Vor 90 Jahren: Dreifachsieg auf dem Nürburgring mit dem Mercedes-Benz SS

Mercedes-Benz SS Dreifachsieg

Am 15. Juli 1928 gelingt Mercedes-Benz mit dem Mercedes-Benz SS (Super-Sport) eine Rennsportsensation: beim offiziellen Debut des Supersportwagens gelingt ein Dreifachsieg beim III. Großen Preis von Deutschland. Das 509 Kilometer lange Rennen setzt sich aus 18 jeweils 28,27 Kilometer langen Runden zusammen, die sich über den gesamten Nürburgring (Nord- und Südschleife) erstecken.

Dem III. Großen Preis von Deutschland wurden seitens des Publikums und der Automobilindustrie große Erwartungen entgegengebracht. Man munkelte, ob Mercedes-Benz sich mit dem debütierenden Mercedes-Benz SS gegen den Hauptkonkurrenten Bugatti aus Frankreich durchsetzen könne. Ersterer war eine Weiterentwicklung des Erfolgsmodells Typ S, das bereit 1927 für Furore gesorgt hatte. Der Mercedes-Benz SS leistet 160 PS aus dem 7,1-Liter-Sechszylinder, bei zugeschaltetem Kompressor erhöht sich die Leistung auf stolze 200 PS. Zunächst ist der Wagen ausschließlich als Sport-Viersitzer erhältlich und trat auch als solcher beim III. großen Preis von Deutschland an.



Tropische Bedingungen in der Eifel

Insgesamt gehen dort 41 Sportwagen verschiedener Marken an den Start, Mercedes-Benz ist mit sechs Fahrzeugen des Typs SS vertreten wobei jeder Fahrer von jeweils einem Mechaniker als Kopiloten begleitet wird. Neben Otto Merz, Willy Walb und Christian Werner ging auch Rudolf Caracciola für Mercedes-Benz an den Start, der über hervorragende Kenntnisse der Eifelstrecke verfügte. Im Stile einer Reportage berichtete er später über sein erstes Zusammentreffen mit dem Hauptkonkurrenten Bugatti während des Testlaufs: „Der Wagen stürzt in den Raum … schießt die Bergstraße hoch, die kerzengerade in den Himmel zu führen scheint, und stäubt wieder hinunter in das Tal … haut mit einem unverschämten Tempo durch eine Serie von S-Kurven durch […] da erscheint auf einmal neben meinem Wagen ein Gespenst, ein Schatten, ein rasender blauer Schatten.“ Doch Caracciola setzt sich durch: „ Langsam schiebt sich der mächtige weiße Mercedes-Benz nach vorn.“ Mercedes-Benz Rennleiter Neugebauer weist im Vorfeld des Rennens auf die schwierigen Wetterbedingungen mit 35 Grad im Schatten hin, welche die teilnehmenden Fahrer im Laufe des Rennens an ihre Grenzen bringen würden. Die Wetterbedingungen erschwerte die Handhabung des rund zwei Tonnen schweren Boliden erheblich, wie Caracciola eindrücklich beschreibt: „Der große, massive Mercedes-Benz SS, der größte und schwerste Rennwagen der damaligen Gegenwart“, so beschreibt er es und ergänzt: „Leicht zu fahren war diese deutsche Eiche von einem Auto nicht.“ Zu den tropischen Bedingungen am Nürburgring äußert er sich mit den Worten: „Tropische Sonnenglut, geblendet, von der Hitze gebraten, durstig, schlapp – dazu das ungeheure Gewicht des Wagens, das in jeder Runde durch 180 Kurven gezwungen werden musste.“

Mit dem Mercedes-Benz SS zum Dreifachsieg

Trotz der ungeheuerlichen Strapazen, die die Handhabung des Mercedes-Benz SS seinen Fahrern abverlangt, gelingt Alfred Neugebauers Team eine Meisterleistung: der Dreifachsieg am Nürburgring manifestiert Mercedes-Benz‘ Ruf als Hersteller zuverlässiger und schneller Renn- und Sportfahrzeuge. Trotz kleinerer Unfälle und weiterer Widrigkeiten wie Brandblasen an den Fußsohlen, Sonnenstichen und allgemeinen Abnutzungserscheinungen seitens Fahrer gelingt das Unglaubliche – mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 103,9 km/h bringt Werner den Mercedes-Benz SS als Sieger ins Ziel. Gefolgt wird er von Otto März mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 103,3 km/h, während Willy Walb mit der Startnummer 4 und einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 100,5 km/h Platz drei belegt. Die Erfolge des auch als „weißer Elefant“ bekannten Mercedes-Benz SS konnten ab dem 19. Juli 1928 noch übertroffen werden – der weiterentwickelte und mit kürzerem Rahmen versehene Mercedes-Benz SSK (Super-Sport-Kurz) sicherte den Legendenstatus der Reihe endgültig. Caracciola konnte mit dem SSK bei seinem Debüt beim neunten Gabelbach-Bergrennen bei Bad Ilmenau geradewegs einen neuen Streckenrekord aufstellen.


Mercedes-Benz SS Siegerehrung


Fotos & Quelle Daimler AG

Autor: Jan Fröhlich

Jan Fröhlich ist Redakteur beim Classic Trader Magazin und begeistert sich leidenschaftlich für klassische Fahrzeuge. Traum-Klassiker: Mercedes Benz 300 SL & Porsche 356 Eigener Klassiker: Velo Solex 3800 von 1968

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