Prominenter Vorbesitz – Fluch oder Segen?

Prominenter Vorbesitz Elvis Presley 1

In Inseraten findet sich häufiger der Hinweis Prominenter Vorbesitz. Oft verbunden mit einem mehr oder minder ausgeprägten Aufschlag im Preis. Ob dieser in dieser Form gerechtfertigt ist, bleibt aber rätselhaft. Ist eine prominente Halterin oder ein prominenter Halter im Fahrzeugschein wirklich ein Hinweis, dass das Fahrzeug tatsächlich mehr wert ist?

Auf alle Fälle bringen manche Exemplare durch die Historie ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit. 2005 beispielsweise erregte ein unscheinbarer Golf IV die Aufmerksamkeit, der in einem Online-Auktionshaus versteigert wurde. Der Anbieter erzielte mit dem eigentlich unspektakulären Gebrauchtwagen das sensationelle Ergebnis von fast 190.000 EUR. Der Grund lag weder im guten Zustand oder der Rarität des Autos, sondern nur im Fahrzeugschein, wo ein gewisser Joseph Kardinal Ratzinger stand, der zu diesem Zeitpunkt schon als Papst Benedikt XVI. bekannt war. Aber nur weil der Heilige Vater unfehlbar ist, ist es dann auch sein früherer Privatwagen? Kurioserweise hatte der Käufer, ein Casino in den USA, den Golf nach einer Nutzung als Promotionfahrzeug sieben Jahre später weiterverkaufen wollen. Nur erreichte die Auktion diesmal nicht einmal den Mindesterlös.

Prominenter Vorbesitz – Eine Garantie für das große Geld?

Ebenfalls gescheitert ist vor kurzem eine Auktion eines Mercedes-Benz 770K in den USA, der laut Kommissionsbuch an den „Führer und Reichskanzler“ ausgeliefert wurde. Ein Amerikanischer Sammler hatte angestrebt, den Offenen Tourenwagen für eine stattliche Summe zu veräußern, das Höchstgebot von immerhin 7 Millionen Euro erschien ihm aber zu gering, weswegen kein Kauf zustande kam. In diesem Extrembeispiel sieht man eine der Schwierigkeiten eines solches Unterfangens: Wer soll denn das Fahrzeug zu diesen Konditionen erwerben? Ein Mercedes-Sammler, der sein Fuhrpark damit krönen möchte, beispielsweise. Wie kann ein Fahrzeug aber die Krone einer Sammlung sein, wenn das Auto ein solcher historischer Schatten begleitet? Wenn man mit einem solchen Auto bei einer Oldtimer-Veranstaltung auftritt, wird sicherlich über den Besitzer gesprochen werden, aber ob das uneingeschränkt zu dessen Vorteil ausfällt, bleibt fraglich. Eine andere mögliche Klientel sind sicherlich die Interessenten, die der Mensch in der Besitzer-Historie mehr interessiert als das Fahrzeug an sich. Es geht aber um ganz andere Summen als bei sonstigen Merchandising-Artikel, ein T-Shirt kann man sich bei einem Konzert von Andrea Berg ja mal kaufen, das ist in Relation zum Ticketpreis noch erschwinglich. Aber derselbe Fan wird wohl nicht das Mehrfache des Marktwertes für einen VW Käfer ausgeben können, nur weil die Künstlerin im Video und in der Realität mit dem Auto schon gefahren ist. Wenn sich derselbe Fan aber ohnehin für einen Käfer interessiert, ist die Wahrscheinlichkeit sicherlich nicht allzu klein, dass er dazu bereit ist, ein paar Euro mehr auszugeben, weil die Künstlerin den Tankdeckel signiert hat.

Prominenter Vorbesitz Andrea Berg Käfer 1 Prominenter Vorbesitz Andrea Berg Käfer 2

Prominenter Vorbesitz – Regionalität und Emotionen?

Mehr noch als bei gewöhnlichen Old-und Youngtimern ist die bei Fahrzeugen mit dem Label prominenter Vorbesitz die Preisfindung ein emotional aufgeladenes Anliegen. Zudem spielen weitere Faktoren eine Rolle, die sonst eher zu vernachlässigen sind. Wie beispielsweise wird denn der Wert des Promi-Faktors gemessen, wer ist ein Weltstar und wer einfach nur ein Schurke, der sich ein schickes Auto aufgrund seiner Stellung in einer Militärdiktatur leisten konnte? Gerade bei Unterhaltungskünstlern ist oftmals ein regionaler Bezug unverkennbar. Ein deutscher Seriendarsteller wird im deutschsprachigen Ausland einen Bonus haben, wohl kaum aber darüber hinaus. Beim Namen Barbara Cartland am Verkaufsschild eines Rolls Royce werden in UK und dem Commonwealth sicherlich mehr Menschen hellhörig als in den Gebieten, wo ihre Bücher oder zumindest ihre Verbindung ins britische Königshaus kaum geläufig sind.

Prominenter Vorbesitz Barbara Cartland Rolls Royce
Es gibt auch die Weltstars, die Namen, die jedem bekannt sind und die gefühlt fast jeden Preis rechtfertigen würden. So sorgte das Volvo 262 Bertone-Coupé von David Bowie für Schlagzeilen, das für 190.000 Schweizer Franken versteigert wurde. Der übliche Wert eines vergleichbaren Wagens liegt um die 20.000 EUR, das Schweizer Auktionshaus rechnete mit einem Schätzwert zwischen 65.000 und 75.000 Franken, dass es am Ende fast das Zehnfache des Verkehrswertes wurde, war so nicht zu erwarten.

Mensch oder Anekdoten? Was zählt als Prominenter Vorbesitz

Dass der Hinweise prominenter Vorbesitz im Fahrzeugschein belegt ist, reicht oft als wertsteigerndes Merkmal, besser ist allerdings noch, wenn es eine Anekdote von Fahrer und Fahrzeug überliefert ist. Am besten geht das natürlich, wenn es sich um einen Rennwagen handelt. Vom Ferrari 412 T2 und Michael Schumacher gibt es genügend Videomaterial und Bildmaterial. Dies ist übrigens das erste Fahrzeug der Scuderia Ferrari, dass Michael Schumacher je gefahren ist.

Formel 1 Ferrari 412 T2 1995 - Michael Schumacher 2

Ein besonderes Stück aus der Rubrik Rennfahrzeuge ist sicher auch dieser Gulf GR7 aus 1972. Nicht nur Derek Bell, sondern auch James Hunt und Jackie Ickx fuhren mit diesem Rennwagen erfolgreich nahezu alle berühmten Langstreckenrennen in Le Mans, Spa, Daytona und auf dem Nürburgring.

Gulf GR7 1972 - Derek Bell 3

Manchmal sind es aber kuriose Geschichten wie um das Cadillac Fleetwood Eldorado Coupé von Elvis Presley. Bei genauer Betrachtung fällt ein Loch im rechten vorderen Kotflügel auf. Der Legende nach sprang der ihm eigentlich sehr ans Herz gewachsene Cadillac eines morgens nicht an. Und der King zeigte sein Revolverheld-Gesicht und schoss vor Wut in den Kotflügel. Ob das half, den Wagen anspringen zu lassen, ist zwar nicht belegt, das Einschussloch zeugt aber heute noch von der Originalität und dem aufbrausenden Wesen des Kings. Bei der Extravaganz dieser Episode fällt es fast etwas ab, dass es auch dieses Auto war, mit dem Elvis seine Frau Priscilla ins Februar 1968 ins Krankenhaus fuhr, wo die gemeinsame Tochter Lisa Marie zur Welt kam.

Ob der Aston Martin von Roy Keane, der Formel 1 Ferrari von Michael Schumacher, der Bugatti vom belgischen Prinzen Leopold, der 1960er Austin-Healey 3000 mit der Fahrerpaarung Pat Moss/Ann Wisdom  oder die Rennfahrzeuge von Sir Stirling Moss oder Derek Bell, bei Classic Trader und auf dem Markt tummeln sich einige Fahrzeuge mit dem Hinweis Prominenter Vorbesitz. Sowohl aus Verkäufer-, als auch aus Käufersicht ist es in jeden Fall sinnvoll, diese Angabe zur Historie zu machen. Jedes Detail zur Vita des Fahrzeugs schafft Transparenz und hilft beim An- oder Verkauf. Auch deshalb sind Aufschläge beim Preis auch aus rationalen Gründen gerechtfertigt. Der Zweitwagen einer oder eines Prominenten, dass wenig und nur im Sommer an der Côte d’Azur bewegt und von der regionalen Fachwerkstatt sorgfältig gewartet wurde, hat auch technisch einen Vorteil gegenüber einem gewöhnlichen Daily Driver.

Wenn zu dem technisch begründbaren Aufschlag noch eine emotionale Aufladung hinzukommt, ist dies als Besonderheit oder Alleinstellungsmerkmal generell auch vertretbar. Sowohl für Anbieter als auch für Interessenten gilt aber das Gebot von Maß und Mitte. Ein hoher Angebotspreis erhöht die Gewinnmarge, schränkt aber auch die mögliche Käuferschicht dementsprechend ein. Im Hinblick auf den tatsächlichen Verkaufspreis birgt eine Auktion gewiss immer die Gefahr oder Chance, dass sich der Preis aufschaukelt. Eine Gesetzmäßigkeit oder Garantie für den Anbieter gibt es allerdings nicht. Egal, welchen Kaufs- oder Verkaufsweg man wählt, Transparenz und das vollständige Erzählen der Geschichte ist stets zu empfehlen. Bei einem klassischen Fahrzeug handelt man schließlich nicht nur mit dem reinen Blech, sondern auch die Historie ist immer ein fester Bestandteil des Pakets. Da erscheint es geboten, mit der nötigen Zeit und Sorgfalt den Weg des Fahrzeugs und deren möglicherweise prominenten Besitzer nachzuvollziehen. Dann erschließt sich für beide Seiten leichter ein angemessener Preis.


Fotos JME Healeys, Marreyt Classics, Girardo & Co, ChromeCars, K&F Classic Cars

Autor: Paolo Ollig

Paolo Ollig schreibt als Chefredakteur regelmäßig über alle Raritäten und Meilensteine der Automobil- und Motorrad-Geschichte. Traum-Klassiker: Lamborghini Countach und Mercedes-Benz 300 SL. Eigener Klassiker: Mercedes-Benz 230 CE (W123) von 1981.

Weitere Artikel

Mille Miglia 1940 BMW Hans Wencher Rudolf Scholz Logo

Mille Miglia – Das schönste Autorennen der Welt

Für Enzo Ferrari war sie schlicht „das schönste Rennen der Welt“. Und sie ist es immer noch: Auch seit der Wiedergeburt ist die Mille Miglia ohne Zweifel das schönste und begehrteste Gleichmäßigkeitsrennen. weiterlesen Mille Miglia – Das schönste Autorennen der Welt

Mercedes-Benz 300 SL Flügeltürer 1955 W 198 (3)

Mercedes-Benz 300 SL – Als den Träumen Flügel wuchsen

Wie schafft es ein Auto eigentlich, für mehr als ein halbes Jahrhundert ein Traumwagen zu sein? Das Mercedes-Benz 300 SL Coupé mit den markanten Flügeltüren begeistert nicht nur bei der Präsentation 1954 weiterlesen Mercedes-Benz 300 SL – Als den Träumen Flügel wuchsen

BMW 328 Mille Miglia Roadster 1

Im BMW 328 Mille Miglia Roadster durch Italien

Die Bayerischen Motorenwerke waren einst gezwungen, Motorräder und Automobile wie den BMW 328 Mille Miglia Roadster zu produzieren. Der eigentliche Grund war die Herstellung von Flugzeugmotoren. weiterlesen Im BMW 328 Mille Miglia Roadster durch Italien