatsmänner, Industrielle und Schauspieler standen auf der Kundenliste. Albert Camus starb 1960 als Beifahrer in einem Facel Vega – eine tragische Fußnote in einer ansonsten ausgesprochen glamourösen Geschichte.
Ende 1961 präsentierte Daninos schließlich sein Meisterstück. Der Facel II, Type HK2, löste den HK500 ab und machte schon äußerlich klar, was der Anspruch in Colombes war. Er war niedriger und breiter, die gewaltige Windschutzscheibe stand flacher, die Heckscheibe ebenso. Die markanten Doppelscheinwerfer waren nun harmonischer in die Front integriert. Die schweren Formen der 1950er Jahre waren verschwunden. Der Facel II wirkte schlank, beinahe filigran – obwohl er alles andere als ein kleines Auto war.
Unter der langen Haube blieb man dem bewährten Rezept treu. Chrysler lieferte seine großen V8, zunächst mit 6,3 Litern Hubraum, später waren es 6,7 Liter. Je nach Ausführung standen deutlich über zwischen 355 und 390 PS zur Verfügung. Wer selbst schalten wollte, bekam ein Vierganggetriebe, alternativ gab es die Chrysler-Automatik. Mit dem kräftigsten Motor und Schaltgetriebe wurden rund 240 km/h möglich. Damit spielte der Facel II Anfang der 1960er Jahre in einer Liga, in der die Luft ausgesprochen dünn wurde.
Neben einem Facel II wirkten Ferrari und Maserati, Jaguar und Aston Martin fast trivial. Mit einer Selbstverständigkeit degradierte er den Mitbewerb zu Statisten und sah dabei aus jedem Blickwinkel unerhört gut aus. Egal, ob vor dem Casino in Monte Carlo oder jenseits der 200 auf der Route Nationale.
Vier Personen fanden Platz, Leder gab es reichlich, dazu elektrische Fensterheber und je nach Kundenwunsch Klimaanlage. Vor dem Fahrer lag dieses herrlich opulente, fast schon übertriebene Cockpit mit einer ganzen Batterie von Rundinstrumenten und Kippschaltern. Dezent war anders. Aber wer es dezent wollte, fuhr nicht Facel.
Nur entstand der Facel II zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn während Daninos oben angekommen war, hatte er sich weiter unten bereits ein gewaltiges Problem geschaffen.
Facel Vega wollte wachsen. Die großen V8-Modelle waren teuer und ihre Stückzahlen entsprechend klein. Also präsentierte Daninos 1959 die Facellia, einen kleinen Sportwagen, der gegen Alfa Romeo, Porsche und Triumph antreten sollte. Diesmal wollte man möglichst französisch sein und verwendete einen eigens entwickelten 1,6-Liter-Vierzylinder. Genau dieser Motor wurde zum Desaster.
Die Probleme kamen rasch. Motorschäden, insbesondere am Ventiltrieb, machten aus dem Hoffnungsträger einen Garantiefall auf Rädern. Facel musste Motoren reparieren und austauschen, Kunden wurden unruhig und der Ruf der Marke litt. Für einen Großkonzern wäre das teuer gewesen. Für einen kleinen Hersteller, der ohnehin finanziell nicht auf Rosen gebettet war, war es die Bedrohung der Existenz.
Daninos reagierte. Der Facellia wurde überarbeitet und er suchte die Rettung bei Motoren in Schweden (Volvo) und England (Austin-Healey). Doch Facel III und Facel 6 kamen zu spät.
Daninos verlor die Kontrolle über sein Unternehmen, neue Geldgeber und staatliche Stellen versuchten die Firma zu retten, doch die Verluste aus dem Facellia-Abenteuer waren nicht mehr einzufangen. Gleichzeitig blieben die großen Wagen sündhaft teuer in der Herstellung und entstanden in winzigen Stückzahlen. Auch der Facel II, das ausgereifteste und aufregendste Auto der Firmengeschichte, vermochte seinen Hersteller nicht mehr zu retten. Bis zur endgültigen Einstellung der Automobilproduktion 1964 entstanden nur 184 Exemplare.
Gerade das macht den Facel II heute so besonders. Er war der finale Höhepunkt einer der prestigereichsten Marken: schnell, luxuriös, extravagant und gleichzeitig technisch problemlos und souverän.
Jean Daninos hatte Frankreich damit nicht dauerhaft eine neue Luxusmarke geschenkt. Für gerade einmal zehn Jahre hatte er aber bewiesen, dass er der Meister der Avantgarde im Automobilblau war. Als am 1964 die Lichter an der Nummer 19 in der Pariser Avenue George V ausgingen, ging ein kurze Episode französischen Automobilbaus zu Ende, das uns einige der beeindruckendsten automobilen Kunstwerke hinterlassen hat.
Der Facel-Vega-Händler Frères Dumond in Lyon bestellte den hier angebotenen Facel II für sich selbst. Die Konfiguration war so spektakulär wie das Auto selbst: Schwarz mit schwarzem Leder, dazu getönte Scheiben, Klimaanlage und Automatikgetriebe. Im Februar 1962 wurde der Facel ausgeliefert, am 21. März auf Herrn Dumond zugelassen.
Zu einem nicht genauer bekannten Zeitpunkt wechselte der Facel II zum Unternehmer Jean-Paul Audoin aus Chambourcy bei Paris. In den Fahrzeugunterlagen finden sich ab 1979 Rechnungen auf seinen Namen, die letzte davon datiert vom 4. August 1982.
Noch im selben Monat kaufte Dr. Francesco Kunz aus dem Kanton Zürich den Wagen von Audoin. Am 12. August 1982 ließ er ihn von der Garage Fritz Speich abholen. Auf der ersten Rechnung sind 31.443 Kilometer vermerkt, außerdem umfangreiche Wartungsarbeiten. Von da an wurde der Facel ausschließlich bei Speich gewartet und repariert. Die zahlreichen und detaillierten Rechnungen zeichnen das Bild eines peniblen Besitzers und einer Werkstatt, die ihre Aufgabe offenbar ebenso ernst nahm.
Am 14. März 1990 gab Dr. Kunz noch einmal umfangreiche technische und optische Arbeiten in Auftrag. Die dazugehörige Rechnung wurde erst am 17. Februar 1991 gestellt. Offenbar reifte zu dieser Zeit bereits der Gedanke, sich von dem Wagen zu trennen. Wie schwer ihm das gefallen sein dürfte, lässt ein handschriftlicher Kommentar an einen Freund erahnen: „Der Facel sieht super aus, bitte niemandem etwas davon sagen.“
Im Sommer 1993 wurde der Wagen schließlich über den renommierten Zürcher Oldtimerhändler Lukas Hüni an den heutigen Einbringer vermittelt, bereits am 30. Juni 1993 der neue deutsche Kfz-Brief ausgestellt. Ein abschließender Übergabeservice vom 10. November desselben Jahres dokumentiert einen Kilometerstand von 39.718.
Seither bekam der Facel II jene Aufmerksamkeit, die ein solches Auto verdient. Sein Originalmotor wurde überholt, das Getriebe ersetzt und das Coupé mit regelmäßiger Wartung kontinuierlich instandgehalten. Die Rechnungen aus inzwischen mehr als drei Jahrzehnten dokumentieren nicht nur den betriebenen Aufwand, sondern auch die Laufleistung. Heute stehen originale und nachvollziehbare 99.000 Kilometer auf dem Zähler.
Bemerkenswert ist jedoch weniger, was an diesem Facel gemacht wurde, als vielmehr, was ihm erspart geblieben ist. Er wurde nie restauriert. Noch heute trägt er seinen ersten Lack und seine originale Lederausstattung. Seine Geschichte ist über Jahrzehnte dokumentiert, und seit 1993 befindet er sich beim erst vierten Besitzer.
Ein Facel II ist bei nur 184 gebauten Exemplaren schon an sich eine Seltenheit. Einen davon nach mehr als sechs Jahrzehnten noch unrestauriert, im Erstlack und mit originalem Interieur zu finden, ist eine ganz andere Sache. Gerade diese über Jahrzehnte bewahrte Authentizität macht diesen Wagen zu einem außergewöhnlichen Zeitzeugen. Nicht zuletzt ganz in Schwarz, also in jener (Nicht)Farbe, in der er seine skulpturale Erscheinung am besten zur Geltung bringt. Kenner der Marke halten ihn für eines der besterhaltenen Exemplare überhaupt.
Chassis: A 125
Motor / Engine: –
Papiere / Documents: Deutsche historische Zulassung Deutscher Fahrzeugbrief (1993) Französisches Certificat d’immatriculation (1979, Kopie)
Schätzwert / Estimate: EUR 280.000 – 360.000
Ort / Location: CLASSIC EXPO Salzburg Messezentrum Salzburg Am Messezentrum 1 5020 Salzburg
Datum / Date: 17. Oktober 2026 11:00 bis 13:00 und ab 16:00
Besichtigung / Viewing: 16. und 17. Oktober 2026

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