Volvo 164 – Prestige ohne Prunk

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Mit Volvos verbindet man gemeinhin Tugenden wie Langlebigkeit, Sachlichkeit und Pragmatismus. Ab 1968 konnte man dank des Volvo 164 auch wieder den Begriff Luxus mit der Marke assoziieren. Zumindest mit der schwedischen Interpretation dessen.

Im Schwedischen gibt es ein Wort, was man so direkt nicht ins Deutsche übersetzen kann – Lagom. Es bedeutet in etwas soviel wie „nicht zu viel, nicht zu wenig, gerade richtig“. Es ist also mehr ein Gemütszustand, als ein einfaches erklärendes Wort. Und irgendwie passt es auch zur Marke Volvo, wenn man sich die Limousinen der Typen 140 oder 240 vor Augen hält. Aber es passt eben auch zum Volvo 164.

Volvo 164 – Die neue Oberklasse

In den 1960er-Jahren hatte Volvo mit dem Typ 140 eine erfolgreiche und angemessene Limousine (mitsamt einer Kombi-Version) der oberen Mittelklasse auf dem Markt. Schon in den 50ern gab es Überlegungen, eine Oberklasselimousine auf den Markt zu bringen, mit Platz, Schmackes und V8. Das Projekt P 358 wurde vom Chefdesigner Jan Wilsgaard gezeichnet und wies sowohl die Drei-Fenster-Seiten-Optik der späteren 140er/160er Typen auf, als auch die markante Kühlergrillform, die sich später tatsächlich so beim Volvo 164 wiederfinden sollte. Die generelle Idee wurde aber rasch wieder verworfen, sollen doch die Amerikaner solche Autos bauen, für einen schwedischen Hersteller ziemt es sich irgendwie nicht. Erst mit dem Start des Typ 140 kamen die halb-angedachten Pläne wieder aufs Tablett.

Es war gerade die Grundform des Volvo 144, die sich Jan Wilsgaard als Basis für den 164er zu eigen machte. Die kantigen Konturen, die drei großen Fensterflächen an den Seiten gepaart mit den kräftigen Schulterlinien finden sich in beiden Modellen. Ein funktionelles Design, das im Übrigen auch in der Zukunft über Jahrzehnte zur Volvo-Formensprache werden sollte. Im Vergleich zum 144er wuchs der Volvo 164 um 10 Zentimeter in die Länge. Der gewonnene Platz kam aber weder Fahrer noch Fondspassagieren zugute, er diente allein dazu, Raum für den neuen Sechszylinder-Motor zu schaffen. Auch da wurde schwedisch-sachlich einfach der bekannte Vierzylinder um zwei Zylinder zum Reihensechser B30 mit 3 Litern Hubraum aufgestockt. Mindestens mit 130 PS in der Vergaser-Variante, maximal erzeugte er 160 PS dank der Jetronic-Einspritzanlage von Bosch.

Dank des Griffs ins Billy-Regal und die Nutzung oder Fortentwicklung bestehenden Materials waren die Entwicklungskosten des neuen Topmodells beinahe lächerlich gering.

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Der Volvo 164 – Luxus made in Sweden

Der Luxus, den Volvo mit dem 164er verkörpern wollte, spiegelte sich äußerlich vor allem nur am markanten, britisch anmutenden Kühlergrill wider. Man wollte laut eigener Werbung also bewußt „kein Rolls-Royce für Arme“, sondern „der Volvo für Reiche“ sein. Und so sparte man sich Zierrat und Protzereien, sondern sah eher zu, den Insassen Annehmlichkeiten und Sicherheitsfeatures wie Kopfstützen, Anschnallgurte, Ledersitze, Schiebedach, Servolenkung, Automatikgetriebe oder eine Klimaanlage anzubieten.

Auch wenn sich die Oberklasse nicht so deutlich nach außen profilierte, war man mit mindestens circa 27.000 EUR Einstiegspreis deutlich über einer vergleichbaren Mercedes-Benz S-Klasse oder dem BMW 3.0, die Unterschiede in der Generosität bei der Serienausstattung mal ausgeklammert. Auch deshalb kam der Volvo 164 hierzulande über den Status einer Alternative nicht hinaus, in Schweden und den USA war das Modell, von dem zwischen 1968 und 1975 146.008 Exemplare gebaut wurden, ziemlich erfolgreich.

Damals wie heute ist der Volvo 164 eine gute, robuste und luxuriöse Alternative für Interessenten einer klassischen Oberklasse-Limousine. Abheben ohne Aufzufallen, Prestige ohne Prahlerei. Lagom eben.

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Fotos Volvo Car Group

Autor: Paolo Ollig

Paolo Ollig schreibt als Chefredakteur regelmäßig über alle Raritäten und Meilensteine der Automobil- und Motorrad-Geschichte. Traum-Klassiker: Lamborghini Countach und Mercedes-Benz 300 SL Roadster. Eigener Klassiker: Mercedes-Benz 230 CE (W123) von 1981.

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