Porsche 911 Carrera CS – Die Clubsport-Diät

Porsche 911 Carrera CS Clubsport Prototyp 1987 (1)

Weniger ist mehr – eine alte Binsenweisheit, die vor allem dann zum Tragen kommt, wenn man schnell von A nach B kommen oder Rennen fahren möchte. Jedes Gramm zuviel verhindert schließlich ein schnelles Vorankommen, anders beim Porsche 911 Carrera CS. Die Buchstaben CS für Clubsport stehen bei Porsche genau für diese Schlankheitskur.

Man kann grob gesagt auf zwei Wegen zu mehr Sportlichkeit kommen: Entweder man pumpt die Leistung auf, was allein das Vorankommen beschleunigt. Oder man spart Gewicht, was nicht nur für den Highspeed förderlich ist, sondern auch die Kurvengeschwindigkeit, das Handling und auch das Bremsverhalten verbessert.

Ersteres mag die Chancen erhöhen, im Autoquartett zu gewinnen, aber Performance-Steigerung durch Reduktion ist praktisch gesehen oft die bessere Variante. Als „Könner im Weglassen“ – und dabei ganz nebenbei auch noch einen gewissen Aufschlag in Rechnung zu stellen – hat sich seit jeher Porsche bewährt.

Vom Porsche 911 SC/RS zum Porsche Carrera 911 CS

Die Keimzelle für die noch etwas sportlicheren Club Sport-Modelle, die damals noch mit der getrennten Schreibweise benannt wurden, war natürlich der 911. Porsche hatte in den 80er-Jahren beides, Sportwagen für die Straße und Rennwagen für die Piste. Es fehlte so recht ein Mittelweg für den Breitensport. 1984 kam der Porsche 911 SC/RS auf den Markt. Nur 20 Exemplare wurden von dem 184 kW/250 PS starken und nur 1.057 Kilogramm leichten Rennwagen für die Straße gebaut. Nicht nur der sehr hohe Preis von etwa dem dreifachen eines „normalen“ Carrera 3.0 SC machte den SC/RS zu einer Rarität, wie auch Jürgen Lewandowski 1984 in der Süddeutschen Zeitung schrieb: „Der Porsche 911 SC/RS kann nur für Profis interessant sein, die nicht nur den Einstandspreis von 188.000 Mark zur Verfügung haben, sondern auch ausgezeichnet fahren können müssen – für den Normalverbraucher ist der Wagen aber bereits nahezu unfahrbar.“

Fahrbarkeit, Verfügbarkeit und Preis waren also drei Komponenten, die den SC/RS für die Masse untauglich machten. Es gab aber genug Interesse von motorsportbegeisterten Porsche-Fahrerinnen und -Fahrern, die mit ihren 911ern und später auch mit den Transaxle-Modellen 944, 968 und weiteren Sportwagen eben nicht nur über die Boulevards flanieren, sondern auch mal dem Wagen auf der Rennstrecke die Sporen geben wollten.

Genau für diese Klientel brachte Porsche mit dem Club Sport- und später Clubsport-Varianten exakt diese gewünschten Autos mit der Breitensport-Tauglichkeit auf den Markt, beginnend 1987 mit dem Porsche 911 Carrera CS.

Dieser Porsche 911 Carrera CS steht aktuell zum Verkauf

1987 Porsche 911 Carrera CS Club Sport Clubsport (9)

Einer der wenigen Carrera CS steht nun zum Verkauf. Was macht dieses Exemplar so besonders? Auf den ersten Blick scheinen die Unterschiede zu einem „konventionellen“ Carrera gar nicht mal so groß. Aber es sind genau die vielen Kleinigkeiten, die den großen Unterschied ausmachen.

Beginnen wir mit dem Herzstück, dem Sechszylinder-Boxermotor im Heck. Auf dem Papier lesen sich die Daten bei Sportpaket CS und der Serie gleich: 3.164 cm³ Hubraum, 170 kW/231 PS. Die Leistung ist beim Modell ohne Katalysator genauso hoch. Aber beim CS werden die ersten paar wichtigen Gramm bei der Verwendung von hohlen Einlassventilen eingespart. Dazu wurde ein anderes Steuergerät verbaut, was Drehzahlen bis zu 6.840 Umdrehungen pro Minute zulässt.

Das manuelle Fünfganggetriebe entspricht fast dem des Carrera, da gab es nicht allzu viel zu verbessern. Aber auch da sind die Unterschiede im Detail die wesentlichen Punkte. Die Schaltwege sind beim Carrera CS verkürzt und erlauben knackigeres, sportlicheres Hoch- und Herunterschalten. Im CS war zudem eine Differentialsperre verbaut, die man in Serien-Carrera vergeblich suchte.

Gerade im Innenraum stellten die Porsche-Ingenieure aber alles auf den Prüfstand. Bei jedem auch noch so kleinen Detail wurde abgewogen, ob das wirklich zwingend an Bord bleiben musste, oder ob der sportlich ambitionierte Fahrer drauf verzichten kann. So flog die Rücksitzbank raus, allerhand Dämm- und Dämpfmaterialien, auf die Beifahrer-Sonnenblende oder die Klimaanlage kann man auch zugunsten von mehr Agilität verzichten und die Fenster kann man bitteschön auch manuell herunterkurbeln. Insgesamt 24 Ausstattungsdetails entfallen im Vergleich zur Basisversion. Einiges fällt äußerlich nicht auf, wie der Leichtbautank oder die Leichtbauteppiche im Fußraum. Anderes sieht das geneigte Auge erst auf den zweiten Blick, wie das Fehlen der Scheinwerferreinigung oder die Sportsitze mit leichtem Stoffbezug.

Es mögen jeweils auch nur ein paar Gramm gewesen sein, aber in Summe speckte der Porsche etwas mehr als 100 Kilogramm ein. Entscheidende Kilos wohlgemerkt, das spürt man nicht zwangsläufig bei der Höchstgeschwindigkeit, aber vielmehr bei der Agilität und im Ansprechverhalten im natürlichen Habitat des Porsche 911 Carrera CS, der kurvigen Landstraße.

Gewiss gab es bei Porsche davor und danach auch andere sportliche Modelle, die etwas von der Serie abwichen. Aber doch hebt sich der 1987er Porsche Carrera CS von seinen Geschwistern ab. Er war nicht nur der erste Club Sport seiner Art, auch die reinen Zahlen belegen seine Exklusivität. Extra für den Carrera CS eröffnete Porsche einen neuen VIN-Nummernkreis, es sollen nur etwa 340 Fahrzeuge insgesamt in den exklusiven Kreis der 5000er-Fahrzeuge aufgenommen worden sein. Davon entfielen für den Exportmarkt nur knapp unter 200 Exemplare. Das angebotene Exemplar zählt mit der Erstauslieferung nach Schweden zu diesen „RdW (Rest der Welt)-Autos“.

Wie selten der erste Porsche 911 Carrera CS ist, erkennt man aber vor allem, wenn man dieses G-Modell mit vergleichbaren Vorgängern und Nachfolgern gegenüberstellt. Sowohl vom zuvor gebauten Carrera RS 2.7, als auch vom 911 Carrera RS der Baureihe 964 wurden jeweils mehr als 1.500 Exemplare gefertigt. Hält man sich mal vor Augen, dass selbst diese Stückzahl gar nicht mal so viel ist, bekommen die wenigen einhundert G-Modelle mit diesen Spezifikationen nochmal eine ganz andere Wertigkeit. Da werden einem beim nächsten Porsche-Treffen nicht viele andere Carrera CS aus dem Baujahr begegnen.

Also wenn sich die Gelegenheit bietet und die Umstände es zulassen, sollte man es am besten selbst erleben, wie das Wechselspiel von drehfreudigem Motor, knackiger Schaltung und der Fokussierung auf das Wesentliche den Fahrspaß – der ja ohnehin bei einem Porsche nicht allzu gering ausfällt – im Clubsport-Modell nochmals erhöht wird.


Mehr Informationen zum angebotenen 1987er Porsche 911 Carrera CS finden Sie hier.


Fotos Anbieter, Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG

Autor: Paolo Ollig

Paolo Ollig schreibt als Chefredakteur regelmäßig über alle Raritäten und Meilensteine der Automobil- und Motorrad-Geschichte. Traum-Klassiker: Lamborghini Countach und Mercedes-Benz 300 SL. Eigener Klassiker: Mercedes-Benz 230 CE (W123) von 1981.

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