Rennsport Reunion VI – Das weltweit größte Porsche-Festival

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Lassen wir uns zunächst einmal die Highlights der Rennsport Reunion VI auf der Zunge zergehen, welche vom 27. bis 30. September 2018 auf dem WeatherTech Raceway Laguna Seca nahe Monterey im US-Bundesstaat Kalifornien stattfand: 81.550 Besucher und damit über 20.000 mehr als bei der Rennsport Reunion V vor drei Jahren: 2.500 Porsche Straßen- und Renn-Fahrzeuge; der Porsche Club of America bot mit rund 1.600 Fahrzeugen das größte Club-Display, was es wohl je gegeben hat; 59 Rennfahrerlegenden und Ingenieure, welche die über 30.000 Rennsiege der Rennwagen wiederspiegelten; die komplette Modellpalette vom 356 Nr. 1 bis zum LeMans-Siegerwagen 919 Hybrid sowie mit dem 935 eine vollkommen unerwartete und bis dahin mit Erfolg geheim gehaltene Neuvorstellung.
Für Tobias Aichele kamen weitere nicht offiziell gefeierte Besonderheiten dazu. Der mehrfache Buchautor (unter anderem „Porsche Raritäten“) hat niemals zuvor bei einer Veranstaltung so viele Porsche-Einzelstücke oder Fahrzeuge aus einer Kleinserien gesehen – und das sogar im Renntempo.

Faszinierend waren für den Porsche-Kenner auch die unterschiedlichsten Fahrzeuge, welche unter der in Europa nur als Randgruppe existierenden Gilde der „Outlaws“ und der „R Gruppe“ zusammenkamen.

Rennsport Reunion VI Porsche 919

Der Weg zur Rennsport Reunion VI

Die Rennsport Reunion wurde im Jahr 2001 zur Würdigung des Motorsport-Vermächtnisses von Porsche im Lime Rock Park in Lakeville ins Leben gerufen. Mittlerweile ist die Veranstaltung die weltweit größte Zusammenkunft von Porsche-Rennwagen. Das von Porsche Cars North America (PCNA) ausgerichtete Treffen findet alle drei bis vier Jahre statt. In diesem Jahr hatte die Veranstaltung eine besondere Bedeutung. Vor 70 Jahren – genauer am 8. Juni 1948 – erhielt der Porsche 356 Nr. 1 Roadster seine Betriebserlaubnis. Dieses Datum gilt als die Geburtsstunde der Marke Porsche. Und neben dem Jubiläum gab es für 2018 noch ein Motto, nämlich „Marque of Champions“ (Marke der Champions). Es ging somit um die Legenden, die Porsche hervorgebracht hat. Deshalb wurden im September 2018 knapp 60 Ingenieure, Konstrukteure und Rennfahrer eingeladen, welche die Porsche-Erfolgsstory repräsentierten.

„Für uns ist die Rennsport Reunion VI ein großes Familientreffen“, so Klaus Zellmer, Präsident und CEO von PCNA und fügte hinzu: „Wir bekommen immer wieder Gänsehaut, wenn wir unsere ruhmreiche Geschichte und unsere lange Tradition mit jenen feiern dürfen, die die Marke Porsche zu dem machen, was sie ist.“ Schließlich stellte der sympathische Porsche-Frontmann selbstbewußt in Aussicht: „Die Rennsport Reunion VI wird die größte und spannendste in der Geschichte.“

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Und tatsächlich: 59 Fahrerlegenden sorgten auch bei den vielen Besuchern für Gänsehaut und geduldig standen sie an, um bei den täglich professionell organisierten Autogrammstunden eine Unterschrift zu erhaschen oder lauschten den zahlreichen themenbezogenen Interviews auf der Bühne.
Zu den Gästen zählten unter anderem die ehemaligen Porsche-Champions Hurley Haywood, Derek Bell und Jacky Ickx sowie 13 aktive Porsche-Werksfahrer, darunter Timo Bernhard als Fahrer eines 919 Hybrid EVO. Ebenfalls zugegen waren die legendären Porsche-Ingenieure Norbert Singer und Hans Mezger, zwei der einflussreichsten Rennwagenkonstrukteure der Automobilgeschichte.
Summa summarum hat PCNA die Legenden und dessen Fans mit Bravour zusammengebracht und wurde dem Motto somit mehr als gerecht.

Rennsport Reunion VI Porsche Jacky Ickx Rennsport Reunion VI Porsche Jochen Maass

Schätze bei der Rennsport Reunion VI

Dreh- und Angelpunkt war im Infield des Raceway Laguna Seca der Porsche-Park mit einem großen Ausstellungszelt, in dem die komplette Renngeschichte mit ausgewählten Exponaten dargeboten wurde, vom Typ 64 Berlin-Rom-Wagen bis zum 919 Hybrid. Aus diesem besonderen Display wurden schließlich auch die Fahrzeuge für das berühmte Foto unter der Michelin-Brücke ausgewählt. Am Samstag und am Sonntag waren die Ausstellungsexponate für Präsentationsrunden auf der Strecke und nahmen zum großen Teil auch an der Aufstellung der von einer Jury ausgesuchten Concours-Exponate teil. Diese vielfältigen Einsätze erklären auch den großen Aufwand, der von Porsche zu diesem Jubiläum betrieben wurde. Vom Porsche-Museum in Stuttgart-Zuffenhausen wurden 21 Exponate nach Kalifornien geflogen, darunter als Glanzstück der Porsche 356 Nr.1, wie das Unternehmen immer wieder selbst betonte.

Dr. Wolfgang Porsche fuhr das erste zugelassenen Fahrzeug des Sportwagenherstellers aus dem Jahr 1948 persönlich bei den Demonstrationsrunden und resümierte: „Die Fahrt war ein Genuss“, die Korkenzieher-Kurve macht in einem richtig schnellen Auto bestimmt noch mehr Spaß. Ich kannte diese Passage bisher nur von unserer Strecke in Leipzig. Das Original ist noch viel beeindruckender.“ Der Porsche 356 Roadster war vor 70 Jahren von Ferry Porsche entwickelt worden. „Mein Vater hat sein Traumauto damals nirgends finden können. Also hat er es selbst gebaut“, erinnert sich Dr. Wolfgang Porsche.

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Zahlreiche kleinere Firmen folgten wohl in den fünfziger und sechziger Jahren ebenfalls diese Philosophie und bauten Einzelstücke oder Kleinstserien. Die Marken Elva und Devin und auch Glöckler sind noch weitgehend bekannt, aber haben Sie schon etwas von einem Apollo-Porsche, einem Dolphin America, einem Cooper-Porsche oder einem Bobsy gehört? Als Gemeinsamkeit haben dessen Konstrukteure Porsche-Technik verbaut, als Chassis aber dienten entweder die Porsche 356-Bodengruppe oder Konstruktionen aus Rohr beziehungsweise Profilen oder Kunststoff.

Die Rennsport Reunion VI war kein Porsche-Treffen, vielmehr war es ein Festival rund um das Thema Porsche. Für Kenner waren vier Tage definitiv zu kurz. Auf Wiedersehen bei der Rennsport Reunion VII im Jahr 2021.


Text Tobias Aichele Fotos Solitude GmbH, Jürgen Tap / Hoch Zwei / Porsche AG

Autor: Classic Trader

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