The Small Escape – Mit der kleinen BMW Isetta in die große Freiheit

The Small Escape BMW Isetta (3)

Dieses Jahr jährt sich der Fall der Berliner Mauer zum 30. Mal. Die deutsch-deutsche Teilung hat so viele große Dramen und kleine Geschichten geschrieben. Einer davon bietet der Kurzfilm The Small Escape die große Bühne.

Die innerdeutsche Grenze trennte nicht nur Ost und West, sie war für Bürger der Deutschen Demokratischen Republik ein kaum zu überwindendes, furchteinflößendes, teils tödliches Hindernis. Auf der Suche nach Fluchtmöglichkeiten schmiedeten auf beiden Seiten der Mauer Menschen Pläne, wie man der DDR entkommen kann.

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Im Zentrum der ehemals geteilten Stadt, am damaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie in der Friedrichstraße kann man sich heute kaum vorstellen, wie vor mehr als 30 Jahren sich Panzer gegenüberstanden und man nur unter Einsatz seines Lebens von Mitte nach Kreuzberg kommen konnte. Einen Eindruck des Erfindungsgeists und des Muts der Flüchtenden und ihrer Helfer kann man im Mauermuseum im Haus am Checkpoint Charlie erhalten. Zahlreiche Fluggeräte, umgebaute Automobile und weitere Fluchtmittel sind in der Dauerausstellung zu sehen. Im obersten Stockwerk steht mit einer BMW Isetta das kleinste Fluchtmobil, das die BMW Group mit einem Kurzfilm pünktlich zum 30. Jahrestags des Mauerfalls huldigt.

The Small Escape BMW Isetta (1)

The Small Escape – Großer Einsatz auf kleinstem Raum

Wenn man schon einmal in einer BMW Isetta gesessen oder auch nur davorgestanden hat, kann man sich schwerlich vorstellen, dass auch nur ein Mensch bequem darin sitzen könne, geschweige denn zwei. Genau dieser Ansatz verleitete Klaus-Günter Jacobi zur Idee, dass kaum ein DDR-Grenzer auf die Idee kommen sollte, Schmuggel oder gar Republikflüchtlinge in der „Knutschkugel“ zu vermuten. In einer Mercedes-Benz S-Klasse oder einem VW Transporter würde man sicher gefilzt werden, aber in einem solchen Kleinstwagen würden selbst Grenzsoldaten nur müde durchwinken.

Jacobis Familie hatte den Osten der Stadt bereits 1958, drei Jahre vor dem Mauerbau, verlassen. Als sein langjähriger Freund Manfred Koster ihn 1964 um Hilfe bei der Flucht aus der DDR bat, ersann er seinen kühnen Plan, die nur 2,30 Meter lange und 1,40 Meter breite BMW Isetta als sicheres Fluchtauto zu verwenden.

Schon die Sitzplätze des Motocoupés hinter der Fronttür bieten kaum ausreichend Platz für zwei Insassen. Das Versteck für den Freund aus dem Osten entstand daher hinter der Sitzbank direkt am Motor. In seiner früheren Lehrwerkstatt in Berlin-Reinickendorf konnte Kfz-Mechaniker Jacobi den entsprechenden Umbau vornehmen. Er schnitt eine Einstiegsöffnung in die Abdeckung hinter der Sitzbank, versetzte die Ablage nach oben und entfernte Ersatzrad, Heizung und Luftfilter. Zudem tauschte er den 13 Liter fassenden Tank gegen einen Zwei-Liter-Kanister, um Platz für den verborgenen Passagier zu schaffen.

Am 23. Mai 1964, kurz vor Schließung des Grenzübergangs um Mitternacht, rollte die von Klaus-Günter Jacobi umgebaute BMW Isetta mit dem geheimen Passagier Manfred Koster über die Grenze. Jacobis Isetta hatte damit ihre Pflicht erfüllt. Es fanden sich aber weitere Nachahmer, die in einer BMW Isetta das perfekte erkannten. So gelang acht weiteren DDR-Bürgern dank der Knutschkugel die Flucht in den Westen.

Regisseur Alex Feil, Kameramann Khaled Mohtaseb und Szenenbildner Erwin Prieb gelang mit The Small Escape nicht nur eine Werbefilmchen, sondern sie rufen die Geschichte von Klaus-Günter Jacobi und zahlreichen weiteren Menschen auf beiden Seiten der Mauer in Erinnerung, die selbstlos großen Mut bewiesen haben. Und sei es in im kleinstmöglichen Fluchtfahrzeug.


Fotos BMW AG

Autor: Paolo Ollig

Paolo Ollig schreibt als Chefredakteur regelmäßig über alle Raritäten und Meilensteine der Automobil- und Motorrad-Geschichte. Traum-Klassiker: Lamborghini Countach und Mercedes-Benz 300 SL. Eigener Klassiker: Mercedes-Benz 230 CE (W123) von 1981.

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