Opel Rekord Caravan – Ein Kombi auf dem Weg nach vorn
Der Name Rekord zieht sich über acht Generationen durch die Modelle der oberen Mittelklasse von Opel. Jede Generation zeigt die Entwicklung, den Kundengeschmack, aber auch den Einfluss der Konzernmutter General Motors. Durch alle Modellpflegen hindurch bot Opel auch stets eine Kombi-Variante an, traditionell in Rüsselsheim Caravan genannt. Ein Überblick über die Generationen des Opel Rekord Caravan
1953–1957 – Opel Olympia Rekord Caravan

Unter dem Begriff des Wirtschaftswunders werden üblicherweise Fahrzeuge wie der VW Käfer, Kleinstwagen für die breite Masse wie die Isetta oder der Mercedes-Benz 190 SL für die oberen Zehntausend assoziiert. Aber mindestens ebenbürtig in der um der Mittelschicht strebte der Opel Rekord an, in der oberen Mittelklasse seinem Namen alle Ehre zu machen. Jahrelang war es ein nahezu ebenbürtiger Zweikampf zwischen VW und Opel, wer nun der „wahre Volkswagen“ ist. Doch während der VW Typ 1 noch eine ausgewiesene Vorkriegs-Konstruktion war, präsentierte sich der Olympia Rekord 1953 als frische, amerikanisch geprägten Ponton-Limousine. Den Namen des Vorgängers Olympia behielt er vorerst, da die Namensrechte für Rekord zu dieser Zeit noch bei der Frankfurter Firma Adler lagen.
Den Anspruch, die Massen zu mobilisieren, hat sich Opel auch in aller Entschiedenheit gewidmet. Neben der Limousine wurde auch ein Cabriolet, ein Schnell-Lieferwagen und vor allem ein Caravan genannter Kombi angeboten. Damit konnte man nicht nur mit der Familie und dem Hund über den Brenner fahren, sondern auch gleich die Camping-Ausrüstung im großen Kofferraum verstauen.
Unter der Haube vertraute man in Rüsselsheim auf den bewährten 1,5 Liter-Vierzylinder aus dem Vorgänger Olympia. Mit seinen 29 kW/40 PS zwar ziemlich schwach auf der Brust, aber durch ein verhältnismäßig geringes Leergewicht auch ziemlich sparsam. Das große Platzangebot bescherte ihm zusätzlich einige Pluspunkte gegenüber dem Käfer.
Die enge Verzahnung mit dem Mutterkonzern General Motors hatte direkte positive wie negative Auswirkungen auf den Opel Rekord. So flossen viel Knowhow und die neuesten Automobiltrends in das Modell. Allerdings geschah dies auch im US-Tempo, das nahezu jährlich neue Updates und Erscheinungsformen hervorbrachte.
Zunächst schien es zu funktionieren, dass durch sanften Druck immer die aktuellsten Fahrzeuge als Statussymbole gekauft wurden. Aber mittelfristig stellte sich aber doch heraus, dass durch die jährlich wechselnden Erscheinungsformen der Opel schneller alterte als die konventionelle Konkurrenz.
1957-1960 – Opel Rekord Caravan P1

In den folgenden 50er- und vor allem 60er-Jahren nahm das Tempo, in denen sich das Rekord-Rad drehte, nicht ab. Im Gegenteil, die Durchlaufzeit der einzelnen Generationen lag bis zum Rekord B bei zwei oder drei Jahren.
Zunächst erschien 1958 der Rekord P1, erstmals ohne den Namensteil Olympia. Auffällig waren die weit in das Fahrzeug gezogene Panoramascheibe an der Front nach amerikanischem Vorbild; bei den zwei- oder viertürigen Limousinen war dies auch beim Heckfenster der Fall.
Auch beim P1 waren von Anfang an ein dreitüriger Kombi und eine Lieferwagen-Variante ohne hintere Seitenfenster erhältlich. Der Schriftzug CarAvan mit einem großen A auf dem Heck verriet auch eine Bedeutung des Namens, die vor allem in den USA gebräuchlich war. Der Name Caravan sollte die Verbindung der Fahrzeugtypen Car und Van symbolisieren.
Etwa 500.000 P1 wurden produziert, immerhin etwa 110.000 davon wurden als Opel Rekord Caravan Kombi-Varianten ausgeliefert.
1960-1963 – Opel Rekord Caravan P2

Nach drei Jahren wurde der P2 präsentiert. Das P für Panoramascheibe blieb in der Modell- bzw. Baureihenbezeichnung. Allerdings wurde das Panoramahaftige der Verglasung etwas zugunsten der Praktikabilität eingeschränkt. Beim Vorgänger reichten die Rahmen entsprechend weit in die Tür hinein und man konnte sich recht leicht das Knie beim Einsteigen stoßen. Nun wurde beim P2 die Scheibe nicht so weit ins Fahrzeug gezogen und dafür die Tür wieder etwas größer, was dem bequemen Einstieg zugutekam.
Das frische Äußere wurde unter der Haube nicht wirklich weitergeführt. Basis blieb der bewährte Grauguss-Vierzylinder mit einem Leistungsspektrum zwischen 40 und 60 PS.
1963-1965 – Opel Rekord Caravan A

Eine neue Zeitrechnung begann 1963, als beim Rekord die Buchstaben des Alphabets eingeführt wurden. Der Rekord A präsentierte sich stilistisch moderner und innen geräumiger. Im Stil des Chevrolet II wurde für den deutschen Opel-Markt im GM Design Center in Warren, Michigan, eine groß- und glattflächige Karosserielinie entworfen, die sich deutlich vom Vorgänger abhob. Erstmals war auch ein Reihen-Sechszylindermotor mit 2,6 Litern Hubraum und 74 kW/100 PS erhältlich.
Auffällig war wiederum der hohe Anteil an gekauften Kombi-Modellen: von fast 900.000 gebauten Rekord A wurden fast 200.000 Exemplare des Opel Rekord Caravan A gebaut. Das Opel an die Interessenten einer praktischen Kombi-Variante dachte, zahlte sich also durchaus aus.
1965-1966 – Opel Rekord Caravan B

Dem Rekord B war nur eine sehr kurzes Automobilleben beschieden. Im August 1965 vorgestellt, wurde der im August 1966 schon wieder durch den Rekord C abgelöst. Äußerlich hielten sich beim B-Rekord die Veränderungen gegenüber dem Vorgänger in Grenzen, nur an Front und Heck gab es kosmetische Anpassungen. Unter der Haube arbeiteten nun aber überarbeitete Vierzylinder-Motoren zwischen 60 und 90 PS. Der 2,6 Liter-Sechszylinder bliebt weiterhin im Angebot.
Warum der Rekord B nur so kurz gebaut wurde, ist nicht ganz eindeutig geklärt. Die eine Interpretation lautet, er sei ohnehin als Übergangsmodell geplant gewesen. Man wollte ein komplett neu entwickeltes Fahrzeug haben, was allerdings nicht rechtzeitig serienreif wurde und daher nur als „besseres Facelift“ lanciert worden ist. Andere Stimmen führen die eher verhaltenen Verkaufszahlen des B-Rekord an, die Opel veranlassten, die Reißleine zu ziehen, um eine komplett neue Generation im Folgejahr zu präsentieren.
1966-1972 – Opel Rekord Caravan C

Mit dem Rekord C kam schließlich ein ganz neues Modell auf den Markt, das auch mit sechs Jahren Bauzeit deutlich länger am Markt blieb. Auffällig an der Karosserielinie – sowohl bei der Limousine als auch beim Caravan – war der Hüftschwung. Der C-Rekord zählt somit zum Coke Bottle-Design, das an eine liegende Coca Cola-Flasche erinnern soll.
Vorausgegangen waren Diskussionen zwischen Detroit und Rüsselsheim, ob dieser Hüftschwung nicht zu viel für das biedere Nachkriegs-Deutschland war. Zum Glück hat sich damals Detroit durchgesetzt, der Rekord C durchbrach die Marke von einer Million produzierten Fahrzeugen deutlich – wieder mit einem soliden Anteil an Caravan-Varianten.
Damit holte man auch wieder die Konkurrenz aus Köln ein, die mit dem Ford Taunus 17M und Taunus 20M den Opel bei den Zulassungszahlen vorübergehend überholt hatte.

1971-1977 – Opel Rekord Caravan D

Ende 1971 wurden mit dem neu gestalten Rekord D die 70er-Jahre eingeläutet. Zunächst wurde das Fahrzeug als Rekord II bezeichnet, damit er durch die Zusatzbezeichnung D im Namen nicht als Diesel missverstanden wird. Interessanterweise wurde ein Jahr später der Rekord auch mit als 2100 D mit 60 PS starkem Dieselmotor angeboten.
Der Kofferraum der Limousine schrumpfte aufgrund des vergrößerten Tanks, was durchaus ein Argument für den Caravan hätte sein können, den es mit drei oder fünf Türen gab. Neben der Lieferwagen-Variante ohne Heckfenster, die bisher immer im Angebot war.
1977-1986 – Opel Rekord Caravan E
Die letzte Rekord-Baureihe E kam 1977 auf den Markt und unterteilt sich in Generation E1 von 1977 bis 1982 und E2 von 1982 bis zum Produktionsende 1986.
Opel besann sich beim Rekord E wieder auf die erfolgreichen Zutaten der Vorgänger: Technisch aus dem bewährten Regal der vorherigen Generationen bedienen und mit einer frischen Karosserie an den Start gehen. Mit zuverlässiger Technik und in den besseren Motorisierungen guten Fahrleistungen sammelte der Rekord E1 hinreichend Sympathiepunkte. Ein zweiter Dieselmotor war nun auch erhältlich, gerade im Hinblick auf die Märkte in Italien und Frankreich sicher ein sinnvoller Kniff.
Der Rekord E2 ähnelt dem E1 äußerlich deutlich, auffällig ist aber der Trend zur damals populären Keilform, die den cw-Wert im Vergleich zum Vorgänger deutlich senkte.

Mit Auslaufen der Produktion des E2 1986 verabschiedete sich Opel vom ruhmreichen Namen Rekord. Rund zehn Millionen Fahrzeuge wurden gebaut, von diesen Zahlen konnte der Nachfolger Omega nur träumen.
Neben der Gesamtwirkung des Modells auf die Automobilgeschichte, kommt dem Opel Rekord Caravan eine weitere Bedeutung zu. Das konsequente Setzen auf drei- oder später auch fünftürige Kombis machten die Kombinationskraftwagen vielleicht zwar nicht direkt salonfähig. Sie halfen dem bisher eher im Nischendasein befindlichen Mix aus Car und Van aber aus dem Schatten zu treten und am Verkaufstresen und im Stadtbild selbstbewusster aufzutreten.
Fotos Opel Automobile GmbH
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