Rumpler Tropfenwagen – Science-Fiction in Stromlinienform

Rumpler Tropfenwagen Windkanal

Es gibt Autos die in Vergessenheit geraten, aufgrund geringer Stückzahlen unbekannt bleiben oder von denen zu wenige überlebt haben, als das sie jemals als gesuchter Klassiker gehandelt werden könnten. So wie der Rumpler Tropfenwagen.

Aus der Not heraus in Nachkriegsdeutschland entwickelt, jedoch war es nicht im Nachkriegsdeutschland im Zeichen des Wirtschaftswunders. Es war früher, im Nachkriegsdeutschland der Weimarer Republik – im Zeichen des Versailler Vertrages – als dieses Auto entstand.

Aus der Luft auf die Straße – Der Rumpler Tropfenwagen

Der Österreicher Edmund Rumpler baute vor dem Ersten Weltkrieg erfolgreich in Lizenz die sogenannte Rumpler-Taube. Die Taube war das erfolgreichste Schulungsflugzeug seinerzeit. Naturgemäß stieg der Bedarf an Flugzeugen während des Ersten Weltkrieges und die Geschäfte der Rumpler Werke liefen gut. Neue Flugzeugmodelle kamen hinzu.
Überspringen wir die Kriegsjahre und kommen zum Nachkriegsdeutschland im Versailler Vertrag. Der Bau von Motorflugzeugen war verboten, das Wissen wie diese gebaut werden noch immer in Rumpler vorhanden. Dieses Wissen ließ Rumpler in den Bau von Autos einfließen. Bereits im September 1921 präsentierte er in Berlin den Tropfenwagen, was ihn weit vor dem Chrysler Airflow und Tatra 77 – beide aus 1934 – zum ersten Auto macht, das nach Stromlinienform entwickelt wurde. Ziemlich futuristisch bis heute, konstruierte Rumpler den Wagen unter strengen aerodynamischen Gesichtspunkten. Einem fallenden Tropfen nachempfunden hat der Wagen den cw-Wert von 0,28 und unterschied sich grundlegend von den Modellen der Konkurrenz.

Der Wagen bot Platz für fünf Passagiere, wobei der Fahrer vorne zentral saß und vier Mitfahrer in zwei Reihen dahinter. Diese Anordnung prädestinierte den Wagen zusammen mit dem bequemen Einstieg und hohen Aufbau geradezu als Taxi, wovon die meisten auch in Berlin genutzt wurden. Spätere Wagen gewannen erst an praktischen Nutzwert mit einem Kofferraum über dem Motor.

Technisch innovativ waren die erstmals in einem Automobil eingesetzten gewölbten Glasscheiben. Technisch ebenfalls innovativ, aber in der Realität kompliziert und unzuverlässig, der wassergekühlte Sechszylinder W-Motor. Hinzukam seine Einbaulage. Motor vor, das Getriebe hinter der Hinterachse, machten den Tropfenwagen zu einem Mittelmotor. Abwärme war ein generelles Problem und schränkte auch die Nutzbarkeit des später eingeführten Kofferraums ein.

Rumpler Tropfenwagen Muenchen

Rumpler Tropfenwagen – Der Kinostar

Zuverlässiger wurde der Wagen erst mit dem Einbau eines Vierzylinder-Reihenmotors von Benz. Allen Fahrzeugen gleich waren die Probleme mit der schlecht konstruierten Lenkung.
Das futuristische Äußere und die Konstruktionsmängel führten zum wirtschaftlichen Misserfolg des Tropfenwagens. Bis zum Konkurs 1925 wurden etwa 100 Fahrzeuge in Berlin am damaligen Flughafen Johannisthal hergestellt. 1926 löste sich die Rumpler Werke AG Berlin auf. Zur gleichen Zeit, 1925-26, drehte Fritz Lang seinen futuristischen Film „Metropolis“ in Babelsberg. Aufgrund der geographischen Nähe und dem Konkurs der Rumpler Werke, waren die unverkauften Tropfenwagen eine günstig zu erwerbende Requisite. Die Ufa kaufte diese ab und in Metropolis wurden sie als Sockel des Scheiterhaufens für den Maschinen-Menschen verbrannt.Auch dieser Fakt führte dazu, dass heute nur noch zwei Tropfenwagen existieren.

Rumplers Unternehmertum war damit jedoch nicht zu Ende. 1930 entwickelte er im Auftrag für den Berliner Ullstein Verlag einen LKW für den Zeitungstransport. Auch hier beschritt er wieder neue Wege. „Vornantrieb“ – die Bezeichnung „Frontantrieb“ war rechtlich von DKW geschützt – 5 Tonnen Nutzlast und eine tropfenförmige, aerodynamische Karosserie. An den beiden Hinterachsen wurden deutlich kleinere Räder in Zwillingsbereifung verbaut.

Zwei Exemplare entstanden mit unterschiedlichen Motorisierungen. RuV 29 hatte einen Sechszylinder Motor von Maybach und 100 PS, RuV 31 erreichte 100 km/h aus einem V12 mit 200 PS. Continental steuerte eigens entwickelte Reifen bei, die für 100 km/h geeignet waren. Im Wettbewerb der Verleger die Zeitungen als erster an den Kiosken zu haben, boten die LKW einen wichtigen Vorsprung. Nicht nur in Berlin, auch die Verteilung an die Ostseebäder gelang damit schneller. Leider wurden beide ikonischen Stromlinien-LKW 1943 bei einem Luftangriff auf Berlin zerstört.

Somit gibt es nur zwei überlebende Zeugnisse dieses Stückes Deutscher und speziell Berliner Fahrzeuggeschichte, beide stehen in Museen. Der Tropfenwagen im Deutschen Museum München ist ein persönliches Geschenk von Edmund Rumpler. Das Exemplar im Berliner Museum für Verkehr und Technik findet man in der dortigen Luftfahrtausstellung.

Rumpler Tropfenwagen Front


Hier können Sie den Rumpler Tropfenwagen sehen:

Deutsches Museum Verkehrszentrum
Am Bavariapark 5
80339 München

Eintritt
Erwachsene: 7 €, ermäßigt 3 €

www.deutsches-museum.de

Deutsches Technikmuseum
Trebbiner Straße 9
10963 Berlin

Eintritt
Erwachsene: 8 €, ermäßigt 4 €

www.sdtb.de


Text Ralf Hintze Fotos Deutsches Museum München, Clemens Kirchner / SDTB

Autor: Classic Trader

Die Classic Trader Redaktion besteht aus Oldtimer-Enthusiasten, die Euch mit spannenden Geschichten versorgen. Kaufberatungen, unsere Traum Klassiker, Händlerportraits und Erfahrungsberichte von Messen, Rallyes und Events. #drivenbydesire

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