Ein Ort zum Auftanken

Willkommen auf der Insel, wo Gesundheit groß geschrieben wird und Verbrennungsmotoren verboten sind. Hier kommt der DKW Elektrolaster ...

DKW Elektrolaster 1

Am Hafen steht ein Schild mit der Aufschrift »Gott hat die Zeit erschaffen, von Eile hat er nichts gesagt.« Das jährliche Beach-Volleyball-Turnier ist ein Großereignis, das beliebteste Restaurant heißt Pudding-Café, das älteste Gebäude, der Westturm, wurde 1597 gebaut und stand mal am östlichen Ende der Insel. Der Name Westturm ist der Ost-West Drift geschuldet und dem Flugsand auf der Insel. Willkommen auf Wangerooge! Etwa 1300 Inselbewohner leben hier. In der Hauptsaison sind es 7000 Seelen mit den Touristen. Die kommen her, um abzuschalten. Weg vom Trubel, den Stress einfach hinter sich lassen. Auch ihre Autos, denn auf Wangerooge sind keine Verbrennungsmotoren erlaubt. Wenn sich hier etwas ohne Muskelkraft vorwärtsbewegt, ist es elektrisch. Die meisten dieser E-Mobile transportieren Urlauber von der schmalspurigen Bahnstation, vom Flughafen oder vom Hafen zu ihren Hotels. Und eines von ihnen ist Zeitzeuge einer Ära, in der überhaupt nur vier E-Fahrzeuge auf der Insel existierten – ein DKW-Elektrolaster. Er wurde frisch für die Audi Tradition Collection restauriert. Wangerooge ist die östlichste der 32 friesischen Inseln, die ein paar Kilometer vor der Nordseeküste Deutschlands und der Niederlande liegen.

DKW ElektroLaster – Fast wie in der alten Zeit.

Es ist ruhig. Sonnenanbeter bevölkern die Strandkörbe, Windsurfer genießen den Wellengang. Wenn am einen Ende einer imaginären Skala ein dynamischer Tag am Nürburgring in der Nordschleife steht, dann ist ein Wangerooger Kurtag auf der entgegengesetzten Seite zu finden. Entschleunigung pur. Die Insel ist 8,5 Kilometer lang und die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 2,2 Kilometer im Westteil. Die Höchstgeschwindigkeit des DKW Elektro-Lasters von 40,23 km/h bedeutet, dass es prinzipiell zu schaffen wäre, 13 Minuten vor der letzten Bestellung vom Westturm zum Pudding Café zu gelangen. Ralf Hornung kauft und restauriert für Audi Tradition historische Modelle. Die Audi Quattros, die für Mikkola und Röhrl Feuer gespuckt haben? Sein Job! Außerdem gehören eine Unmenge farbenfroher Straßenwagen zu »seiner« Sammlung: Schwere Horchs, niedliche Zweitakter-DKWs, schnittige Wagen der Auto Union und der Mercedes-Benz für Lehrer – ein Audi 100er der 70er-Jahre. Und in der Ingolstädter Aufbewahrungshalle stehen die berühmten DKW-Schnell-Laster (1949-1962). »Die hat man oft gesehen, damals in Deutschland «, sagt Hornung. Der Ausdruck Schnell-Laster ist vielleicht ein bisschen irreführend. Schließlich waren es 1949 nur 20 PS von einem vorderseitig montierten Vorkriegs-Zweitakter mit 684 Kubik, der die Vorderräder über ein Dreiganggetriebe antrieb. Der DKW-Schnell-Laster ist trotzdem ein wichtiges Modell für die Nachkriegsentwicklung der deutschen Automobilindustrie. Es war der erste Wagen aus Ingolstadt, dem neuen Zuhause von Audi nach dem zweiten Weltkrieg. Die Auto Union war damals von Zwickau über Düsseldorf nach Ingolstadt gezogen – und übernahm damit die Ost-West Bewegung des Wangerooger Westturms. Der Schnell-Laster war unglaublich erfolgreich und wurde zuletzt als Typ 3 mit einem Dreizylindermotor (896 ccm) und 32 PS gebaut. Dieser Motor wurde auch DKW 3=6 genannt: »Drei Kraftimpulse pro Kurbelwellen-Umdrehung, genau wie beim Sechszylinder- Viertakter« versprach der Werbetext der Auto Union. Es war ein kleiner, frech blickender Lieferwagen mit ausdrucksvollen Scheinwerfern auf einem sehr funktionalen, kastigen Körper.


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Text Glen Waddington // Fotos Stefan Warter


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